mini|hochkant|Egon von Vietinghoff 1991, im Alter von 88 Jahren. Egon Arnold Alexis Baron von Vietinghoff (* 6. Februar 1903 in Den Haag, Niederlande; † 14. Oktober 1994 in Zürich) war ein Schweizer Maler, Fachbuchautor und Philosoph der Malerei sowie Gründer der Egon von Vietinghoff-Stiftung.

Egon von Vietinghoff widmete sich der traditionellen europäischen Öl-Harz-Maltechnik und formulierte unter dem Begriff „Visionäre Malerei“ eine auf Transzendenz ausgerichtete Sicht und Wiedergabe der Dinge, die er in seinem Manuskript Das Wesen der bildenden Kunst auch theoretisch vorstellte. Er schuf ein Werk von über 2.700 Ölgemälden und etwa 200 Zeichnungen und Radierungen.

Leben Egon von Vietinghoff wurde als Sohn des deutsch-baltischen Pianisten Conrad Baron von Vietinghoff (1870–1957) (aus dem Hause Salisburg) und der belgisch-holländischen Schriftstellerin Jeanne de Vietinghoff geborene Bricou (1875–1926), jedoch als russischer Untertan in den Niederlanden geboren. Er hatte einen jüngeren Bruder Alexis (1904–1942), der unvermählt in der Schweiz lebte.

Er wuchs in Frankreich, Deutschland und in der Schweiz auf. Mit 16 Jahren verließ er das Gymnasium und begann seine Laufbahn als Maler, die er erst mit 86 Jahren beendete. Seit 1922 war er Schweizer Bürger, lebte zuerst in München und auf Capri, dann in Paris, auf Mallorca, in Buenos Aires (Argentinien), in Las Toscas (Uruguay) und in Zollikon bei Zürich, schließlich von 1940 bis zu seinem Tode in Zürich. Prägendes Erlebnis war eine Fußreise als Jugendlicher durch Spanien und Marokko, deren Eindrücke er bis in die letzten Jahre in Bildern verarbeitete.

Ausstellungen seiner Gemälde fanden zu seinen Lebzeiten vor allem in der Schweiz und im Süden Deutschlands statt. 1989 gründete er in Zürich die gemeinnützige „Egon von Vietinghoff-Stiftung“ mit einer unverkäuflichen Sammlung von 64 seiner Gemälde. Heute besitzt die Stiftung 82 Werke (davon 13 graphische) und ist im Internet präsent. Stiftungszweck ist die Präsentation dieser Sammlung und die "Dokumentation der Kontinuität europäischer Malerei".

Werk Vietinghofs Œuvre umfasst Sujets wie Stillleben, Blumen, Landschaften sowie figürliche Szenen, Akte und Porträts. Er hinterließ ein Werk von über 2.700 Ölgemälden sowie Dutzende von Porträts und Akten als Rötel-Zeichnungen, außerdem Zeichnungen und Skizzen mit Bleistift, Kohle, Tinte, in Tempera und in Öl sowie einige Radierungen. Vietinghoff orientierte sich inhaltlich, technisch, formal und geistig an den Alten Meistern. Seine Werke sind gegenständlich, teils mit impressionistischen Zügen in den Details der Ausführung. Als der abendländischen Tradition der Ölmalerei verbundener Außenseiter blieb er vom Zeitgeist des 20. Jahrhunderts unbeeinflusst.

In 35 Jahren rekonstruierte er autodidaktisch, experimentell und systematisch die mehrschichtige Öl-Harz-Malerei. Zur Untermalung setzte er Tempera ein. Die Summe seiner Werkerfahrungen erschien im „Handbuch zur Technik der Malerei“. Darin definiert er aus der Sicht eines Malers die Transparenz (Transluzenz) von Farben für die traditionelle Maltechnik mit Lasuren: Flüssige Farbaufträge, opak, halbdeckend oder transparent (transluzent), reflektieren das einfallende Licht auf mehreren Ebenen, so dass Tiefenwirkung und Farbdifferenzierungen entstehen, die bei einschichtiger Alla-prima-Malerei nicht zu erreichen sind. Die erzielte Plastizität entsteht aus der Farbe selbst.

In seinem Beitrag zur Theorie der Malerei, „Das Wesen der bildenden Kunst“, stellte Vietinghoff die „visionäre Malerei“ vor, eine auf Transzendenz ausgerichtete Konzeption der bildenden Künste, sowie die Methode „Schule reinen Schauens“, eine meditative Art des Sehens, die zur künstlerischen Vision führt.

Familie Egon von Vietinghoff war viermal verheiratet, zuerst in Rom 1929 mit Marcella Chiaravigliu, geschieden 1940; dann 1941 in Zürich mit Heidi Howald, geschieden 1947. Die dritte Ehe verband ihn 1948 mit aus Schlesien stammenden Gutsbesitzerstochter Maria Juliane (Maritta) Foerster, Scheidung 1952. Die vierte Ehe schloss er in Zürich 1954 mit Liane Lenhoff aus Salzburg. Aus der ersten Ehe stammt die 1931 in Paris geborene Tochter Jeanne Maria Solita, aus Ehe drei der Sohn Alexander Georg Egon, in Zürich geboren 1948. Maritta heiratete 1955 Friedrich Karl von Eggeling.

Publikationen Handbuch zur Technik der Malerei. DuMont Verlag, Köln 1983 und 1991, ISBN 3-7701-1519-8.Da vergriffen, ist es zum kostenlosen Download auf bei der E.v.V.-Stiftung erhältlich. Egon von Vietinghoff – Die Stiftung. (Katalog eigener Werke in der Sammlung der Egon von Vietinghoff-Stiftung mit einem Vorwort des Künstlers). Eigenverlag, Zürich 1990.

Literatur Alexander von Vietinghoff: Die visionäre Malerei des Egon von Vietinghoff. Publikation der Egon von Vietinghoff-Stiftung, Zürich 1997. ISBN 3-9521269-0-X. Bernd Lewandowski, Alexander von Vietinghoff: Die visionäre Malerei des Egon von Vietinghoff. Videoabfilmung einer Tonbildschau, Hamburg 1996. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. A (Uradel. 1959). Band III, Band 21 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. u. a. Ausschuss für adelsrechtlichen Fragen der deutschen Adelsverbände, in Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1959, , S. 455–459–460. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel) 1940. Jahrgang 90, Justus Perthes, Gotha 1939. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Gerader Jahrgang: Uradel. 1922. Jahrgang 72, Justus Perthes, Gotha 1921. (Unvollständig). Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1912. Jahrgang 13, Justus Perthes, Gotha November 1911, S. 894–895.

Weblinks

„Egon von Vietinghoff-Stiftung“

Einzelnachweise

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