Die Herz-Jesu-Kirche (polnisch Kościół Najświętszego Serca Jezusowego „Kirche Heiligstes Herz Jesu“) in Ełk () stammt aus den beginnenden 1920er Jahren und war bis 1945 die evangelische Pfarrkirche der ostpreußischen Kreisstadt. Dann wurde sie von der katholischen Kirche in Besitz genommen und in „Herz-Jesu-Kirche“ umgewidmet. Heute ist sie die zweitälteste der elf katholischen Kirchen der Stadt im östlichen Masuren in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. mini|Das Kircheninnere

Geographische Lage Die Kreisstadt Ełk liegt im südlichen Osten der Woiwodschaft Ermland-Masuren und ist über die Landesstraßen DK 16 und DK 65 zu erreichen. Die Stadt ist außerdem Bahnstation an den Bahnstrecken Giżycko–Białystok sowie Bahnstrecke Olsztyn–Ełk.

Die Herz-Jesu-Kirche steht im westlichen Stadtzentrum an der ul. Armii Krajowej an der Ecke zur Einmündung in die ul. Wojska Polskiego.

Kirchengebäude Die erste Kirche überhaupt in Lyck wurde um 1550 auf Veranlassung des evangelischen Bischofs von Pomesanien Paul Speratus gebaut. Sie brannte 1651, ihr Nachfolgebau bei der Eroberung durch die Tataren 1656 ab. Ein neues Kirchengebäude folgte erst 1688, das aber 1837 derartig baufällig war, dass es abgetragen werden musste.

In den Jahren 1847 bis 1850 entstand dann eine neogotische Backsteinkirche, noch von der Schinkel-Schule geprägt. Sie jedoch fiel der Zerstörung durch russisches Militär im Ersten Weltkrieg zum Opfer. Unter Verwertung von Resten dieser Kirche wurde von 1920 bis 1925 ein neuer (der fünfte) Bau errichtetWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 124, Abb. 577–579. – mit deutlichen Anklängen an die Ordensarchitektur.

Der dreischiffige Innenraum war von Emporen umgeben. Die Decke in der Mitte war gewölbt, an den Seiten flach. In der Altarnische befand sich damals ein massives Sterngewölbe. Der schlichte Kanzelaltar wurde an den Seiten von zwei Engelsfiguren bekrönt. Im Jahr 1925 fertigte die Hannoversche Werkstatt Furtwängler & Hammer die Orgel an.

Das Gebäude kam recht gut durch den Zweiten Weltkrieg und wurde im Jahr 1956 gründlich renoviert. 1945 war nach der Inbesitznahme durch die katholische Kirche das zuvor evangelisch geprägte Innere erheblich verändert worden.

Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Das Kirchspiel Lyck wurde bereits in vorreformatorischer Zeit gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 493–494. Die Reformation hielt hier schon früh Einzug, so dass in den 1530er Jahren an der Kirche bereits zwei lutherische Geistliche amtierten.

Die Gegend um Lyck war mehrheitlich evangelisch. Erst seit etwa 1800 gab es hier einige Katholiken, zunächst wohl nur Angehörige der Garnison, später auch Ermländer, die sich hier ansiedelten.

In der Anfangszeit wurde in der Kirche nur polnisch gepredigt. Erst ab 1584 fand auf Betreiben von Bischof Johannes Wigand die Predigt in deutscher Sprache statt. Nach 1815 wurde erst in Deutsch, danach in masurischer Sprache gepredigt.

Die Pfarrkirche in Lyck war Zentrum des Kirchenkreises Lyck, zu dem sie auch selber bis zu dessen Auflösung im Jahre 1945 gehörte. Er war in die Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. Im Jahr 1925 zählte die Kirchengemeinde Lyck mit ihrem weitflächigen Kirchspiel insgesamt 17.000 Gemeindeglieder. Sie wurde zuletzt von drei Geistlichen betreut. Einbezogen war die Seelsorge im Krankenhaus, Altersheim und Mädchenwaisenhaus und Gefängnis, außerdem die Betreuung der Garnison.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung verlor die Kirche nach 1945 den deutschen Anteil ihrer evangelischen Gemeinde. Schließlich nahm das katholische Bistum die Kirche für die in großer Zahl in Ełk angesiedelten polnischen Katholiken in Besitz und beanspruchte das Eigentum.

Die enteigneten polnischen evangelischen Kirchenglieder versammeln sich seitdem in der Baptistenkirche () am einstigen Steinweg. Die kleine Gemeinde in Ełk gehört zur Pfarrei Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte Neben dem Pfarrort Lyck gehörten bis 1945 zum Kirchspiel die Orte:Der * kennzeichnet einen Schulort.

Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName *Barannen Keipern Barany *Monczen Montzen Mącze *Bartossen Bartendorf Bartosze Mylucken Milucken Miluki Birkenwalde (Forsthaus) Pisanica *Neuendorf Nowa Wieś Ełcka *Chelchen Kelchendorf Chełchy Przykopken (ab 1926)Birkenwalde (Dorf) Przykopka Chroscziellen (ab 1933:)Kreuzfeld Chruściele Regelnitzen Regelnhof Regielnica *Chrzanowen Kalkofen Chrzanowo Reglerspitze Dallnitz Renkussen Rękusy Elisenthal Konieczki Rothof *Gollubien A Gollen Golubie Sareyken Sareiken Szarejki *Groß Mrosen1929–1938 Mrossen Schönhorst Mrozy Wielkie Sarken Szarek Judzicken Gutenborn Judziki *Schedlisken Sonnau Siedliska Klein Mrosen Mrozy Małe *Seliggen Szeligi Kleine Mühle Lyck Klein Mühle Młynek Sentken Sędki Kozycken (ab 1935)Selmenthöhe Koziki *Sordachen Sordachy Kuszmen Kuschmen Suszcze Suszczen Siedelberg Suszcze *Leegen Lega *Sybba Walden Szyba Malleczewen Maletten Maleczewo Szczudlen (ab 1936)Georgsfelde Szczudly Mathildenhof Buniaki *Thalussen Talussen Talusy *Moldzien Mulden Mołdzie Wittinnen Wityny Monken Mąki Zielassen Zielhausen Zelasy

Pfarrer An der evangelischen Pfarrkirche Lyck amtierten bis 1945 als Pfarrer:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 89–90.

Melchior Kranch, bis 1536 Sebastian Schubert, bis 1536 Nicolaus Papa, ab 1536 Andreas Ostrowski, 1545–1548 Johann Dunitius, 1549–1566 Laurentius Besserer, 1560–1565 Johannes Maletius, bis 1567 Hieronymus Maletius, 1565–1583 Albrecht Schnopert, 1566–1568 Stanislaus Welamowsky, 1568–1575 Matthias Burecko, 1575–1588 Georg Freytag, 1584–1607 Johann Boretius, 1589–1602 Nicolaus Boretius, 1602–1625 Christoph Chiorecius, 1607–1624 Christian Petri, 1624–1637 Johann Boretius, 1625–1650 Johann Oye, 1638–1657 Georg Boretius, 1650–1657 Georg Carönicke, 1657–1665 Georg Schwindowius, 1657–1705 Johann Albert Thilo, 1665–1683 Matthäus Breuer, 1684–1697 Joachim Columbus, 1697–1710 Jacob Jack, 1705–1710 Raphael Skerle, 1710–1717 Paul Ploen, 1711–1753 Johann Victor Gregorowius, 1717–1732 Jacob Cibulowius, 1731–1740 Theodor Salomon, 1741–1742 Michael Pisanski, 1742–1759 Michael Hermann Rostock, 1753–1761 Christian Swonckowski, 1759–1771 Friedrich Ludwig Hoffmann, 1761–1762 Thimotheus Gisewius d. Ä., 1762–1786 Karl Heinrich Breitenberg, 1771–1801 Thimotheus Gisewius d. J., 1787–1817 Friedrich Thimotheus Krieger, 1820–1837 Michael Gottfried Gryczewski, 1821–1825 Johann Christoph Gayk, 1825–1837 Heinrich Skrodzki, 1837–1849 Samuel Jablonowski, 1845–1866Angehöriger des Corps Masovia Jacob Preuß, 1850–1872 Gustav Adolf Hubert, 1866–1868 Adolf August Wolfram, 1868–1873 Karl Traugott Remus, 1868–1876 Reinhold Hermann von Gyzicki, 1872–1889 Friedrich Wilhelm Off, 1873–1875 Julius Nieszytka, 1875–1876 Friedrich Otto Reiß, 1876–1877 Ludwig Carl Siemienowski, 1877–1899 Eduard Adolf Paul, 1889–1891 Ernst Theodor Teschner, 1890–1898 Theodor Heinrich Adolf Schulz, 1899–1910 Wilhelm Leo Richard Bury, 1898–1921 Julius Gustav Solty, 1895–1914 Georg Paul Brehm, 1911–1935 Bruno Albert Rathke, 1916–1935 Wilhelm Leo Richard Bury, 1926–1931 Gottfried Sallet, 1932–1936 Bruno Muscheites, 1935–1945 Ernst Sczepan, 1937–1938 Rudolf Abramowski, 1939–1945 Konrad Ludwig Alexander Bojack, 1940–1941 Kurt Maier, 1942–1945

Katholisch In der Region Lyck lebten nur sehr wenig Katholiken. So zählte man im Jahre 1845 im gesamten Kirchspiel rund 100 katholische Kirchenglieder. Doch in den folgenden Jahren stieg ihre Zahl, und es wurde ein eigenes Kirchengebäude erforderlich. So errichtete man 1893 bis 1895 die neogotische St.-Adalbert-Kirche (, heute Kathedrale) innerhalb des Bistums Ermland.

Nach 1945 siedelten sich mit den polnischen Bürgern immer mehr katholische Kirchenglieder in Lyck und Umgebung an. Sie übernahmen das bisher evangelische Gotteshaus als zusätzliche Pfarrkirche.

Heute gibt es im Stadtgebiet von Ełk elf römisch-katholische Kirchen. Seit 1992 ist die Stadt Bischofssitz für das neu errichtete Bistum Ełk mit seinen 21 Dekanaten und 151 Pfarrgemeinden. Die Pfarrgemeinde der Herz-Jesu-Kirche gehört zum Dekanat Ełk-Matki Bożej Fatimskiej in der Römisch-katholischen Kirche in Polen.Parafia pw. Najświętszego Serca Jezusowego im Bistum Ełk

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Einzelnachweise

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