mini|Paul Manafort, 2016 mini|Manafort (r.) trifft Präsident Gerald Ford, 1976 mini|Manafort (Mitte) mit Ronald Reagan und George H. W. Bush, 1982

Paul John Manafort (* 1. April 1949 in New Britain, Connecticut) ist ein US-amerikanischer Lobbyist und Politikberater. Er hat international umstrittene Klienten beraten und wurde 2016 als Wahlkampfmanager Donald Trumps bekannt. Gegen Manafort wurde wegen möglicher Kollusion mit russischen Stellen im Rahmen jenes Wahlkampfs ermittelt. Er wurde im August 2018 wegen nicht unmittelbar damit zusammenhängender Vermögensdelikte verurteilt und einigte sich mit den Sonderermittlern vor einem zweiten Gerichtsverfahren im September 2018 außergerichtlich auf eine Kooperation. Im Dezember 2020 wurde Manafort von Trump begnadigt.

Herkunft, Ausbildung und Aufbau einer Lobbyfirma Manafort wuchs in der strukturell mehrheitlich demokratischen Stadt New Britain im Bundesstaat Connecticut auf. Sein Vater war dort über drei Amtszeiten republikanischer Bürgermeister, der neben seiner politischen Arbeit auch die Familienbaugesellschaft Manafort Brothers Inc. leitete, die von seinem aus Italien eingewanderten Vater gegründet worden war. Manafort entschied sich für eine Karriere in der Politik und studierte an der Georgetown University in Washington, D.C., an der er einen Bachelorabschluss in Wirtschaft und einen Juris Doctor in Rechtswissenschaft erhielt. Nach Abschluss der Ausbildung arbeitete er für eine Anwaltskanzlei, und seine Karriere als politischer Berater und Lobbyist nahm ihren Anfang. Seit den 1970er Jahren knüpfte er ein dichtes Netz von auch moralisch fragwürdigen Verbindungen in die politische Landschaft in Washington und auf der ganzen Welt.Eliza Relman, Natasha Bertrand: Paul Manafort was in the Russian lawyer meeting with Jared Kushner and Donald Trump Jr. — here’s what you need to know about him. In: Business Insider, 14. Juli 2017 (englisch)

1976 beriet er mit James Baker die Wahlkampagne des republikanischen US-Präsidenten Gerald Ford, 1980 die für Ronald Reagan, und 1988 managte Manafort gleichzeitig die Wahlkampagnen von drei Republikanern, die um die Nominierung als US-Präsidentschaftskandidaten kämpften: George Bush, Bob Dole und Jack Kemp.Steven Mufson, Tim Hamburger: Inside Trump adviser Manafort’s world of politics and global financial dealmaking. In: The Washington Post, 26. April 2016; Pater Stone: Trump’s new right-hand man has history of controversial clients and deals. In: The Guardian, 27. April 2016; Eli Lake: Trump Just Hired His Next Scandal. In: Bloomberg, 13. April 2016.

Nach Reagans Amtsantritt gründete Manafort mit Roger Stone und zwei anderen Partnern die Lobby- und Beratungsfirma Black, Manafort, Stone and Kelly (oft auch als Black, Manafort bezeichnet), die mit allen Konventionen des amerikanischen Lobbywesens brach.Franklin Foer, Bernhard Schmid (Übersetzung): Das Komplott gegen Amerika. In: Republik, 10. März 2018.

Internationale Klienten Zu Manaforts Klienten zählten Diktatoren wie Ferdinand Marcos (Philippinen),Trumps Wahlkampfmanager auf Liste schwarzer Konten in Ukraine. In: Zeit Online, 15. August 2016. Siad Barre (Somalia) und Mobutu Sese Seko (Demokratische Republik Kongo), das ins Drogengeschäft verwickelte Regime auf den Bahamas und Nigerias Militärmachthaber Ibrahim Babangida.

1992 prangerte die Journalistenorganisation Center for Public Integrity in einem Bericht mit dem Titel die Aktivitäten der Manafort-Firma und in einem Bericht mit dem Titel „Die Lobby der Folterer“ an. Die Satirezeitschrift „Spy“ kürte das Unternehmen zur „schmierigsten Lobbyfirma“ des Landes.

Angola Bei Manaforts Engagement im Bürgerkrieg in Angola schloss er 1985 für 600.000 Dollar einen Beratervertrag mit dem wenig bekannten antikommunistischen UNITA-Rebellenführer Jonas Savimbi, der gegen die sozialistische Regierung kämpfte. Seine Armee beging schwerste Menschenrechtsverletzungen, doch stilisierte Manafort Savimbi zum „Freiheitskämpfer“, kreierte den „Savimbi chic“ und vermittelte ihm Besuche bei konservativen Denkfabriken in Washington.Evan Thomas: The Slickest Shop in Town. In: Time, 3. März 1986. Der US-Kongress billigte hunderte Millionen Dollar verdeckte Finanzhilfe für den Kampf gegen die Regierungspartei. Experten sind der Ansicht, Manaforts Firma habe den Krieg in Angola um Jahre bewusst verlängert, indem sie sofort neue Waffenlieferungen organisierte, sobald Friedensverhandlungen in greifbare Nähe kamen. Der Bürgerkrieg dauerte über ein Jahrzehnt lang weiter und kostete Hunderttausende das Leben.Matt Peterson: How An American Lobbyist Stoked War. In: The Atlantic, 20. Februar 2018.

Saudi-Arabien Jahrelang war Manafort Lobbyist für Bandar ibn Sultan aus der Dynastie der Saud, der 1983 bis 2005 Botschafter in Washington gewesen war. Manafort galt generell als einflussreichster ausländischer Agent des Königreichs Saudi-Arabien in den Vereinigten Staaten.New Trump Campaign Manager Was a Foreign Agent for Controversial Saudi Prince. In: The American Thinker, 23. Juni 2016. Beispielsweise setzte sich Manafort 1986 als Lobbyist bei der Regierung Reagan, dem Außenministerium und dem Kongress für die Genehmigung von Waffengeschäften mit Saudi-Arabien ein.Tim Mak: Top Trump Aide Paul Manafort Lobbied for Saudis Against Embassy Move To Jerusalem. In: The Daily Beast, 12. April 2016.

Sowjetische Nachfolgestaaten In den 2000er Jahren suchte Manaforts neue Firma Kontakte und Geschäftsmöglichkeiten bei Oligarchen aus postsowjetischen Ländern. Besonders wichtig wurde der russische Oligarch Oleg Deripaska, der sich ab 2004 von Manafort beraten ließ, um seine Finanzen von der politischen Krise der Ukraine abzuschirmen.A Timeline of Paul Manafort’s Career. In: The Atlantic, 20. Februar 2018.

Im März 2017 wurde in internationalen Medien berichtet, dass Manafort für Deripaska auch gearbeitet hatte, um die Interessen des russischen Präsidenten Putin zu fördern und Opposition gegenüber der russischen Politik im post-sowjetischen Raum zu untergraben. Dies geschah, nachdem Wiktor Janukowytsch im Zuge der Orangenen Revolution dem Oppositionskandidaten Juschtschenko unterlegen war. Im Juni 2005 bot Manafort in einem Strategieplan an, dass er Politik, Geschäftsbeziehungen und Medienberichterstattung in den Vereinigten Staaten, Europa und den ehemaligen Sowjetrepubliken beeinflussen würde, um der Putin-Regierung zu helfen.Jeff Horwitz, Chad Day: AP Exclusive: Manafort had plan to benefit Putin government. In: Associated Press, 22. März 2017. „Wir sind nun der Ansicht, dass dieses Modell der Putin-Regierung stark nutzen kann, wenn es auf den korrekten Ebenen mit dem angemessenen Einsatz für Erfolg angewendet wird“, schrieb Manafort an Deripaska.Trump-Wahlkampfmanager Manafort arbeitete im Sinn der Putin-Regierung. In: Göttinger Tageblatt, 22. März 2017. Die Anstrengung werde einen „großen Dienst“ bedeuten, „der die Politik der Putin-Regierung sowohl intern als auch extern neu ausrichten kann.“

Manafort und Deripaska schlossen schließlich einen Vertrag in Höhe von jährlich 10 Millionen US-Dollar ab. Aus den Unterlagen geht außerdem hervor, dass wenigstens ein Teil von Manaforts Arbeit in der Ukraine direkt von Deripaska bestimmt wurde und Manafort ein Büro in Moskau einrichten wollte. In Strategiepapieren schrieb Manafort, Deripaska und Putin würden von Lobbyarbeit bei westlichen Regierungen profitieren, damit Oligarchen ehemalige Vermögen in Staatsbesitz in der Ukraine behalten könnten. Er schlug vor, „langfristige Beziehungen“ mit westlichen Journalisten aufzubauen, sowie diverse Maßnahmen, um die Rekrutierung, Kommunikation und finanzielle Planung prorussischer Parteien in der Region zu verbessern. Manafort bot außerdem an, seine Arbeit in Osteuropa auf Usbekistan, Tadschikistan und Georgien auszuweiten. Dort wolle er die Legitimität von Regierungen stärken, die Putin gegenüber freundlich gestimmt seien und Gegner der russischen Politik durch politische Kampagnen, gemeinnützige Frontorganisation und Medienoperationen untergraben.

Nach der Orangen Revolution gab der Donezker Oligarch Rinat Achmetow Manafort 2005 einen Beratervertrag, und er heuerte als Spin Doctor für Wiktor Janukowytsch an. Manafort organisierte für Janukowytsch ein unerwartetes Comeback. Dass Janukowytsch im Februar 2010 zum Staatspräsidenten gewählt wurde, wird unter anderem Manaforts Aktivitäten zugeschrieben. Manafort arbeitete bis zu den Maidan-Protesten 2013/2014 für Janukowytsch.Julia Smirnova, Clemens Wergin: Der düstere Spin Doctor hinter Donald Trump. In: Welt Online, 11. Mai 2016. Manaforts Aktivitäten wurden 2014 von Staatsanwälten wegen Veruntreuung ukrainischen Vermögens nach der Absetzung Janukowytschs untersucht.

Ein weiterer Kunde Manaforts war Dmytro Firtasch. Im Jahr 2008 hatte Manafort mit einem ehemaligen Manager der Trump Organization vereinbart, gemeinsam das Drake Hotel in New York für bis zu 850 Millionen Dollar zu kaufen, wobei Firtasch zusagte, 112 Millionen Dollar zu investieren. Laut einer Klage gegen Manafort und Firtasch ging es bei dem Geschäft vielmehr darum, einen Teil der Gewinne zu waschen, die Firtasch durch die Vermittlung von Erdgasgeschäften zwischen Russland und der Ukraine, mit Semjon Judkowitsch Mogilewitsch als stillem Partner, abgeschöpft hatte. Schließlich scheiterte das Geschäft wegen der Insolvenz von Firtaschs Nadra-Bank.James S. Henry: Wie Donald Trump lernte, Russland zu lieben. Deals und Seilschaften aus den Zeiten der Schocktherapie, Blätter für deutsche und internationale Politik, Februar 2017.

Als Janukowytschs Handlungen in der Ukraine nach und nach seine Versprechen nicht einlösten, zogen sich Demokratieberater aus Manaforts Team zurück, aber der politische Stratege Manafort selbst, der dem ukrainischen Präsidenten nahe stand, wurde zu seinem inoffiziellen Berater und Gesandten im Umgang mit dem Westen. Achmetow finanzierte Manaforts Arbeit für die Partei der Regionen, nachdem die Einnahmequelle Janukowytsch weg gefallen war – er arbeitete auch etwas an Regionalwahlen, einschließlich der Bürgermeisterwahl in Mariupol 2015, die von Wadym Bojtschenko gewonnen wurde, welcher nach sieben Jahren im Amt die Grauen des russischen Überfalls 2022 beklagen musste.«Российские офицеры говорили: „Не знаем, что тут делаем. Чувствуем себя фашистами“». Meduza, 22. April 2022.

Wahlkampfmanager Donald Trumps Während Donald Trumps Präsidentschaftskandidatur war Manafort vom 28. März 2016 bis August 2016 dessen Berater.Alexander Burns, Maggie Haberman: Donald Trump Hires Paul Manafort to Lead Delegate Effort. In: The New York Times, 28. März 2016. Mitte August 2016 wurde bekannt, dass Manafort 12,7 Millionen US-Dollar auf illegalem Weg von Janukowytschs Partei der Regionen erhalten hatte;Andrew E. Kramer, Mike McIntire, Barry Meier: Secret Ledger in Ukraine Lists Cash for Donald Trump’s Campaign Chief. In: The New York Times, 15. August 2016. zwei Tage später trat Manafort von seinem Beraterposten zurück und wurde durch Steve Bannon ersetzt.Andreas Ross: Streit und Ukraine-Kontakte: Trumps Wahlkampf-Manager tritt zurück. In: FAZ.net, 19. August 2016.

Nach der Wahl am 8. November 2016 kehrte Manafort jedoch zurück, um Trump bei Personalentscheidungen zur Besetzung seiner Regierung zu beraten. Manafort äußerte im März 2017, er und seine Mitarbeiter hätten weiterhin Kontakte mit Trump. Manaforts ehemaliger Geschäftspartner in Osteuropa, Rick Gates, hat Trumps Amtseinführung mitorganisiert und eine Organisation ins Leben gerufen, die Trump unterstützt.Trump ex-campaign chairman Manafort secretly worked for Russian billionaire to ‘benefit Putin government,’ files show. In: CNBC News, 22. März 2017.

Sonderermittlung zum Trump-Wahlkampf