Herwig Günter Otto Aldenhoven (* 7. September 1933 in Wien; † 29. Oktober 2002 in Bern) war ein österreichischer altkatholischer Theologe und Professor an der damaligen Christkatholisch-theologischen Fakultät der Universität Bern.
Leben Aldenhoven wuchs als Einzelkind auf und besuchte in Wien das humanistische Gymnasium. 1951 begann er sein Theologiestudium an der Evangelisch-theologischen Fakultät in Wien, wechselte aber bereits ein Jahr später an die Christkatholisch-theologische Fakultät in Bern. 1956 kehrte er nach Wien zurück und empfing von Bischof Stefan Török die Diakonatsweihe. Bereits 1958 folgte er aber dem Ruf in die Schweiz, wo er nach Bestehen des Staatsexamens am 10. Januar 1959 von Bischof Urs Küry zum Priester geweiht und Pfarrer in der christkatholischen Kirchgemeinde Obermumpf-Wallbach wurde.
Da sich an der Universität Bern die Emeritierung der Professoren Urs Küry und Albert Emil Rüthy abzeichnete, erarbeitete Aldenhoven eine Dissertation und wurde im Februar 1971 zum Doktor der Theologie promoviert. Von 1971 bis 2000 lehrte er 57 Semester lang Systematische Theologie und Liturgiewissenschaft, zunächst als ausserordentlicher Professor, ab 1974 als ordentlicher Professor. In seiner Amtszeit war er 37 Semester lang ununterbrochen Dekan der Christkatholisch-theologischen Fakultät. Für vier Jahre war er auch Mitglied im Synodalrat der Christkatholischen Kirche der Schweiz.
Legendär sind Aldenhovens Sprachkenntnisse, um die sich verschiedene Anekdoten ranken. Gesichert ist, dass er neben verschiedenen westeuropäischen Sprachen und den gängigen antiken Sprachen (Latein, Altgriechisch, biblisches Hebräisch) auch mehrere slawische Sprachen beherrschte (mindestens Russisch, Serbisch und Polnisch), ausserdem Neugriechisch, Arabisch, Georgisch, Japanisch, Mongolisch und Tibetisch.
Aldenhoven verstarb 2002 nach einem heftigen Asthmaanfall und einigen Tagen im Koma im Inselspital Bern.
Theologische Anliegen Obwohl sein publiziertes Werk nicht besonders gross ist, prägte er durch seine Lehr- und Vortragstätigkeit eine ganze Generation christkatholischer Theologinnen und Theologen, Pfarrerinnen und Pfarrer. Durch seine Mitarbeit in liturgischen Kommissionen hatte er massgeblichen Einfluss auf die liturgische Erneuerung in der Christkatholischen Kirche der Schweiz und generell in den altkatholischen Kirchen der Utrechter Union. Als Mitglieder der Kommission für den orthodox-altkatholischen Dialog und als Berater der Bischofskonferenz in zahlreichen theologischen Fragen prägte er mit seinem theologischen Denken den Altkatholizismus weit über die Schweizer Grenzen hinaus.Urs von Arx: Herwig Aldenhoven zum Gedenken. Christkatholische Theologie und Liturgie. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. November 2002.
Als systematischer Theologe beschäftigte sich Aldenhoven vor allem mit Fragen der Ekklesiologie und der Trinitätstheologie, insbesondere mit dem Filioque. Er durchdachte seine Theologie konsequent im Rückgriff auf die Patristik und rezipierte dabei orthodoxe Theologie, insbesondere von Autoren wie Georg Florovsky, Vladimir Lossky, Paul Evdokimov, bei den Griechen Ioannis Karmiris, Nikos Nissiotis und Ioannis Zizioulas, bei den Rumänen Dumitru Stăniloae.Herwig Aldenhoven: Orthodoxes und altkatholisches Kirchenverständnis. In: Internationale Kirchliche Zeitschrift 64, Nr. 4, Beih. 1974, S. 41–55. Aldenhoven war 1975–1987 an allen sieben Sitzungen der gemischten theologischen Kommission für den orthodox-altkatholischen Dialog dabei und hat für die Publikation der Dialogtexte eine Einführung geschrieben.
In der Liturgiewissenschaft befasste sich Aldenhoven intensiv mit der Struktur des Eucharistiegebets, worüber er 1971 unter dem Titel Darbringung und Epiklese im Eucharistiegebet in Bern promovierte.Herwig Aldenhoven: Darbringung und Epiklese im Eucharistiegebet. In: Internationale Kirchliche Zeitschrift. 61, 1971, S. 79–117 u. 150–192 sowie 62, 1972, S. 29–73. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten flossen in die Liturgierevision der Christkatholischen Kirche der Schweiz ein.Urs von Arx: Das Eucharistiegebet in der Christkatholischen Kirche der Schweiz nach der zweiten Liturgiereform. In: Internationale kirchliche Zeitschrift. 103, 2013, S. 143–181.
Werke
Die wichtigsten Arbeiten wurden posthum wiederveröffentlicht in:
Herwig Aldenhoven: Lex orandi - lex credendi. Beiträge zur liturgischen und systematischen Theologie in altkatholischer Tradition. Herausgegeben von Urs von Arx (in Verbindung mit Georgiana Huian und Peter-Ben Smit). Aschendorff Verlag, Münster 2021, ISBN 978-3-402-12263-1. Wichtige Einzeltitel:
Einzelnachweise
Kategorie:Altkatholischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Bern) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Gestorben 2002 Kategorie:Mann