mini|Theresia Bauer in Heidelberg (2022) Theresia Bauer (* 6. April 1965 in Zweibrücken/Pfalz) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie war von Juni 2001 bis Juni 2024 Abgeordnete des Landtags von Baden-Württemberg und vertrat den Wahlkreis Heidelberg. Von Mai 2011 bis September 2022 war sie Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst.Die Ministerin, Website Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, abgerufen im Juni 2020 Seit Juni 2024 ist sie Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung.
Biographie Bauer wurde in Zweibrücken geboren. Sie und ihre drei Geschwister wuchsen in einem katholischen Elternhaus auf. Sie besuchte die Grundschule in Kübelberg und danach das Gymnasium in Homburg/Saar. Nach dem Abitur 1984 studierte sie von 1985 bis 1993 Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Germanistik an der Universität Mannheim und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und schloss ihr Studium mit dem Magistra Artium im Jahr 1993 ab.Theresia Bauer Website der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, abgerufen im Juni 2020
Beruflich tätig war sie von 1992 bis 1993 im Amt für Frauenfragen der Stadt Heidelberg und im Anschluss von 1993 bis 1995 als Referentin für politische Bildung in der Gesellschaft für politische Ökologie. Von 1995 bis zu ihrem Landtagseinzug 2001 war sie Geschäftsführerin der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg. Von 2011 bis 2022 war sie außerdem Vorsitzende der Carl-Zeiss-Stiftung. Am 15. Juni 2024 wurde sie Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung. Zuvor hatte sie ihr Landtagsmandat niedergelegt.
Theresia Bauer hat zwei erwachsene Söhne und lebt in Heidelberg.Die Grünen in Baden-Württemberg Deutschlandfunk Kultur, 17. Februar 2016
Politische Tätigkeit Als Mitglied des Kreisvorstandes der Grünen Bauer ist seit 1987 Mitglied der Partei Die Grünen. Seit 1999 war Theresia Bauer Mitglied im Kreisvorstand Heidelberg der Grünen, von 2003 bis 2011 war sie Vorsitzende des Heidelberger Kreisverbandes. Zwischen 2001 und 2011 war sie Mitglied im Landesvorstand der Partei.
Als Landtagsabgeordnete Ab Juni 2001 war sie Abgeordnete des Landtags von Baden-Württemberg und zog wie 2006 über ein Zweitmandat im Wahlkreis Heidelberg in den Landtag ein. In ihrer Fraktion war sie von Mai 2002 bis 2011 stellvertretende Vorsitzende. Bis 2011 war sie Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie Mitglied im Aufsichtsrat der Landesstiftung Baden-Württemberg.
Bei der Landtagswahl 2011 gewann Theresia Bauer mit 36,7 Prozent erstmals das Direktmandat in ihrem Wahlkreis Heidelberg, welches sie 2016 mit 41,0 Prozent und 2021 mit 41,7 Prozent verteidigen konnte.
Am 14. Juni 2024 legte Bauer ihr Landtagsmandat im Zuge ihrer Ernennung zur Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung nieder. Für sie rückte Marilena Geugjes in den Landtag nach.
Als Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Am 12. Mai 2011 wurde sie im Landtag erstmals als Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst im Kabinett Kretschmann I vereidigt und bekleidete diesen Posten bis September 2022 auch in den Nachfolgeregierungen Kretschmann II und Kretschmann III.
Als Ministerin schaffte sie die Studiengebühren ab, baute Studienplätze im Bachelor- und Masterbereich aus (Ausbau des Programms „Hochschule 2012“, Programm „Master 2016“) und führte die Verfasste Studierendenschaft in Baden-Württemberg (nach ihrer Abschaffung 1977) wieder ein. Anders als einige andere Bundesländer gleicht Baden-Württemberg die durch den Wegfall der Studiengebühren verlorenen Einnahmen der Hochschulen vollständig aus. Die von ihr initiierte Novellierung des Landeshochschulgesetzes erarbeitete sie im ständigen Austausch mit den Hochschulen und konnte sie daher geräuschlos verabschieden lassen. Bauer hat Kommissionen eingesetzt, die sich mit der Reform der Lehrerbildung und mit einer Stärkung der Nachhaltigkeit in der Wissenschaft befassen.Vortrag über Nachhaltigkeit in der Wissenschaft
Im Herbst 2012 entschied sich ein Landesparteitag der baden-württembergischen Grünen für die von Bauer angestrebte Linie, mit Rücksicht auf die historische Bedeutung der Forschungsfreiheit keine Zivilklausel ins Landeshochschulgesetz aufzunehmen und stattdessen die Transparenz im Bereich Drittmittelfinanzierung deutlich zu erhöhen. Am 17. Juli 2013 legte Bauer ein Konzept vor, nach dem an den Musikhochschulen in Baden-Württemberg 4 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden sollten. Dies hätte die Streichung von hunderten Studienplätzen sowie zahlreicher Studiengänge bedeutet und stieß deshalb auf breite Kritik, woraufhin Bauer ihre Planungen aufgab, die Musikhochschulen aber zu stärkerer Profilbildung und Ausrichtung auf die Erfordernisse des Arbeitsmarkts drängte.Bettina Wieselmann: Theresia Bauer im RNZ-Interview: „Wir sind einen großen Schritt weiter“. In: Rhein-Neckar-Zeitung, 18. November 2014.
Hochschulfinanzierungsvertrag, „Perspektive 2020“ Im Januar 2015 wurde der von Bauer maßgeblich verhandelte neue Hochschulfinanzierungsvertrag, „Perspektive 2020“, unterzeichnet. Dadurch erhielten die Hochschulen in Baden-Württemberg bis 2020 vom Land 1,7 Mrd. Euro zusätzliche Mittel, die zum Teil dadurch freigeworden waren, dass der Bund die BAföG-Finanzierung vollständig übernommen hatte. Von diesen gingen 1,1 Mrd. Euro direkt in die Grundfinanzierung. 600 Mio. Euro wurden für die Aufstockung des Hochschulbauprogramms bereitgestellt. Mit dem neuen Vertrag erhielten die Hochschulen deutlich mehr Planungssicherheit. Damit folgte Baden-Württemberg als erstes Bundesland der Empfehlung des Wissenschaftsrats, die Grundfinanzierung der Hochschulen um 3 Prozent pro Jahr zu erhöhen.„Perspektive 2020“ – Milliardenregen für die Hochschulen. In: SWR Landesschau, 9. Januar 2015.
Wiedereinführung der Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger Im Oktober 2016 schlug sie angesichts der enorm steigenden Zahlen der Studierenden die Wiedereinführung der Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger und Zweitstudierende als Maßnahme zur Konsolidierung des baden-württembergischen Haushalts vor.Nicht-EU-Bürger sollen für die Universität zahlen, Süddeutsche Zeitung, 11. Juni 2017 Die Gebühren wurden im Mai 2017 beschlossen. Der Vorschlag umfasste Studiengebühren von 1500 Euro pro Semester für Nicht-EU-Bürger, 650 Euro für Zweitstudierende und die Erhöhung des Verwaltungsbeitrags für alle Studierenden um 10 Euro zum Wintersemester 2017/18.Badische Zeitung: Nicht-EU-Bürger sollen im Südwesten fürs Studium zahlen, 7. Oktober 2016.
Innovationscampus Cyber Valley Mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft startete Bauer 2016 die Initiative Cyber Valley. Sie ist eine der größten Forschungskooperationen für Künstliche Intelligenz in Europa mit Standort in Tübingen. Partner sind neben den Universitäten Tübingen und Stuttgart auch Unternehmen wie Daimler oder Amazon. Für den Aufbau des Cyber Valley investierten das Land und seine Partner in einem ersten Schritt rund 165 Mio. Euro.„Der Computerflüsterer“, Süddeutsche Zeitung, 3. Dezember 2019 Innovationscampus „Heidelberg 4 Life“ Im Frühjahr 2018 setzte sich Bauer für den Bau von zwei Forschungsgebäuden auf dem Innovationscampus in Heidelberg ein. Am Campus des Forschungsnetzwerkes zwischen Universität Heidelberg und der Max-Planck-Gesellschaft, wird an Zellen auf der Nanoebene geforscht. Der Campus ist auf eine Initiative von Nobelpreisträger Stefan Hell entstanden und wird vom Land Baden-Württemberg mit 25 Millionen unterstützt."Wo das Neue in die Welt kommt", Mannheimer Morgen, 10. März 2018
Innovationscampus Mobilität der Zukunft (ICM) Seit Juli 2019 fördert das zu jener Zeit von Bauer geführte Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg den InnovationsCampus Mobilität der Zukunft des Karlsruher Instituts für Technologie und der Universität Stuttgart. Der InnovationsCampus ist ein Schwerpunkt des Wissenschaftsministeriums im "Strategiedialog Automobilwirtschaft" des Landes.
Blasmusikakademien in Plochingen und Staufen Unter Bauers Ägide stellte die Landesregierung für die badische und die württembergische Blasmusik-Akademie bis zum Jahr 2020 18 Millionen Euro bereit. Die Mittel werden für das Neubauvorhaben des Musikzentrums Baden-Württemberg in Plochingen und die Musikakademie des Bundes Deutscher Blasmusik in Staufen verwendet.Millionen für die Blasmusik-Akademie, Stuttgarter Nachrichten, 9. Februar 2017
Mobilitätskonzepte emissionsfreier Campus (Mobility Lab) Im September 2018 startete Bauer den Ideenwettbewerb „Mobilitätskonzepte für einen emissionsfreien Campus“ für die baden-württembergischen Hochschulen. Ziel ist, emissionsfreie Mobilitätskonzepte künftig zum festen Bestandteil der Hochschulen werden zu lassen. Die Initiative ist eingebettet in den Strategiedialog Automobilwirtschaft BW,Kretschmann fordert mehr Tempo bei Umbau der Autoindustrie, Süddeutsche Zeitung, 4. Juli 2019 bei dem über Branchengrenzen hinweg Innovationspotenziale für die Automobilindustrie erforscht werden sollen. Das Wissenschaftsministerium des Landes stellt dafür insgesamt 3,15 Millionen Euro bereit. Ausgezeichnet wurden die Konzepte der Universitäten Stuttgart und Hohenheim, die Hochschule Biberach, der DHBW-Standort Stuttgart und die Hochschule für Technik in Stuttgart.„Am Himmel ist noch Platz“, Deutschlandfunk, 30. Juli 2019„Autonome E-Scooter und intelligente Parkhäuser“, Stuttgarter Zeitung, 6. Oktober 2019
Namibia-Initiative des Landes Baden-Württemberg Bei einem Besuch in Namibia im März 2019 überreichte Ministerin Bauer die im Jahr 1883 von deutschen Kolonialtruppen erbeutete „Witbooi-Bibel und -Peitsche“ und kündigte weitere Initiativen des Bundeslandes Baden-Württemberg an, um die deutsch-namibische Geschichte nicht in Vergessenheit geraten und einen Ausgleich stattfinden zu lassen. „Wir wollen die gemeinsame Kolonialgeschichte auch gemeinsam aufarbeiten und heute ein neues Kapitel der Zusammenarbeit aufschlagen“, sagte sie dazu am 27. Februar in Windhoek. Dazu soll es u. a. Austauschprogramme und Wissenstransfers sowie Kooperationen auf Universitäts- und Archivebene geben. Auch neue Konzepte für die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte sollen erarbeitet werden. Ziele dieses Projektes sind die historischen Quellen des Nationalarchivs besser zugänglich zu machen und den Wissensaustausch zwischen den Ländern zu fördern.
Promotionsverband der Hochschulen für angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg Unter Theresia Bauer wurde 2022 der Promotionsverband der Hochschulen für angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg ins Leben gerufen, der den Hochschulen für angewandte Wissenschaften die Möglichkeit eröffnete, ohne die Universitäten das Promotionsrecht auszuüben.Lukas C. Gundling: Zum Promotionsverband der Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. In: Zeitschrift für Landesverfassungsrecht und Landesverwaltungsrecht (ZLVR) 2/2023, S. 45–55 (online). Es soll damit den Absolventen der Hochschulen für angewandte Wissenschaften ein neuer Weg eröffnet werden, sich wissenschaftlich weiterzuentwickeln und zugleich die Hochschulen als Institution gestärkt werden. Im September 2022 verlieh Bauer dem im Mai 2022 gegründeten Verband das Promotionsrecht.HAW bekommen Promotionsrecht in Baden-Württemberg, Beitrag von Forschung & Lehre vom 17. Juni 2022.Hochschulen für Angewandte Wissenschaften erhalten Promotionsrecht, Pressemitteilung vom 21. September 2022 auf baden-württemberg.de.
Kandidatur als Oberbürgermeisterin für Heidelberg Am 21. März 2022 gab Bauer bekannt, am 6. November 2022 bei der Oberbürgermeisterwahl in Heidelberg zu kandidieren. In diesem Zusammenhang legte sie ihr Ministeramt nieder. Am 28. September 2022 wurde Petra Olschowski als ihre Nachfolgerin vereidigt.Petra Olschowski ist neue Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg swr.de