mini|255x255px|Die Buhlschaft, Brigitte Hobmeier mini|255x255px|Jedermann und der Tod, Cornelius Obonya und Peter Lohmeyer mini|255x255px|Der Teufel, Simon Schwarz mini|Jedermann und Guter Gesell, Philipp Hochmair und Christoph Luser

Die Jedermann-Aufführungen der Salzburger Festspiele auf dem Domplatz seit 1920 und ihre Besetzungen reflektieren die deutschsprachige Theaterlandschaft und Filmszene. Eine Vielzahl namhafter Schauspieler ist im Salzburger Jedermann aufgetreten, oft auch in kleineren Rollen.

Jedermann und Buhlschaft Neben dem Iffland-Ring gilt die Hauptrolle im Jedermann als größte Auszeichnung für einen Schauspieler im deutschsprachigen Raum. Sie wird zumeist mit routinierten Theaterschauspielern besetzt, die sich in klassischen Rollen bewährt haben. Die Rolle der Buhlschaft – mit sehr wenig Text, aber maximaler Sichtbarkeit – hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte als Barometer für das jeweils aktuelle weibliche Schönheitsideal herauskristallisiert. Häufig fällt die Wahl auf populäre Fernseh- und Filmstars, wie Nadja Tiller, Christiane Hörbiger, Nicole Heesters, Senta Berger, Marthe Keller, Sophie Rois oder Veronica Ferres.

Während in der Zeit Max Reinhardts drei Jedermänner nur zwei Buhlschaften gegenüberstanden, wechselten in der Nachkriegszeit die Buhlschaften häufig, während die Darsteller des Jedermanns längere Jahre spielten: Walther Reyer durfte in acht Spielzeiten sechs verschiedene Buhlschaften umarmen. Einige Jedermann-Darsteller sind vor bzw. nach Übernahme der Hauptrolle auch in kleineren Rollen aufgetreten. Die Geschichte des Salzburger Jedermanns ist auch eine Geschichte der Brüche und der Kontinuitäten. Beispielsweise war Paul Hartmann 1927 als Guter Gesell, 1928 und 1930 als Stimme des Herrn besetzt, 1932 bis 1934 übernahm er die Titelrolle, 1935 wurde er an Görings Preußisches Staatstheater in Berlin engagiert, von 1942 bis 1945 war er Präsident der NS-Reichstheaterkammer und 1963 war er neuerlich als Stimme des Herrn am Salzburger Domplatz zu hören. In der Haeusserman-Produktion von 1973 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle spielten drei frühere Jedermänner – Walther Reyer den Guten Gesellen, Will Quadflieg den Tod und Ewald Balser die Stimme des Herrn. Von 1978 bis 1982 übernahm der frühere Jedermann Ernst Schröder die Rolle des Mammon. Helmut Lohner war sieben Jahre lang der Teufel und einen Sommer lang der Tod, bevor ihm 1990 die Hauptrolle übertragen wurde.

Auch einige Buhlschaften kehrten Jahrzehnte später – als Jedermanns Mutter – nach Salzburg zurück: Dagny Servaes (1960), Heidemarie Hatheyer (1978 bis 1982), Lola Müthel (1995 bis 1998) und Elisabeth Trissenaar (2007 bis 2009). Eine weitere frühere Buhlschaft – Sunnyi Melles – verkörperte 2002 den Glauben.

Besetzung der kleineren Rollen Derzeit finden alljährlich 14 Aufführungen statt, zumeist ausverkauft. Mit einer alljährlichen Besucherzahl von über 30.000 Besuchern und der Aufmerksamkeit der überregionalen Presse stellt der Salzburger Jedermann ein attraktives Podium für Schauspieler dar, auch für die kleineren Rollen. Ein Auftritt im Jedermann ist nicht zuletzt auch deshalb bei den Schauspielern begehrt, weil selbst die Nebenrollen markant ausgeprägt sind und virtuose Darstellungen ermöglichen. Insbesondere Teufel und Tod, Dicker und Dünner Vetter, Mammon, Jedermanns Mutter, die Guten Werke und der Glaube erfreuen sich hoher Beliebtheit.

1920 und 1921 verkörperte Helene Thimig, die spätere Ehefrau Max Reinhardts, die Guten Werke, von 1928 bis 1965 war sie – mit Unterbrechungen – als Glaube in Salzburg zu sehen. Auch Sonja Sutter wechselte von den Guten Werken zum Glauben.

Zu den vielseitigsten männlichen Darstellern zählt Karl Blühm, der 1949 den Teufel, zwischen 1950 und 1960 die Stimme des Herrn, von 1961 bis 1965 den Schuldknecht, von 1971 bis 1978 den Hausvogt, einmalig 1972 den Tod und danach den Knecht verkörperte.

Auch die Übernahme von zwei Rollen am selben Abend erfolgte fallweise: Werner Krauß spielte 1920 und 1921 Tod und Teufel, ebenso Louis Rainer von 1929 bis 1934. Raul Lange spielte zwischen 1920 und 1937 oft am selben Abend die Stimme des Herrn und den Mammon. In der Stückl-Inszenierung spielte der Gute Gesell auch jeweils den Teufel, und die Stimme des Herrn verkörperte auch den Armen Nachbarn. In der Mertes/Crouch-Inszenierung übernahmen Dicker und Dünner Vetter auch die Funktion des Spielansagers.

Erstmals rufen 2023 auch Frauen von den umliegenden Gebäuden „Je–der–mann“. Die drei lautstarken Ruferinnen Renata Gottschalk, Irmtraud Költringer und Johanna Wienerroither kommen aus unterschiedlichen Berufen. Den Einsatz erhalten die Rufer heutzutage per Smartphone, während in frühen Zeiten mit einem hellen Tuch händisch signalgewunken wurde.Erstmals rufen Frauen nach dem Jedermann orf.at, 7. August 2023, abgerufen am 8. August 2023.

Erläuterungen zu den Tabellen Im Jahr ihres ersten Auftretens in einer Jedermann-Rolle sind die Namen der Schauspieler blau gefärbt, somit verlinkt. Beim Klicken auf den Namen erscheint die Biographie des Schauspielers. Wird der Name in rot angezeigt, bedeutet dies, dass noch keine Biographie in der Wikipedia besteht. – Erstreckt sich ein Feld über mehrere Jahre, so bedeutet dies, dass die Besetzung im entsprechenden Zeitraum unverändert blieb. So spielte Alexander Moissi in den Jahren 1920 und 1921, sowie erneut von 1926 bis 1933 die Hauptrolle. – Sind in der Titelzeile drei Rollen vermerkt, so folgen in der Jahresspalte drei Schauspieler. So spielten 1920 und 1921 Frieda Richard die Mutter, Helene Thimig die Guten Werke und Hedwig Bleibtreu den Glauben.

1920 bis 1937: Inszenierung Max Reinhardts

JahrJedermannBuhlschaftSpielansagerGuter GesellHausvogtArmer NachbarSchuldknechtSein WeibDicker VetterDünner VetterMammonGottTodTeufelMutterGute WerkeGlaube 1920 Alexander Moissi Johanna Terwin Franz LöserWilhelm DieterleFritz Reichl Fritz RichardEmil RameauTiny Senders Otto KönigFritz RichardHeinrich George Raul LangeWerner KraußWerner Krauß Frieda RichardHelene ThimigHedwig Bleibtreu 1921 Franz LöserHans BrockmannFriedrich Bertel Fritz RichardEmil RameauCzernitz-Renn W. DiegelmannFritz RichardRaul Lange 1922 1923 1924 1925 1926 Alexander Moissi Dagny Servaes Franz LöserLothar MüthelFritz Reichl Fritz RichardH. DirmoserCzernitz-Renn W. DiegelmannFriedrich KühneOskar Homolka Josef DaneggerLouis RainerMax Pallenberg Frieda RichardLili DarvasHedwig Bleibtreu 1927 Franz LöserPaul HartmannFriedrich Bertel Fritz RichardF. KayßlerCzernitz-Renn W. DiegelmannFritz RichardJosef Danegger Josef DaneggerLouis RainerW.Sokoloff 1928 Franz LöserHans RehmannFriedrich Bertel Fritz RichardHans PepplerCzernitz-Renn W. DiegelmannFriedrich KühneFerdinand Hart Paul HartmannArmand ZaepfelErwin Faber Frieda RichardFranziska KinzHelene Thimig 1929 Franz LöserErich MusilFriedrich Bertel Fritz RichardE.v.WintersteinCzernitz-Renn W. DiegelmannFriedrich KühneRaul Lange Raul LangeLouis RainerLouis Rainer Frieda RichardKarin EvansHelene Thimig 1930 Frieda RichardMarianne WallaHelene Thimig 1931 Franz LöserAttila HörbigerFriedrich Bertel W. DiegelmannRichard EybnerRaul Lange 1932 Paul Hartmann Franz LöserFred LiewehrNikolaus Habel 1933 Fritz HornHanns KurthCzernitz-Renn 1934 Franz LöserFred LiewehrKarl Trabauer Wilhelm SchichRichard EybnerRaul Lange 1935 Attila Hörbiger Hans BergenFred LiewehrFriedrich Bertel Raul LangeKurt von LessenLudwig Stössel 1936 Hans BergenFred LiewehrKurt Kasznar Josef DaneggerRichard EybnerRaul Lange 1937 A. SchnayderFred LiewehrAdolf Lermer Fritz HornHanns KurthRoswitha Posselt Raul LangeHerbert BerghofLudwig Stössel

Der Koch wurde verkörpert von Wilhelm Frick (1920), Hugo Schaffer (1921, 1926–1930), Josef Gessler (1931), Georg Siegel (1932), Harry Horner (1933–1937), Hans Herbert (1936). Weiters spielten den Jedermann: Raul Lange (am 28. August 1932); Spielansager: Alfred Schnayder (bereits 1936); Jedermanns guten Gesellen: Alexander Stillmark (1929, 1930), Karl Burgstaller (1932–1936); die Stimme des Herrn: Josef Danegger (auch 1930 bis 1933), Paul Hartmann (auch 1930); den Tod: Raul Lange (1930, 1931 und 1934); den Teufel: Louis Rainer (bereits 1926), Theodor Danegger (1930, 1931 und 1934); die Guten Werke: Lili Darvas (auch noch 1930), Mimi Jonstorff (1930); den Glauben: Anny Hoheneck (1926), Helene Thimig (bereits 1927), Ruth Trumpp (1927, 1929), Franziska Kinz (1929), Hanni Hoessrich (1931), Hedwig Pistorius (1934).

1938 bis 1945 Während der NS-Zeit in Österreich untersagte Propagandaminister Joseph Goebbels die Jedermann-Aufführungen. Es wurde ein Ersatzstück für den Domplatz gesucht, allerdings nicht gefunden. Nach dem Untergang des NS-Regimes im Mai 1945 stand nicht genügend Vorbereitungszeit zur Verfügung, um bereits bei den Festspielen des Sommers 1945 den Jedermann wieder auf dem Domplatz aufzuführen. 1946 gelang es den Veranstaltern, die Institution wieder zu beleben.

1946 bis 1968: In der Tradition Reinhardts mini|Michael Heltau und Helene Thimig in Jedermann bei den Salzburger Festspielen 1966