Die Aussprache der spanischen Sprache, fonología del español weicht zum Teil erheblich von der der deutschen Sprache ab. So treten z. B. im Spanischen viele dem Deutschen fremde Reibe- und Dentallaute, consonantes fricativas y dentales auf. Viele spanische Konsonanten müssen anders als im Deutschen ausgesprochen werden, um verstanden zu werden oder um Missverständnissen vorzubeugen.Manuel Alvar (Hrsg.): Manual de dialectología hispánica: el español de España. Ariel, Barcelona 1996, ISBN 84-344-8217-7Reinhard Meyer-Herman: Spanisch. In: Thorsten Roelcke (Hrsg.): Variationstypologie / Variation Typology. Ein sprachtypologisches Handbuch der europäischen Sprachen in Geschichte und Gegenwart / A Typological Handbook of European Languages Past an Present. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-016083-8, S. 449–479, Textauszug, online (PDF)
Zusammenhang zwischen Aussprache und Schreibweise Bis auf wenige Ausnahmen ist im Standardspanisch aufgrund der Schreibweise eines spanischen Wortes seine Aussprache genau festgelegt.
Dementsprechend werden im Spanischen Fremdwörter in der Regel sehr schnell der spanischen Schreibung angepasst, wenn sie nicht gleich durch rein spanische Wörter ersetzt werden. So ist es ganz selbstverständlich, englische Ausdrücke wie „whisky“ oder „standard“ „güisqui“ oder „estándar“ zu schreiben. Sogar Abkürzungen wie „CD-ROM“ können zu „cederrón“ transformieren, so wie es gesprochen wird.
+ Aussprache abhängig von der Umgebung z c qu j g gu gü außer vor e und i [θ] [k] — [x] [g] [gu] — vor e oder i — [θ] [k] [x] [x] [g] [gu] Bedingt durch Regeln, die einem Buchstaben je nach Umgebung verschiedenen Lautwert zuweisen, kann die Schreibung eines Lautes wechseln, wenn die Umgebung des Lautes im Wort sich verändert, gerade um die gleiche Aussprache zu signalisieren: c → z: vencer (siegen) – venzo g → j: dirigir (lenken) – dirijo g → gu: pagar (zahlen) – pagué gu → g: distinguir (unterscheiden) – distingo gu → gü: aguar (wässern) – agüé z → c: cruzar (kreuzen) – cruce c → qu: empacar (einpacken) – empaque
Bei Diphthongen im Infinitiv kann die Betonung im presente unterschiedlich sein (Aussprache als zwei statt einer Silbe) und wird durch den Akzent gekennzeichnet: evacuar (evakuieren) – evacuo acentuar (akzentuieren) – acentúo
Der unbetonte Gleitlaut /i/ wird zwischen Vokalen als y geschrieben: construír (erbauen) – construyo
Steht am Wortanfang ein Diphthong, der mit i beginnt, so wird stattdessen ein y geschrieben. Gleiches gilt, wenn am Wortende ein Diphthong steht, der mit i endet. Steht am Wortanfang ein Diphthong, der mit u beginnt, so wird ein h vorangesetzt: errar (irren) – yerro (ich irre) reino (Königreich) – rey (König) oler (riechen) – huelo (ich rieche)
Umgekehrt ergibt sich auch die Schreibung größtenteils aus der Aussprache. Zweideutigkeiten ergeben sich vor allem durch die identische Aussprache von b und v, das stumme h (hora – orar) und beim /x/-Laut vor e und i (tejer – coger), außerdem in Sprachvarianten mit Yeísmo und Seseo/Ceceo durch den Verlust von Phonemen.
Betonung
Spanische Wörter werden in der Regel auf der vorletzten Silbe betont, wenn sie auf einen Vokal oder die Konsonanten n oder s enden. Sie werden auf der letzten Silbe betont, wenn sie auf einen anderen Konsonanten als n oder s enden. In allen davon abweichenden Fällen wird die Betonung durch einen Akzent (Akut) angezeigt.
Vokale Man unterteilt Vokale in die hinteren oder velaren und die vorderen oder palatalen Selbstlaute. In dem einfachen Vokalsystem wie dem Lateinischen, der Vorläufersprache des Spanischen, waren /u/, /o/ und /a/ die hinteren, /e/ und /i/ die vorderen Vokale.Christianlehmann.eu
Artikulatorisch werden die Vokale nach der Artikulationsstelle, der Zungenlage, altura de la lengua, der Mundstellung, abertura de las mandíbulas, der Lippenstellung, posición de la lengua und dem Atemluftstromdurchgang in Abhängigkeit von der Stellung des Gaumensegels, posición del velo del paladar beschrieben. Mit nur fünf Vokalphonemen: /i/ /u/ /e/ /o/ /a/ zeigt das spanische Phonemsystem eine wesentlich kleinere Vielfalt als das deutsche mit sechzehn Vokalphonemen: /i/ /y/ /I/ /Y/ /e/ /ø/ /ε/ /ε:/ /u/ /U/ etc.Ursula Hirschfeld: Spanisch. Universität Leipzig, S. 4–5
Im Spanischen wird, anders als im Deutschen, nicht zwischen kurzen und langen Vokalen unterschieden. Die Vokale werden immer halblang gesprochen. Bei vokalischem Anlaut entfällt der für das Deutsche typische Knacklaut. mini|400px|Messungen der ersten Formanten der spanischen Vokale (Bradlow, 1995); in Zuordnung zu den Frequenzen (Hz) (Artikulation)
+ Formanten der Vokale F1 bzw. F2 Vokal Formant F1 Formant F2 u 320 Hz 800 Hz o 500 Hz 1000 Hz å 700 Hz 1150 Hz a 1000 Hz 1400 Hz ö 500 Hz 1500 Hz ü 320 Hz 1650 Hz ä 700 Hz 1800 Hz e 500 Hz 2300 Hz i 320 Hz 3200 Hz
+ Vokalformanten Vokal Hauptbereich der Formanten /u/ 200…400 Hz /o/ 400…600 Hz /a/ 800…1200 Hz /e/ 400…600 und 2200…2600 Hz /i/ 200…400 und 3000…3500 Hz Der a-Laut ähnelt dem deutschen kurzen (offenen) a, während i-Laut und u-Laut den langen (geschlossenen) Vokalen im Deutschen gleichen. Der e-Laut und der o-Laut des Spanischen haben eine mittlere Höhe und daher kein genaues Gegenstück im Hochdeutschen.
Monophthonge Das Spanische besitzt fünf Monophthonge.
+ Monophthonge des Spanischen vorne zentral hinten geschlossen mittel offen
Aussprachehilfe für Deutschsprachige: a ([ä]), gesprochen wie im deutschen Wort Fass e ([e̞]), leicht geschlossener gesprochen als im Wort Bett i ([i]), halb so lang gesprochen wie im deutschen Wort Lied o ([o̞]), leicht geschlossener gesprochen als im Wort Gott u ([u]), halb so lang gesprochen wie im deutschen Wort Mut
Diphthonge + Diphthonge der spanischen Sprache IPA Beispiel Bedeutung Aussprachehilfe für Deutschsprachige fallend rey König wie ai im englischen Wort pain aire Luft wie ei im deutschen Wort klein hoy heute wie eu im deutschen Wort heute muy sehr wie ui im deutschen Wort pfui neutro neutral wie e-u hintereinander, jedoch nicht wie das deutsche eu pausa Pause wie au im deutschen Wort Haus bou wie o im englischen Wort home (amerikanisches Englisch!) steigend tierra Erde wie je hacia in Richtung (auf) wie ja radio Radio wie jo viuda Witwe wie ju fuimos wir gingen wie englisches w+i (Ausnahmen: gui → gi; qui → ki) fuego Feuer wie englisches w+e (Ausnahmen: gue → ge; que → ke) cuadro Bild wie englisches w+a cuota Quote wie englisches w+o
In einigen Fällen, in denen eine Silbe mit Gue oder Gui beginnt, wird zur eindeutigen Kennzeichnung der Aussprache ein Trema (Dieresis) verwendet: guey wird wie [], güey wird wie [] ausgesprochen.
Triphthonge Triphthonge im Spanischen sind: uei (uey) [we̞j], wie er im Wort buey („Ochse“) vorkommt und uai (uay) [wäj], wie im Wort Uruguay.
Konsonanten Die spanische Sprache besitzt 24 Konsonanten. Die Frikative sind Allophone von .
+ Spanische Konsonanten (Kastilisch) bilabial labio-dental dental alveolar post-alveolar palatal velar Plosive Affrikaten Nasale Flaps/Vibranten Frikative () Approximanten Laterale Approx. ()
Quelle: SAMPA für Spanisch
Eine Unterscheidung der Laute /ʎ/ und /ʝ/ bzw. /j/ erfolgt nicht im gesamten spanischsprachigen Raum, siehe dazu den Artikel zum Yeísmo. Konsonant(Graphem,Schreib-weise) IPA(Laut) ungefähreEntsprechung Beschreibung BemerkungB, b b dt. b [b] stimmhaftbilabialexplosiv am Wortanfang und hinter m/n (m) β̞ Mittel zwischen v [v] und b [b] mit verminderter Reibung stimmhaftbilabialapproximant an allen anderen PositionenC, c k unaspiriertes dt. k [kʰ] stimmlosvelarexplosiv vor a [ä], o [o̞], u [u] θ engl. th [θ] stimmlosdentalfrikativ C, c (vor e [e̞], i [i]) wird in Lateinamerika und Südspanien [s̻] gesprochen, was auch in Spanien verstanden wird und als Ersatzaussprache dienen kann. Ch, ch ʧ entlabialisiertes dt. tsch [ʧʷ] stimmlospalato-alveolaraffrikatD, d d̪ dentales dt. d [d] stimmhaftdentalexplosiv am Wortanfang und hinter l [l] und n [n] Zwischen Vokalen wird es in manchen Dialekten weggelassen. ð̞ engl. th [ð] mit verminderter Reibung stimmhaftdentalapproximant an allen anderen Positionen F, f f dt. f stimmloslabiodentalfrikativG, g ɡ dt. g [ɡ] stimmhaftvelarexplosiv am Wortanfang und hinter n ([ŋ]) ɰ stimmhaftes dt. ch [x] mit verminderter Reibung stimmhaftvelarapproximant vor a [ä], o [o̞], u [u] und nach Konsonanten(außer n [ŋ]) x dt. ch [x] stimmlosvelarfrikativ in Lateinamerika und Südspanien [h] H, h das h wird im Spanischen nicht gesprochen J, j x dt. ch [x] stimmlosvelarfrikativ in Lateinamerika und Südspanien [h] K, k k unaspiriertes dt. k [kʰ] stimmlosvelarexplosiv nur in FremdwörternL, l l dt. l [l] stimmhaftlateralalveolarapproximant an allen anderen Positionen l̪ dentales dt. l [l] stimmhaftlateraldentalapproximant vor d und t Ll, ll ʎ() dt. j [j] stimmhaft,lateral,palatal,approximant(stimmhaft,palatal,approximant) M, m m dt. m [m] stimmhaftbilabialnasalN, n n dt. n [n] stimmhaftalveolarnasal an allen anderen Positionen dt. m [m] stimmhaftbilabialnasal vor Bilabialen ([m], [b], [p]) dt. ng [ŋ] stimmhaftvelarnasal vor Velaren ([ɡ], [k]) Ñ, ñ ɲ Mittel zwischen ng [ŋ] und j [j] stimmhaftpalatalnasal P, p p unaspiriertes dt. p [pʰ] stimmlosbilabialexplosiv Qu, qu k unaspiriertes dt. k [kʰ] stimmlosvelarexplosiv qu entspricht dem spanisch k und c(vor [ä], o [o̞], u [u])R, r ɾ stimmhaftalveolarflap an allen anderen Positionen stimmhaftalveolarvibrant am Wortanfang und hinter n [n], l [l] und s [s̺] rr r stimmhaftalveolarvibrant S, s s̺ apikales dt. s [s] stimmlosapikalalveolarfrikativ T, t [] unaspiriertes dentales dt. t [t] stimmlosdentalexplosivV, v b dt. b stimmhaftbilabialexplosiv am Wortanfang und hinter m/n (m) β̞ Mittel zwischen v [v] und b [b] mit verminderter Reibung stimmhaftbilabialapproximant an allen anderen PositionenW, w b dt. b stimmhaftbilabialexplosivw kommt nur in Fremdwörtern vor und wird meist wie das spanische v oder gu (bzw. gü vor e und i) gesprochen β̞ Mittel zwischen v [v] und b [b] mit verminderter Reibung stimmhaftbilabialapproximant an allen anderen Positionen X, x ks̺ unaspiriertes dt. [k] und apikales dt. [s] als x x wird in der Regel wie ks ([ks̺]) gesprochen, selten auch [s̺] oder hist. [x], z. B. México Y j dt. j stimmhaftpalatalapproximant Z θ engl. th stimmlosdentalfrikativ Z, z wird in Lateinamerika und Südspanien [s̻] gesprochen, was auch in Spanien verstanden wird und als Ersatzaussprache dienen kann.
Historische Entwicklungen Das System der Konsonanten des Spanischen erlebte seit dem 16. Jahrhundert (Mittelspanisch) zahlreiche Veränderungen: das lateinische , das sich zu anlautendem gewandelt hatte, verstummte (wurde jedoch in der Orthografie bewahrt). der stimmhafte bilabiale Frikativ (im Allgemeinen geschrieben mit u oder v) fiel mit dem bilabialen stimmhaften Plosiv zusammen. Die Buchstaben v und b stehen heutzutage weder für verschiedene Laute, noch für Laute des mittelalterlichen Spanisch. Es handelt sich um eine etymologische Unterscheidung mit Wurzeln im Lateinischen. der stimmhafte alveolare Frikativ (der sich als s zwischen Vokalen schreibt bzw. schrieb) fiel mit dem stimmlosen zusammen (zwischen Vokalen ursprünglich ss geschrieben). der stimmhafte alveolare Frikativ (geschrieben z) fiel mit zusammen (geschrieben mit Cedille ç, oder c vor den Vokalen e und i). verschob sich anschließend zu , das sich z schreibt, oder c, wenn es e oder i vorangeht. In Amerika, Andalusien und auf den Kanaren fiel dieser Laut außerdem mit zusammen (Seseo). (geschrieben j, oder g vor e oder i) war stimmhafter postalveolarer Frikativ, fiel aber mit dem stimmlosen zusammen (geschrieben x, z. B. bei Quixote), und wurde im 17. Jahrhundert zum heutigen velaren Laut . In vielen Ländern Lateinamerikas stehen diese Buchstaben für den Laut .