mini|hochkant|Johann Lukas Schönlein, vor 1840 mini|Büste Schönleins in Bamberg am Schönleinsplatz

Johann Lukas Schönlein oder Johann Lucas Schönlein, geboren als Johann Schönlein (* 30. November 1793 in Bamberg; † 23. Januar 1864 ebenda), war ein deutscher Mediziner, Internist und Pathologe, Hochschullehrer (Professor der Medizin und Lehrstuhlinhaber), Medizinhistoriker,Robert Herrlinger: Die Entwicklung des medizinhistorischen Unterrichts an der Julius-Maximilians-Universität. In: Mitteilungen aus dem Georg Sticker-Institut für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg. Heft 1, März 1957, S. 1–8, hier: S. 3–4. MäzenKarl K. Walther: Menschenfreund, Mäzen & Mediziner: zum 200. Geburtstag von Johann Lukas Schönlein. In: Fränkischer Tag, (Bamberg) Band 268 vom 20. November 1993, S. 2.Karl K. Walther: Schönleine – scharf beobachtet: mehr als Mediziner und Mäzen: der Professor und die Politik. In: Fränkischer Tag vom 11. Juni 1994, S. 2. und Paläobotaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“ Schönlein steht für die Wende vom naturphilosophischen zum naturwissenschaftlichen Arzttum und gilt als Begründer der modernen klinischen Methode in Deutschland.Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 38.

Leben Ausbildung Johann Schönlein, Sohn eines Seilermeisters, wurde in 1793 in Bamberg geboren, wo er das Gymnasium besuchte. Er studierte Naturwissenschaften und Medizin, ab 1811 in Landshut (unter anderem bei Andreas Röschlaub, Friedrich Tiedemann und dem Chirurgen und Pathologen Philipp Franz von Walther) und von 1813 bis 1816 in Würzburg (unter anderem bei dem Anatomen und Physiologen Ignaz Döllinger). Schönlein war Mitglied einer geheimen Studentenverbindung. Den zweiten Vornamen Lucas bzw. Lukas (nach dem Apostel und Ärztepatron) gab er sich selbst.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 231–232 und 419. 1816 verfasste er bei Döllinger seine Dissertation Von der Hirnmetamorphose über vergleichende embryonale Gehirnentwicklung bei Säugetieren und Menschen. Es folgten zwei praktische Jahre am Allgemeinen Krankenhaus in Bamberg sowie in Jena (bei Lorenz Oken), Göttingen und München. Seine Proberelation (dem heutigen medizinischen Staatsexamen entsprechend) bestand er 1817 in Würzburg.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 232–233.

Würzburg mini|Johann Lukas Schönlein

Im Jahr 1817 habilitierte er sich an der Universität Würzburg für die Pathologische Anatomie. Als erster Privatdozent dieses Faches Deutschlands lehrte er ab 1817 in Würzburg im Gartenpavillon des Juliusspitals, wo bereits 1720 anatomische und chirurgische Demonstrationen stattgefunden hatten.Robert Schwab: Über die Bedeutung des Juliusspitals für die Entwicklung der Inneren Medizin. In: Das Juliusspital Würzburg in Vergangenheit und Gegenwart: Festschrift aus Anlaß der Einweihung der wiederaufgebauten Pfarrkirche des Juliusspitals am 16. Juli 1953. Hrsg. vom Oberpflegeamt des Juliusspitals. Würzburg 1953, S. 14–24, hier: S. 19–20. Eine von ihm 1818 angestrebte Stelle als Würzburger Stadtphysikus erhielt sein Mitbewerber Georg Ernst Vend (1781–1831). 1819 wurde der Oberarzt Schönlein, diesmal gegenüber seinem Mitbewerber Vend bevorzugt, außerordentlicher Professor für Innere Medizin bzw. für spezielle Therapie, hielt zunächst stellvertretend für den erkrankten Nicolaus Anton Friedreich den klinischen Unterricht und wurde mit der provisorischen Leitung der über etwa 200 Betten verfügenden Medizinischen Klinik des Juliusspitals betraut. Im selben Jahr erhielt er auch eine Ehrenpromotion von der Philosophischen Fakultät. Einen Ruf nach Freiburg im Breisgau lehnte er ab.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 229, 231, 233, 236 und 443. 1824 wurde er ordentlicher Professor für Spezielle Pathologie und TherapieWerner E. Gerabek und Barbara I. Tshisuaka: Schönlein, Johann Lukas. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. Hrsg. von Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil und Wolfgang Wegner, Walter de Gruyter, Berlin und New York 2005 (ISBN 3-11-015714-4), S. 1305–1306, hier: S. 1305. und ab 21. Juni 1826Vgl. auch Dorothea Caspary: Johann Lukas Schönlein in seiner Würzburger Zeit 1813–1833. Quellen- und Literaturstudie. Medizinische Dissertation Würzburg 1972. (nach der endgültigen Emeritierung Friedreichs und dem Eintritt Anton Müllers in den Ruhestand) auch Leiter der Medizinischen Klinik bzw. der medizinisch-klinischen Anstalten des Juliusspitals,Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 230, 233–234 und 326. wo er nach der 1825 erfolgten Pensionierung Anton Müllers wie schon in den Sommersemestern 1822 und 1823 im Rahmen seiner Vorlesung über „Spezielle Therapie“ zu einem geringen Teil auch die von ihm ansonsten mit nur wenig Engagement betriebene Psychiatrievgl. Erich Ebstein: Aus Schönleins psychiatrischer Lehrtätigkeit in Würzburg. In: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. Band 38, 1918, S. 322–328. lehrte,Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 292 und 326–328. wobei Thomas August Ruland ab dem Wintersemester 1823/1824 die Vorlesungen über psychiatrische Krankheiten übernommen hatte. 1826/1827 vertrat Schönlein die Medizinische Fakultät als Dekan.

Zu Schönleins vielen Schülern am Juliusspital, zu deren Ausbildung er auch einen konsequenten Unterricht am Krankenbett durchführte, gehörten Carl Friedrich Canstatt (promoviert 1831), Gottfried Eisenmann (Redakteur beim Volksblatt und wie Schönlein und der mit beiden befreundete liberale Würzburger Oberbürgermeister Wilhelm Joseph Behr 1832 politischer Umtriebe verdächtigt), Johann Joseph von Scherer, Rudolf Wagner, 1819/1820 Philipp Jakob Kußmaul (1790–1850, Vater von Adolf Kußmaul), Carl Friedrich von Marcus (ehemals Nachhilfeschüler Schönleins in Bamberg, am Juliusspital Assistent von 1821 bis 1824, später Leutershausener und Aichacher Gerichtsarzt und ab 1832/1833 Schönleins Nachfolger), der spätere Königshofener Gerichtsarzt Carl Medicus (* 1799; von 1822 bis 1825), Joseph Heine, August Siebert, Karl von Pfeufer und Franz von RineckerVgl. auch Klaus Guth: Johann Lukas Schönlein (1793–1864). Zur Bedeutung von Herkunft, Bildung und Ausbildung im Leben des jungen Arztes: eine Nachlese zum Schoenlein-Jahr 1993. In: Berichte des Historischen Vereins Bamberg. Band 130, 1994, S. 165–179. sowie Johann Jakob Hergenröther (Sohn von Joseph Hergenröther), Hermann OettingerGeorg B. Gruber: Hundert Jahre Münchener Medizinische Wochenschrift. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 1–10, hier: S. 1. und Philipp Franz von Siebold. Weitere Assistenten an der Medizinischen Klinik unter Schönlein waren etwa der spätere Würzburger Armenarzt Johann Baptist Herz (1802–1865), Conrad Heinrich Fuchs (habilitiert 1831) sowie ab 1831 der pathologische Anatom und Vorgänger Rudolf Virchows (Adam) Bernhard Mohr (1809–1849, Sohn eines Würzburger Bankiers, später Professor der Pathologischen Anatomie in Würzburg).Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 198, 229, 231, 233, 236, 240, 244, 246, 326–327, 376, 439, 444–445, 518, 546–548, 573 und 773.

Im Herbst 1832 aus politischen GründenVgl. auch Carl Köhl: Fränkische Hochverräter. Bürgermeister Behr, Universitätsprofessor Schönlein. Deutscher Verlag, Würzburg 1919. „im Rahmen einer Demagogenverfolgung“ nach dem Hambacher Fest seiner akademischen Ämter in Würzburg enthoben, flüchtete der liberale Schönlein vor den Nachstellungen der bayerischen Regierung nach Zürich, wo er, statt die vom König angewiesene Position als Kreismedizinalrat Passau in Unterdonaukreis anzutreten, 1833 einen Ruf als Professor für klinische Medizin und Leiter des Krankenhauses an der neugegründeten Universität Zürich annahm. Sein Nachfolger als Direktor der Medizinischen Klinik in Würzburg wurde im Dezember 1832 sein ehemaliger Schüler Marcus, der die Ideen der naturhistorischen Schule in der Tradition Schönleins fortführte und sich im Vergleich zu Schönlein auch stärker für die psychiatrische Abteilung einsetzte.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 150, 244–249, 328–329, 376 und 447.

Zürich und Berlin Neben seiner Tätigkeit als Dozent war er auch in den Neubau des Kantonsspitals involviert und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich. Dort gehörten unter anderen Wilhelm Griesinger und Hermann Lebert zu seinen Schülern, zu seinen Patienten der französische Kaiser Napoleon III. und der Dichter und ab 1836 als Privatdozent der Medizin in Zürich tätige Georg Büchner.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 244–245.

Im Jahr 1839 folgte Schönlein einem Ruf an die Universität Berlin, wo er 1840 an der Inneren Klinik der Berliner Charité tätig und Ordinarius wurde, als Privatarzt tätig war und ab 1842 Leibarzt des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. wurde. In Berlin war er unter anderem Lehrer von Robert Remak,Vgl. auch Alexander Nowicki: Darstellung der Beziehung J. L. Schönlein und R. Remak, anhand überlieferten Schrifttums. Erste Schritte auf dem Gebiet der medizinischen Mykologie. Medizinische Dissertation Würzburg 1985. Ludwig Traube und Rudolf Virchow. Im Jahr 1844 wurde er als Mitglied der Leopoldina gewählt.

Sein Sohn Philipp Schönlein (1834–1856) starb während einer Forschungsreise auf Cape Palmas (heute in Liberia).Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 233 und 840.

Letzte Jahre in Bamberg Nach dem Thronverzicht des Königs im Jahr 1858 trat Johann Lukas Schönlein, der seit den 1850er Jahren an einer vergrößerten Schilddrüse litt, 1859 in den Ruhestand und kehrte in seine Heimatstadt Bamberg zurück, wo er sich nun intensiver mit seinen umfangreichen Sammlungen befasste und 1864 in seiner Villa starb.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. 2001, S. 233 und 245.

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