mini|Alfred Hermann Fried Alfred Hermann Fried (* 11. November 1864 in Wien; † 4. Mai 1921 ebenda) war ein österreichischer Pazifist und Schriftsteller. Als Gründer der Zeitschrift Die Waffen nieder! Amt der Interparlamentarischen Konferenzen et al., Bertha von Suttner (Hrsg.): Die Waffen nieder! Monatsschrift zur Förderung der Friedensbewegung, offizielles Organ des Amtes der Interparlamentarischen Konferenzen und des Internationalen Friedensbureau in Bern sowie der Deutsche Friedensgesellschaften zu Wien, Berlin etc. Erscheinungsverlauf: 1.1892,Februar – 8.1899. S. n., Dresden, Leipzig, Wien, . – Online bei ANNO. und weiterer Aktivitäten für den Frieden erhielt Fried 1911 gemeinsam mit dem Organisator der Internationalen Konferenz für Privatrecht im Haag, Tobias Asser, den Friedensnobelpreis.
Familie Alfred Fried wurde in Wien in eine ungarisch-jüdische Familie geboren. Seine Eltern waren der Privatbeamte Samuel Fried (geboren 1832 in Szigetvár, Königreich Ungarn) und dessen Frau Bertha geborene Engel aus Budapest. Deren Eltern waren der Kaufmann Leopold Engelhttps://www.geni.com/people/Samuel-Fried/6000000010469587956 (Budapest-† 1877, Wien) und dessen Ehefrau Babetta geb. Weiss (Budapest-† 1870, Wien), beide auf dem Jüdischen Friedhof in Währing begraben. Frieds Tante Kathinka Engel heiratete den Schriftsteller Ludwig Ganghofer. Seinem Onkel Moritz Engel gehörte das bedeutende Wiener Salonblatt.. Fried heiratete drei Mal: in erster Ehe Gertrud Gnadenfeld, in zweiter Ehe Martha Holländer (die Schwester von Felix Hollaender) sowie in dritter Ehe, 1908, Therese Frankl (geb. Vollandt), die Ex-Gattin seines Schulfreundes Paul Franken (Pseudonym für Siegfried Frankl), der 1931 im „Wiener Tag“ einen ausführlichen Würdigungsartikel zu Frieds zehntem Todestag verfasste.Paul Franken: „Der Vorkämpfer der Abrüstung. Zum zehnten Todestag von Alfred H. Fried“. In: „Der Wiener Tag“. 3. Mai 1931. S. 1f.
Leben und Werk Alfred Fried besuchte die Schule bis zu seinem 15. Lebensjahr. Nach einer Ausbildung zum Buchhändler arbeitete er ab 1883 in Berlin in diesem Beruf. Von 1888 bis 1895 war er (anfangs zusammen mit Jaques Gnadenfeld) Inhaber des seinen Namen tragenden Verlags. Später begann er selbst zu publizieren. Zum Pazifisten wurde er 1881 durch eine Kriegsbilderausstellung. Zehn Jahre später begann er sich intensiv der Friedenspropaganda zu widmen. mini|hochkant=3|Weltfriedenskongress 1907 in München: A. H. Fried (stehende Reihe, Dritter von rechts); ebenfalls abgebildet: Bertha von Suttner, Ludwig Quidde, Frédéric Passy, Edwin Doak Mead, Henri La Fontaine mini|Gedenktafel in Berlin-Schöneberg Ab 1892 gab er gemeinsam mit Bertha von Suttner die pazifistische Zeitschrift Die Waffen nieder! heraus. In ihr und der ab 1899 erscheinenden Zeitschrift Die Friedens-Warte. artikulierte er seine pazifistischen Ideen.Webseite: Die Friedens-Warte Nachdem er 1892 die Deutsche Friedensgesellschaft mitbegründet hatte, war sein Ziel, eine internationale Organisation zur Friedenssicherung zu schaffen. Ab 1894 war er regelmäßiger Besucher der internationalen Friedenskongresse und interparlamentarischen Konferenzen in Brüssel, Budapest, Kristiania und Wien. Er bereitete Berichte für die deutschsprachige Presse vor und verbreitete sie. Von 1896 bis 1900 redigierte er die Monatliche Friedenskorrespondenz, die als Zeitschrift der deutschen Friedensgesellschaft diente, und wurde 1899 Redakteur der Zeitschrift Die Waffen nieder! 1899 rief er das Komitee zur Kundgebung für die Friedenskonferenz in Berlin ins Leben und 1902 war er bei der Eröffnung des Kriegs- und Friedensmuseums in Luzern anwesend. Ab 1903 war er Mitglied des Internationalen Friedensinstitutes. Seit dem 9. Februar 1908 gehörte er der Freimaurer-Loge Sokrates in Preßburg an.Martin Otto: Bei Suttners überm Sofa. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) 14. November 2011 (Nr. 265), S. 28.
Fried war auch ein engagiertes Mitglied der Esperantobewegung. Er veröffentlichte 1903 das Lehrbuch der internationalen Hilfssprache Esperanto. 1911 gründete er mit Otfried Nippold den Verband für internationale Verständigung.
Ende Januar 1911 schlug die schwedische interparlamentarische Friedensgruppe Alfred Hermann Fried und die von ihm gegründete Deutsche Friedensgesellschaft für den Friedensnobelpreis vor. Die mit einem Preisgeld von umgerechnet 186.000 K (entspricht heute etwa EURDiese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 10.000 EUR gerundet und vergleicht 1912 (zu diesem Zeitpunkt betrug der Wechselkurs 1,176 K = 1 Mark) mit Januar .) verbundene Verleihung fand am 10. Dezember 1911 statt, wobei die Auszeichnung zwischen Fried und Tobias Asser geteilt wurde.
Während des Ersten Weltkrieges suchte Fried, „von der deutschen Zensur bedrängt“, mit der Friedenswarte Zuflucht in der Schweiz und trat hier für die Bildung des Völkerbundes ein. Zum Friedensvertrag von Versailles und auch dem tatsächlich ins Leben gerufenen Völkerbund gegenüber äußerte er sich sehr kritisch.
mini|hochkant|Grab Frieds im Urnenhain der Feuerhalle Simmering in Wien Alfred Hermann Fried starb nach längerer Krankheit am 4. Mai 1921 im Wiener Rudolfsspital. Seinem letzten Willen entsprechend wurde er im Städtischen Krematorium in München am 18. Mai eingeäschert. Hierbei veranstaltete die Deutsche Friedensgesellschaft eine Trauerfeier, bei der als Redner Ludwig Quidde im Namen der Deutschen Friedensgesellschaft und des Internationalen Friedensbüros in Bern, Dr. Thiele für den Bund Neues Vaterland, Frau Wallgarten für die Internationale Frauenliga, Karl Gareis für die Unabhängige Sozialdemokratie sowie Hauptmann Schützinger für den Bund ehemaliger Kriegsteilnehmer auftraten. Danach wurde Fried im Urnenhain der Feuerhalle Simmering (Abteilung ALI, Nr. 63) zur letzten Ruhe bestattet. Sein Grab zählt zu den ehrenhalber gewidmeten bzw. ehrenhalber in Obhut genommenen Grabstellen der Stadt Wien. (PDF 2016), abgerufen am 7. März 2018.
mini|Straßenschild Friedstraße Im Jahr 1949 wurde in Wien-Floridsdorf (21. Bezirk) die Friedstraße nach ihm benannt. Nach ihm benannte Straßen gibt es weiters in Stockerau, Attnang-Puchheim und Leitring. Am 25. Mai 2011 wurde an Frieds ehemaligem Wohnhaus in Wien-Alsergrund, Widerhofergasse 5, eine Gedenktafel enthüllt.
Auszeichnungen Friedensnobelpreis 1911 (gemeinsam mit Tobias Asser) Dr. sc. pol. h. c., Universität Leiden
Werke (Auswahl) Die landläufigsten Citate und berühmtesten Aussprüche in deutscher, lateinischer, französischer, englischer und italienischer Sprache, s. a. – . Das Tagebuch eines zum Tode Verurteilten. 1898 Die Haager Conferenz, ihre Bedeutung und ihre Ergebnisse. 2. Tausend, 1900 Kleine Anzeigen. Sociale Streifbilder vom Jahrmarkt des Lebens, 1900. – . Lehrbuch der internationalen Hilfssprache „Esperanto“. Mit Wörterbuch in Esperanto-Deutsch und Deutsch-Esperanto. 1903 Deutschland und Frankreich. Ein Wort über die Notwendigkeit und Möglichkeit einer deutsch-französischen Verständigung. 1904 Weder Sedan noch Jena. Continent, Berlin 1904 – archive.org Handbuch der Friedensbewegung, 1905. – . Die moderne Friedensbewegung, 1907. – . Die zweite Haager Konferenz, ihre Arbeiten, ihre Ergebnisse und ihre Bedeutung. 1907 Die Grundlagen des revolutionären Pacifismus, 1908. – . Das internationale Leben der Gegenwart. 1908 Wien – Berlin. Ein Vergleich. 1908 – Faksimile Der kranke Krieg. 1909 Der Kaiser und der Weltfrieden. Maritima, Berlin 1910 – archive.org Pan-Amerika. Entwicklung, Umfang und Bedeutung der pan-amerikanischen Bewegung (1810–1910). Maritima, Berlin 1910 – archive.org Handbuch der Friedensbewegung. 2., gänzlich umgearbeitete und erweiterte Auflage. Ausgabe in 1 Band, 1911 und 1913 Kurze Aufklärungen über Wesen und Ziel des Pacifismus. 1914 – Europäische Wiederherstellung, 1915. – Volltext online Vom Weltkrieg zum Weltfrieden. Zwanzig Kriegsaufsätze, 1916. – Volltext online Die Forderung des Pazifismus, 1916. – Volltext online — (Hrsg.), Bertha von Suttner: Der Kampf um die Vermeidung des Weltkrieges. Randglossen aus zwei Jahrzehnten zu den Zeitereignissen vor der Katastrophe. 1892–1900 und 1907–1914. 2 Bände, 1917. – Band II in Teilen online Die Bestrebungen der Vereinigten Staaten für Ausbau und Festigung einer zwischenstaatlichen Ordnung (1794–1917), 1917. – Volltext online Mein Kriegstagebuch. 4 Bände, 1918/20 – Volltext online Band I: Das erste Kriegsjahr (7. August 1914 bis 28. Juli 1915) – archive.org Band III: Das dritte Kriegsjahr (1. August 1916 bis 28. Juli 1917) – archive.org Band IV: Das vierte Kriegsjahr (1. August 1917 bis 30. Juni 1919) – archive.org Probleme der Friedenstechnik, 1918. (Band 6 der Reihe Nach dem Weltkrieg). – Volltext online — (Hrsg.), Viscount Grey: Der Völkerbund. Ein Sammelbuch. 1919 Der Weltprotest gegen den Versailler Frieden. 1919
Literatur Armand Amselem: Les prix Nobel de la paix juifs. Recherche la paix et poursuis-la (Ps 34:15). Aléas, Lyon 2006, ISBN 2-84301-139-6. Walter Göhring: Verdrängt und Vergessen. Friedensnobelpreisträger Alfred Hermann Fried. Kremayr & Scheriau, Wien 2006, ISBN 978-3-218-00768-9. – Inhaltsverzeichnis online (PDF; 67 kB). Walter Göhring: Frieden ohne Grenzen – zu Alfred Hermann Fried, Friedensnobelpreisträger 1911. (Spuren in die Gegenwart). Löcker, Wien 2011, ISBN 978-3-85409-583-5. Guido Grünewald (Hrsg.): Alfred Hermann Fried: Organisiert die Welt! Der Friedens-Nobelpreisträger – sein Leben, Werk und bleibende Impulse (= Geschichte & Frieden. Band 36), Donat Verlag, 2016 Bernhard Kupfer: Lexikon der Nobelpreisträger. Patmos, Düsseldorf 2001, ISBN 3-491-72451-1. Beate Mache: Alfred H. Fried und die pazifistische Bewegung. Kalonymos, H. 1, Essen 2015, S. 12 (auch online) Helmut Mauermann: Das Internationale Friedensbüro 1892 bis 1950. Silberburg Wissenschaft, Geschichte, 284. Silberburg, Stuttgart 1990, ISBN 3-925344-78-0. Petra Schönemann-Behrens: „Organisiert die Welt“. Leben und Werk des Friedensnobelpreisträgers Alfred Hermann Fried (1864–1921). Dissertation Universität Bremen, 2004, DNB, OBV. Petra Schönemann-Behrens: Alfred H. Fried. Friedensaktivist – Nobelpreisträger. Römerhof, Zürich 2011, ISBN 978-3-905894-10-3. Petra Schönemann-Behrens: Alfred Hermann Fried. Peace activist and Nobel Prize laureate. Koninklijke Brill NV, Leiden 2021, ISBN (= Brill’s Specials in Modern History, Bd. 5), ISBN 978-90-04-47015-6. Bernhard Tuider: Alfred Hermann Fried – ein Adlatus oder Inspirator von Bertha von Suttner? Neue Perspektiven auf die Beziehung zweier Leitfiguren der österreichischen Friedensbewegung. In: Marianne Klemun (Hrsg.): Wissenschaft und Kolonialismus. Wiener Zeitschrift zur Geschichte der Neuzeit, Band 2/2009, . Studienverlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2009, ISBN 978-3-7065-4748-2, S. 134–162. Bernhard Tuider: Alfred Hermann Fried. Pazifist im Ersten Weltkrieg – Illusion und Vision. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2010, ISBN 978-3-639-25061-9. Wilhelm Urbanek (Hrsg.): 100 Jahre Friedensnobelpreis an Alfred Hermann Fried. Verlag Bezirksmuseum Alsergrund, Wien 2011, ISBN 3-902140-08-9.Andreas Hermann Landl: 100 Jahre Friedensnobelpreis an Alfred H. Fried. In: friedensnews.at, 6. Juli 2011, abgerufen am 31. Juli 2011.
Weblinks
Jutta Duhm-Heitzmann: 11.11.1864 - Der Geburtstag von Alfred Hermann Fried WDR ZeitZeichen vom 11. November 2014. (Podcast) Paul Franken: „Der Vorkämpfer der Abrüstung. Zum zehnten Todestag von Alfred H. Fried“. In: „Der Wiener Tag“. 3. Mai 1931. S. 1f.
Einzelnachweise
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