mini|hochkant|Jacques-Yves Cousteau Jacques-Yves Cousteau führte zwischen 1962 und 1965 unter der Bezeichnung Conshelf bzw. Précontinent drei wegweisende Projekte mit Unterwasserstationen durch.

Namensherkunft ist das französische Wort für Kontinentalschelf und bezeichnet den meist randlichen Bereich eines Kontinents, der von Meer bedeckt ist. Die englische Entsprechung ist , dessen Kurzform Conshelf ebenfalls als Name des Projektes benutzt wurde.

Conshelf I bzw. Précontinent I mini|Schema von Diogenes Projekt Conshelf I fand im Zeitraum 14.–21. September 1962 vor der Küste Marseilles statt. Das dazu verwendete Habitat erhielt den Namen Diogenes nach der Behausung des kynischen Philosophen, bekannt als „Diogenes in der Tonne“. Das Habitat bestand aus einem Stahlzylinder mit einer Länge von 5 m und einem Durchmesser von 2,5 m und verfügte über einen Fernseher, Radio, Bibliothek und ein Bett. Es war mithilfe von großen Eisenbarren und schweren Ketten auf einer Tiefe von 11 m am Meeresboden verankert und verfügte über eine Eingangsluke im Boden, die den beiden Aquanauten (Forschungstaucher) Albert Falco und Claude Wesly einen einfachen Zugang zum Meer ermöglichte.

Schiffe an der Wasseroberfläche versorgten das Habitat durch Plastik-Leitungen mit heißem Wasser. Lebensmittel wurden in wasserdichten Containern, transfer pots genannt, transportiert. Alle übrigen lebenserhaltenden Systeme, bestehend aus Strom für Infrarot-Lampen, die als Heizung dienten, Radio und Plattenspieler, drei Telefone und eine Video-Überwachungsanlage wurden von einer Landstation auf der nahen Insel Frioul eingespeist. 30 Personen überwachten das Projekt und den gesundheitlichen Zustand der Besatzung von der Oberfläche.

Als Atemgas diente Pressluft sowohl im Haus als auch in den Tauchgeräten während der Exkursionen. Die Männer arbeiteten bis zu fünf Stunden am Stück im Wasser und stiegen bis auf 55 Meter hinab. Die Wassertemperatur bewegte sich zwischen 16 und 21 °C.

Mission Während der 7-Tage-Mission am Meeresgrund bauten Falco und Wesly Fischhäuser aus Zementblöcken und konstruierten Fischgehege aus Stahlgittern. Gefangene Fische wurden in diese Gehege gesetzt und ihr Verhalten dort fotografiert. Die Aquanauten nahmen auch Studien der Unterwasser-Topografie vor, bei denen es notwendig war, Tiefen und Entfernungen zu messen und die daraus resultierenden Neigungswinkel zu berechnen. Diese Daten wurden dazu verwendet, auf einer Tiefe von 10 m ein einfaches Rasternetz zu entwerfen und ein zweites auf 25 m. Dieses Raster stellte die Grenzen der Tauchexkursionen dar.

Die Männer wurden täglich medizinischen Untersuchungen unterzogen, die Konstruktionsaufgaben an einem Tisch im Wasser außerhalb des Habitats beinhalteten. Ähnliche Aufgaben wurden jeden Abend für zwei Stunden im Habitat durchgeführt.

Ziel Die Zielvorgabe von Conshelf I sowie Conshelf II und III, die bald darauf folgen sollten, wurden folgendermaßen beschrieben:

1. Errechnung und Praxis-Studium des Koeffizienten für eine nützliche Dauer, definiert als:

2. Die Bedingungen verlängerter Tauchgänge festzulegen, insbesondere die benutzten Atemgas-Gemische und ihre Nachteile

3. Das Aufzeigen des Fehlens kurz- und langfristig schädigender Effekte solcher Sättigungstauchgänge.

Ende der Mission Die Dekompressions-Prozedur, die am siebten Tag durchgeführt wurde, erforderte von den beiden Aquanauten, ein Gemisch von 80 % Sauerstoff und 20 % Stickstoff für drei Stunden im Habitat zu atmen, während sie sich noch am Meeresboden aufhielten. Dieser Zeitraum wurde von einer symbolischen Pause auf 3 m unterbrochen, nach der sie ohne weitere Dekompression auftauchten.

Dokumentierte Probleme Die ärztlichen Untersuchungen von einer Stunde pro Tag im Habitat wurden gegen Ende des Experiments reduziert, weil sie für die Aquanauten zu ermüdend seien. Albert Falcos zahlreiche Alpträume und Gereiztheit nahmen ab, nachdem Cousteau die Intervalle von Ruhestörungen und Besuchen reduzierte.

Conshelf II bzw. Précontinent II, 1963 mini|Starfish Am 15. Juni 1963 begann Projekt Conshelf II im Roten Meer in der Nähe von Sha'ab Rumi, arabisch für römisches Riff, nordöstlich von Port Sudan. Das Ziel war, fünf Personen vier Wochen lang auf einer Tiefe von 11 m zu stationieren, wo sie Luft als Atemgas benutzten. Zusätzlich lebten zwei Männer eine Woche lang auf 27 m. Neben einer vergrößerten Mannschaft hatte Conshelf II einen weiteren Schwerpunkt: die Aufenthaltsdauer zu verlängern, die Machbarkeit von bewohnbaren Strukturen zu demonstrieren, die Möglichkeit der Nutzung verschiedener Unterwasser-Werkzeuge zu belegen und ein Propeller-angetriebenes U-Boot für zwei Personen zu gebrauchen.

1964 entstand der preisgekrönte Film Le monde sans soleil (franz. für Welt ohne Sonne) über das Projekt.

Komponenten Starfish House: Diese Hauptstruktur von Conshelf II maß an der breitesten Stelle 10,4 m und bestand aus einer Zentral-Einheit mit vier Zylindern mit den Maßen 1,2 × 2,4 m. Starfish House beinhaltete Schlafgelegenheiten, einen Wohn- und Essraum, sanitäre Einrichtungen und einen Raum zur Tauchvorbereitung. Diese Anordnung war ein signifikanter Fortschritt gegenüber dem Conshelf I-Habitat. Die Konstruktion ruhte auf 2 m langen Teleskopbeinen, die dem Untergrund angepasst werden konnten. Eine Ballastmenge von 100 t waren notwendig, um den notwendigen negativen Auftrieb zu erzeugen. Diese wurden aus 2000 Bleibarren zu je 45,4 kg generiert, die von den Tauchern per Hand positioniert werden mussten. Die Innentemperatur wurde auf 26,7 °C und die Luftfeuchtigkeit auf 85 % gehalten.

Deep Cabin: Dieses Habitat in Form eines Zylinders mit einem Durchmesser von 2 Metern auf einem Dreifuß aus Teleskopbeinen verfügte über zwei vertikal übereinander liegende Räume. Der untere Raum beherbergte Tauchausrüstungen, Werkzeuge und die offene Luke zum Meer. Der obere Raum diente als Wohnbereich und beinhaltete zwei Kojen, eine Kochnische, eine Gegensprechanlage, ein Telefon und eine Überwachungs-Kamera, die mit einem Monitor im Starfish House verbunden war. Die Aquanauten der Deep Cabin atmeten ein Gemisch aus 50 % Helium und 50 % Luft. mini|Garage Garage: Dieser Unterwasserhangar diente dem Hydrojet-Tauch-Diskus Diving Saucer als Garage. Der Innenraum des Hangars war mit Luft geflutet, so dass der Tauch-Diskus komplett aus dem Wasser gehoben werden konnte, während man sich noch 11 Meter unter der Meeresoberfläche befand. Das ermöglichte der Mannschaft, aus dem U-Boot auszusteigen, das Fahrzeug zu warten, die Batterien aufzuladen und andere Arbeiten unabhängig von den Wetterverhältnissen an der Oberfläche durchzuführen. Luft für den Hangar kam vom gleichen Schiff, das auch Starfish House versorgte.

Geräte-Schuppen: In diesem mit Wasser gefluteten Schuppen wurden Fischfallen und andere Ausrüstungsgegenstände gelagert. mini|SP-350 Diving Saucer Hydrojet Saucer DS-2: Dies war ein U-Boot für zwei Personen in Form eines Diskus mit einer maximalen Tauchtiefe von 350 m für Tauchgänge von vier bis fünf Stunden. Durch die Garage war es nicht mehr notwendig, DS-2 an die Wasseroberfläche zu bringen und war somit auch unabhängig von den Wetterverhältnissen. Es war von Jacques-Yves Cousteau und dem Ingenieur Jean Mollard am französischen Zentrum für Untersee-Forschung entwickelt worden und erhielt anstelle der formalen Originalbezeichnung SP-350 Denise den Namen Diving Saucer (‚Tauch-Untertasse‘), weil es in seiner Form einer fliegenden Untertasse ähnelte. Es hatte einen Durchmesser von 2,85 m und ein Gewicht von 3,5 t. Durch seinen Jetantrieb erreichte es eine Geschwindigkeit von zwei Knoten oder 3,7 km/h. Es verfügte über drei bewegliche Außenlampen, zwei Kameras, ein Radio, einen Kassettenrekorder und einen Greifarm, der von innen gesteuert werden konnte. 1965 wurden zwei weitere und fortschrittlichere Mini-U-Boote namens Sea Flea (‚Meeres-Floh‘) entwickelt, die für Tiefen bis zu 500 Metern konzipiert waren.

Besatzung mini|Deep CabinIm Haupthaus Starfish: Der Direktor der Unterwasser-Station Raymond Vassiere (38) vom Ozeanografischen Museum in Monaco Cheftaucher Claude Wesly (30) Industrie-Designer André Folco (33) der ehemalige Zollbeamte Pierre Vannoni (31) und als Chef Pierrot Guilbert (43) Papagei Claude Im Tiefenlabor Deep Cabin: Raymond Kientzy (33) André Portelatine

Mission Raymond Kientzy und André Portelatine wohnten eine Woche in der Deep Cabin und unternahmen währenddessen Routine-Exkursionen bis auf eine Tiefe von 50 m sowie drei weitere auf 110 m. Während dieser Tauchgänge atmeten sie Pressluft.

Es war eines der Hauptziele, Fische und andere marine Organismen zu sammeln und zu beobachten. Die gesammelten Objekte wurden zur Ausstellung und zum Studium im Ozenaografischen Museum Monaco verwendet. Die Aquanauten (Forschungstaucher) positionierten feine, engmaschige Nylon-Netze und Fallen auf diversen Riffen, um die Fische zu fangen, ohne sie dabei zu verletzen. Einige davon wurden dann in transparente Kunststoffbeutel gegeben, in denen sie sich frei bewegen konnten.

Bei der Mission wurden aluminiumbeschichtete Neoprenanzüge benutzt, die weit sichtbar sein sollten. Bei einem unbeabsichtigten Auftauchen eines Aquanauten sollte dieser damit schnellstmöglich auffindbar sein, damit umgehend eine Rettungsaktion eingeleitet werde könne.

60 Mitarbeiter überwachten die Mission an Land. Verpflegung wurde von Kurieren zum Habitat gebracht und ein Arzt untersuchte zweimal täglich den Zustand der Aquanauten.

An der Wasseroberfläche wurde das Projekt von dem Versorgungsschiff Rosaldo unterstützt, während die Calypso den Shuttle-Service zwischen dem Tauchplatz und Port Sudan übernahm.

Finanzierung Das gesamte Programm wurde mit 1,2 Millionen US-Dollar durch die französische Petroleumbehörde finanziert. Cousteau hatte im Vorfeld ausgeführt, dass Bohrplattformen am Meeresboden sicherer und kostengünstiger als Plattformen an der Oberfläche seien und das Kontinentalschelf über unentdeckte Reichtümer an Mineralien verfüge, deren Abbau durch die Conshelf-Experimente in greifbare Nähe rücken würde.

Ende der Mission Am Ende von sieben Tagen wurde das Atemgas der Aquanauten der Deep Cabin für den Zeitraum von 3,5 Stunden vor der Rückkehr zum Starfish House, das noch immer auf einer sicheren Tiefe von 11 m verankert war, auf je 50 % Stickstoff und Sauerstoff umgestellt. Zwei Mitglieder der Starfish House-Mannschaft und Madame Cousteau hatten sich schon vorher der Dekompression unterzogen, um Platz für die Deep Cabin-Besatzung zu schaffen. Nach einer Übernachtung im Starfish House wurde von Kientzy, Portelatine und den verbleibenden Mitgliedern der Starfish House-Mannschaft vor dem Auftauchen folgende Dekompressions-Prozedur angewendet: Zeit (in Minuten)Atemgas1580 % O2 / 20 % N215Luft3080 % O2 / 20 % N230Luft6080 % O2 / 20 % N2aufgetaucht

Dokumentierte Probleme mini|Conshelf II Garage 2017 Weil in der Deep Cabin keine Klimaanlage zum Einsatz kam, stieg die Innentemperatur auf die des umgebenden Wassers, nämlich 29,4 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von 100 %. Diese Umgebung führte zusammen mit anderen widrigen Umständen zu ernster Appetit- und Schlaflosigkeit. Als Deep Cabin an Druck verlor, stieg der Wasserspiegel um 40 cm pro Tag. Dieser Anstieg setzte sich fort bis entdeckt wurde, dass an der Führung eines Fernsehkabels ein Leck entstanden war, das daraufhin versiegelt wurde. Der schmale Felsvorsprung, auf dem Deep Cabin stand, erwies sich während der Platzierung als sehr problematisch. Mehrfach stürzte sie von der Kante, einmal sogar mit den beiden Aquanauten in ihr. Schließlich wurde sie mit speziellen Verankerungskabeln (Mooring) und Ankern gesichert. Zusätzlich entstanden Probleme betreffend Platzierung, Ballast, defekte Verankerungen und Abbrechen von Habitat-Stützbeinen. Allerdings wurde bei allen Problemen niemand verletzt.