miniatur|400px|Plan zum Einstau der Linthebene vom 18. November 1939
Die Sperrstelle Linthebene oder die Linthstellung war eine Verteidigungsstellung der Schweizer Armee. Sie befindet sich beim ehemaligen Reduiteingang in der Linthebene in den Kantonen Schwyz, St. Gallen und Glarus. Die Linthstellung der 7. Division wurde vom Oktober 1939 bis Juni 1942 stark befestigt. 1947 wurde sie der Reduitbrigade 24 zugeteilt, und 1978 wechselte sie zur 6. Division des Feldarmeekorps 4.
Die Sperrstellen Grinau und Reichenburg-Buttikon, Hauptstützpunkte der Abwehrfront in der Linthebene, gelten als militärhistorische Denkmäler von nationaler Bedeutung.Sperrstellen Grinau und Reichenburg-Buttikon. In: Silvio Keller, Maurice Lovisa, Thomas Bitterli: Militärische Denkmäler in den Kantonen Uri, Schwyz und Zug. Inventar der Kampf- und Führungsbauten. Seite 26–29, Hrsg.: Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, Bern 2005 (PDF; 2,1 MB) Geschichte Die Linthebene war eine bevorzugte Einfallsachse der deutschen Operationsplanungen für mechanisierte Verbände und Luftlandetruppen, weil sie den Zugang in das Becken von Schwyz und Richtung Gotthard ermöglichte sowie den Eingang zum Glarnerland und zu den drei Alpenübergängen Pragel-, Klausen- und Kistenpass bildete. Sie spielte im Verteidigungsdispositiv der Armee als Teil der Limmatstellung und ab Juli 1940 als Nordgrenze/Vorstellung der Front des Reduit eine bedeutende Rolle, die bis zum Äussersten zu halten war.
Bereits vor Kriegsausbruch wurde diese wichtige strategische Bedeutung erkannt und wurden Studien über eine mögliche Flutung erstellt, um Panzervorstösse und taktische Luftlandungen in der Linthebene zu verhindern. Am 30. Oktober 1939 befahl General Guisan den unverzüglichen Bau der Stauanlagen und genehmigte einen Kredit von 200'000 Franken für die Überschwemmungsvorbereitungen. Anfang 1940 wurde die Schweizer Armee teilweise neu gegliedert und ein 4. Armeekorps geschaffen. Die dem 4. Armeekorps unterstellte 7. Division bezog unter ihrem Kommandanten Hermann Flückiger im September 1939 mit rund 13'000 Mann (Infanterieregimenter 31, 33, 34, 85) die Linthstellung. Im Mai 1940 befahl der General den Bau von 20 Infanteriewerken samt Infanterie- und Panzerhindernissen längs des Linthkanals, wovon vier Stände mit Panzerkuppeln zur Artilleriebeobachtung.
Die 7. Division verfügte über drei Abwehrfronten/Kampfgruppen: die rechte verlief vom Federispitz über Schänis-Unter Bilten zum Sunnenberg, die mittlere von Unter Bilten bis Reichenburg mit einem Stützpunkt auf dem Benkner Büchel und die linke von Reichenburg entlang der Bahnlinie bis Buttikon, zweigte dort nach Tuggen ab und endete bei der Grynau. Die Artilleriestellungen befanden sich im Raum Niederurnen und Holeneich-Lachen.
Am 25. Juli 1940 informierte General Guisan anlässlich des Rütlirapportes sämtliche höheren Offiziere über den Plan, im Falle eines Angriffs der Achsenmächte die Verteidigung der Schweiz auf die neue Zentralraumstellung des Reduits zu konzentrieren und alle Zufahrten zu den Bergen notfalls zu zerstören. Die 7. Division verblieb in der Linthstellung, da diese in die neue Zentralraumstellung der Armee einbezogen wurde. Die an der Limmatlinie im Juni 1940 gestoppten Bauarbeiten wurden an der Linthstellung im Juli 1940 wieder aufgenommen.
Im August 1940 erhielt die 7. Division den Befehl, die Zentralraumstellung im Abschnitt Reichenburg-Grynau-Buechberg-Obersee-Etzel mit Hauptstützpunkten im Linthgebiet und am Etzel zu halten und einen gegnerischen Stoss ins Wägi-, Sihl- und Alpthal zu verhindern. Hierzu wurden die Hauptkampfgruppen Linth, Lachen, Etzel und das Kampfdetachement Wägital gebildet. Für sie wurden die Felswerke Grynau und Benkner Büchel, die Artilleriewerke in Oberurnen und eingangs Wägital, die Verbreiterung und Vertiefung der Kanäle beidseits der Linth (Zürichsee bis Grynau) als zusätzliche Tankhindernisse sowie Sprengobjekte bei den Linthbrücken, bei Seedamm, Teufelsbrücke und Wägital erstellt.
Mit dem neuen Operationsbefehl des 4. Armeekorps vom Januar 1941 wurde das Dispositiv der 7. Division vom linearen Verteidigungskampf zum tiefgestaffelten Verzögerungskampf (ab Linthebene) angepasst, indem die Front umgruppiert und auf die Höhenzüge Rinderweidhorn-Stöcklikreuz-Etzel zurückverlegt wurde. Es wurden die neuen Kampfgruppen «Bataillon Linth» (Sperrstellung hinter der Linth, Linthstauanlagen), «Pfiffegg» (Zugang Wägital), «Oberegg» (Zugang Sihlseeraum), «Etzel» (Etzelübergang) gebildet sowie das Infanterieregiment 34 als Divisionsreserve bestimmt. Die Artillerie (Feldartillerieabteilungen 19 und 21) befand sich im Sihlseeraum. Da die deutschen Angriffspläne eine rasche Besetzung der Reduiteingänge durch Luftlandetruppen vorsahen, liess der General diese dauernd durch starke Verbände sichern, die durch «stille» Mobilmachung mittels Marschbefehlskarten aufgeboten wurden.Gotthard Frick: Hitlers Krieg und die Selbstbehauptung der Schweiz 1933–1945. Eigenverlag, Bottmingen 2011, ISBN 978-3-033-02948-4.
Die Befestigungsanlagen wurden in den Nachkriegsjahren weiterbetrieben und mit neueren Waffentypen ausgerüstet.
Sperrstelle Grynau Die Sperrstelle Grynau-Tuggen (Armeebezeichnung Nr. 2424) war im Zweiten Weltkrieg ein Schlüsselgelände im Stützpunkt Buechberg der Linthstellung der 7. Division. Diese hatte neben der Linthstauanlage die beiden Brückenköpfe und Infanteriefestungen Grynau und Möslifluh beim Benkner Büchel sowie zahlreiche Tanksperren und Bunker entlang der Linth zu besetzen.
Der Stützpunkt Buechberg (Füs Bat 74) und die Sperre Tuggen (Füs Bat 73) wurden vom Oktober 1939 bis Juni 1940 stark befestigt und bildeten den linken Pfeiler der Linthstellung der 7. Division. Die Festung Grynau war nach ihrer Fertigstellung im Verbund mit der vorgesehenen Überflutung der Linthebene ein starkes Hindernis.
Infanteriefestung Grynau Mit dem Bau der Infanteriefestung Grynau A 6913 wurde im März 1940 begonnen. Im Spätsommer 1942 wurde sie vom Ter Bat 146 beziehungsweise der Ter Bat Füs Kp II/146 übernommen. Das Werk bildete den linken Pfeiler der vorgeschobenen Stellung am Nordrand des Reduit-Dispositivs der 7. Division. Für seinen Einsatz für die Reduitbrigade 24 wurde das Ter Bat 146 zum Füs Bat 146. Dieses stellte, bis zum Wechsel des Gebietes Linthebene zum Feldarmeekorps 4 im Jahre 1978, weiterhin die Werksbesatzung. Die Festung besteht aus sechs Maschinengewehrbunkern, einem Bunker für eine 4,7 cm Infanteriekanone und einem Artilleriebeobachtungsturm, die alle unterirdisch mit Gängen verbunden sind. Die Bunker befinden sich in der Nähe des Schlosses Grynau entlang des Wanderweges, der vom Schloss über den Buechberg nach Nuolen und Lachen führt. Die weissen Hinweistafeln des Bunkerwanderweg weisen den Weg zu den Bunkern.
Ende der 1960er Jahre wurde die Festung mit einer 9-cm-Panzerabwehrkanone 50 sowie sechs Maschinengewehren 51 modernisiert. Sie wurde in den 1980er Jahren desarmiert.Kleines Stachelschwein: Sperre Infanteriewerk Grynau SZ
Infanteriebunker Mühlehalden (abgebaut) A 6884 Artilleriebeobachter Tuggenegg A 6885 Artilleriebeobachter Tuggenegg A 6886 Artilleriebeobachter Tuggenegg A 6887 Artilleriebeobachter Tuggenegg A 6888 Artilleriebeobachter Tuggenegg A 6889 Infanteriebunker Tuggen-Dorf A 6890 Infanteriebunker Linthport 31/24 A 6891 Infanteriebunker Linthport 31/23 A 6892 Infanteriebunker Linthport 31/22 A 6893 Infanteriebunker Linthport 31/21 A 6894 Infanteriebunker Linthport 31/20 A 6895 Infanteriebunker Chipf 1 A 6896 Infanteriebunker Chipf 2 A 6897 Infanteriebunker Kirche A 6898 Infanteriebunker Linth 25 A 6911 Infanteriebunker Linth 26 A 6912 Infanteriewerk Grynau A 6913 Infanteriewerk Grynau A 6913 Dynamit 01 Mg Infanteriewerk Grynau A 6913 Panzerturm Beob Infanteriewerk Grynau A 6913 Cheddit 16 Mg Infanteriewerk Grynau A 6913 Altorfit 17 Mg Infanteriewerk Grynau A 6913 Gamsit 19 Ik Infanteriewerk Grynau A 6913 Ekrasit 20 Mg
Infanteriebunker Linthkanal 27 A 6914 Infanteriebunker Linthkanal 28 A 6915 Infanteriebunker Linthkanal 29 A 6916
Unterstand Buchberg A 6923 Infanteriebunker A 6924 Unterstand «Zug Ghetta» A 6925 Unterstand «Tonhalle» A 6926 Infanteriebunker Buchberg 2 A 6930 Infanteriebunker Buchberg 3 A 6931 Artilleriebeobachter «Hundsruggen» Buchberg Infanteriebunker Buchberg 4 A 6932 Infanteriebunker Buchberg 5 A 6933 Infanteriebunker Buchberg 6 A 6934 Infanteriebunker Buchberg 7 A 6935 Infanteriebunker Buchberg 8 A 6936 Unterstand Buchberg (Sanität) A 6937 Infanteriebunker Buchberg 9 A 6938 Infanteriebunker Buchberg 10 A 6939 Infanteriebunker Buchberg 11 A 6940 Infanteriebunker Buchberg 12 A 6941 Infanteriebunker Buchberg 13 A 6942 Infanteriebunker Buchberg 14 A 6943 Infanteriebunker Buchberg 15 A 6944 Sprengobjekt Linthbrücke Grynau M 2871 Sprengobjekt Nebenstrasse Grynau-Bätzimatt M 2872 Barrikade Schlösslitürli T 3530 GPH Linthport-Tuggen T 3531 Barrikade Kepellhof T 3531.01 Barrikade Pilgerweg T 3531.02 Unterstand F 14005 Kleines Stachelschwein: Sperrstelle Linthebene SZ/SG
Sperrstelle Mösli-Benken SZ/SG Bei der Sperrstelle Mösli-Benken bildete das Infanteriewerk Möslifluh A 6903 auf dem Benkner Büchel den zentralen Eckpfeiler. Es sollte mit seinen zwei 4,7-cm-Infanteriekanonen und dem Maschinengewehr die Überquerung der Giessenbrücke, den Durchbruch Richtung Schänis sowie den Zugang zu den Überflutungsobjekten der Linthebene verhindern. Die Infanteriekanonen wirkten auf die Giessenbrücke und die Geländepanzerhindernis Möslifluh-Benken. Das 1941–42 gebaute Werk verfügte über eine Infrastruktur mit Unterkunft, Telefonzentrale, Küche und Wasserreservoir. Zur Nahverteidigung waren zwei Bunker mit Leicht Maschinengewehren (Lmg) erstellt worden, einer davon war ins Werk integriert.
Im Zweiten Weltkrieg war es von der Territorialfüsilierkompanie I/146 besetzt und bis Ende 1976 vom Füsilierbataillon 146. Nach der Abtretung des Werks an die Felddivision 6 des Feldarmeekorps 4 wurden zahlreiche Werke desarmiert. Infanteriebunker Reckwies Ost A 6878 Infanteriebunker Reckwies West A 6879 Infanteriebunker Spettlinth oben A 6880 Infanteriebunker Spettlinth unten A 6881 Infanteriebunker Nüguet Ost A 6882 Infanteriebunker Neugut West A 6883 Infanteriebunker Henkelgiessen A 6900 Infanteriebunker Grindbühl A 6901 Infanteriebunker Signal A 6902 Infanteriewerk Möslifluh (inklusive zweier Lmg-Bunker) A 6903 IW Möslifluh A 6903: Pak-Scharte Infanteriewerk Möslifluh A 6903: integrierter Lmg-Aussenbunker 1 Infanteriewerk Möslifluh A 6903: Lmg-Aussenbunker 2 Infanteriebunker Mösli A 6904 Kleinunterstand F 14001 Geländepanzerhindernis Möslifluh-Benken Festung Oberland: Sperrstelle Mösli/Benken SZ/SG
Infanteriebunker Linthkanal 18 A 6905 Infanteriebunker Linthdamm A 6906 Infanteriebunker Linthkanal 19 A 6907 Infanteriebunker Linthkanal 20 A 6908 Infanteriebunker Linthkanal 21 A 6909 Infanteriebunker Linthkanal 23 A 6910
Sperrstelle Reichenburg-Buttikon SZ Die Sperrstelle Reichenburg-Buttikon (Armeebezeichnung Nr. 7660) gehörte bis 1977 zur Sperre Reichenburg-Giessen (Armeebezeichnung Nr. 2425) der Reduitbrigade 24. Durch die Umteilung der Linthebene zum Feldarmeekorps 4 kam sie zur Felddivision 6. Zur Sperrstelle gehörten neben den Geländepanzerhindernis Reichenburg-Buttikon-Tuggen zwei Infanteriewerke, die mit den beiden Flankierbunkern sowie weiteren drei Mg-Bunkern eine Rundumverteidigung des Stützpunktes Reichenburg ermöglichten. Zwischen Reichenburg und Buttikon wurde südlich der Bahnlinie und auf der Westseite des Rütibaches je eine Höckersperre errichtet.