Die französisch-österreichischen Beziehungen gehen bis in das 14. Jahrhundert zurück, wobei deren Geschichte sowohl von Konflikten als auch von Zusammenarbeit geprägt ist. Die beiden Länder haben im Laufe ihrer Geschichte sowohl die Rolle der Gegner, Verbündeten, aber auch gegenseitigen Unterstützer eingenommen. Die Heirat zwischen Marie-Antoinette von Österreich-Lothringen und Ludwig XVI. stellte dabei ein Zeugnis des Bündnisses dar, das später in mehreren militärischen Konflikten und anschließenden Friedensverhandlungen auf die Probe gestellt wurde.
Als Partner in der Europäischen Union herrscht heute eine gute Basis für Zusammenarbeit und es gibt in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht einen regen Austausch dieser beiden Länder, wobei auf gemeinsames Vorankommen gesetzt wird.
Geschichte Beziehungen Frankreichs zur Habsburgermonarchie vor 1804 Der Konflikt um die Vorherrschaft in Europa zwischen Habsburg und Frankreich
Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hatte sich auf dem Boden des alten Lotharingien beiderseits der französisch-deutschen Sprachgrenze der burgundische Staat zu bilden begonnen. Dieser setzte sich aus verschiedenen, weder national noch wirtschaftlich oder kulturell einheitlichen, Ländern zusammen und stieg im 15. Jahrhundert zur europäischen Großmacht auf. Man nannte den neuen Staat „das Große Herzogtum des Abendlandes“, da es an Macht und Reichtum die meisten Monarchien Europas übertraf. Was diesem Staatsbau jedoch fehlte, war eine Königskrone. Unter dem letzten Herzog, Karl dem Kühnen, sollte sich dies jedoch ändern. Denn er hatte vor, eine burgundisch-habsburgische Verbindung einzugehen, mit dem er sich erhoffte, dass das Staatsgeflecht zum Königtum erhoben wird.
Als im Januar 1477 Karl der Kühne in der Schlacht von Nancy fiel, ohne einen männlichen Erben zu hinterlassen, endete die Autonomie des burgundischen Herzogtums. Karl der Kühne hatte zuvor das Versprechen gegeben, dass seine Tochter Maria von Burgund mit Maximilian I., dem Sohn von Kaiser Friedrich III., verheiratet werden sollte, was noch im selben Jahr geschah. Mit dieser Hochzeit sollte jedoch ein Konflikt ausbrechen, der jahrhundertelang zwischen Frankreich und den Habsburgern andauerte.
Maximilian I. machte nämlich im Namen von Karls Erbtochter Maria von Burgund ebenso Ansprüche auf das burgundische Erbe geltend, wie es auch der französische König Ludwig XI. aus dem Haus Valois, dem die Herzöge von Burgund entstammten, tat. Es folgten von 1477 bis 1482 und von 1487 bis 1493 währende burgundische Erbfolgekriege. 1493 konnte schließlich mit König Karl VIII. von Frankreich der Friede von Senlis geschlossen werden. Maximilian behielt bis auf das französische Lehen den Großteil der burgundischen Territorien auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches.
Aus der Ehe von Maximilian I. und Maria von Burgund kam 1478 der Sohn Philipp I. „der Schöne“ zur Welt, dessen Geburt für die Festigung habsburgischer Herrschaft in Burgund von großer Bedeutung war. Philipp I. wurde 1496 im Zuge der Heiratsplanungen Maximilians I. mit Johanna, der Tochter der „katholischen Könige“ Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon, die an der Wiege des entstehenden spanischen Großreiches standen, verheiratet. Neben den Territorien auf der iberischen Halbinsel erstreckte sich das spanische Großreich auch auf süditalienische Gebiete (Sardinien, Neapel und Sizilien) sowie auf die kürzlich entdeckten überseeischen Kolonien. Der politische Hintergrund für diese dynastischen Annäherungsversuche war ein Bündnis gegen Frankreich. Dies verschärfte die habsburgisch-französische Rivalität aufs Neue.
Aufgrund plötzlicher Todesfälle war Johanna die alleinige Erbin der vereinten Kronen Spaniens, womit sich Philipp I. nun in Spanien in einer ähnlichen Situation wie zuvor sein Vater in Burgund befand: Er war der Prinzgemahl der Erbtochter. Deren beider Sohn wiederum, der spätere Kaiser Karl V., trat 1515 die Herrschaft im burgundischen Flandern und im Jahr darauf im Königreich Spanien an. Damit vereinte er mehrere Kronen und noch mehr Ansprüche, die als Fundament für den Versuch dienten, eine dynastische Universalmonarchie mit habsburgischer Hegemonie über Europa zu begründen. Frankreich sah sich eingekesselt: Im Süden lag das iberische Kerngebiet der aufsteigenden Großmacht Spanien. Im Norden und Osten entlang der Grenze Frankreichs zum Heiligen Römischen Reich fand sich die bunte Agglomeration von Territorien, die als burgundisches Erbe unter die Herrschaft Habsburgs gelangt waren. Das Bestreben der französischen Krone, sich aus der drohenden Umklammerung durch die habsburgischen Besitzungen zu lösen, um das Haus Habsburg als Konkurrenten um die Vorherrschaft in Europa auszuschalten, mündete in einem weiteren 240 Jahre lang andauernden kriegerischen Konflikt zwischen den Habsburgern und Frankreich: der habsburgisch-französische Gegensatz. Dieser erstreckte sich von den italienischen Kriegen (1494–1559) über den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) bis hin zum Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) und endete in den Abkommen von Utrecht 1713, Rastatt und Baden 1714. Die Friedensschlüsse von Utrecht, Rastatt und Baden brachten den Durchbruch für ein europäisches System, das auf der Vorstellung des Gleichgewichts und der Austarierung politischer Interessen beruhte.
Umkehr der Allianzen oder renversement des alliances Die Habsburgermonarchie fühlte sich durch das aufsteigende Preußen, welche durch die Vergrößerung des Heeres unter Friedrich Wilhelm I. in den 1740er-Jahren und der Übernahme von Schlesien im ersten Schlesienkrieg (1740–1742) zur Großmacht aufgestiegen waren, immer mehr in Bedrängnis gebracht. So suchte man einen Bündnispartner im historischen Dauerrivalen Frankreich. Frankreich konkurrierte in der Mitte des 18. Jahrhunderts sowohl auf dem europäischen Kontinent als auch in den Kolonien immer mehr mit England. Durch die Konvention von Westminster 1756 zwischen England und Preußen suchte auch Frankreich die Nähe zur Habsburgermonarchie. Dieses historische Ereignis wird als renversement des alliances bezeichnet und beschreibt eine grundlegende Veränderung der europäischen Mächteordnung. Im Februar desselben Jahres begann der Siebenjährige Krieg mit dem Angriff Frankreichs auf die britischen Inseln und auf die Insel Menorca und in weiterer Folge ein Krieg um Europa. Am 1. Mai 1756 wurde der erste Vertrag von Versailles abgeschlossen, welcher als Defensivbündnis bezeichnet wurde. Jedoch war er informell ein Angriffsbündnis gegen Preußen. Dem Bündnis zwischen schloss sich im Sommer 1759 auch Russland an. Der Vertrag beinhaltete gegenseitige Truppenhilfe, jedoch galt diese nicht für französisch-englische Kriege. Ein Jahr nach dem ersten Versailles Vertrag wurde am 1. Mai 1757 ein zweiter habsburgisch-bourbonischer Vertrag unterzeichnet. Dieser zweite Versailles Vertrag sollte Frankreich mehrere Städte in den Österreichischen Niederlanden zusichern. Als Gegenleistung verpflichtete sich Frankreich, Österreich 130.000 Mann zur Verfügung zu stellen, 12 Millionen Gulden an die Habsburger zu zahlen und so lange mit Österreich zu kämpfen bis Schlesien und Glatz wieder ein Teil der Habsburgermonarchie sei. Der Siebenjährige Krieg endete 1763 und bestätigte den Status quo. Schlesien und Glatz blieben in preußischem Besitz und die österreichischen Erblande gehörten weiterhin zu Österreich.
Hochzeit zwischen Marie-Antoinette und Ludwig XVI. 1770 wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Österreich mit der Heirat von Maria Antonia, der Tochter Maria Theresias, und dem zukünftigen König von Frankreich Ludwig XVI., ein Enkel von Ludwig XV., gestärkt, womit der habsburgisch-französische Konflikt, der fast 300 Jahre andauerte, symbolisch beendet wurde. mini|Hinrichtung von Marie-Antoinette in Paris
Französische Revolution Kaiser Leopold II. stand der Französischen Revolution anfangs noch positiv gegenüber, doch 1791 bat ihn seine Schwester Marie-Antoinette bereits militärisch zu intervenieren und die Revolution zu beenden. Dies lehnte der Kaiser aber ab. Am 20. und 21. Juni 1791 versuchte die Königsfamilie aus Frankreich zu fliehen, wurde aber in Varennes abgefangen und zurück nach Paris gebracht. Am 3. September des Jahres kam es zur Ausrufung der konstitutionellen Monarchie. Kaiser Leopold II. und der preußische Könige Friedrich Wilhelm II. proklamierten die Zerschlagung der Französischen Revolution. Daraufhin erklärte Frankreich den Krieg, was unter der Bevölkerung große Zustimmung fand. Durch die Kanonade von Valmy am 20. September 1792 konnte das Revolutionsheer eine militärische Bedrohung von außen vorerst abwehren. Durch die Hinrichtung von Ludwig XVI. und seiner Frau 1793 traten aber auch andere Monarchien wie England dem Krieg gegen Frankreich bei.
Erster und Zweiter Koalitionskrieg Mit der Pillnitzer Deklaration 1791 hatten sich Österreich und Preußen zusammengeschlossen, um gemeinsam König Ludwig XVI. während der Französischen Revolution zu unterstützen. Dieses Bündnis wurde im 18. Jahrhundert durch weitere europäische Mächte erweitert und gemeinsam versuchte man die Auswirkungen der Französischen Revolution einzudämmen.
Mit der Kriegserklärung Frankreichs am 20. April 1792 begann schließlich der Erste Koalitionskrieg, der am 17. Oktober 1797 mit dem Frieden von Campo Formio zwischen Frankreich und Österreich beendet wurde. Mit dem Rastatter Kongress von 1797 bis 1799 sollte die Ausführung der Friedensbeschlüsse besprochen werden, jedoch kam es dazu nicht mehr, weil die Napoleonischen Kriege begannen und somit die kriegerische Auseinandersetzung auch zwischen Frankreich und Österreich fortgesetzt wurde. Am 14. Juni 1800 fand die Schlacht am Marengo statt, die Oberitalien wieder unter französische Kontrolle brachte und einen entscheidenden Sieg gegenüber Österreich war. Im selben Jahr fand die Schlacht bei Hohenlinden statt, bei der die Franzosen die österreichische Armee wieder besiegten und somit in deren Land einmarschieren konnten. Österreich sah sich gezwungen, einen Friedensvertrag zu unterschreiben, so kam es zum Friede von Lunéville, der Frankreich die linksrheinischen Gebiete sicherte und die Anerkennung der durch französischen Revolutionsexport entstandenen Tochterrepubliken sowie des Königreichs Etrurien.
Beziehungen zwischen 1804 und 1918 Napoleonische Kriege mini|Schlacht bei Austerlitz
Im Dezember 1804 krönte sich Napoleon Bonaparte schließlich zum Kaiser der Franzosen, was die Folge hatte, dass das Kaisertum Österreich ausgerufen wurde und Kaiser Franz II. sich zum Kaiser Franz I. von Österreich ernannte.