Die 8ª Armata () war eine Armee des italienischen Heeres, welche in beiden Weltkriegen zum Einsatz kam. Im Ersten Weltkrieg trug die Armee 1918 in der zweiten Piaveschlacht und der Schlacht von Vittorio Veneto entscheidend zum Sieg Italiens über Österreich-Ungarn bei.

Im Zweiten Weltkrieg trug die 8. Armee von Juli 1942 bis März 1943 auch die Bezeichnung Armata Italiana in Russia (ARMIR). Italien sandte als Verbündeter des deutschen Reiches für die Don-Offensive die 8. Armee zum Kampf gegen die Rote Armee im Sommer 1942 an die südliche Ostfront. Der Oberbefehlshaber dieser Armee, Generaloberst Gariboldi, übernahm am 13. August 1942 die Verantwortung für einen etwa 270 km breiten Frontabschnitt am Don zwischen Pawlowsk und der Mündung des Flusses Chopër. Die Rote Armee konnte am 23. November die deutsche 6. Armee im Kessel von Stalingrad einschließen, infolgedessen war der rechte Flügel der italienischen 8. Armee am mittleren Don ungedeckt und wurde ab 16. Dezember in der Operation Kleiner Saturn von der Roten Armee zerschlagen. Es folgte ein ungeordneter Rückzug zum unteren Donez. Eine zweite sowjetische Winteroffensive im Januar 1943 traf die im Norden benachbarte ungarische 2. Armee mit gleichem Erfolg. Der noch intakte linke Flügel der italienischen 8. Armee (Alpinikorps) musste daraufhin einen verlustreichen Rückzug durch die russische Steppe nach Westen führen und wurde bis Ende Januar 1943 völlig zerschlagen.

Erster Weltkrieg Die 8. Armee wurde am 1. Juni 1918 in Oberitalien am Fluss Piave gebildet, in einem Abschnitt zwischen Pederobba im Westen und Maserada sul Piave im Südosten. Von Pederobba bis zur Mitte des Montello-Hügels stand das XXVII. Korps, danach das VIII. Korps. Dahinter brachte man vorübergehend das XXX. Korps als Reserve in Stellung. mini|Zweite Piaveschlacht Zwei Wochen nach ihrer Aufstellung geriet die 8. Armee (auch Montello-Armee genannt) gleich zu Beginn der zweiten Piaveschlacht in erhebliche Schwierigkeiten, weil sich eine ihrer Divisionen auf dem östlichen Teil des Montello vom Gegner überrumpeln ließ. Wegen einer falschen Lagebeurteilung erfolgten Meldungen über die kritische Situation an das italienische Oberkommando verspätet; erst bei Giavera konnten Reserven den Vorstoß stoppen. Nachdem sich gezeigt hatte, dass der restliche Teil des Hügels nicht zu nehmen war, konzentrierte sich der Kampf auf den Ort Nervesa, der am östlichen Fuß des Montello am Piave liegt. Ziel der österreichisch-ungarischen Verbände in Nervesa war es, mit einem Vorstoß in südöstlicher Richtung den Brückenköpfen auf der rechten Seite des Piave zur Hilfe zu kommen und somit die gesamte italienische Piavefront im Tiefland aufzurollen. Am 19. Juni 1918 schlug ein schlecht koordinierter Gegenangriff der 8. Armee am Montello fehl. Beim Gegner führte der Angriff jedoch zur Überzeugung, dass die Schlacht nicht mehr zu gewinnen war. Darüber hinaus gingen wegen Hochwasser und Artilleriebeschuss die Brücken der Pioniere verloren, was die Versorgung der Brückenköpfe immer schwieriger machte. Am 20. Juni wurde auf österreich-ungarischer Seite der allgemeine Rückzug auf das linke Piaveufer beschlossen. Auf dem Montello erfolgte der Rückzug in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni; er blieb zwei Tage unerkannt. Erst am 24. Juni 1918 rückte die 8. Armee an diesem Frontabschnitt wieder bis zum Piave vor. Weniger Probleme hatte die Armee an anderen Abschnitten.

In der für Oktober 1918 angesetzten italienischen Großoffensive sollte die 8. Armee im Mittelpunkt stehen. Die gegenüberliegende österreichisch-ungarische 6. Armee sollte durch einen sichelförmigen Vorstoß von Ponte della Priula bei Nervesa über Conegliano nach Vittorio von der südöstlich im Tiefland stehenden Isonzo-Armee getrennt, der Versorgungsweg aus Sacile unterbrochen und Rückzugsmöglichkeiten in Richtung Tagliamento und Ponte nelle Alpi abgeschnitten werden. Zu diesem Zweck wurde die 8. Armee wesentlich verstärkt; unter anderem sollte sie von der südöstlich anschließenden 3. Armee das XI. Korps und damit dessen Abschnitt bis Ponte di Piave übernehmen. Da schließlich auch der linke Flügel der 8. Armee in die Angriffsplanungen einbezogen wurde, erschien der Frontabschnitt von Pederobba bis Ponte di Piave zu lang. Daher beschloss man, an den beiden Enden des genannten Abschnitts auch mit einer französischen und zwei britischen Divisionen zwei kleine neue Armeen zu bilden, die unter französischem Befehl stehende 12. Armee im Westen und die unter britischem Befehl stehende 10. Armee im Südosten. Angesichts des Beitrags von nur drei verbündeten Divisionen war die Entscheidung, zwei Armeekommandos verbündeten Generalen zu überlassen, in der italienischen Militärführung nicht unumstritten. mini|Schlacht von Vittorio Veneto Im nunmehr etwas verkürzten Frontabschnitt der 8. Armee zwischen Vidor und Ponte della Priula standen von Westen nach Osten am Nordrand des Montello das XXVII. und das XXII. Korps, im Südosten bei Ponte della Priula das VIII. und das XVIII. Korps. Hinzu kam das (nicht geschlossen eingesetzte) Sturmkorps. Der linke Flügel hatte sich bei Sernaglia auf das Zentrum der gegnerischen 6. Armee zu werfen, der rechte Flügel den genannten sichelförmigen Vorstoß auf Vittorio zu führen. Die rechte Flanke sollte dabei die 10. Armee mit einem Vorstoß auf Sacile decken, die 12. Armee sollte sowohl mit der 8. Armee, als auch mit der 4. Armee im Westen kooperieren. Da Italien im Gegensatz zu anderen Ländern im Ersten Weltkrieg keine Heeresgruppenkommandos aufstellte, wurde die 10. Armee in der ersten Phase dem Kommando der 8. Armee unterstellt, die 12. Armee operierte mit ihrem rechten Flügel nach Anweisungen der 8. Armee.

In der am 24. Oktober 1918 begonnenen Schlacht von Vittorio Veneto hatten die Armeen am Piave wie schon der Gegner zuvor mit Problemen beim Übergang über den Fluss zu kämpfen, weil Hochwasser und Artilleriebeschuss wiederum etliche Brücken zerstörten. Bei Ponte della Priula kam das VIII. Korps nicht von der Stelle. Aus diesem Grund wurde das XVIII. Korps über die Brücken der benachbarten 10. Armee geschickt und stieß entlang des linken Ufers nach Nordwesten und auch nach Susegana vor, was dem VIII. Korps den geplanten Vorstoß in Richtung Conegliano und Vittorio ermöglichte. Nördlich des Montello hielt die 1. Sturmdivision am 27. Oktober im Brückenkopf bei Sernaglia Gegenangriffen stand und ging ihrerseits zum Gegenangriff über. Die Angriffe aus den gesicherten Brückenköpfen entschieden die Schlacht am 28. Oktober noch vor Erreichen der ersten Operationsziele, weil der demoralisierte Gegner auch wegen der schlechten Versorgungslage und der zerrütteten Verhältnisse in der Heimat den Kampf teilweise aufgab.

Vittorio wurde am 30. November 1918 eingenommen. Im weiteren Verlauf nahm die 8. Armee mit der 10. und 3. Armee am Vormarsch in Richtung Tagliamento und Isonzo teil, einige Verbände stießen nach Ponte nelle Alpi und weiter nach Norden vor. Nach Kriegsende wurde die 8. Armee am 31. Januar 1919 aufgelöst.

Zweiter Weltkrieg mini|Italo Gariboldi Kommandeur der 8ª Armata inspiziert einen erbeuteten T-34-Panzer mini|Italienische Soldaten mit Mauleseln im Juli 1942 an der Ostfront mini|Italienisches Panzerabwehrgeschütz während eines sowjetischen Angriffs mini|Macchi MC.200 an Ostfront mini|8. Armee am 10. Dezember 1942 am Don mini|Sowjetischer Durchbruch im Dezember 1942 mini|Alpini-Einheit beim Rückzug nach der Schlacht von Nikolajewka mini|Rückzug vom Don mini|Italienische Kriegsgefangene 1943

Das Kommando der 8. Armee wurde am 25. Januar 1940 in Mailand reaktiviert und verlegte am 12. Juni 1940 nach Bologna. Mit seinen drei nachgeordneten Korps unterstand das Kommando bis zum 10. Juli 1940 dem Heeresgruppenkommando Ost und danach dem Heeresgruppenkommando „zur Verfügung“, mit dem es am 31. Oktober 1940 wieder aufgelöst wurde.

Nachdem sich das italienische Expeditionskorps in Russland unter General Giovanni Messe von August bis Dezember 1941 zwischen Jampol am Dnister und Stalino am Donez gut in die deutschen Operationen eingefügt hatte, beschloss man noch im Dezember 1941 die Entsendung von zwei weiteren italienischen Korps in die Sowjetunion. Dabei handelte es sich um das II. Korps mit den Infanteriedivisionen 2 Sforzesca, 3 Ravenna und 5 Cosseria sowie um das Alpini-Korps mit den Gebirgsdivisionen 2 Tridentina, 3 Julia und 4 Cuneense. Für das aus der 3. schnellen Division sowie aus den Infanteriedivisionen 9 Pasubio und 52 Torino bestehende Expeditionskorps Messes war die Bezeichnung XXXV. Korps vorgesehen. Die drei Korps sollten zusammen mit der Sicherungsdivision Vicenza und etlichen anderen Unterstützungsverbänden dem zu reaktivierenden 8. Armeekommando unterstellt werden. Als Messe von diesen Plänen erfuhr, reiste er umgehend nach Rom, um Mussolini davon abzubringen. Der unzureichende Motorisierungsgrad der italienischen Verbände in der Sowjetunion würde sich weiter verschlechtern und ohne moderne Panzerverbände wäre die Armee größten Gefahren ausgesetzt. Messes Einwände wurden aus politischen Gründen abgewiesen.

So wurden in den ersten Monaten des Jahres 1942 in Italien die beiden zusätzlichen Korps und die sonstigen Verbände zusammengestellt und mit dem 8. Armeekommando ab Anfang Juni auf den Weg in die Sowjetunion geschickt, wo sie sich mit dem XXXV. Korps bei Stalino vereinigten. Die Armee hatte rund 229.000 Soldaten und verfügte unter anderem über knapp 900 Geschütze, 52 Flugabwehrkanonen 75/46 mod. 34 sowie 224.297 47/32-Panzerabwehrkanonen (davon 19 Selbstfahrlafetten) und 54 deutsche Pak 7,5 cm. Hinzu kamen rund 23.000 Kraftfahrzeuge verschiedener Art, darunter 19 leichte Panzerwagen. Auch 25.000 Pferde und Maultiere gehörten zur Armee. Die Armee verfügte nur über leichte Panzer L6/40 und mehrere erbeutete sowjetische Panzer. Nur sehr wenige moderne Panzerabwehrgeschütze standen zur Verfügung. Im Vergleich zu dem, was die Sowjets Ende 1942 und Anfang 1943 zur Verfügung hatten, wurden italienische Panzer und Panzerabwehrgeschütze als gefährlicher für die Besatzungen angesehen als für den Feind. Infanterie-Handfeuerwaffen waren oft unzureichend, und Gewehre und Maschinengewehre anfällig für Störungen. Darüber hinaus fehlte es an Winterausrüstung. Im Vergleich zu Divisionen der Wehrmacht waren die italienischen Divisionen des königlichen Heeres an Feuerkraft, Beweglichkeit und Fernmeldetechnik unterlegen. Auch der Ausbildungsstand der Unteroffiziere und Mannschaften ließ zu wünschen übrig. Der Chef des Deutschen Verbindungsstabes General Kurt von Tippelskirch schrieb im Juli 1942 gleichwohl über die Truppen an der Front: „Sie verfügen über besonders gutes Menschenmaterial. Die Truppe ist gut diszipliniert. Bisher wurden 500 km Fußmarsch mit Gepäck trotz grosser Hitze in guter Stimmung überwunden. Der Wunsch, an den Feind zu kommen, ist vorherrschend. Die Divisionen sind gut ausgerüstet und bewaffnet, verfügen über eine besonders brauchbare Kraftfahrzeugausstattung. Sie sind voll kampfkräftig.“Thomas Schlemmer: Zwischen Erfahrung und Erinnerung - Die Soldaten des italienischen Heeres im Krieg gegen die Sowjetunion. Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken, Herausgegeben vom Deutschen Historischen Institut in Rom Bd. 85 2005, S. 425–466