Die deutsch-spanischen Beziehungen sind die bilateralen diplomatischen und kulturellen Verbindungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Spanien.

Spanien unterhält die Spanische Botschaft in Berlin und Generalkonsulate in Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München und Stuttgart. Ein Honorarkonsul ist in Dresden aktiv.

Deutschland betreibt eine Botschaft in Madrid, ein Generalkonsulat in Barcelona und Konsulate in Las Palmas (auf Gran Canaria), in Málaga und Palma. Honorarkonsuln sind in Aguadulce (Almería), Alicante, Bilbao, Ibiza, Jerez de la Frontera, Mahón (auf Menorca), Playa Blanca (auf Lanzarote), Hernani (Baskenland) bei San Sebastián, Santa Cruz de La Palma, Santa Cruz de Tenerife, Valencia, Vigo und Saragossa tätig.

Beide Staaten sind Mitglieder des Europarates, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Europäischen Union, der Eurozone, des Schengen-Raums, der NATO und der Vereinten Nationen.

Geschichte Verbindungen der beiden geographischen Räume vor Herausbildung der modernen Völker mini|hochkant=2|Islamische Expansion bis zur Schlacht bei Poitiers In der Antike standen sowohl ganz Hispanien als auch die westlichen und südlichen Teile des heutigen Deutschlands unter römischer Herrschaft. Nach der Völkerwanderung der Spätantike beherrschten germanische Stämme auch Gebiete auf der Iberischen Halbinsel, so das Königreich der Sueben (ab 409) und das Westgotenreich (beginnend mit der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts). Ab 711 kam ein Großteil Spaniens unter muslimische Herrschaft. Erst Karl Martell, König des Frankenreichs, das damals u. a. heutige französische und deutsche Territorien umfasste, konnte die Expansion der aus Spanien nach Südwestfrankreich vordringenden Mauren durch die Schlacht von Tours und Poitiers zum Stillstand bringen. Nur im Norden der iberischen Halbinsel hatten sich christliche Reiche behaupten können. Von dort begann ab 722 die bis 1492 andauernde spanische Reconquista.

Alfons X. mini|Alfons X. von Kastilien (Abbildung aus dem Libro de los juegos, 1251–1282) Auch Alfonso X., 1252 bis 1282 König von León und Kastilien, führte einen Kreuzzug gegen die Mauren. Dieser Herrscher war von 1257 bis 1273 auch König (Gegenkönig) des Heiligen Römischen Reiches, was mit seiner Mutter zusammenhing: Seine Abkunft vom deutschen Geschlecht der Hohenstaufen durch seine Mutter Elisabeth, eine Tochter des Königs Philipp von Schwaben, gab ihm das Recht, die schwäbische Linie zu vertreten. Die Wahl der Kurfürsten 1257, nach dem Tod von Wilhelm von Holland 1256, bei der er die gleiche Anzahl Stimmen (beide drei Stimmen) wie der Gegenkandidat Richard von Cornwall erhielt, verführte ihn dazu, über das römisch-deutsche Königtum die prestigeträchtige Kaiserkrone anzustreben; dies wurde jedoch nie verwirklicht, weil er das nötige Geld für einen Romzug nicht aufbringen konnte. Um Geld zu erhalten, verschlechterte er die Münzen und bemühte sich anschließend, die Preissteigerung durch ein eigenwilliges Steuersystem im Griff zu behalten. Der Kleinhandel in seinem Herrschaftsgebiet wurde ruiniert, und die Bürger und Bauern wurden schwer geschädigt. Die einstimmige Wahl Rudolfs I. von Habsburg zum römisch-deutschen König 1273 bedeutete faktisch Alfons’ Absetzung als König des Heiligen Römischen Reiches.

Peter III. von Aragon Peter III. (Aragón) war von 1276 bis zu seinem Tod 1285 König von Aragon. Er heiratete 1262 die aus der Dynastie der Hohenstaufen stammende Konstanze von Sizilien, Tochter des staufischen Königs Manfred, die damit Königin von Aragon wurde. Somit konnte Peter das staufische Erbe Sizilien beanspruchen und eroberte es während eines Aufstandes bzw. Krieges („Sizilianische Vesper“) von den Anjous zurück. Aragon stieg damit zur Großmacht im Mittelmeer auf.Andreas Udo Fitzel: Konstanze von Aragon und Sizilien – die letzte Stauferin. In: Einhorn-Jahrbuch 2011. Einhorn-Verlag, Schwäbisch Gmünd, ISBN 978-3-936373-69-1, S. 77–96.

Karl V. mini|Herrschaftsbereich Karls V. Weinrot: Kastilien Rot: Besitzungen Aragons Orange: Burgundische Besitzungen Gelb: Österreichische Erblande Blassgelb: Heiliges Römisches Reich Abgeschlossen wurde die Reconquista von den Katholischen Königen Königin Isabella I. von Kastilien und König Ferdinand II. von Aragón im Jahr 1492. Im selben Jahr entdeckte der in spanischen Diensten stehende Seefahrer Christoph Kolumbus Amerika und lege damit den Grundstein für das spanische Weltreich. Als Erbe Isabellas, die 1504 verstarb, war ihr Sohn Juan vorgesehen. Er heiratete 1496 Margarete von Burgund, die Tochter des späteren römisch-deutschen Kaisers Maximilian I., doch starb er 1497 ohne Erben. Die jüngere Schwester Johanna heiratete 1497 den Habsburger Philipp den Schönen (1478–1506), der gleichfalls ein Sohn Maximilians war, zudem Herzog von Burgund. Nachdem sich jedoch bei ihr in den Augen der Zeitgenossen Anzeichen von „Wahnsinn“ gezeigt hatten, übernahm Ferdinand die Herrschaft. Mit dem Tod Ferdinands fiel dem ältesten Sohn aus der Ehe Johannas, Karl, das spanische Erbe zu.

mini|hochkant|Kaiser Karl V. herrschte über ein globales Imperium, in dem „die Sonne niemals unterging“; Gemälde von Rubens Um das Erbe zu sichern, schloss Karl 1516 den Vertrag von Noyon zur Verständigung mit Frankreich.Alfred Kohler: Karl V. (1519–1556). In: Die Kaiser der Neuzeit. München 1990, S. 35. 1519 fiel ihm, nachdem sein Großvater Maximilian gestorben war, auch das österreichisch-habsburgische Erbe zu. Er wurde zum römisch-deutschen König gewählt und nahm bei seiner Krönung 1520 den Titel „erwählter Kaiser“ an. Um Maximilians Nachfolge bewarben sich auch Franz I. von Frankreich und Heinrich VIII. von England, schließlich Friedrich von Sachsen, und auch Karls Bruder Ferdinand war zeitweise als Kandidat im Gespräch. Den Ausschlag gab die finanzielle Unterstützung durch die Fugger. Die Gesamtkosten der Wahl lagen bei 851.918 Gulden, davon brachten die Fugger allein 543.585 auf.Michael North: Das Geld und seine Geschichte. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beck, München 1994, S. 86. In Spanien brach der Comuneros-Aufstand gegen die Herrschaft des als landfremd empfundenen Karl aus, der zur Finanzierung seiner Kriege die Steuern erhöht hatte. Der Aufstand wurde vor allem vom Bürgertum der Städte Kastiliens, insbesondere von Toledo getragen. Unterstützung fand er bei Teilen der Geistlichkeit und des Adels. Sein Ziel war es, die königliche Macht zu Gunsten der Cortes zu beschränken. Im Königreich Valencia kam er zu einer sozialrevolutionären Bewegung, der Germanía. Die Aufständischen unter Juan de Padilla wurden 1521 bei Villalar besiegt, der Aufstand 1522 endgültig niedergeschlagen. Nach der Sicherung der Macht wurde Spanien zu einer zentralen Machtbasis des Kaisers.

Kriege mit Frankreich und den Osmanen (1521–1556) Auf europäischer Ebene waren die Kämpfe zwischen Frankreich und den Habsburgern von großer Bedeutung. Für den Kaiser wurde es gefährlich, als der Papst und Venedig immer stärker zur Seite Frankreichs tendierten. 1525 nahmen Karls Truppen Franz I. in der Schlacht bei Pavia gefangen.Horst Rabe: Reich und Glaubensspaltung. Deutschland 1500–1600. München 1989, S. 152. Doch Karl schloss sich den Vorschlägen zu einem maßvollen Frieden an.Alfred Kohler: Karl V., Kaiser. In: Neue Deutsche Biographie. 11 (1977), S. 196; online. Dies führte 1526 zur Unterzeichnung des Vertrags von Madrid, in dem Frankreich auf seine Ansprüche in Norditalien verzichtete. Karl hoffte, Franz zum gemeinsamen Kampf gegen die Osmanen und gegen die Lutheraner bewegen zu können.Horst Rabe: Reich und Glaubensspaltung. Deutschland 1500–1600. München 1989, S. 153. Doch nachdem Franz wieder frei war, widerrief er den Vertrag. Ihm gelang es, mit der Heiligen Liga von Cognac aus dem Papst, Venedig, Florenz und schließlich sogar Mailand Verbündete zu gewinnen.

Teilung des Habsburgerreiches, Philipp II. (1556–1598) mini|hochkant|Barbara Blomberg mit Kaiser Karl V. (Holzstich von 1894) Als Karl V. 1556 die Regierung niederlegte, verlor Spanien die österreichischen Besitzungen des Hauses Habsburg und die Kaiserkrone, behielt jedoch die Niederlande, die Freigrafschaft Burgund, das Herzogtum Mailand, sowie die Königreiche Neapel, Sizilien und Sardinien. 1570 heiratete sein Sohn und Nachfolger Philipp II. Anna von Österreich (1549–1580), die Mutter des Thronfolgers Philipp wurde.

Im 16. Jahrhundert war das Osmanische Reich eine expansive Großmacht. Venedig und Spanien entsandten eine gemeinsame Flotte in das östliche Mittelmeer, die in der Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571 gegen die Türken siegte. Zwar war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation kein Teil der Heiligen Liga, allerdings war ihr Oberbefehlshaber Juan de Austria, ein außerehelicher Sohn Kaiser Karls V. und der bürgerlichen Regensburger Gürtlerstochter Barbara Blomberg.

Spanischer Erbfolgekrieg (1701–1714) Das Aussterben der spanischen Habsburger löste 1701 den Spanischen Erbfolgekrieg aus. Die Haager Große Allianz um den österreichisch-habsburgischen Kaiser, das Heilige Römische Reich, England bzw. Großbritannien und die Niederlande kämpfte gegen Frankreich und seine Verbündeten Kurköln, SavoyenDas Herzogtum Savoyen war Teil der bourbonischen Allianz bis 8. November 1703, wechselte dann aber die Seiten und schloss sich der Haager Großen Allianz und damit den Habsburgern an. und das Kurfürstentum Bayern. Der Krieg nahm mit dem Tod von Joseph I. eine für Habsburg ungünstige Wende, allerdings erschütterte er auch die Kräfte Frankreichs. Das österreichische Haus Habsburg war unter Leopold I. und Joseph I. dennoch zur europäischen Großmacht geworden. Letztlich gelang es Frankreich, Philipp V. als König von Spanien durchzusetzen. Damit wurde die auch heute wieder amtierende Dynastie der Bourbonen in Spanien begründet. Fast alle an dem Krieg beteiligten Mächte hatten am Ende des Krieges zumindest Teilerfolge erzielt.

19. Jahrhundert mini|hochkant|Leopold von Hohenzollern: Spanische Thronfolgestreitigkeiten führen zum Deutsch-Französischen Krieg 1869 proklamierten die spanischen Cortes eine neue Verfassung, die als Regierungsform eine parlamentarische Monarchie vorsah. Ein vielversprechender Königskandidat war Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, Spross einer katholischen Nebenlinie der Hohenzollern. Er ließ sich im Frühjahr 1870 von Otto von Bismarck überreden, die Kandidatur anzunehmen. Schon bald trat Leopold von seiner Kandidatur wieder zurück, da Frankreich mit Krieg drohte. Der französische Einspruch gegen Leopold bzw. das französische Verlangen „dass S. Maj. Der [preußische] König sich für alle Zukunft verpflichte, niemals wieder seine Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf ihre Kandidatur wieder zurückkommen sollten“ – wie es die von Otto von Bismarck redigierte und damit bewusst zugespitzte Emser Depesche darstellt, führte zum Deutsch-Französischen Krieg. Der Sieg Preußens und seiner Verbündeten resultierte 1871 in der Deutschen Einigung. Während Reichskanzler Bismarck das Deutsche Reich als „saturiert“ bezeichnete, um den neuen Machtfaktor in Europas Mitte in das Konzert der Mächte einfügen zu können, forderte Kaiser Wilhelm II. (Kaiser ab 1888) später „einen Platz an der Sonne“ für die Deutschen. Im Zuge seiner Weltmachtpolitik kam Deutschland in der Karolinenfrage auch mit Spanien in Konflikt, obwohl dieses damals sowieso bereits den Großteil seiner Kolonien verloren hatte. Der Deutsch-Spanische Vertrag von 1899, erzwang, dass Spanien die Karolinen, die nördlichen Marianen und Palau an Deutschland abtreten musste. Die Südsee-Gebiete im Pazifik bildeten danach einen Teil Deutsch-Neuguinea.

20. Jahrhundert Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) blieb Spanien neutral, während Deutschland und die anderen Mittelmächte den Krieg gegen die Triple Entente verloren. Dies führte zur Abdankung aller deutschen Monarchen.