miniatur|Spielszene des ältesten noch gespielten Stadtderbys in Deutschland zwischen Altona 93 und Victoria Hamburg (24. April 2016).Altona gewinnt ältestes Derby Deutschlands im zweitältesten Stadion! Fußball in Hamburg wird seit den 1890er Jahren organisiert gespielt und seit der Gründung des Hamburger Sport Vereins (HSV) im Jahr 1919 fast ausnahmslos von diesem Verein dominiert, soweit es um erst- und höherklassigen Männerfußball geht. Sein größter Konkurrent in den 1930er und frühen 1940er Jahren war der Eimsbütteler TV, der zwischen 1934 und 1936 dreimal in Folge sowie später noch zweimal in den Jahren 1940 und 1942 die Meisterschaft der Gau- bzw. Bereichsliga Nordmark gewann und mit insgesamt fünf Titeln Rekordsieger dieses zwischen 1934 und 1942 insgesamt neunmal ausgetragenen Wettbewerbs ist. Die anderen vier Titel gewann der HSV, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg bald wieder zur meistens unumstrittenen Nummer eins im Hamburger Fußball entwickelte. Ebenfalls erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der FC St. Pauli zum größten Rivalen des HSV. Das Hamburger Stadtderby bezeichnet heute die Begegnung zwischen diesen beiden Vereinen. Seit dem Aufstieg des FC St. Pauli in die Bundesliga 2023/2024 und weiteren Auf- und Abstiegen in den beiden Jahren danach sind beide Vereine 2026/27 wieder in verschiedenen Ligen.

Vor dem Ersten Weltkrieg dominierten drei Vereine die Hamburger Fußballszene. Einer von ihnen war der Sport-Club „Germania“, in dem überwiegend in Hamburg lebende Briten spielten. 1919 schlossen sich der Hamburger Fußball-Club von 1888 und der FC Falke 06 zum HSV zusammen, der das Gründungsdatum 29. September 1887 von Germania übernahm. Germania war 1896 der erste Sieger der vom Hamburg-Altonaer Fußball-Bund (HAFB) organisierten Meisterschaft, die der Verein in den ersten zehn Spielzeiten (bis 1905) insgesamt fünfmal gewann. Sein größter Konkurrent war der Altonaer FC von 1893, der vier Austragungen gewann und mit insgesamt acht Titeln der erfolgreichste Verein des Hamburg-Altonaer Fußball-Bundes vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs war. Nachdem Germania keinen weiteren Titel mehr gewinnen konnte, erwuchs dem Altona 93 mit dem FC (später SC) Victoria Hamburg ein neuer Rivale, der im Zeitraum zwischen 1905 und 1913 fünf Erfolge verbuchen konnte.Alle Meister des Hamburg-Altonaer Fußball-Bundes (mit falscher Angabe zu 1905, Meister war Victoria per Entscheidungsspiel, siehe Skrentny/Prüß: Mit der Raute im Herzen, Göttingen 2008, Seite 27)

Anfänge des organisierten Fußballs in Hamburg Jahr Datum Veranstalter Gegner Ort Nachweis 1895 28. April Altonaer Cricket-Club von 1893 Sport-Club „Germania“ Altonaer Eisbahn AnkündigungTagesbericht. In: Hamburger Nachrichten. 20. April 1895, S. 13, Digitalisat 1895 23. Juni Altonaer Turnverein Hamburger Spielverein „Frisch auf“ Altonaer Eisbahn kurzer BerichtVaterstädtisches und Unterhaltendes. In: Altonaer Nachrichten 26. Juni 1895, S. 1, Digitalisat 1895 3. November Hamburg-Altonaer Fußball-Club Berliner Club „Frankfurt“ (Bahrenfelder) Execierweide kurzer BerichtTagesbericht. In: Hamburger Nachrichten. 3. November 1895, S. 6, Digitalisat 1896 4. Oktober Hamburg-Altonaer Fußball und Cricket-Bund 1. Tag der Meisterschaftsspiele (2. Saison) BerichtSportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 6. Oktober 1896, S. 6 Digitalisat 1896 19. September Fußball-Club Meteor Fußball-Club Hammonia Moorweide kurzer BerichtSportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 22. September 1896, S. 6, Digitalisat 1896 20. September Borgfelder Fußball-Klub Fußball-Klub Teutonia kurzer Bericht (siehe 19. September) 1896 11. Oktober Hamburg-Altonaer Fußball und Cricket-Bund 2. Tag der Meisterschaftsspiele kl. Altonaer Exerzierplatz Ankündigung,Sportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 11. Oktober 1896, S. 5, Digitalisat BerichtSportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 13. Oktober 1896, S. 6, Digitalisat 1896 18. Oktober Hamburg-Altonaer Fußball und Cricket-Bund 3. Tag der Meisterschaftsspiele kl. Altonaer Exerzierplatz Ankündigung,Sportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 17. Oktober 1896, S. 6, Digitalisat BerichtSportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 20. Oktober 1896, S. 5, Digitalisat 1896 25. Oktober Hamburg-Altonaer Fußball und Cricket-Bund 4. Tag der Meisterschaftsspiele Ankündigung,Sportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 24. Oktober 1896, S. 4, Digitalisat BerichtSportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 27. Oktober 1896, S. 3, Digitalisat 1896 1. November Hamburg-Altonaer Fußball und Cricket-Bund 5. Tag der Meisterschaftsspiele Ankündigung,Sportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 31. Oktober 1896, S. 3, Digitalisat BerichtSportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 3. November 1896, S. 6, Digitalisat 1896 8. November Hamburg-Altonaer Fußball und Cricket-Bund 6. Tag der Meisterschaftsspiele Ankündigung,Sportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 7. November 1896, S. 4, Digitalisat BerichtSportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 10. November 1896, S. 6, Digitalisat 1896 15. November Hamburg-Altonaer Fußball und Cricket-Bund 7. Tag der Meisterschaftsspiele Ankündigung,Sportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 13. November 1896, S. 5, Digitalisat BerichtSportecke. In: Neue Hamburger Zeitung. 17. November 1896, S. 6, Digitalisat Schon in der Saison 1895/96 wurde eine Verbandsmeisterschaft ausgetragen, die vom HAFB (ab 1907: Bezirk III des NFV) ausgerichtet und vom SC Germania gewonnen wurde.Erster Spieltag war der 1. September 1895, einen Spielplan der Herbstserie mit Daten veröffentlichte das Fachblatt Der Fußball in Nr. 37/1895 auf Seite 285. Die weiteren Gründungsmitglieder dieser Liga waren Altona 93, der FC Association (erster Tabellenführer), der Borgfelder FC und der Hamburger FC 1888.

Altona 93 und Germania waren die beiden einzigen Vereine, die bis zur Saison 1912/13 ununterbrochen in der höchsten Hamburger Klasse spielten, Germania auch darüber hinaus bis zur HSV-Gründung 1919. 1913/14 wurde erstmals eine Punktspielrunde für den norddeutschen Raum eingeführt, die nach einem Jahr wegen des Kriegsbeginns zunächst wieder zum Erliegen kam; Meister war Altona 93, weitere drei Hamburger und Altonaer Vereine sowie Borussia Harburg gehörten dieser Liga an.

Vereine kamen und gingen, zum Beispiel setzte der HFC 1888 in den Jahren 1898 und 1899 aus und verließ vorübergehend auch den Verband (Ausstieg nach der Hinrunde 1897/98 und Wiedereinstieg zur Rückrunde 1899/00). Zwei Gründungsvereine zogen sich ganz aus der Liga zurück: der Borgfelder FC bereits nach der Saison 1896/97 und der FC Association zwei Jahre später.

Die zuweilen ausschließlich aus deutschen Spielern bestehende Mannschaft des Altonaer FC 1893Norbert Carsten: Altona 93 – 111 Ligajahre im Auf und Ab, S. 23 und die vorwiegend aus Spielern verschiedener Länder gebildete Mannschaft von GermaniaNorbert Carsten: Altona 93 – 111 Ligajahre im Auf und Ab, S. 22 waren darüber hinaus die beiden einzigen Vereine, die die Hamburger Stadtmeisterschaft in den ersten neun Jahren ihres Bestehens gewinnen konnten: Germania war fünfmal erfolgreich, der AFC 93 heimste die übrigen vier Titel ein.

Im Laufe der Jahre kamen immer wieder neue Mannschaften hinzu bzw. zogen sich zurück. Der beste „Newcomer“ in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war der SC (anfangs FC) Victoria, der zur Saison 1898/99 der Liga beitrat und sich schon bald zum größten Konkurrenten des AFC 93 entwickelte. Denn in den neun Jahren zwischen 1905 und 1913 machten diese beiden Mannschaften den Titel ausschließlich unter sich aus.

Endrundenspiele um die Deutsche Meisterschaft mini|hochkant|Gedenkstein an das erste Finale um die deutsche Fußballmeisterschaft in Altona, gestiftet von der Initiative 1903 e.V. Als in der Saison 1902/03 erstmals eine gesamtdeutsche Fußballmeisterschaft ausgetragen wurde, vertrat Altona 93 den HAFB und konnte sich durch ein 8:1 gegen den Magdeburger FC Viktoria 1896 für das Halbfinale qualifizieren, in dem der AFC dann dem späteren Meister VfB Leipzig unterlag. Dennoch kam Altona insofern in den Genuss des ersten Finalspiels um die deutsche Fußballmeisterschaft, als dieses am 31. Mai 1903 auf dem Exerzierplatz in Bahrenfeld ausgetragen wurde.

In den folgenden Endrundenspielen um die deutsche Fußballmeisterschaft vertraten Germania 1887 (Saison 1903/04) sowie in den drei folgenden Spielzeiten der SC Victoria den Hamburger Fußball, kamen jedoch ebenso wenig über das Halbfinale hinaus (Germania im Jahr 1904, Victoria nach zweimaligem Ausscheiden im Viertelfinale im Jahr 1907) wie der AFC 1893 bei seinem zweiten Versuch 1909. Somit war Holstein Kiel im Jahr 1912 die einzige Mannschaft des Norddeutschen Fußball-Verbandes, die die gesamtdeutsche Fußballmeisterschaft gewinnen konnte. Der nächste norddeutsche Verein, dem dies gelang, war der Hamburger SV 1923 (nachdem ihm der Titel bereits im Vorjahr am grünen Tisch zugesprochen wurde, er aber darauf verzichtet hatte). Der HSV ist bis heute der einzige Hamburger Verein, der die deutsche Fußballmeisterschaft (bisher insgesamt sechsmal) gewinnen konnte. Auch ist er der einzige Hamburger Verein, der (dreimal) den DFB-Pokal und je einmal den Europapokal der Landesmeister (1983) und den Europapokal der Pokalsieger (1977) gewann.

Finalteilnahmen in den nationalen Wettbewerben gelang neben dem HSV als einziger „Hamburger“ Mannschaft dem nur in den Kriegsjahren zwischen 1942 und 1944 existierenden LSV Hamburg. Die mit einer Reihe hochkarätiger (darunter auch National-) Spieler besetzte Militärmannschaft spielte in der Saison 1943/44 der Gauklasse Hamburg quasi „außer Konkurrenz“; denn sie gab in 18 Spielen lediglich einen Punkt ab, erzielte somit 35-1 Punkte und verwies den HSV (28-8 Punkte), Victoria (23-13), Altona 93 (20-16) und FC St. Pauli (16-20) auf die Plätze. 1943 erreichte der LSV das Finale um den Tschammer-Pokal (2:3 n. V. gegen Vienna Wien) und 1944 das Finale um die deutsche Meisterschaft (0:4 gegen den Dresdner SC).

In den 1930er und frühen 1940er Jahren qualifizierte sich der Eimsbütteler TV insgesamt fünfmal für die Endrundenteilnahme um die deutsche Meisterschaft, scheiterte aber in allen Fällen bereits in der Vorrunde. Zwischen 1948 und 1951 qualifizierten sich der HSV und St. Pauli gleich viermal in Folge gleichzeitig für die Endrunde, scheiterten aber in der Regel vorzeitig. Lediglich dem FC St. Pauli gelang in diesem Zeitraum einmal (1948) die Qualifikation für das Halbfinale, in dem die Kiezkicker knapp (2:3 n. V.) gegen den späteren Meister 1. FC Nürnberg scheiterten.

Hamburger Vereine seit Einführung der Bundesliga miniatur|Der lebenslang mit dem HSV verbundene Uwe Seeler war einer der großen Stars in den Anfangsjahren der Bundesliga. Mit Einführung der Fußball-Bundesliga in der Saison 1963/64 wurde der Hamburger SV in die höchste Spielklasse aufgenommen und war bis zum Abstieg am letzten Spieltag der Saison 2017/18 55 Jahre in der Bundesliga vertreten. Die einzige andere Hamburger Mannschaft, die bereits in der Bundesliga vertreten war, ist der FC St. Pauli, der dort bisher insgesamt acht Spielzeiten (1977/78, 1988/89 bis 1990/91, 1995/96 und 1996/97, 2001/02 und 2010/11) verbracht hat. Die Derbybilanz spricht eindeutig für den HSV, wobei es ein interessanter Aspekt ist, dass St. Pauli bisher zwar erst zwei Derbys gewinnen konnte, die Siege aber gleich im allerersten Bundesligaderby (2:0) und dem bisher letzten Bundesligaderby (1:0) – jeweils bei Heimrecht des HSV (!) – erzielt wurden.

Als die Bundesliga eingeführt wurde, blieb eine breite Hamburger Fußballkultur zunächst noch in der zweitklassigen Fußball-Regionalliga Nord erhalten, in deren Eröffnungssaison 1963/64 gleich sechs Hamburger Mannschaften vertreten waren: St. Pauli (gewann in der ersten Saison sowie später noch dreimal die Meisterschaft), Altona 93 (4. Platz), ASV Bergedorf 85 (8. Platz), Victoria Hamburg (11. Platz), Concordia Hamburg (16. Platz) und der HSV Barmbek-Uhlenhorst (Letzter und somit Absteiger am Ende der Eröffnungssaison).