Die Ligue nationale contre l’Athéisme („Nationales Bündnis gegen den Atheismus“) war ein französischer Verein zur Bekämpfung des Atheismus, der 1886 gegründet wurde und bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts aktiv war.
Geschichte Nachdem der nachrevolutionäre Renouveau catholique bis zum Ende des Zweiten Kaiserreichs stark auf das geistige und politische Leben Frankreichs eingewirkt hatte, deuteten seit den 1880er Jahren viele Anzeichen darauf hin, dass die französische Gesellschaft zu einer „Gesellschaft ohne Gott“ würde. Vor allem die positivistischen Maßnahmen zur Laisierung der Dritten Republik unter Jules Ferry, der Antiklerikalismus der radikalen Materialisten und die Entstehung der sozialistischen Bewegung schürten in bestimmten Kreisen große Ängste. Daher formierte sich Widerstand vor allem von katholischen Klerikern und Laien, aber auch von Protestanten, Juden und intellektuellen Spiritualisten. zentriert|mini zentriert|mini zentriert|mini Die Präsidenten der Ligue nationale contre l’athéisme : Adolphe Franck, Arthur Desjardins & Anatole Leroy-Beaulieu. Zur letzteren Kategorie gehörten der jüdische Philosoph Adolphe Franck und der protestantische Philosoph Charles Waddington, die im Frühjahr 1886 die Ligue nationale contre l’athéisme ins Leben riefen und die Präsidentschaft bzw. Vizepräsidentschaft übernahmen mit Unterstützung des Publizisten F. Martin-Ginouvier,Gil Blas, 16. Mai 1886, S. 3. der die Direktion übernahm.Le Gaulois, 20. Januar 1888, S. 2. Gründungsmitglied seit 1886Le Matin, 29. Juli 1886, S. 3. war auch der Staatsmann Jules Simon, der seit der Verabschiedung der Laizismus-Gesetze im Senat dagegen kämpfte und 1889 zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt wurde.Journal des débats, 4. März 1889, S. 3. Im selben Jahr wurde er auch durch die Ehrenpräsidentschaft der Ligue populaire pour le repos du dimanche en France (Volksbund für die Sonntagsruhe in Frankreich) ausgezeichnet.Bulletin de la Ligue populaire pour le repos du dimanche en France, No. 1, Dezember 1889, S. II.Robert Beck: Histoire du dimanche de 1700 à nos jours, Paris, Lés Éditions de l’atelier, 1997, S. 299.
Die Ligue nationale contre l’athéisme hatte ihren Sitz in der No. 31, rue de Richelieu.Le Gaulois, 23. August 1887, S. 1. Sie gab von 1888 bis 1890 die Wochenzeitschrift La Paix sociale (Sozialer Frieden) heraus.Journal des débats, 3. Juni 1888 & 28. Juni 1890, S. 3. Sie setzte sich zusammen aus Protestanten, Juden, Katholiken und Deisten aus dem akademischen Milieu, aus der Politik und Jurisprudenz. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, den Atheismus mitsamt seinen verwandten Systemen zu bekämpfen. Sie zählten dazu Evolutionismus, Pessimismus, Determinismus, Positivismus, Materialismus und die „Unabhängige Moral“.«l’évolutionnisme, le pessimisme, le déterminisme, le positivisme, le matérialisme [et] la morale indépendante, c’est-à-dire la morale sans Dieu» Le Temps, 9. Februar 1891, S. 2. Ihre Arbeit bestand vor allem in der Durchführung von Konferenzen,La Justice, 18. April 1892, S. 2. deren Vorträge später in Form von Broschüren veröffentlicht wurden. In den 1890er Jahren gehörte ein Großteil ihrer Mitglieder gleichzeitig zur Ligue populaire pour le repos du dimanche en France, die zwar als Tugendorganisation auftrat, gleichzeitig aber das Hauptorgan zum Protest gegen den freien Verkauf von Alkohol war.Société centrale de protestation contre la licence des rues, Compte-rendu de l’année 1892, Paris, 1892, S. 3–6.
Nach dem Tod von Adolphe Franck 1893 wurde die Präsidentschaft einem anderen Mitglied der Académie des sciences morales et politiques übertragen, dem Magistrat Arthur Desjardins.Journal des débats, 10. Dezember 1893, S. 3. 1901 wurde dieser von dem Essayisten Anatole Leroy-Beaulieu abgelöst, einem weiteren Mitglied der Académie.
1905, wenige Wochen vor der Annahme des Gesetzes zur Trennung von Kirche und Staat, veröffentlichte Leroy-Beaulieu in vielen Zeitschriften ein Communiqué, welches das freidenkerische Programm des Pariser Kongresses hart angriff.Anatole Leroy-Beaulieu: Protestation de la Ligue contre l’athéisme, In: Journal des débats, 8. September 1905, S. 1. Diese öffentliche Protestation, auf die Ferdinand Buisson antwortete,Ferdinand Buisson: Une protestation, In: Le Radical, 13. September 1905, S. 1. war eines der letzten Zeichen von Aktivität der Ligue.
Leiter und bekannte Mitglieder
Einzelnachweise
Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Martin François: La Ligue contre l’Athéisme. In: Revue néo-scolastique. Jg. 7 (1900). S. 330–336 (Digitalisat). Georges Minois: Histoire de l’athéisme. Fayard, Paris 1999, ISBN 2-213-60130-5. Jacqueline Lalouette: La libre pensée en France, 1848–1940. Albin Michel, Paris 2001, ISBN 2-226-09236-6, S. 163. Jacques Prévotat, Jean Vavasseur-Desperriers, Jean-Marc Guislin: Les « chrétiens modérés » en France et en Europe 1870–1960. Presses universitaires du Septentrion, Villeneuve d’Ascq 2013, ISBN 978-2-7574-0445-4, S. 349.
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