mini|Blick vom Aussichtspunkt Anger (Graburg) auf Weißenborn
Weißenborn ist eine Gemeinde im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Sie besteht aus den beiden Ortsteilen Weißenborn und Rambach und ist mit 953 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2023) die kleinste eigenständige Gemeinde in Hessen. Sie löste damit am 1. Januar 2018 Hesseneck ab, das zusammen mit Beerfelden, Sensbachtal und Rothenberg zur neuen Stadt Oberzent vereinigt wurde.
Geographie Geographische Lage Weißenborn liegt im nordhessischen Bergland etwa 8 km (Luftlinie) südöstlich von Eschwege und stößt an einen Grenzabschnitt zu Thüringen. Es befindet sich im Schlierbachswald, an den sich südlich der Gemeinde der Ringgau anschließt. Südwestlich von Weißenborn (ca. ) erhebt sich die Rabenkuppe (), knapp 6 km (Luftlinie) östlich der Ortschaft jenseits der thüringischen Grenze der Heldrastein (). Es gehört zum Geo-Naturpark Frau-Holle-Land.
Geologie Der Ort befindet sich im Bereich des Trias. Seit dem Mittelalter wurde im Flurbezirk Auf der See ein Sandsteinvorkommen ausgebeutet, das dann zerkleinerte Material wurde als Stubenstreusand verkauft. Die so entstandenen umfangreichen höhlenartigen Abbaugruben und Schächte galten als Sehenswürdigkeit. Unter der Felswand der Graburg wurden hochwertige Kalksteinschichten entdeckt, deren Ausbeutung aber aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes unterbleibt.
Nachbargemeinden Weißenborn grenzt im Nordosten und Osten an die Stadt Treffurt (im thüringischen Wartburgkreis), im Süden an die Gemeinde Ringgau, im Westen an die Gemeinde Wehretal, sowie im Nordwesten an die Stadt Eschwege (alle drei im Werra-Meißner-Kreis).
Geschichte Ortsgeschichte Fundstücke bezeugen, dass schon ca. 2000 v. Chr. Menschen im Gebiet des heutigen Weißenborn lebten. Die umliegenden Berge, besonders die Graburg, die Schäfersburg und der Heldrastein mit der Hüneburg waren schon in frühgeschichtlicher Zeit von Bedeutung. Der Ort selbst wurde, soweit bisher bekannt, erstmals 1365 urkundlich erwähnt: 1365, am Sente Egidii Tag, veräußerten die Gebrüder Conrad und Otto von Völkershausen ihre Privilegien, die sie bisher über die fünf Dörfer Wißenborn, Rampeche, Heldere, Helderbeche und Alden Bursla besaßen, mit Gericht und allem Recht an den Landgrafen Otto I. von Hessen für siebzig Mark Eschweger Währung, während ihr Dorf Volkershusen von diesem Verkauf ausgeschlossen blieb.
Für die Ortsgeschichte waren zuvor die auf der benachbarten Burg Normannstein ansässigen Herren von Treffurt bestimmend. Starke kulturelle Impulse gingen von der im Nachbarort Großburschla befindlichen Stiftskirche Sankt Bonifacius aus, und die Stiftsherren waren bis zur Reformation im Besitz umfangreicher Ländereien und Wälder (Stiftswald). Die Nutzungsrechte an diesem Waldbesitz ging im Anschluss an die Allendorfer Salzsieder (Pfännerschaft) über, welche große Teile des Forstbezirkes als Hauwald nutzten. Für die Saline wurde auch das jährlich benötigte Baumaterial für die Dorngradierhäuser bereitgestellt. Eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung besaß der Sandhandel für das Dorf Rambach. Die sogenannten Tatern, wohl eine zeitweise sesshafte Gruppe Zigeuner, hatten den Abbau und Handel dieses Wirtschaftsgutes übernommen.
Der Dreiherrenstein und weitere Grenzsteine auf dem Heldrastein bezeugen die zeitweise Zugehörigkeit Weißenborns zum Königreich Preußen. Seit dem späten 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg war die Mehrzahl der erwerbsfähigen männlichen Bewohner gezwungen, sich als Wanderarbeiter in Norddeutschland und im Rheinland zu verdingen; die Ortschronik nennt diese Zeit das Dorf ohne Männer.
Durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes gewann der Heldrastein eine touristische Bedeutung, wovon auch die Umlandgemeinden einen Nutzen ziehen konnten. Auf dem Gipfel entstand der Carl-Alexander-Turm.
Der Zweite Weltkrieg brachte auch in Weißenborn und Rambach Tod und Leid mit sich, dabei wurden noch kurz vor Kriegsende 11 Wohnhäuser und 34 Wirtschaftsgebäude zerstört oder schwer beschädigt. Diese Schäden wurden jedoch rasch unter Leitung des damaligen Bürgermeister Witthüser beseitigt werden. Weit problematischer wurde die mit der Deutschen Teilung geschaffene Grenzlage unmittelbar am Rande der damaligen Sowjetischen Besatzungszone. Insbesondere die zuvor engen familiären und wirtschaftlichen Verbindungen zu den thüringischen Nachbarorten wurden gekappt.
In den 1950er Jahren siedelten sich in beiden Ortsteilen mehrere heimatvertriebene Familien und Flüchtlinge an. Seit Mitte der 1960er Jahre mussten die Bewohner den schrittweisen Ausbau der Grenzsperranlagen durch das DDR-Regime ertragen. Landbesitz in den thüringischen Nachbarorten war nicht mehr erreichbar oder wurde enteignet. Die Ortsverbindungswege nach Großburschla und Ifta wurden gekappt. Auf hessischer Seite wurden später durch den Bundesgrenzschutz Straßen und Wege sowie mehrere Beobachtungspunkte für Besucher angelegt.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 1. Oktober 1971 die Gemeinden Rambach und Weißenborn zur erweiterten Gemeinde Weißenborn. Für den Ortsteil Rambach wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Weißenborn angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Wanfried ab 1567: Heiliges Römisches Reich (bis 1806), Niederhessen, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Wanfried 1627–1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Wanfried ab 1807: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Aue ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Wanfried ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis EschwegeVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 72 f.Trennung von Justiz (Fürstlich Rotenburgisches Justizamt Wanfried) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Eschwege ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Weißenborn 1095 Einwohner. Darunter waren 26 (2,4 %) Ausländer, von denen 7 aus dem EU-Ausland, 4 aus anderen europäischen Ländern und 15 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 4,8 %.) Nach dem Lebensalter waren 180 Einwohner unter 18 Jahren, 408 waren zwischen 18 und 49, 243 zwischen 50 und 64 und 264 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 453 Haushalten. Davon waren 111 Singlehaushalte, 139 Paare ohne Kinder und 156 Paare mit Kindern, sowie 51 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 99 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 264 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung 1574: 68 Haushaltungen 1747: 85 Haushaltungen
Religion Evangelische Kirche mini|Die evangelische Pfarrkirche Der älteste Teil der Weißenbörner Pfarrkirche ist der vermutlich 1577 errichtete Chorturm. Die verschieferte Glockenstube mit der abschließenden Haube ist dem Turm 1913 aufgesetzt worden. Im gleichen Jahr wurde das in 1697 angesetzte Schiff grundlegend erneuert.
Die äußere Ansicht wird vor allem durch das Fachwerkgefüge geprägt, das den Einfluss thüringischer Fachwerkarchitektur deutlich erkennen lässt. Bemerkenswert sind die für Hessen eher untypischen K-Streben und das reiche Rautengeflecht der Gefache unter den Fenstern.
Im Inneren erhebt sich ein heller, reich ausgestatteter Saal mit abschließender Holztonne und Hängeverstrebung. Im Zuge der jüngsten Renovierungsarbeiten, Anfang der 2010er Jahre, wurden zwischen den Schmuckornamenten der Tonnendecke und Galerie mehr als 400 mattgoldene Sterne gemalt. Interessenten konnten die Patenschaft für einen der Sterne erwerben. Die Sterne sind auf einem Plan nummeriert, der in einem Informationskasten mit den Namen der Paten aushängt. Jeder Sternenpate bekam zudem eine Urkunde mit einem Bibelvers und der Nummer seines Sterns. Der Erlös aus den Sternpatenschaften soll komplett in die Renovierung der Kirche fließen.Emily Spanel: „Fest und unerschütterlich: Das Gotteshaus ist Mitte und Mittelpunkt Weißenborns“ in Werra-Rundschau vom 1. September 2018; abgerufen am 20. September 2019.
Schützenswerte Ausstattungsgegenstände sind die Kanzel und der Pfarrstuhl von 1700 sowie ein Taufstein aus dem 16. Jahrhundert.
Die Kirche ist aus künstlerischen, geschichtlichen und baulichen Gründen ein Kulturdenkmal.
Evangelische Gemeinde
Die Evangelische Kirchengemeinde Weißenborn gehört mit den Gemeinden Lüderbach, Rambach und Rittmannshausen zum Kirchspiel Weißenborn-Rambach im Kirchenkreis Eschwege der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.
Konfessionsstatistik • 1885: 603 evangelische (= 98,5 %), 4 katholische (= 0,65 %), 8 anderes christliche-konfessionelle (= 1,2 %) Einwohner • 1961: 965 evangelische (= 92,34 %), 67 katholische (= 6,41 %) Einwohner • 1987: 1110 evangelische (= 92,1 %), 47 katholische (= 3,9 %), 48 sonstige (= 4,40 %) Einwohner • 2011: 864 evangelische (= 78,9 %), 52 katholische (= 4,2 %), 179 sonstige (= 16,1 %) Einwohner
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Weißenborn erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Weißenborn 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Gemeindevertretung – Kommunalwahlen 2026
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 48,8 7 46,7 7 38,3 6 28,2 4 23,2 4 26,9 4 25,5 4 34,1 5 43,9 6 42,6 7 53,9 8 51,2 8 25,7 4 19,2 3 17,8 3 29,1 4 22,9 3 21,9 3 Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 Wahlbeteiligung in % 64,5 61,9 59,7 67,9 72,0 71,6
Bürgermeister