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mini|Münzporträt des Hadrian mini|Planskizze des Kastells von William Hutton, 1802 mini|Befundplan des Kastells (Ende 19. Jahrhundert) mini|Blick vom Süden auf das Kastellareal, rechts die Great Chesters Farm, links im Hintergrund die Cockmount Hill Farm mini|Überreste des Westtores mini|Rekonstruktionsversuch des Westtores von Aesica, Zustand im 4. Jahrhundert n. Chr., Blick aus NW mini|Steinbögen des Kellergewölbes in der Principia (2005) mini|Standort des Meilenkastells 43 mini|Reste des Südtores mit dem antiken Altar im östlichen Flankenturm mini|Der Altar im Südtor des Kastells mini|Reste des nordwestlichen Eckturms mini|Reste des südwestlichen Eckturms
Aesica war ein römisches Kastell der Hilfstruppen im County Northumbria, im Nordwesten von England, Parish Greenhead, Ortsteil Haltwhistle.
Es gehörte zu der aus insgesamt 16 Kastellen bestehenden Festungskette des Hadrianswalls (per lineam valli) und sicherte dessen mittleren Abschnitt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Lagern entlang des Walls, stand Aesica zur Gänze südlich der Mauer, neben den Grundfesten des ursprünglichen Walls und eines Meilenkastells, die beim Bau des Kastells beseitigt worden waren. Das Lager durchlief vermutlich drei Bauphasen und wurde von 128 bis ca. 400 n. Chr. vom römischen Militär genutzt.
Name Die Herkunft des antiken Ortsnamens ist unklar. Möglicherweise leitet er sich von einer keltischen Gottheit ab und könnte „der Platz des Esus“ bedeuten. Er wird in der Notitia dignitatum (Aesica), auf der Amiens Patera und in der Cosmografie des Geographen von Ravenna als Esica angegeben. Der heute gebräuchliche Name Great-Chesters (= die große Festung) stammt wohl aus dem Frühmittelalter, in der Zeit, als die Angelsachsen die Herrschaft in Britannien übernommen hatten. Als Chester ([]) bezeichnete man in ihrer Sprache einen mit einer Mauer umwehrten Platz. Vermutlich standen die Mauern des Kastells auch noch lange nach dem Abzug der Römer aufrecht, da es aufgrund seiner abgeschiedenen Lage zunächst noch vom Steinraub verschont blieb.Guy de la Bedoyere, 1998, S. 89, R&C 150, ein römisches Bronzegefäß (gefunden 1949 in Amiens, Frankreich), Inschrift: MAIS ABALLAVA VXELODVNVM CAMBOG…S BANNA ESICA.
Lage Aesica ist das neunte Glied in der Festungskette des Hadrianswalls (vallum aelium). Das Kastell befindet sich etwa 2,4 km nördlich der Kleinstadt Haltwhistle, nördlich des Tyne, auf einer Weide westlich der Great Chesters Farm. Südlich davon stand am Stanegate das Kleinkastell Haltwhistle Burn. Im späten 2. Jahrhundert gehörte die Region zur Provinz Britannia inferior, ab dem 4. Jahrhundert zur Provinz Britannia secunda. Das Kastellgelände ist heute Teil des Northumberland National Park.
Forschungsgeschichte Im Jahre 1724 berichtete der schottische Antiquar Alexander Gordon, dass einige Mauerpassagen des Kastells noch dreizehn Fuß (3,9 Meter) hoch erhalten waren. Die Überreste des Lagers und des Vicus wurden 1732 auch von John Horsley beschrieben. 1807 berichtete Lingard über das Kellergewölbe in der Principia und den Fund eines Altars, geweiht der Disciplinae. Die ersten Ausgrabungen wurden im Jahr 1894 durchgeführt. Bis 1897 wurden das Süd- und Westtor, die Ecktürme der NW- und SW-Ecke sowie die wichtigsten Funktionsgebäude und eine Therme aufgedeckt. Im Zuge der Grabungen wurden aber die meisten Mauern des Lagers zerstört. Am Südtor stieß man auf einen Hort, der zahlreiche Schmuckelemente enthielt. Darunter waren eine emaillierte Brosche in Form eines Hasen, eine vergoldete keltische Brosche, ein silbernes Halsband mit Anhänger, ein Goldring und ein Bronzering mit einem gnostischen Symbol. Repliken dieser Objekte sind im Museum of Antiquities in Newcastle zu besichtigen. Während dieser Ausgrabung wurde auch das Lagerhauptquartier (Principia) teilweise freigelegt, darunter auch das teilweise erhalten gebliebene Kellergewölbe unter dem Fahnenheiligtum. Südwestlich der Principia beobachtete man Mauerzüge eines Kasernenblocks. 1908 wurde am Haltwhistle Burn eine Wassermühle entdeckt, Fragmente des hölzernen Mühlrades waren noch erhalten geblieben. In weiterer Folge konnten auch ihre Mühlsteine geborgen werden. Sie befinden sich heute in der Sammlung des Chesters Museum. 1925 wurde noch einmal die NW-Ecke des Kastells untersucht. Im Jahre 1939 stieß Frank Gerald Simpson auf die Grundmauern des Meilenkastells 43. 1966 wurde eine Feldbegehung entlang des Aquädukts vorgenommen. Mitglieder der Society of Antiquaries of Newcastle nahmen 1971 eine zweite Begehung vor, um die Ergebnisse von 1966 nachzuprüfen. Von 1987 bis 1988 wurde das Aquädukt neu vermessen.John Horsley, 1732, Britannia Romana, RIB 1723, S. 150, D. Peel, 1972, S. 11, J. C. Bruce, 1966, S. 143–145.
Fundspektrum Aesica-Brosche: Das Schmuckstück gehört zu den bekanntesten Funden des keltorömischen Britannien und wurde im September 1894 bei der Ausgrabung im westlichen Wachraum des Südtors entdeckt, ca. 0,9 Meter von dessen Nordwand entfernt. Sie besteht aus vergoldeter Bronze und wurde in zwei Teilen gegossen. Den oberen Teil bildet eine quadratische Kopfplatte mit gekrümmtem Bogen, der Unterteil aus einer länglichen, fußförmigen Platte. Die etwa zehn Zentimeter lange Brosche ist mit Spiralornamenten nach keltischem Vorbild dekoriert. Vermutlich wurde sie in einer Werkstatt im Norden Britanniens, möglicherweise in Yorkshire, um 70 oder 80 n. Chr. hergestellt. Solche Stücke wurden paarweise an den Schultern, zur Befestigung eines Obergewandes, getragen. Ähnliche Broschen fand man auch auf dem Kontinent im Rheinland, in Gallien und Pannonien. Obwohl es viele Parallelen zu ihrer Form und Dekoration in Großbritannien gibt, ist die Aesica-Brosche bislang einzigartig in ihrer Ausführung.
Inschriften: In Great Chesters wurden bislang 31 Inschriften entdeckt. Sie umfassen elf Weihealtäre, eine Basis für Statuen verschiedener Götter, sechs Bauinschriften (davon waren allerdings nur drei datierbar), sieben Grabsteine, sechs weitere nicht näher bezeichnete Inschriftensteine einschließlich eines Centurialsteines mit der Zahl XLVIII „Achtundvierzig“. Die Inschriften entstanden in den Jahren zwischen 127 und 244. Zwei Grabsteine und ein Iupiteraltar waren in Zweitverwendung im Kommandantenhaus verbaut worden.RIB 1748, RIB 1750, RIB 1751, Eric Birley, 1961, S. 188–191 und S. 267, J. C. Bruce, 1966, S. 143–145.
Entwicklung Im Jahre 122 befahl Kaiser Hadrian (117–138), im Norden Britanniens eine Sperrmauer, verstärkt durch Wachtürme und Kastelle, vom Tyne bis zum Solway Firth zu errichten, um die britischen Provinzen vor den ständigen Einfällen der Pikten aus dem Norden zu schützen. Der Wall wurde größtenteils durch Soldaten der drei in Britannien stationierten Legionen und Mannschaften der Classis Britannica errichtet.
Über die Geschichte der Festung ist nur wenig bekannt. Man vermutet, dass dort vor der Errichtung des Hadrianswalls ein Tempel oder Schrein des keltischen Kriegsgottes stand. Aesica sollte wohl das Tal des Haltwhistle Burn und einen Übergang über die Winshield Ridge (das sog. Caw Gap) sichern. Der Bau des Kastells erfolgte Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr., aber erst nach Fertigstellung der Hadriansmauer in dieser Region. Es gehörte, zusammen mit Carrawburgh, zu den letzten Kastellen die am Wall erbaut wurden. Die um 1851 nahe dem Osttor geborgene Bauinschrift ist Hadrian gewidmet und bezeichnet ihn darin als „Vater des Vaterlandes“ (pater patriae). Diesen Titel führte der Kaiser seit 128, das Tor und wohl auch das übrige Kastell müssen daher zwischen 128 und 138 entstanden sein. Nahe dem Lager, an der Stelle, an der die Militärstraße den Haltwhistle Burn überquerte, stand eine römische Wassermühle. Vielleicht wurde von hier aus auch die Besatzung mit Mehl für ihre Brotrationen versorgt. Eine weitere im Kastell entdeckte Bauinschrift berichtet, dass der Getreidespeicher im Jahr 225, in der Regierungszeit des Severus Alexander (222–235), renoviert wurde. Im späten 4. Jahrhundert entglitt Britannien immer mehr der Kontrolle der weströmischen Zentralregierung in Ravenna. Wie der Eintrag in der Notitia dignitatum vermuten lässt, wurde es, wie die meisten anderen Wallkastelle, wohl erst im frühen 5. Jahrhundert vom Militär aufgegeben. Die letzten regulären Einheiten der weströmischen Comitatenses zogen um 410 aus Britannien ab. Die Festung wurde schließlich im Laufe der Jahrhunderte durch Steinraub zum Bau für landwirtschaftliche Gebäude und Feldmauern zerstört.RIB 1736, Guy de la Bedoyere, 1998, S. 89–90, J. C. Bruce, 1966, S. 143, C. E. Stevens, 1948.
Kastell Im Gegensatz zu einigen Wallkastellen im Ostsektor, die teilweise über die Hadriansmauer hinausragten, stand Aesica zur Gänze südlich des Walls. Es hatte den für mittelkaiserzeitliche Kastelle typischen, langrechteckigen Grundriss mit abgerundeten Ecken (Spielkartenform) und war von Ost nach West ausgerichtet. Das Lager maß 108 Meter von Nord-Süd, 128 Meter von Ost-West und bedeckte damit nur eine Fläche von 1,3 ha. Es zählt daher mit Kastell Pons Aelius und Congavata zu den flächenmäßig kleinsten Kastellen am Wall. Die Langseite war auf den Hadrianswall ausgerichtet. Die Nord-Ost-Ecke des Kastells ist heute von Farmgebäuden überbaut. Die Militärstraße, die den Wall im Süden begleitete, erreichte Aesica beim Osttor (Haupttor porta praetoria), bildete die Lagerhauptstraße (via principalis) und führte vom Westtor aus zum nächstgelegenen Kastell Birdoswald (Banna). Eine Zweigstraße, ausgehend vom Südtor, verband das Kastell mit dem Stanegate. Die Überreste des Kastells sind heute stark von Vegetation überwuchert.Guy de la Bedoyere, 1998, S. 89
Umwehrung Die Grundfesten der etwa 2,1 Meter breiten Mauer und die umlaufenden Gräben sind noch relativ gut erhalten. An der Westseite sind sie als leichte Bodenerhebungen oder Vertiefungen erkennbar. Wahrscheinlich wurde sie an ihrer Rückseite von einer Erdrampe, die auch als Wehrgang diente, abgestützt. Ungewöhnlich für ein Kastell des Hadrianswalls war es vermutlich von mehreren Wehrgräben umgeben. An der Westseite wurden vier nachgewiesen, während die südlichen und östlichen Wälle von nur einem Graben geschützt wurden. Dies deutet darauf hin, dass die Erbauer der Festung das flache Terrain im Westen als die größte Schwachstelle in der Verteidigung ansahen. Die westlichen Gräben werden an ihrem nördlichen Ende von der Mauer überdeckt. Vermutlich wurde das Kastell während seines Bestehens noch einmal erweitert (vgl. Kastell Onnum), oder sie wurden ausgehoben, bevor das Meilenkastell abgerissen wurde. An der Südseite scheint es, dass der dortige Graben das vallum störte, das ebenfalls noch vor der Errichtung Festung angelegt worden war.Guy de la Bedoyere, 1998, S. 90
Tore Betreten konnte man das Kastell durch vier, im Norden, Süden, Osten und Westen platzierte Tore. Nord- und Südtor waren nicht zentral angelegt, sondern waren etwas nach Osten verschoben. Alle wurden von zwei quadratischen, leicht vor die Mauer vorspringenden Türmen flankiert. Jedes verfügte über zwei Durchgänge, getrennt durch zwei Stützpfeiler (spina) an der Vorder- und Rückseite. Die Wachzimmer befanden sich in den Flankentürmen. Die Tore konnten mit zweiflügeligen Holztoren verschlossen werden.
Osttor: Von ihm blieb die Bauinschrift erhalten, die beweist, dass die Festung zur Zeit des Hadrian erbaut wurde (heute im Chesters Museum).