The Last Jaws – Der weiße Killer (Originaltitel: L’ultimo squalo) ist ein italienisch-US-amerikanischer Tierhorrorfilm aus dem Jahr 1981 von Kultregisseur Enzo G. Castellari mit James Franciscus und Vic Morrow in den Hauptrollen. In dem offen an Steven Spielbergs Der weiße Hai angelehnten Streifen macht ein riesiger weißer Hai die Küste einer Kleinstadt unsicher.
Handlung Im Küstenstädtchen South Bay laufen die Vorbereitungen für eine alljährliche Windsurf-Regatta auf Hochtouren und die Teilnehmer trainieren fleißig. Als aber der Favorit während einer Übung auf dem Meer spurlos verschwindet und nur ein Teil seines Surfbretts – versehen mit heftigen Bissspuren – aufgefunden wird, vermuten der Schriftsteller Peter und der erfahrene Fischer Ron sofort einen Haiangriff dahinter und warnen die Veranstalter davor, die Regatta durchzuführen. Doch Bürgermeister Wells will davon nichts wissen, verspricht er sich von dem bevorstehenden Spektakel doch einen Aufwind für seine Wahlkandidatur als Gouverneur. Der festen Überzeugung folgend, dass die Gefahr eines weiteren Angriffs gering oder nicht gegeben ist, beschließt Wells, das Event unter seiner Meinung nach ausreichend hohen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden zu lassen. Doch die Rechnung geht angesichts des gnadenlosen Killers im Wasser nicht auf, und letztendlich sind es Peter und Ron, die sich des Ungetüms auf Gedeih und Verderb annehmen.
Entstehung Der Film wurde in Malta und Savannah, Georgia gedreht.
Regisseur Enzo Castellari, der in Italien den Ruf eines Kultregisseurs hat, ist hierzulande vor allem durch Filme wie Kampf um die 5. Galaxis (1979), Keoma (1976) und Ein Haufen verwegener Hunde (1978) bekannt.
Castellari griff, wie in italienischen Filmen oft üblich, auf mehrere amerikanische B-Schauspieler zurück, um eine internationale Vermarktung zu ermöglichen, darunter James Franciscus, der in Rückkehr zum Planet der Affen Charlton Heston ersetzte, sowie Vic Morrow. Als Nebenrollen setzte Castellari u. a. seine Tochter Stefania Girolami und seinen Bruder Ennio Girolami ein. Mehrere Darsteller traten unter einem Pseudonym auf.
Neben den Spezialeffekten wurde zwischendurch auch Archivmaterial von echten Haien verwendet. Teile des Films wurden später in den Filmen Der Kampfgigant (1987) und Shakka – Bestie der Tiefe (1989) wiederverwendet.
Mit der Filmmusik wurden (bis auf die seinerzeitige US-Version) die Brüder Guido & Maurizio De Angelis beauftragt, besser bekannt als das Pop-Duo Oliver Onions, die in Deutschland hauptsächlich für ihre Musik zu zahlreichen Filmen mit Bud Spencer und Terence Hill bekannt sind.
Besetzung und Synchronisation Rolle Darsteller (Pseudonym) Deutscher Sprecher Peter Benton James Franciscus Hartmut BeckerRon HamerVic MorrowWolfgang Hess Gloria Benton Micaela Pignatelli (Micky Pignatelli) Helga Trümper Bürgermeister William Wells John Louis Loffredo (Joshua Sinclair) Frank EngelhardtBob MartinGiancarlo Prete (Timothy Brent) Matt Rosen Ennio Girolami (Thomas Moore) Leon RainerWilliam 'Billy Joe' Wells Jr.Gian Marco Lari Kameramann Jimmy Massimo Vanni (Max Vanders) Willi RöbkeHelikopterpilotAlessandro Maspes (Alex Maspes) Briley Romano Puppo Fred KlausJenny BentonStefania GirolamiKelly MichaelsJoyce LeeFischerGianluca DonniniFischerFabio Balini rahmenlos|250x250pxrahmenlos|250x250pxJames FranciscusVic Morrow
Veröffentlichung Der Film hatte seine Erstaufführung am 2. April 1981 in Italien. In Westdeutschland startete er am 30. April 1981.
In den USA, wo der Film unter dem Titel Great White veröffentlicht wurde, versuchte Universal Pictures die Verbreitung aufgrund seiner Ähnlichkeit zu Der weiße Hai noch vor der US-Premiere verhindern. Ein US-Gericht gab dieser Ansinnen zunächst nicht statt, doch ein Monat nach der Veröffentlichung verbot ein Bundesrichter die Verbreitung wegen Urheberrechtsverletzung, sodass der Film aus den US-Kinos entfernt wurde.https://www.newspapers.com/article/oroville-mercury-register-injunction-aga/158776067/
Die deutsche Kinofassung ist gegenüber der Originalversion um etwa fünf Minuten gekürzt. Beide Versionen sind auf der deutschen DVD-Veröffentlichung enthalten.Vergleich Originalfassung mit deutscher Kinoversion auf schnittberichte.com, abgerufen am 24. Mai 2017
2023 veröffentlichte das Phantastik-Label Anolis den Film als Blu-ray-Mediabook mit vier verschiedenen Motiven, das sowohl die ungekürzte als auch deutsche, geschnittene Fassung enthält.
Kritiken
Der Film erhielt seinerzeit mäßige bis gemischte Kritiken. Bemängelt wurden die zum Teil „billige“ Inszenierung, die Ähnlichkeit zum sechs Jahre zuvor erschienenen Spielberg-Film Der weiße Hai sowie teilweise fehlende musikalische Untermalung und ein niedriges Effektniveau.
Der Filmdienst urteilte: "Alberner Aufguß der Katastrophengeschichte vom weißen Hai als ... Inkarnation des Bösen ... mit viel Pappmaché nur mäßig spannend inszeniert." Das Monthly Film Bulletin schrieb, das einzig Interessante und Amüsierende sei, zu sehen, wie der Film Jaws plagiiert habe.Combs, Richard (1982). "Shark "(L'Ultimo Squalo)"". Monthly Film Bulletin. British Film Institute. 49 (576): 138–139. Der Boston Globe kritisierte die billigen Effekte.
In retrospektiven Bewertungen wurde der Film besser beurteilt und u. a. für seine Actionszenen gelobt.
Das Horrorfilmmagazin Splatting Image würdigt den Film als bemerkenswerten Beitrag, der trotz seines Plagiats den Vergleich mit seinen Vorbildern nicht scheuen müsse. Das Animatronikmodell des Hais sehe sogar realistischer aus und sei agiler als Spielbergs Original. Darüber hinaus sei der Hai schlauer und stärker und bekomme echte Actionszenen spendiert. Zudem komme der Film ohne Sexmotive aus – im Gegensatz zu US-Horrorfilmen, bei denen mit moralischem Zeigefinger vorzugsweise Teenager gekillt würden, welche gerade vorehelichen Sex hatten. Gelobt wird auch die solide Synchronisation u. a. mit Bud-Spencer-Stimme Wolfgang Hess. Der Film mache richtig Spaß und sei gut gealtert und daher ein empfehlenswerter Einstieg in das italienische Exploitationkino. Die Filmwebsite Moviebreak hält dem Film zugute, dass er im Vergleich zu anderen Billgheimern seiner Sparte "ganz drollig" sei. Zwar sei er als eigenständiger Tierhorror nicht ernstzunehmen, aber im zeitlichen Kontext und seiner Beschaffenheit als Italo-Variante von Der weiße Hai Teil 1 und Teil 2 viel unterhaltsamer als enttäuschend. Tobias Reitmann von Italo-Cinema.de analysiert, der Film sei eine schmackhafte Variante von Der weiße Hai, garniert mit Joe Dantes Piranhas und ein bisschen Action, dafür weniger Suspense. Musikalisch sei er kein großer Wurf, aber auch nicht störend. Zwar dürfe man bei den Effekten keine Wunder erwarten, doch lieferten die wuchtigen Explosionen und Attacken des Hais eine gelungene Sause ab. Die ehemalige Filmwebsite Tierhorror.de nannte den Film die italienische Antwort auf Der weiße Hai. Er sei recht unterhaltsam, wobei manche Haiszenen recht billig wirkten. Dennoch sei der Film kein Trash-Film, sondern zähle zu den besseren Hai-Filmen.
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Filmtitel 1981 Kategorie:Italienischer Film Kategorie:Tierhorrorfilm Kategorie:Mockbuster Kategorie:Hai als Thema