mini|Jussuf Abbo fotografiert von Genja Jonas, 1926

Jussuf Abbo, ursprünglich Jussuff Abbu (geboren 14. Februar 1890Akten im: Landesverwaltungsamt Berlin, Abteilung I - Entschädigungsbehörde, Berlin Fehrbelliner Platz. in Safed, Osmanisches Reich; gestorben 29. August 1953 in London) war ein im Deutschen Reich und in Großbritannien tätiger jüdischer Künstler, der aus Palästina stammte.

Leben Jussuff Abbu wurde in eine große jüdische Familie von Landarbeitern geboren. Er gewann ein Stipendium zum Besuch der von der Alliance Israélite Universelle unterhaltenen Schule in Jerusalem. Der deutsche Architekt Otto Hoffmann beschäftigte ihn in seinem Architektenbüro in Jerusalem und vermittelte ihm einen Studienplatz an der Hochschule für bildende Künste in Charlottenburg, wo er ab 1913 Malerei und Bildhauerei studierte. 1919 hatte er ein Meisteratelier an der Akademie der Künste als Bildhauer und wurde Mitglied im Deutschen Künstlerbund, auf dessen 25ster Jahresausstellung (1929 im Kölner Staatenhaus) er mit einem bronzenen Frauentorso und einem Bleiguss vertreten war.s. Katalog Deutscher Künstlerbund Köln 1929. Mai–September 1929 im Staatenhaus, M. DuMont Schauberg, Köln 1929, S. 13: Abbo, Jussuff, Berlin. Kat.nr. 11: Frauen-Torso (br.), 12: Kopf (Bleiguß). Im August 1921 widmete die hannoversche Galerie von Garvens ihm eine Einzelausstellung. Abbo wurde Mitglied der Hannoverschen Sezession. Nachdem er 1923 an einer Kollektiv-Ausstellung im Berliner Kunstsalon Ferdinand Möller teilgenommen hatte, folgte 1926 eine weitere Ausstellung in der Galerie Neue Kunst Fides in Dresden.s. Abbo gehörte in den Zwanziger Jahren zum Freundeskreis von Else Lasker-Schüler, die ein Gedicht auf ihn schrieb.Else Lasker-Schüler: Jussuff Abbu (Gedicht), in: Berliner Börsen-Courier, 15. Juli 1923. Er arbeitete als Bildhauer und brannte in der Werkstatt von Otto Douglas-Hill seine keramischen Arbeiten. mini|Jussuf Abbo in den 1940er Jahren Er musste 1935 mit seiner Frau Ruth Schulz aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Großbritannien emigrieren, er hatte noch die ägyptische Staatsangehörigkeit. Seine Skulpturen musste er zunächst zurücklassen und war dadurch gehindert, mit einer Ausstellungsbeteiligung sein Werk in dem Gastland zu präsentieren und Fuß zu fassen. Er konnte dann 1937 auch nur einen Teil nachholen.Burcu Dogramaci: Scheitern und Bestehen in der Fremde. Deutschsprachige Künstler im britischen Exil nach 1933. In: Uwe Fleckner, Maike Steinkamp, Hendrik Ziegler (Hrsg.): Der Künstler in der Fremde : Migration - Reise - Exil. De Gruyter, Berlin 2015, S. 267 und Anmerkung 8 auf S. 280. Sein Werk wurde in Deutschland als Entartete Kunst gebrandmarkt. 1937 wurden in der Aktion „Entartete Kunst“ aus der Kunsthütte Chemnitz elf Druckgrafiken Abbos beschlagnahmt und vernichtet.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin mini|Berliner Gedenktafel am Haus, Reichpietschufer 92, in Berlin-Tiergarten Abbo erhielt 1937 einen Auftrag für eine Büste des Politikers George Lansbury., bei phm, 2016. 1939 traf er in Paris Charles Despiau. Während des Krieges konnte er sein Atelier in London nicht nutzen und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Abbo zerstörte 1945 aus Enttäuschung einen Großteil der in England entstandenen Werke.

Seine finanzielle Situation sowie Krieg, Flucht und die schwere körperliche Arbeit führen zu körperlichen und seelischen Leiden. Nach langer Krankheit starb Jussuf Abbo am 29. August 1953 in London.

Sein Sohn Jerome Abbo (1935–2016) arbeitete ebenfalls als Bildhauer.

Am 29. August 2018 wurde an seinem ehemaligen Wohnort, Berlin-Tiergarten, Reichpietschufer 92, eine Berliner Gedenktafel enthüllt.

1937 in der Aktion „Entartete Kunst“ aus der Kunsthütte Chemnitz beschlagnahmte und vernichtete Grafiken

Schlafende

Rückenakt, hockend (Lithografie; um 1923)

Weiblicher Akt

Männerkopf

Einladung zu Ausstellung in der Kunsthütte Chemnitz (Lithografie, 1923)

Mädchen Mädchen

Weiblicher Halbakt

Doppelbildnis

Frau

Weiblicher Kopf

Ausstellungen 1919: Berlin, Kunstsalon Paul Cassirer (mit Wilhelm Gerstl) 1921: Hannover, Galerie von Garvens 1923: Hamburg, Graphisches Kabinett Georg Maulhardt 1929: Chemnitz, Kunsthütte 1965: Berlin, Galerie S. Ben Wargin 2019/2020: Hannover, Sprengel-Museum 2019: Berlin, Kunsthaus Dahlem 2020: Berlin, Berlinische Galerie

Literatur

Hajo Hahn (Hrsg.): Der blaue Reiter ist gefallen: Else-Lasker-Schüler-Jubiläumsalmanach, aus Anlass des 25jährigen Bestehens der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft; Dokumentation eines Vierteljahrhunderts und des XX. ELS-Forums vom 27. – 30. März 2014 in Solingen und Wuppertal. Hammer, Wuppertal 2015 [Beiträge über Else Lasker-Schüler und ihre Freundschaft zum Bildhauer Jussuf Abbo].

Dorothea Schöne: Jussuff Abbo. Wienand Verlag, Köln 2019, ISBN 978-3-86832-530-0. Dorothea Schöne: Jussuff Abbo. In: Karin Althaus u. a. (Hrsg.): Kunst und Leben. 1918 bis 1955. Lenbachhaus, München / Deutscher Kunstverlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-88645-210-1, S. 64–67.

Jussuf Abbo. Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafik. Verzeichnis der Bestände des Sprengel Museum Hannover. Sprengel Museum Hannover, 2019. ISBN 978-3-89169-247-9; 3891692471

Weblinks

Private Website zum Werk von Jussuf Abbo Bust of George Lansbury by Jussuf Abbo, 1937, Kurzvita beim People’s History Museum (PHM), Manchester, 2016 Werke von Jussuf Abbo im Bestand der Berlinischen Galerie Grafiken von Jussuf Abbo im Bestand des Jüdischen Museums Berlin Werke von Jussuf Abbo im Bestand des Museum of Modern Art, New York Eintrag zu Jussuf Abbo im Metromod Archiv von Burcu Dogramaci Dorothea Schöne: Abbo, Jussuf, in: NDB-online, veröffentlicht am 1. Juli 2024

Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer (Berlin) Kategorie:Keramiker Kategorie:Moderne Keramik Kategorie:Mitglied im Deutschen Künstlerbund Kategorie:Bildhauer (London) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Ägypter Kategorie:Geboren 1890 Kategorie:Gestorben 1953 Kategorie:Mann