mini|Der Pokal

Der DFB-Pokal (bis 1943 Tschammerpokal) ist ein seit 1935 ausgetragener nationaler Fußball-Pokalwettbewerb für deutsche Vereinsmannschaften. Er wird jährlich vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) veranstaltet und ist nach der deutschen Meisterschaft der zweitwichtigste Titel im nationalen Vereinsfußball. Der Sieger des DFB-Pokals wird im K.-o.-System ermittelt.

Für die erste Hauptrunde sind jeweils 18 Vereine der Bundesliga und 2. Bundesliga qualifiziert sowie die ersten vier Mannschaften der 3. Liga zum Ende der Vorsaison. Dazu kommen 24 Mannschaften aus den unteren Ligen, in der Regel die Verbandspokalsieger. Die Paarungen werden vor jeder Runde öffentlich ausgelost. Mannschaften, die unterhalb der 2. Bundesliga spielen, erhalten für Partien gegen höherklassige Gegner Heimrecht. Seit 1985 wird das Finale des DFB-Pokals im Berliner Olympiastadion ausgetragen.

In der Saison 2025/26 lief die 83. Austragung des Wettbewerbs. Im Endspiel setzte sich der FC Bayern München mit 3:0 gegen den VfB Stuttgart durch und gewann damit zum 21. Mal den Pokal.

Geschichte Jahr Tschammerpokalsieger 1935 1. FC Nürnberg 1936 VfB Leipzig 1937 FC Schalke 04 1938 SK Rapid Wien 1939 1. FC Nürnberg (2) 1940 Dresdner SC 1941 Dresdner SC (2) 1942 TSV 1860 München 1943 First Vienna FC Saison DFB-Pokal-Sieger 1952/53 Rot-Weiss Essen 1953/54 VfB Stuttgart 1954/55 Karlsruher SC 1956 Karlsruher SC (2) 1957 FC Bayern München 1958 VfB Stuttgart (2) 1959 Schwarz-Weiß Essen 1960 Borussia M.Gladbach 1961 Werder Bremen 1962 1. FC Nürnberg (3) 1963 Hamburger SV 1963/64 TSV 1860 München (2) 1964/65 Borussia Dortmund 1965/66 FC Bayern München (2) 1966/67 FC Bayern München (3) 1967/68 1. FC Köln 1968/69 FC Bayern München (4) 1969/70 Kickers Offenbach 1970/71 FC Bayern München (5) 1971/72 FC Schalke 04 (2) 1972/73 Borussia Mönchengladbach (2) 1973/74 Eintracht Frankfurt 1974/75 Eintracht Frankfurt (2) 1975/76 Hamburger SV (2) 1976/77 1. FC Köln (2) 1977/78 1. FC Köln (3) 1978/79 Fortuna Düsseldorf 1979/80 Fortuna Düsseldorf (2) 1980/81 Eintracht Frankfurt (3) 1981/82 FC Bayern München (6) 1982/83 1. FC Köln (4) 1983/84 FC Bayern München (7) 1984/85 Bayer 05 Uerdingen 1985/86 FC Bayern München (8) 1986/87 Hamburger SV (3) 1987/88 Eintracht Frankfurt (4) 1988/89 Borussia Dortmund (2) 1989/90 1. FC Kaiserslautern 1990/91 Werder Bremen (2) 1991/92 Hannover 96 1992/93 Bayer 04 Leverkusen 1993/94 Werder Bremen (3) 1994/95 Borussia Mönchengladbach (3) 1995/96 1. FC Kaiserslautern (2) 1996/97 VfB Stuttgart (3) 1997/98 FC Bayern München (9) 1998/99 Werder Bremen (4) 1999/00 FC Bayern München (10) 2000/01 FC Schalke 04 (3) 2001/02 FC Schalke 04 (4) 2002/03 FC Bayern München (11) 2003/04 Werder Bremen (5) 2004/05 FC Bayern München (12) 2005/06 FC Bayern München (13) 2006/07 1. FC Nürnberg (4) 2007/08 FC Bayern München (14) 2008/09 Werder Bremen (6) 2009/10 FC Bayern München (15) 2010/11 FC Schalke 04 (5) 2011/12 Borussia Dortmund (3) 2012/13 FC Bayern München (16) 2013/14 FC Bayern München (17) 2014/15 VfL Wolfsburg 2015/16 FC Bayern München (18) 2016/17 Borussia Dortmund (4) 2017/18 Eintracht Frankfurt (5) 2018/19 FC Bayern München (19) 2019/20 FC Bayern München (20) 2020/21 Borussia Dortmund (5) 2021/22 RB Leipzig 2022/23 RB Leipzig (2) 2023/24 Bayer 04 Leverkusen (2) 2024/25 VfB Stuttgart (4) 2025/26 FC Bayern München (21)

Tschammerpokal links|mini|Matchwimpel vom Endspiel um den Tschammerpokal 1938

Vorgänger des heutigen DFB-Pokals als nationaler Pokalwettbewerb im deutschen Fußball war die 1935 erstmals ausgetragene Deutsche Vereinspokalmeisterschaft, die im Juni 1936 – nach dem damaligen Reichssportführer, Initiator des Wettbewerbs und Stifter der Trophäe, Hans von Tschammer und Osten – den Namen von Tschammer-Pokal (auch Tschammerpokal) erhielt. Vorbild war der englische Fußball mit seinem alljährlichen Pokalendspiel, das seit 1872 ausgetragen wurde. Der Pokal war als Wanderpokal ausgelegt und sollte in den endgültigen Besitz des Vereins gehen, der diesen erstmals dreimal hintereinander oder viermal insgesamt gewinnt.Pokalspiele am 6. Januar, Karlsruher Tagblatt, 6. November 1934, S. 6.

Am ersten Tschammerpokal, der vom 6. Januar 1935 an ausgespielt wurde, nahmen mehr als 4000 Mannschaften teil. Für die in Gauliga und Bezirksklasse (den höchsten Spielklassen jener Jahre) spielenden Klubs bestand Teilnahmepflicht. Den anderen Vereinen des Reichsfachamts für Fußball war die Teilnahme freigestellt. Die Mannschaften spielten zunächst in Vor-, Zwischen- und Hauptrundenspielen um die Teilnahme an der Schlussrunde, an der die besten 64 Klubs teilnahmen. Die Gauligisten mussten zum Großteil erst in der Hauptrunde in den Wettbewerb eingreifen. Erster Favoritenschreck der deutschen Pokalgeschichte war der Bezirksligist Berolina Berlin, der die Gauligaklubs SC Victoria Hamburg und Vorwärts-Rasensport Gleiwitz besiegen konnte und erst das Achtelfinale gegen den in der Gauliga Hessen spielenden FC Hanau 93 verlor. Die Zuschauer besuchten die Vorrunden-Spiele zunächst verhalten; ab dem Viertelfinale füllten sich die Stadien zufriedenstellend.

links|mini|Der Tschammerpokal

Am 8. Dezember 1935 wurde im ausverkauften Düsseldorfer Rheinstadion vor 60.000 Zuschauern das erste Endspiel um den deutschen Vereinspokal ausgetragen: der FC Schalke 04 (Vorjahres-Meister) spielte gegen den damaligen Rekordmeister 1. FC Nürnberg. Nürnberg gewann das Spiel mit 2:0. Die Schalker standen auch in den folgenden beiden Jahren jeweils im Endspiel; ihnen gelang im dritten Anlauf der erste Sieg. Nachdem man im Jahr zuvor am VfB Leipzig gescheitert war, konnte Schalke im Januar 1938 durch einen Sieg über Fortuna Düsseldorf erstmals den Pokal gewinnen. Dem Verein gelang damit außerdem als erstem – und lange Zeit einzigem – das Double aus Meisterschaft und Pokal.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich (März 1938) wurden die österreichischen Vereine in Meisterschaft und Pokal in den deutschen Spielbetrieb überführt. Bereits im ersten Jahr zeigte der SK Rapid Wien sein Potential: Er besiegte am 8. Januar 1939 im ausverkauften Berliner Olympiastadion den FSV Frankfurt mit 3:1. Dies war das letzte Pokalendspiel vor dem Zweiten Weltkrieg. Nachdem im Folgejahr der 1. FC Nürnberg erneut Pokalsieger geworden war, gelang dem Dresdner SC um Nationalspieler Helmut Schön 1941 als erster Mannschaft die Titelverteidigung. Der Tschammerpokal wurde 1943 letztmals an einen „Großdeutschen Fußballpokalsieger“ vergeben: Gewinner war der Wiener Verein First Vienna FC 1894, der den Luftwaffen-Sportverein Hamburg in der Stuttgarter Adolf-Hitler-Kampfbahn – der heutigen MHPArena – mit 3:2 nach Verlängerung bezwang. Wegen des Zweiten Weltkriegs blieb es das letzte Pokalendspiel bis 1953.

Wiedereinführung als DFB-Pokal nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es bis Herbst 1963 noch keine eingleisige Bundesliga als höchste Spielklasse. Andere Wettbewerbe hatten deshalb mehr Gewicht.

1952 rief der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Vereinspokal für Westdeutschland wieder ins Leben. Die Bezeichnung DFB-Vereinspokal war bis in die 1980er Jahre – zur Abgrenzung vom Länderpokal – üblich. Inzwischen hat sich die Kurzform DFB-Pokal durchgesetzt. Als Trophäe diente bis 1964 der Tschammer-Pokal, bei dem das zuvor aufgebrachte Hakenkreuz durch eine Platte mit DFB-Symbolik ersetzt worden war. In den ersten Jahren des neuen Pokalwettbewerbs wurden der nationalen Endrunde die Pokalwettbewerbe der Regionalverbände, also Berliner Pokal, Norddeutscher Pokal, Süddeutscher Pokal, Südwestdeutscher Pokal sowie Westdeutscher Pokal, vorgeschaltet. Teilweise qualifizierten sich auch die Teilnehmer am Endspiel um die deutsche Meisterschaft sowie der Deutsche Amateurmeister für die Endrunde des DFB-Pokals.

Erster Gewinner des Nachkriegs-Vereinspokals war Rot-Weiss Essen um Weltmeister Helmut Rahn, das Alemannia Aachen im Finale in Düsseldorf mit 2:1 besiegte.

In den Jahren 1956 bis 1963 wurde der Wettbewerb innerhalb eines Kalenderjahres ausgetragen. Beim Pokal von 1956 fand zunächst nur das Finale in der zweiten Jahreshälfte statt. Bis 1963 fanden alle nationalen Hauptrunden im zweiten Kalenderhalbjahr statt. Seit 1963/64 wird der Wettbewerb wieder im kalendarischen Rhythmus der Fußballsaison ausgespielt. Der DFB folgte in dieser Entscheidung den Vorgaben der UEFA, die in dieser Saison von den Mitgliedsverbänden erstmals verlangte, ihre Meister und Pokalsieger bis spätestens 24. Juni zur Teilnahme an den Europapokalwettbewerben zu melden. Darüber wurde in der Fachpresse im Frühjahr 1963 des Öfteren diskutiert und es wurde einhellig daraus geschlossen, den Pokalwettbewerb terminlich anders organisieren zu müssen.

In den elf Jahren zwischen der Wiederbelebung des deutschen Vereinspokals bis zur Einführung der Fußball-Bundesliga im Jahr 1963 wurden insgesamt neun verschiedene Mannschaften Pokalsieger. Zwei Mannschaften gelang es in diesen Jahren, den Titel zweimal zu gewinnen: dem Karlsruher SC (1955 und 1956) und dem VfB Stuttgart (1954 und 1958). In diese Zeit fällt außerdem der erste, damals noch sehr überraschende Pokalsieg des heutigen Rekordsiegers FC Bayern München (1957).

Der DFB-Pokalsieg von Schwarz-Weiß Essen im Jahr 1959 kam ebenfalls überraschend. Die Essener, die erst zur Saison 1959/60 aus der 2. Liga in die Oberliga West aufgestiegen waren, schlugen im Dezember im Halbfinale den Hamburger SV mit 2:1 nach Verlängerung. Das am 27. Dezember 1959 ausgetragene Finale gewannen sie mit 5:2 gegen Borussia Neunkirchen.

Am 26. Dezember 1952 wurde mit dem Achtelfinal-Spiel des FC St. Pauli gegen den Duisburger Stadtteilverein Hamborn 07 auf dem Hamburger Heiligengeistfeld (im damaligen, später verlegten Millerntor-Stadion) das erste Fußballspiel im deutschen Fernsehen live übertragen. Die Hamborner gewannen die torreiche Partie mit 4:3.

Der DFB-Pokal nach Einführung der Bundesliga Mit Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 durften die Bundesligisten automatisch am Pokalwettbewerb teilnehmen. Eine weitere Neuerung bestand darin, dass der DFB-Pokal nun mit der Saison synchronisiert wurde und das Endspiel, quasi als krönender Abschluss, im Mai oder Juni nach Ende der Meisterschaft stattfand. Hierdurch wurde der Wettbewerb stark aufgewertet, nachdem er lange Zeit als so genanntes „Stiefkind des DFB“ ein Schattendasein geführt hatte, mit Endspielen im Winter oder Herbst (zum Beispiel 1961 an einem Mittwochabend vor nur 8000 Zuschauern,Kicker vom 18. September 1961, S. 11 selbst die Fachpresse berichtete nicht sehr ausführlich).

In der Saison 1965/66 wurde der gerade erst in die Bundesliga aufgestiegene FC Bayern München überraschend Pokalsieger. Auf dem Weg zum Titelgewinn bezwang er dabei in der Qualifikationsrunde des DFB-Pokals den Titelverteidiger Borussia Dortmund, der in derselben Saison als erster deutscher Klub Europapokalsieger werden konnte, mit 2:0. Ein Jahr später konnten die Münchner ihren Triumph wiederholen und den Pokal verteidigen. Nachdem der Pokal 1968 vom 1. FC Köln im Endspiel gegen den damaligen Regionalligisten VfL Bochum gewonnen worden war, erreichte der FC Bayern München 1969 den vierten DFB-Pokalsieg. Damit wurde der Verein alleiniger Rekord-Pokalsieger und löste den vorherigen Rekordhalter 1. FC Nürnberg mit seinen drei gewonnenen Titeln (darunter zwei Tschammer-Pokalsiege) ab.

Ein Jahr darauf wurde mit den Offenbacher Kickers erstmals ein Zweitligist Pokalsieger. Da die Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko bereits am 31. Mai begann, entschied sich der DFB dafür, das Achtelfinale und die folgenden Spiele des DFB-Pokal-Wettbewerbs 1969/70 erst in der Sommerpause nach dem WM-Turnier auszutragen. Da die Offenbacher Kickers in der Saison 1969/70 in die Bundesliga aufstiegen, waren sie zum Zeitpunkt des Endspiels (zwischen dem 3. und 4. Spieltag der Saison 1970/71) jedoch schon Bundesligist.