mini|hochkant|Köln, St. Pantaleon (2006) mini|Ansicht vom Wasserturm aus mini|hochkant|Grundriss der Kirche St. Pantaleon ist ein frühromanischer Kirchenbau in Köln im Bereich der südlichen Altstadt. Sie ist eine der zwölf großen romanischen Basiliken in der Altstadt Kölns, deren Erhalt vom Förderverein Romanische Kirchen Köln unterstützt wird. Die Kirche ist dem heiligen Pantaleon sowie Kosmas und Damian geweiht. Der griechische Name des spätantiken Märtyrers Pantaleon lautet Panteleímon (Παντελεήμων) und bedeutet „Allerbarmer“. Die Kirche diente Mönchen der gleichnamigen Benediktinerabtei bis zur Säkularisation des Klosters Ende des 18. Jahrhunderts als Abteikirche.
Geschichte und Ausstattung Römerzeit Auf eine römische Holzbauphase des 1. Jahrhunderts folgt die Nutzung des Hügels, auf dem die heutige Kirche steht, durch ein außerhalb der Stadtmauern gelegenes Landgut (villa suburbana). Reste der römischen Bebauung, die genauso wie alle Nachfolgebauten um 31° von der exakten Ostrichtung abweicht, sind unter dem Chor und außerhalb von St. Pantaleon gefunden worden. Diese römische Villa im Südwesten Kölns bestand zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert. Danach bricht die Nutzung des Geländes zunächst ab. Fritz Fremersdorf und zuletzt Sven SchütteSven Schütte: Geschichte und Baugeschichte der Kirche St. Pantaleon. In: Förderverein Romanischer Kirchen Köln e. V. (Hrsg.): Neue Forschungen zur Geschichte, Baugeschichte und Ausstattung von St. Pantaleon in Köln. Beiträge des Kolloquiums 2006 (= Colonia Romanica 21, Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e. V.). Greven Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7743-0364-5, S. 81–136. nahmen eine Nutzung der Villa im Rahmen des christlichen Kultes an. Archäologische oder historische Indizien für eine solche Annahme fehlen jedoch völlig.Sebastian Ristow: Frühes Christentum im Rheinland. Die Zeugnisse der archäologischen und historischen Quellen an Rhein, Maas und Mosel. Köln 2007, S. 144–145.
Mittelalter mini|Sarkophag Brunos in der Krypta hochkant|alt=Pieta aus dem Mittelalter|mini|Pietà In der nächsten Phase der Nutzung des Geländes sind Gräber des 6./7. Jahrhunderts zu ermitteln. Auch noch in der späten Merowingerzeit wurden teils reich ausgestattete Gräber in trapezförmigen Kalksteinsarkophagen an dieser Stelle eingebracht, die auf die Bedeutung eines zu diesem Zeitpunkt hier bereits bestehenden Bauwerks hinweisen. Erstmals im Jahr 866 wurde die Kirche in der sogenannten Guntharschen Güterumschreibung schriftlich an diesem Ort erwähnt.
Erzbischof Brun (Bruno) von Köln, der Bruder Kaiser Ottos des Großen, gründete hier im Jahr 955 ein Benediktinerkloster und ermöglichte durch eine Stiftung im Jahre 957 den Bau von St. Pantaleon.Yvonne Leiverkus: Köln: Bilder einer spätmittelalterlichen Stadt. 2005, S. 51. Otto I. bedachte die von ihm gegründete Klosteranlage mit vielen Schenkungen. Aus dieser Zeit stammt das bis heute erhaltene Mittelschiff mit einer Breite von 13 Metern. Bei den folgenden Baumaßnahmen wurden die Gebeine des Heiligen Maurinus von Köln aufgefunden.Clemens Kosch: Kölns Romanische Kirchen. 2. Auflage. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1264-1, S. 87.
Der Patriziniumsheilige Pantaleon stammte aus Nikomedia, dem heutigen İzmit. St. Pantaleon in Köln ist die älteste Pantaleonskirche westlich von Byzanz. Erste Reliquien wurden entweder über Aachen in der Karolingerzeit oder bereits früher übertragen. Erzbischof Gero soll 971 auf seiner Gesandtschaft nach Byzanz, bei der er die Hochzeit Otto II. mit Theophanu aushandelte, den „Leib des heiligen Pantaleon“ beschafft haben.
Wohl unter der Kaiserin Theophanu oder wenig später wurde das Westwerk neu errichtet und nach 980, dem Jahr der Weihe, mit dem monumentalen Skulpturenzyklus an der Außenseite der Westfassade versehen. Unter einer von drei Engeln flankierten Majestas Domini standen monumentale Heiligenfiguren der Titularheiligen Kosmas und Damian und Pantaleon, sowie darunter weitere Heilige (Albanus/Quirinus und Maurinus – Zuschreibung unsicher).Hiltrud Kier: Die Romanischen Kirchen in Köln. Führer zu Geschichte und Ausstattung. 2. Auflage, J. P. Bachem, Köln 2014, ISBN 978-3-7616-2842-3, S. 165.
Die Kaiserin Theophanu weilte zwischen 985 und 990 jedes Jahr mindestens einmal in Köln. 986 und 988 feierte sie das Weihnachtsfest hier. Neben herrschaftlichem Glanz brachte sie auch den Nikolauskult aus Konstantinopel mit. Sie liegt gemäß ihrem Wunsch in der Kirche begraben. Theophanu war die Nichte des oströmischen Kaisers Johannes Tzimiskes. Sie brachte weitere Reliquien aus Rom mit nach Köln. Mit ihrer Vermählung mit dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Otto II. wurde nach Jahrhunderten des Streites eine friedvolle Koexistenz der beiden mittelalterlichen Römischen Reiche begründet. Auch der Bruder Ottos I., der Klostergründer Bruno, Erzbischof von Köln, liegt gemäß seinem Wunsch in der Krypta der Kirche begraben. Die heutige Abdeckung des Sarkophags Theophanus stammt von Sepp Hürten.
Im archäologischen Befund sind zwei karolingische und ottonische Bauphasen nachweisbar, deren reiche Bauausstattung teilweise bekannt ist. Annexbauten und eine Kryptenanlage wurden errichtet. Für das 10. Jahrhundert sind Fragmente von Monumentalskulpturen überliefert. Reste eines Engels und eines Drachen sollen nach den Ausführungen von D. Hochkirchen bereits karolingisch sein.Dorothea Hochkirchen: Zwei Skulpturenfragmente der karolingischen Kirche St. Pantaleon. In: Neue Forschungen zur Geschichte, Baugeschichte und Ausstattung von St. Pantaleon in Köln. Beiträge des Kolloquiums 2006 (= Colonia Romanica 21, Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e. V.). Greven Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7743-0364-5, S. 149–158. Grundmauern eines westlich der Kirche ergrabenen Zentralbaus mit acht alternierenden Seiten gehören vielleicht zu einer Memoria oder einem Baptisterium. Die Hypothese, es handele sich um das Mausoleum Erzbischof Brunos, ist durch das Fundmaterial, das den Bau in das 9. Jahrhundert verweist, hinfällig. Bei der Sanierung wurde 2021 altes Bauholz gefunden, das durch Radiocarbonuntersuchung in einen Zeitraum zwischen 892 und 992 eingeordnet werden konnte. Der heutige Westbau ist also als Konstruktion des späten 10. Jahrhunderts nachgewiesen, wobei die Vorhalle im 19. Jahrhundert nach dem älteren Bestand rekonstruiert wurde.
In der Zeit Annos II. wurde die Abtei um 1070 zwangsweise im Sinne der Siegburger Reform umgestaltet, die das Kloster enger an den Bischof band. Dies führte in Köln zu gewalttätigen Unruhen.
Um 1160 wurde die einschiffige karolingische und ottonische Saalkirche unter dem Abt Wolbero zu einer dreischiffigen Basilika erweitert. Etwa aus dieser Zeit stammt eines der ältesten Tympanonreliefs Deutschlands. Ursprünglich befand sich das Relief mit der Darstellung einer Deësisgruppe über dem Portal des Nordquerhauses und wird heute im Museum Schnütgen in Köln aufbewahrt.
Im Verlauf der hochmittelalterlichen Stadterweiterungen und Ummauerung Kölns wurde St. Pantaleon dann in das Stadtgebiet einbezogen.
Während des Spätmittelalters wurden andere Klöster in und um Köln erheblich mehr mit Stiftungen bedacht.
Aus dem Mittelalter stammen eine Pieta, die 1965 aus dem Kunsthandel erworben und deren Jesuskopf wohl überschnitzt wurde, sowie eine Madonna mit Krone und dem Kind mit Reichsapfel. Sie könnte die Gesichtszüge der Kaiserin Theophanu tragen. Beide Kunstwerke sind aus dem 15. Jahrhundert und aus Holz.Ursula Windheuser: St. Panthaleon Köln. Schnell & Steiner, Regensburg 2025, ISBN 978-3-7954-7398-3, S. 39.
Der Maurinusschrein und der Albinusschrein stammen aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts und zeigen Einflüsse des Nikolaus von Verdun.
mini|hochkant|Madonna mit Krone und Kind mit Reichsapfel
Des Weiteren stammen auch aus dieser Zeit das Chorgestühl (14. Jahrhundert) und ein Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert. Um 1500 ist auch die Statue des Johannes des Täufers mit dem Lamm Gottes in der Taufkapelle entstanden.Hiltrud Kier: Die Romanischen Kirchen in Köln. Führer zu Geschichte und Ausstattung. 2. Auflage, J. P. Bachem, Köln 2014, ISBN 978-3-7616-2842-3, S. 176.
Neuzeit mini|Triptychon aus dem Umfeld von Bryn dem Älteren mini|Abtei um 1625 Von etwa 1520 ist der Kalvarienberg der wohl ursprünglich Teil eines Triptychons war. Es ist ein Werk in Öl des Franziskanermalers von Korbach. Es gelangte im Zuge der Reformation nach Köln. In der Taufkapelle steht ein Triptychon der Kreuzigung aus dem Umfeld von Barthel Bryn dem Älteren von 1550.Ursula Windheuser: St. Panthaleon Köln. Schnell & Steiner, Regensburg 2025, ISBN 978-3-7954-7398-3, S. 24, 37. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde der spätgotische Lettner errichtet, welcher heute die Orgel trägt. Von etwa 1520 stammt eine Kalvarienbergdarstellung im Stil der Kölner Malerschule. Am Fuße des Gemäldes hat sich der Künstler selbst mit Pinsel und Farbpalette dargestellt. Es handelt sich um einen Franziskaner. Dargestellt ist unter anderem der Heilige Franz von Assisi, der den heiligen Kelch hält, um damit das Blut Christi aufzufangen. Das Werk wurde im 19. Jahrhundert erworben.
Ab 1618 wurde die Kirche in mehreren Bauabschnitten nachgotisch modernisiert. Davon ist heute noch der Orgelprospekt von 1652 und die Chorausstattung nebst Kanzel von 1747 erhalten. Zur gleichen Zeit entstand eine reiche Ausmalung des Netzgewölbes und des Chores, die Szenen aus dem Leben Marien, des Hl. Benedikt und der Hl. Scholastika zeigte. Diese wurde nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges nicht wiederhergestellt. Möglicherweise befinden sich unter dem weißen Anstrich im Chor noch Fragmente dieser Ausmalung.
Baufälligkeit führte 1757 zum Einsturz eines der beiden Seitentürme und danach zur Erneuerung des Mittelturms und der beiden Seitentürme in verminderter Größe mit barocken Turmabschlüssen.
ohne|mini|St. Pantaleon war die westlichste Station des optischen Telegrafen Berlin – Koblenz Die französische Besetzung Kölns 1794 brachte die Auflösung des Klosters mit sich. Die Kirche wurde zunächst Pferdestall, in der Preußenzeit nach 1815 dann evangelische Garnisonskirche. Auf dem Mittelturm wurde ein optischer Telegraph installiert, der die schnelle Übermittlung von Nachrichten von und nach Berlin ermöglichen sollte.
mini|hochkant|Zeitgenössische Darstellung der Station St. Pantaleon mini|Kalvarienbergdarstellung: Detail mit Künstler, dem Korbacher Franziskanermaler, 16. Jahrhundert Nachdem diese Einrichtung durch die Entwicklung der elektrischen Telegraphie nicht mehr benötigt wurde, wurde das Westwerk 1890–1892 romanisch restauriert. Finanziert wurde die Restaurierung durch das preußische Kriegsministerium, da St. Pantaleon als Garnisonskirche Eigentum der Armee war.Klaus Wolf: Imperiale Erinnerung und partieller Verfall. Die Abtei St. Pantaleon, ihre Bauten und ihre Ausstattung im Bewußtsein der Öffentlichkeit während Aufklärung und Säkularisation. In: Förderverein Romanischer Kirchen Köln e. V. (Hrsg.): Neue Forschungen zur Geschichte, Baugeschichte und Ausstattung von St. Pantaleon in Köln. Beiträge des Kolloquiums 2006 (= Colonia Romanica XXI, Jahrbuch des Fördervereins Romanische Kirchen Köln e. V.). Greven Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7743-0364-5, S. 149–158. Glasfenster für die Kirche schufen die Künstler Alexander Linnemann und sein Sohn Otto Linnemann aus Frankfurt. Zwei der alten Kirchenfenster wurden von der Köln-Lindenthaler Glasmalerei Schneiders und Schmolz restauriert.