Die HADAG Seetouristik und Fährdienst AG, kurz HADAG, ist ein Verkehrsunternehmen und Betreiber der Fährlinien im Hamburger Hafen. Es ist ein Tochterunternehmen der Hamburger Hochbahn AG (HHA).
Geschichte mini|HADAG-Typschiff „Volksdorf“ an den St.-Pauli-Landungsbrücken 1973 mini|Landungsbrücken 1977, HADAG-Typschiffe, im Vordergrund Schiff der Finkenwerder Linie Das Unternehmen wurde am 8. August 1888 unter dem Namen Hafendampfschiffahrts-Actien-Gesellschaft als Reederei von F. W. Burchard, F. G. Kroos, E. Hadenfeld, R. R. Canel, E. Reye, G. C. Hempell, Max du Roi Droege, J. Semler und M. H. Röver gegründet. Der Ingenieur Ernst Hadenfeldt hatte sich bereits am 14. Februar 1888 um die Konzession für die Hafenfähren, die zuvor von fünf Fährpächtern betrieben wurden bei der Stadt Hamburg beworben. Die Konzession wurde für 20 Jahre erteilt und zunächst mit den von den bisherigen Fährpächtern übernommenen Schiffen betrieben. Ende 1890 besaß die HADAG 47 Schiffe, davon 21 selbst bestellte neue Dampfschiffe. Durch die Begrenzung des Fahrtentgeltes auf fünf Pfennig pro Person und Fahrt gestaltete sich die wirtschaftliche Lage der Firma problematisch. Die Konzession sah eine Ausstattung der Schiffe mit Dampffeuerspritzen vor, um im Hafen Löschdienste bei Bränden leisten zu können, diese Verpflichtung zur immerwährenden Löschbereitschaft wurde später von der Stadt mit 60.000 Mark pro Jahr als Honorar abgegolten, da die wirtschaftlich notwendige Erhöhung der Fahrpreise vom Senat aus sozialen Gründen abgelehnt wurde und eine Subventionierung von der Bürgerschaft verweigert wurde.
Bis 1899 wurden zwölf größere Schiffe mit einer zugelassenen Passagierzahl von bis zu 300 Passagieren angeschafft und dadurch die wirtschaftliche Lage verbessert. Im August 1900 übernahm die HADAG die Linie nach FinkenwerderAus der Geschichte der Hafen-Dampfschiffahrt A.-G. In: Unter dem grünen Ring an die Niederelbe, Verlag Hans Coert im Auftrag der HADAG, Hamburg 1949; S. 9 und betrieb sie mit den Raddampfern Union und Harmonie. Nun gehörte neben dem reinen Hafenfährdienst auch die Anbindung von Stadtteilen zu den Aufgaben der HADAG. Außer Finkenwerder gehörten auch Altenwerder und Moorburg dazu (beide Stadtteile waren ehemals Wohngebiete und sind heute Hafenerweiterungsgebiet), die bereits 1818 von einer „priviligierten Dampffähre“ und ab 1881 mit einer Raddampferlinie von Hamburg nach Harburg bedient wurden.
Die Eröffnung des (alten) Elbtunnels 1911 führte zu einem Rückgang der Passagierzahlen auf der Linie nach Steinwerder von 260.000 auf 38.000 Fahrgäste. Die unbefriedigende Rendite und die Weigerung des Senates, die Tarife zu erhöhen, führte schließlich 1918 zu einer Übernahme der Reederei durch die Stadt. Am 1. Juli 1921 erhielt die HADAG die alleinige Konzession zur Durchführung der „Großen Hafenrundfahrt“.
1928 konnte nach Abschluss des „Preußisch-Hamburgischen Hafen- und Unterelbevertrag“ der Verkehr auf der Unterelbe über das hamburgische Stadtgebiet ausgebaut werden. Im Herbst 1928 einigten sich die Hamburger Hochbahn AG und die HADAG zur Ausgabe und Anerkennung von Übergangs-Fahrkarten zur vereinfachten Betriebsabwicklung. In diesem Jahr und 1929 wurden erstmals seit 1912 insgesamt vier neue Fähren (wieder als Dampfschiffe) in Dienst gestellt. Der Freistaat Preußen beteiligte sich in den Folgejahren bei Kapitalerhöhungen am Unternehmen.
Im April 1929 wurde durch die HADAG die Hamburg-Stade-Altländer Linie übernommen. Am 3. Juli 1937 übernahm die HADAG die Harburger Linie von der Firma Wachsmuth & Krogmann und zum 1. August 1939 die Reiherstieg-Linie von der Firma Oelker. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 gab es bei der HADAG 7 Dieselmotorschiffe, 1 Gasmotorschiff, 50 Dampfschiffe, 13 Motorbarkassen, 5 Kohlenleichter und 6 Schuten. Durch den Krieg gab es die Totalverluste von zwei Motorschiffen, zwei Dampfschiffen, fünf Motorbarkassen, einem Kohlenleichter und zwei Schlackeschuten; außerdem wurden schwer beschädigt 51 Motorschiffe und Dampfer, 5 Motorbarkassen, 2 Leichter, 2 Schuten, zwei Brücken und ein Anlegeponton, das Geschäftshaus an den Vorsetzen sowie die Werkstätte an der Arningstraße.Aus der Geschichte der Hafen-Dampfschiffahrt A.-G. In: Unter dem grünen Ring an die Niederelbe, Verlag Hans Coert im Auftrag der HADAG, Hamburg 1949; S. 14/15
Nach dem Krieg wurden die Schiffe nach und nach repariert und mit Genehmigung der britischen Militärregierung wieder in Betrieb genommen. So begann der Betrieb der Finkenwerder-Linie am 14. Mai und der Reiherstieg-Linie am 15. Mai 1945, der Hafenfähren am 21. Juni 1945, der Harburger Linie am 1. Juli, der Großen Hafenrundfahrt am 5. Juli, der Stader Linie am 21. August und der Cuxhaven-Linie am 28. September 1945 und schließlich am 15. August 1946 der Jollenführer-Dienste. Ebenfalls durch die britische Militärregierung erhielt die HADAG die Genehmigung für Fahrten nach Brunsbüttelkoog, Husum, Wilhelmshaven, Bremerhaven, Grauerort und von Brunsbüttelkoog nach Cuxhaven sowie von Husum nach Wyk (Insel Föhr) Amrum und für Fahrten von Cuxhaven in die Nordsee. Außerdem gab es eine Linie zu den rechtselbischen Orten nach Kollmar und Glückstadt.Aus der Geschichte der Hafen-Dampfschiffahrt A.-G. In: Unter dem grünen Ring an die Niederelbe, Verlag Hans Coert im Auftrag der HADAG, Hamburg 1949; S. 15
1952 wurde der Seebäderdienst nach Helgoland gemeinsam mit der HAPAG aufgenommen. Hier fuhr das Schiff von den St.-Pauli-Landungsbrücken, zunächst mit Anlegen in Blankenese und Stadersand, über Cuxhaven auf die Helgoländer Reede, wo die Passagiere ausgebootet und mit Börtebooten auf die Insel gebracht wurden. Der auf die Sommersaison beschränkte Seebäderdienst umfasste neben der Linie von den Hamburg-St. Pauli über Cuxhaven nach Helgoland auch eine Linie von Hörnum (Sylt) nach Helgoland. Zum Einsatz kam dort z. B. ab 1960 die Hein Godenwind.
Der „Niederelbedienst“ auf der Unterelbe sah 1954 folgenden Weg vor: St.-Pauli-Landungsbrücken – Altona – Neumühlen – Teufelsbrück – Blankenese – Wittenbergen – Schulau (Wedel) – Lühe-Wisch – Lühe – Twielenfleth – Stadersand (mit Omnibus-Anschluss nach Stade) – Grauerort (– Krautsand – Wischhafen) Neben bis zu sechs Fahrten wurden sonn- und Feiertags sowie während der Baumblüte weitere Fahrten angeboten.Fahrplan gültig ab 10. April 1954, HADAG-Veröffentlichung in Zeitung
Die Hamburg-Blankenese-Este-Linie (HBEL) wurde am 1. März 1963 von Heinrich Sietas an die HADAG verkauft, nachdem er 48 Jahre lang die HBEL geleitet hatte. Der Eiswinter 1962/1963 hatte Fahrten der Schiffe über Monate verhindert und damit das an sich bis dahin gesunde Unternehmen zu diesem Schritt gezwungen.Arnold Kludas: Hundert Jahre HADAG-Schiffe. S. 32 ff. Die beiden in Cranz liegenden Raddampfer der HBEL Hansa von 1903 und Lessing von 1911 wurden zum 1. März 1963 an die HADAG verkauft, aber nicht mehr in Betrieb genommen. Die Verschrottungen erfolgten 1965 und 1966.
1963 wurde eine Tarifgemeinschaft mit der HHA eingeführt, seit der Wirksamwerdung des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) 1967 sind die Hafenfähren und Linienverkehre in diesen integriert. Eine Tarifgemeinschaft mit der HHA bestand schon einmal ab 1928. In Zusammenhang mit der Umstellung der Linienbezeichnungen im HVV-Netz (zweistellige Buslinien wurden dreistellig) erhielten die HADAG-Linien Ende Juli 1968 zusätzlich Liniennummern. Die Schiffslinien nach Moorburg/Harburg und Finkenwerder bekamen zunächst 800er Nummern, später die Bezeichnungen 61 und 62, reine Hafenfähren erhielten 70er Nummern.
1968 wurde der Fährdienst nach Harwich (Großbritannien) aufgenommen.
mini|Die ehemaligen HADAG-Seebäderschiffe Helgoland und Wappen von Hamburg (hier nach dem Eignerwechsel zur FRS) Die aktuelle Namensgebung HADAG Seetouristik und Fährdienst AG erfolgte 1969 zusammen mit der Bereederung der Englandfähren von Hamburg (und 1970 auch Bremerhaven) nach Harwich (letztere bis 1981). Gleichzeitig mit Bezug des neuen Verwaltungsgebäudes 1970 am Johannisbollwerk ersetzte die jetzige grün-weiß-rote Reedereiflagge die alte grün-weiß-schwarze. Ab 1971 wurden die Seebäderschiffe auf der Ostsee zunächst erfolgreich als „Butterschiffe“ eingesetzt. Von 1972 bis 1981 wurden von Eckernförde aus Fahrten zu den dänischen Orten Ærøskøbing und Sønderborg sowie von Travemünde zum Fehmarnsund angeboten.Arnold Kludas: Die Fährlinien und Routen der HADAG. In: Hundert Jahre HADAG-Schiffe 1888–1988, Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1988, ISBN 3-7822-0446-8, S. 146/147. Ab 1974 nahm das Unternehmen mit der „HADAG air“ einen Flugdienst nach Helgoland und Sylt in Betrieb. Von der Schiffsverbindung von Sylt nach Helgoland zog sich die HADAG in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre schrittweise zurück. Diese Linie wurde noch für mehrere Jahrzehnte in reduziertem Umfang von der W.D.R. fortgeführt.
Bis in die 1970er Jahre bestand die Harburger Linie: St.-Pauli-Landungsbrücken – Altona – Waltershof – Neuhof (Köhlbrand) – Altenwerder – Kattwiek – Moorburg – Harburg (am Dampfschiffsweg nahe dem ehemaligen Bahnhof Unterelbe). Der Streckenabschnitt Neuhof–Harburg wurde ab 1970 in drei Schritten zurückgezogen bzw. eingestellt: 1970 wurde der Betrieb zwischen Kattwyk und Harburg eingestellt, 1983 der Abschnitt zwischen Kattwyk und Altenwerder.Arnold Kludas: Hundert Jahre HADAG-Schiffe. S. 147. Heute wird diese Linie nur noch als Hafenfähre bis Neuhof (nördlich der Köhlbrandbrücke) betrieben.
Von 1976 bis 1981 wurden an einzelnen Tagen mit den Seebäderschiffen Alte Liebe oder Helgoland (von Travemünde aus) bzw. Stadt Kiel II (von Kiel aus) Tagesfahrten in die DDR nach Rostock-Warnemünde angeboten. Die erforderlichen Tagesvisa wurden auf dem Schiff ausgestellt, von Warnemünde gab es einen Bustransfer mit Reiseführer in die Rostocker Innenstadt mit anschließender Zeit von zwei Stunden zur Besichtigung.Faltprospekt der HADAG: Tagesausflüge per Schiff nach Warnemünde / Rostock ohne besonderen Formalitäten mit 5 Stunden Aufenthalt in der DDR.
Wegen zunehmend schwierigeren Geschäftes (selbst im traditionellen Helgolanddienst) sollte das Kreuzfahrtschiff Astor 1981 „das Ruder ’rumreißen“, doch auch dieses Unterfangen brachte nur neue Verluste. 1983 kam schließlich die Gesundschrumpfung, die Astor und die HADAG Air Seebäderflug GmbH & Co. wurden verkauft. Der Schiffsverkehr von Hamburg über Cuxhaven nach Helgoland wurde erst auf die Teilstrecke Cuxhaven–Helgoland reduziert und dann von der FRS übernommen. Die HADAG befährt seitdem ausschließlich den Hamburger Hafen und die Niederelbe.
Heutiges Angebot
Heute bedient die HADAG als Tochterunternehmen der HHA acht reguläre Fährlinien, die insgesamt 18 Anlegestellen bedienen, sowie den Verkehr zum Theater im Hafen. Die Linie 66 und die Verbindung Blankenese–Cranz sind hingegen bis auf Weiteres eingestellt. Die Hauptanlegestelle sind die St.-Pauli-Landungsbrücken, von denen auch die Hafenrundfahrten der HADAG ablegen.
Die HADAG beschäftigt durchschnittlich 85 Angestellte und beförderte 2005 etwa 5,6 Mio. Passagiere, 2011 war die Passagierzahl auf 7,65 Mio. gestiegen, 2014 waren es bereits 8,8 Mio. PassagiereHADAG setzt auf weiteres Wachstum. In: Täglicher Hafenbericht, 31. März 2015, S. 16. – zum Vergleich: die Jahreshöchstleistung im Fährverkehr wurde 1958 erreicht und betrug 21,3 Mio. Fahrgäste. 1997 hatten die Hafenfähren der HADAG lediglich gut 2,2 Mio. Fahrgäste.