mini|Blick auf Meißen mit Burgberg, Dom und Albrechtsburg vom rechten Elbufer aus mini|Blick über die Dächer von Meißen zur Kirche St. Afra mini|Meißen, Luftaufnahme (2017)
Meißen (, , lateinisch Misnia, Misena) ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Freistaat Sachsen, hat knapp 29.000 Einwohner und trägt den Status Große Kreisstadt.
International berühmt ist die Mittelstadt Meißen für die Herstellung des Meissener Porzellans, das als erstes europäisches Porzellan seit 1708 hergestellt wird. Der Name der Stadt mit Doppel-S („Meissen“) ist ein eingetragenes Markenzeichen der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen.
Geographie Geographische Lage Die Stadt Meißen – 25 km nordwestlich von Dresden, 75 km östlich von Leipzig und 30 km nördlich von Freiberg – liegt am Ausgang des Elbtalkessels an der Elbe und ihrem Nebenfluss, der Triebisch. Südöstlich von Meißen liegen Coswig und Radebeul. Niedrigster Punkt der Stadt ist der mittlere Wasserspiegel der Elbe bei . Südlich von Meißen liegt das Meißner Hochland, nordwestlich der Stadt die Lommatzscher Pflege.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind die Stadt Coswig, Diera-Zehren, Käbschütztal, Klipphausen, Niederau und Weinböhla im Landkreis Meißen.
Stadtgliederung Altstadt Bohnitzsch Cölln Dobritz mit Buschbad Fischergasse Görnische Vorstadt Hintermauer Klostergasse Klostergut Klosterhäuser Korbitz Kynastsiedlung Lercha Nassau Neudörfchen Niederfähre Niedermeisa Niederspaar Obermeisa Oberspaar Proschwitz Questenberg Rauenthal Rottewitz Siebeneichen Triebischtal Triebischvorstadt Vorbrücke Winkwitz Zaschendorf Zscheila
Geschichte
mini|Meißen ums Jahr 1580 mini|hochkant=1.5|Meißen im Jahr 1650 mini|Karte von Meißen (um 1750) mini|5-RM-Gedenkmünze von 1929 aus Anlass der Jahrtausendfeier von Burg und Stadt Meißen. Münzbild links nach Vorbild des städtischen Siegels von 1352, Münzstätte Muldenhütten Unterhalb der um das Jahr 929 von König Heinrich I., dem Burgenbauer, gegründeten Burg Misnia entwickelte sich Meißen aus dem slawischen Dorf Meisa am gleichnamigen BachErnst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band II, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 25. zur Marktsiedlung und schließlich Ende des 12. Jahrhunderts zu einer Stadt, deren Stadtrechte für das Jahr 1332 urkundlich bezeugt sind. Wegen der hier residierenden Bischöfe (Bistum Meißen, gegründet 968) war die Stadt für die kulturelle Entwicklung Sachsens von herausragender Bedeutung.
Ein Benediktinerinnenkloster, das Kloster Heilig Kreuz bestand in Meißen wahrscheinlich schon seit dem Ende des 12. Jahrhunderts. Bischof Dietrich II. gründete 1205 das Augustiner-Chorherrenstift St. Afra. Ein Konvent des 1210 gegründeten Franziskanerordens ist in der Stadt ab 1263 belegt; ab 1274 war das Kloster Meißen das Hauptkloster der Kustodie Meißen in der Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia), und es erhielt um 1450 die zweite Kirche.Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 61.67.169.
Im Zuge der erst 1539 in Meißen eingeführten Reformation wurden die drei Klöster aufgelöst und im ehemaligen Franziskanerkloster eine Stadtschule eingerichtet. Seit 1543 befindet sich die Fürstenschule im ehemaligen Kloster St. Afra. Wirtschaftlich wurde Meißen lange Zeit durch die Tuchmacherei bestimmt, die durch den Dreißigjährigen Krieg aber nahezu zum Erliegen kam. 1710 wurde unter August dem Starken die Porzellanmanufaktur eröffnet, die neue Impulse setzte.
mini|Ansicht um 1850
Bis 1423 existierte die Markgrafschaft Meißen. Bekannte Markgrafen von Meißen waren die Wettiner Konrad der Große, Otto der Reiche, Dietrich der Bedrängte, Heinrich der Erlauchte und Friedrich der Streitbare, der Kurfürst von Sachsen wurde.
Der Meißner Dom und die Albrechtsburg auf dem linkselbischen Burgberg prägen die Silhouette von Meißen. Um 1250 wurde mit dem Bau des Doms begonnen, die beiden markanten Domtürme wurden erst 1909 fertiggestellt, nachdem die Westfront mit ihren beiden ab 1315 gebauten Türmen bereits 1547 durch Blitzschlag zerstört worden war. Ab 1470 wurde unter Arnold von Westfalen die Albrechtsburg als erstes deutsches Schloss errichtet. Zunächst als Residenz der beiden regierenden Fürsten vorgesehen, kam es jedoch nie zu einer solchen Nutzung, sondern sie stand leer. Von 1710 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts diente die Albrechtsburg als Sitz der Meißner Porzellanmanufaktur.
In Meißen kam es in den Jahren 1540 bis 1696 zu Hexenverfolgungen: Elf Personen gerieten in Hexenprozesse, 1620 wurde eine Frau verbrannt.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln/Weimar/Wien 2003, S. 546–549f.
Die Stadt Meißen gehörte der 1874 eingerichteten Amtshauptmannschaft Meißen an, war von 1915 bis 1946 bezirksfrei und kam dann zum Landkreis Meißen.
In den Jahren 1905–1906 gab es unter Meißener Kindern eine Zitterepidemie, eine Art Massenhysterie, von der bis zu 237 Kinder in 21 Schulklassen befallen waren. Der Meißener Lehrer Kurt Walter Dix berichtete 1906 darüber in einem Kongress für Kinderforschung.Elisabeth von Stechow: Erziehung zur Normalität. Eine Geschichte der Ordnung und Normalisierung der Kindheit. VS Verlag für Sozialwissenschaften 2004, ISBN 978-3-531-14224-1, S. 170. online
Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden auch in Meißen politische Gegner des NS-Regimes verfolgt. So wurde der sozialdemokratische Arbeiter Max Dietel als Widerstandskämpfer 1943 in Görden ermordet. Die in der Stadt lebenden jüdischen Familien wurden aus dem Land vertrieben oder in Vernichtungslager deportiert. Zu ihnen gehörte das Ehepaar Alex und Else Loewenthal, die in der Elbstraße 8 ein Kaufhaus betrieben hatten und 1942 ermordet wurden. Ihre überlebenden Kinder ließen 1968 eine Gedenktafel für die Eltern anbringen.Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Gedenkstätten für die Opfer des NS II. Bonn, S. 711 ff.
Das in der Elbstraße 19 befindliche Kaufhaus der Schocken-Kette wurde 1938 arisiert; das Gebäude ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Insgesamt erlitt die Stadt jedoch nur geringe kriegsbedingte Verluste ihrer historischen Bausubstanz. Die Elbbrücke (Altstadtbrücke) sowie die Eisenbahnbrücke wurden allerdings beide am 26. April 1945 durch eine Teilsprengung der Wehrmacht unbrauchbar. Einige Häuser in der angrenzenden Elbstraße wurden dabei stark beschädigt.
Der damalige Superintendent von Meißen Herbert Böhme wollte verhindern, dass Meißen in den letzten Kriegstagen zur Festung erklärt und mit allen Mitteln verteidigt wird. Er wurde für seine mutigen Einsprüche bei Gauleiter Mutschmann und dem damaligen Bürgermeister zum Tode verurteilt. Die Rote Armee verhinderte mit ihrem Einmarsch in Dresden am 7. Mai 1945 die Vollstreckung des Todesurteils. Der Gefängnistrakt im damaligen Landgericht ist als Gedenkstätte Münchner Platz zugänglich.Annette Dubbers: Die Südvorstadt. Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils. Michel-Sandstein-Verlag, Dresden 2004, ISBN 3-937199-32-2, S. 49.Alfred Harendt: Zum Tode verurteilt. In: Die Stunde Null. Berlin 1966, S. 67. mini|Die Herbert-Böhme-Str. im rechtselbischen Meißen erinnert an den mutigen Superintendenten.
Am 6. Mai 1945 wurde die Bevölkerung der Stadt Meißen von einem hohen Militär vom Balkon des Rathauses zur Flucht aufgefordert. Der Sozialdemokrat Willy Anker forderte die Bevölkerung auf zu bleiben, da jegliche Flucht sinnlos sei. Ihm wurde die standrechtliche Erschießung angedroht, die aber nicht erfolgte, weil die Ereignisse sich überstürzten.
1952 porträtierte Rudolf Nehmer den „Retter von Meißen“ für den Meißner Dom.Infotafel neben dem Portrait von Herbert Böhme Das Bild hing mit einer Widmungstafel Jahrzehnte im hinteren Teil des Domes, im Dommuseum. Im Dezember 2024 wurde festgestellt, dass Porträt und Widmungstafel sich nicht mehr an ihrem Platz befinden. Die Benennung einer Straße und einer Schule nach Willy Anker aus der DDR-Zeit wurden rückgängig gemacht. Die Benennung einer Straße nach Herbert Böhme im Stadtteil Cölln aus der DDR-Zeit existiert noch. alternativtext=Erinnerung an die letzten Kriegstage in Meißen|mini|Diese Tafel vor dem Rathaus erinnert an die Retter der Stadt Meißen in den letzten Kriegstagen. Auf der Tafel, die im Bürgersteig vor dem Rathaus eingelassen ist, wird von mutigen Bürgern gesprochen, die ihre Stimme zur Rettung der Stadt erhoben haben. Weder der Name des Superintendenten Herbert Böhme noch der Name des Sozialdemokraten Willy Anker sind genannt.
1947 fand im Stadtmuseum die „1. Meißner Kunstausstellung“ statt, an der sich über 40 Künstler beteiligten. Der Oberbürgermeister Albert Mücke schrieb dazu im Katalog: „Durch die 1. Meißner Kunstausstellung treten die Meißner Künstler nach dem Zusammenbruch zum ersten Male vor die Öffentlichkeit, um ihr Wollen, im neuen Geist zu wirken, zum Ausdruck zu bringen.“
Die DDR legte angesichts der stetig steigenden Bevölkerungszahl den Schwerpunkt der Bautätigkeit auf die Schaffung von Wohnraum vor allem in den Außenbezirken. Die historische Innenstadt verfiel zunehmend.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde, insbesondere im Rahmen der Entnazifizierung, auch eine größere Anzahl von Straßen und Plätzen der Stadt umbenannt. alternativtext=Erinnerung an den Herbst 1989|mini|Gedenkplatte an die demokratischen Proteste der Meißner Bevölkerung in den Herbsttagen 1989. Am 3. Oktober 1990 wurde der Freistaat Sachsen in der Albrechtsburg neu gegründet. Nach der Wiedervereinigung wurde besonders das Stadtzentrum umfassend saniert.
Im August 2002 beschädigte die Triebisch Teile der historischen Innenstadt durch Hochwasser schwer. In der Nacht zum 13. August überflutete sie ihr Tal und die Altstadt. Vier Tage später erreichte der Pegel des Elbhochwassers seinen höchsten Stand, sodass Altstadt und weitere Stadtteile teilweise bis zu drei Meter überflutet waren. In Dresden lag der Pegel mit 9,4 Meter fast 8 Meter über dem Normalpegel dieser Jahreszeit. Kino, Theater, der Heinrichsbrunnen und weitere Sehenswürdigkeiten Meißens standen zeitweilig unter Wasser. Der erhöht liegende Marktplatz mit der Frauenkirche und dem Rathaus blieb hingegen verschont.
Im Juni 2013 traf ein weiteres Hochwasser die Stadt Meißen. Am 6. Juni zeigte der Pegel in Dresden einen Wert von 8,76 m, 64 cm unter dem Niveau von 2002. Teile der Meißner Altstadt wurden wieder überflutet, darunter das Theater, das Kino, der Heinrichsplatz, die Neugasse, die Gerbergasse, der Neumarkt und das Buschbad, da das Hochwasser die neu erbaute Flutmauer am Elbufer überstieg.
In der Nacht zum 29. Juni 2015 kam es zu einem Brandanschlag auf eine geplante, noch unbewohnte Asylbewerberunterkunft. Nach der Tat erhielt der Besitzer der Immobilie Morddrohungen. Die Täter sind laut Polizei in der rechtsextremen Szene zu vermuten.Wieder Brandanschlag auf unbewohntes Asylbewerberheim. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juni 2015.Morddrohungen gegen Besitzer von Flüchtlingsunterkunft. In: Sächsische Zeitung, 30. Juni 2015.
Eingemeindungen
Einwohnerentwicklung mini|400px|Bevölkerungsentwicklung, 1834 bis 2017 mini|Bevölkerungspyramide für Meißen (Datenquelle: Zensus 2011)
1834 bis 1984 1834: 7.738 1875: 13.002 1880: 14.166 1885: 15.474 1910: 33.884 1933: 46.992 1939: 48.342 1946: 48.348 1) 1950: 49.455 2) 1960: 48.289 1970: 45.175 1981: 39.276 1984: 38.214 1995 bis 2008 1995: 32.200 1997: 30.486 1998: 30.038 1999: 29.604 2000: 29.398 2001: 28.982 2002: 28.780 2003: 28.640 2004: 28.543 2005: 28.435 2006: 28.081 3) 2007: 27.856 2008: 27.736 2009 bis 2021 2009: 27.693 2010: 27.545 2011: 27.112 2012: 27.098 2013: 27.135 2014: 27.273 2015: 27.936 2016: 27.984 2017: 28.061 2018: 28.044 2019: 28.282 2020: 28.231 2021: 28.080 Datenquelle ab 1994: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsens 1) 29. Oktober 2) 31. August 3) 30. November