Operation Verbrannte Erde (, ; siehe: Verbrannte Erde) war eine militärische Offensive des jemenitischen Militärs gegen die Huthi-Rebellen im nördlichen Gouvernement Saʿda ab August 2009. Diese Militäraktion war die fünfte Welle der Gewalt im Huthi-Konflikt der zaiditisch-schiitischen Huthis gegen die Regierung. Im November 2009 schwappten die Kampfhandlungen auch über die Grenze ins benachbarte Saudi-Arabien, woraufhin Saudi-Arabien selbst in die Kämpfe eingriff und sogar in den Jemen eindrang: die erste militärische Operation seit 1991, die von Saudi-Arabien durchgeführt wurde.Analysis: What is behind Saudi offensive in Yemen. In: Global Post. 14. November 2009 (globalpost.com).
Hintergrund Scharmützel und Gefechte zwischen den beiden Seiten begannen bereits im Juni 2009. Neun Ausländer wurden von einem Picknick in der Region Saada entführt und bald darauf wurden die Leichen von dreien, einem südkoreanischen Lehrer und zwei deutschen Krankenschwestern entdeckt. Fünf Deutsche, darunter drei Kinder, und ein Brite werden noch immer vermisst. Unklar ist auch, wer die Entführung veranlasst hatte. Anfangs ließen die Behörden verlauten, die Gruppe sei von Huthi-Rebellen entführt worden. Später berichtete die jemenitische Nachrichtenagentur, dass die Huthi Drogen-Kartelle für die Entführung und Tötung der drei Ausländer verantwortlich machten. Ein Sprecher der Rebellen benannte auch Stämme vor Ort als die Hauptverantwortlichen.Mohammed Jamjoom: Yemen lays out truce terms to rebel fighters. CNN, 13. August 2009.
Ein Regierungskomitee kritisierte die Kämpfer dafür, dass sie sich nicht an eine Vereinbarung des Präsidenten gehalten hatten, in der er 2008 dazu aufgefordert hatte, die Feindseligkeiten zu beenden. Im Juli und Anfang August 2009 berichteten lokale Behörden, dass die Rebellen größere Gebiete des Gouvernements unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Sie besetzten einen wichtigen Militärposten in der Nähe der Metropole an einer strategisch wichtigen Straße, die die Hauptstadt Sanaa mit Saudi-Arabien verband.Yemen targets northern fighters. Al Jazeera English, 12. August 2009.
Verlauf August–September 2009 Die Regierung verkündete, dass sie mit "eiserner Faust" gegen die Rebellen vorgehen werde und jemenitische Truppen mit Panzern und Kampfflugzeugen führten eine Großoffensive auf die Stützpunkte der Rebellen am 11. August 2009.Middle East – Yemen denies warplane shot down. Al Jazeera English, 2009-10-02. Luftwaffe, Artillerie und Raketen nahmen die Distrikte Malaheedh, Mahadher, Khafji und Hasama unter Feuer und auch das Hauptquartier des Rebellenführers Abdul-Malik al-Huthi. Nach zweitägigem Bombardement sandte die jemenitische Regierung den Rebellen Bedingungen für eine Feuerpause zu, darunter auch die Forderung nach Informationen über das Schicksal der sechs Europäer, die im Juni verschwunden waren. Die Rebellen wiesen diese Bedingungen zurück und die Kämpfe dauerten an. Nach drei Wochen wurde die Provinzhauptstadt Saʿda von der Kommunikation abgeschnitten, nachdem die Rebellen einen Sendemast in der Provinz Amran gesprengt hatten. Die Rebellen ließen sich aus der Umgebung von Saʿda und aus den alten Bergfestungen rund um die Stadt nicht vertreiben. AFP, 2009-09-07.
Im September wurde das erste Mal eine Feuerpause vereinbart.Yemen suspends military operation against rebels English Xinhua, News.xinhuanet.com 2009-09-05. Innerhalb einer Woche kamen die Kämpfe jedoch zu einem neuen Höhepunkt, und die Huthis behaupteten, umfangreiche Landgewinne erzielt zu haben. Die jemenitische Armee drängte darauf, die Straße zu sichern, die Saʿda mit Harf Sufyan verband. Dazu bombardierten sie die Straße um "Minen zu räumen" ("demine", "remove roadside bombs") für humanitäre Transporte. Am 17. September forderte ein Luftschlag mehr als 80 Menschenleben in einem Flüchtlingslager im Gouvernement ʿAmrān. Eine Gruppe von Flüchtlingen besetzte die Camps von jemenitischen Piloten, daraufhin bombardierten die Streitkräfte wiederum Zivilisten.Middle East – ‘Many killed’ in Yemen air raid. BBC News, 2009-09-17 Rebellen und Regierungstruppen lieferten sich noch am selben Tag um Saʿda schwere Gefechte. Die jemenitische Presse und offizielle Militärs behaupteten, dass mehrere Anführer der Huthi unter den Toten waren.Sa’ada War Continues in Yemen, No End in Sight, UN Seeks Emergency Aid. Ccun.org 17. September 2009.
Angriffe während des Fastenbrechens Eine weitere Feuerpause wurde am 19. September anlässlich des Eid ul-fitr vereinbart.Mobile Bulletin – 1405GMT, 19. September 2009. YouTube. Die Regierung kündigte an, dass die Feuerpause drei Tage anhalten solle, mit der Möglichkeit eine permanente Waffenruhe unter bestimmten Bedingungen zu vereinbaren. Die Huthi antworteten, dass sie die Feuerpause einhalten wollten, wenn es zu einem Austausch von Gefangenen käme. Einige der Gefangenen seien vier Jahre lang in Gefangenschaft gewesen. Al Arabiya News Channel 2009-10-05.
Jedoch klagten sich beide Seiten gegenseitig an, die Waffenruhe nicht eingehalten zu haben. Die Huthi berichteten, dass die Regierung die Luft- und Raketenangriffe weitergeführt habe, während die Regierung behauptete, dass die Huthi Attacken in den Provinzen Amran und Saada durchgeführt hätten.Yemeni army 'kills scores' in Saada. Al Jazeera 2009-09-21. Ein Bericht des Human Rights Watch schildert eine Attacke der Huthi auf das Dorf Mudaqqa am 16. September, woraufhin die Regierung mit Bombenangriffen reagierte.
Die Rebellen zogen ihre Einheiten zusammen und attackierten am nächsten Tag Saʿda aus drei verschiedenen Richtungen vor Tagesanbruch.Robert F. Worth: Yemen's North Hit by Bloodiest Fighting in Years. nytimes.com New York Times 2009-09-20 Hunderte Angreifer mit wenigstens 70 Fahrzeugen griffen die Checkpoints in der Stadt an und versuchten, den Regierungs-Palast zu stürmen.Many rebels killed in 'repelled attack'. Yemen News Agency 2009-09-20 Nach vierstündiger Schlacht wurde der Angriff mit Hilfe der Luftwaffe zurückgeschlagen. Die Regierung berichtete von 153 getöteten Rebellen und 70 Gefangenen, während sie nur 2 Todesfälle und 20 Verwundete beklagte. AFP 2009-10-09.State-run media: Yemeni military kills 150 rebels. CNN 2009-09-20.
Oktober 2009 Die Kämpfe zogen sich weiter in den Oktober, als die Rebellen verlauteten, sie hätten die Stadt Munabbih eingenommen, einen von fünfzehn Distrikten des Gouvernement Saʿda.Trend News: Houthis capture town in northern Yemen. En.trend.az 2010-02-15.Yemen rebels claim control of northern district.
Am 2. Oktober verkündeten sie, dass sie eine MiG-21 der Jemenitischen Luftstreitkräfte im Distrikt Al Sha'af abgeschossen hätten. Ein ranghoher jemenitischer Militär widersprach dem und behauptete, das Flugzeug sei durch einen technischen Defekt abgestürzt. Im Widerspruch zu den staatlichen Medien behauptete ein anderer Militärkommandant, dass das Flugzeug in "geringer Höhe geflogen sei" und getroffen wurde. Nur drei Tage später stürzte ein Suchoi-Jet nordöstlich von Saʿda im Alanad-Distrikt ab; auch diesmal beanspruchten die Rebellen einen Abschuss, während die Regierung weiter von technischen Defekten sprach.Second aircraft crash as operations continue in north. Yemen News Agency 2009-10-05. Weitere Berichte behaupteten, dass diese Flugzeuge abgeschossen worden seien und dass Agenten der Hisbollah mit schultergestützten Boden-Luft-Raketen dafür verantwortlich seien.Yemeni Fighter Planes Shot down by Hezbollah's Elements. - Yemen Post English Newspaper Online: Yemenpost.net 2009-11-09. Sowohl die saudische Al-Arabiya als auch die kuwaitische Al-Seyassah-Nachrichtenagenturen berichteten, dass eine Gruppe von Hisbollah-Kämpfern aus dem Libanon getötet, beziehungsweise gefangen genommen worden sei. Asia Times 2009-11-11.
Die offizielle jemenitische Nachrichtenagentur verzeichnete weitere schwere Kämpfe in Saʿda am 9. Oktober, wobei die Houthis Selbstmordangriffe verübten und Landgewinne erzielten, bevor die Regierungstruppen die Oberhand gewannen und etwa 100 Personen töteten und mehr als 280 verwundeten.Over 100 killed, 280 injured as army repels suicide rebel attack. Yemen News Agency 2009-10-09. Dutzende weitere Tote wurden in den folgenden Tagen verzeichnet.Insurgency faces more losses as 59 more killed. Yemen News Agency 2009-10-12.28 Houthi rebels killed, others injured. Yemen News Agency 2009-10-11. In der zehnten Woche der Offensive eroberten die Rebellen eine Militärbasis an der saudischen Grenze im Distrikt Razih. Die Kämpfer eroberten außerdem ein Militär-Zentrum, ein Regierungsgebäude und den Flughafen.
Im Oktober schlossen sich auch somalische Verbände den Houthis an. Etwa 200 somalische Rekruten kamen per Boot über das Rote Meer und wurden hauptsächlich für Selbstmordmissionen in der Stadt Saʿda eingesetzt. Die Regierung sprach später davon, dass 28 Somalier gefangen genommen worden seien. Andere Quellen berichteten, dass die Somalier vor allem für Schanzarbeiten eingesetzt wurden (Schützengräben und Munitionsverstecke). Im Dezember klagte ein somalischer Diplomat, dass viele somalische Flüchtlinge von den Huthi auf der Flucht nach Saudi-Arabien abgefangen und entführt würden. Viele seien ermordet worden.Somali refugees 'forced to join Yemen rebel war'. BBC 2009-12-16.
Einmischung der Saudis Anfang November klagten die Rebellen, dass Saudi-Arabien der jemenitischen Armee erlaubte, Attacken von saudischem Gebiet von der Militärbasis Jabal al-Dukhan aus auszuführen, dies wurde von der jemenitischen Regierung dementiert. Damit schwappte der Konflikt auch ins benachbarte Saudi-Arabien und am 3. November wurde eine saudische Grenzpatrouille bei einem grenzüberschreitenden Angriff aus dem Hinterhalt attackiert, wobei ein Soldat getötet und elf weitere verwundet wurden. Ein zweiter Soldat erlag später seinen Verletzungen.
Nach diesem Vorfall verlegte Saudi-Arabien Truppen an die Grenze und griff am 5. November Stellungen der Huthi an. Dabei wurden F-15-Bomber und Tornado Jets eingesetzt. Saudi-Arabien dementierte, Ziele innerhalb des Jemen anzugreifen, aber sechs jemenitische Orte erlebten Raketenangriffe. Einer davon umfasste mehr als 100 Raketen in einer Stunde.Saudi jets bomb Yemeni Houthis. Al Jazeera 2009-11-05 Anwohner der Küstenstadt Dschāzān berichteten von Fluglärm und Armee-Konvoys, die sich in Richtung Grenze bewegten. Auch das King Fahd Hospital in der Stadt wurde in Alarmbereitschaft gesetzt um sich auf die Versorgung von Verwundeten einzurichten.Saudi Forces Bomb Yemeni Rebels on Southern Border. Wall Street Journal 2009-11-06 Ein saudischer Regierungsberater sagte später, dass noch keine Entscheidung darüber getroffen worden sei, Truppen über die Grenze zu entsenden, dass Riad jedoch die Rebellen nicht länger dulden wolle.
Am 8. November bestätigte Saudi-Arabien, dass sie die Grenze überschritten hätten und die Kontrolle über den Jabal al-Dukhan wiedererlangt hätten.Saudi Arabia regains area seized by Yemen rebels. DUBAI (Agencies), Alarabiya.net 2009-11-09. Diese Gebirgsregion sollte zum Hauptaustragungsort von Kämpfen zwischen den Saudis und den Huthi im November werden. Beide Seiten behaupteten wiederholt, das Gebiet erobert oder zurückerobert zu haben. Zur selben Zeit begannen jordanische Kommandos die saudischen Truppen zu unterstützen. Die Jordanier hatten bei mehreren Attacken Tote zu verzeichnen.
Nachdem sich der Krieg in den Dezember hineinzog, gab es Berichte, dass marokkanische Spezialeinheiten eingetroffen seien, welche die 2000 Jordanier am Boden unterstützten. Entlang der Grenzen gingen im Dezember die Kämpfe weiter und im Januar berichtete Samira al-Madani als erste Journalistin in der Geschichte Saudi-Arabiens aus dem Kampfgebiet. Sie interviewte auch einige Soldaten und den Prinzen Gazan Mohamed bin Nasser bin Abdul Aziz.Saudi woman journalist covers conflict zone.
Friedensverhandlungen