Das Wort ist ein dänisches Filmdrama von Carl Theodor Dreyer aus dem Jahre 1955. Es basiert auf dem 1932 veröffentlichten Theaterstück Ordet des dänischen Pastors Kaj Munk. Die Titel von Theaterstück und Film spielen dabei auf das Bibelwort „Im Anfang war das Wort“ (Johannes 1,1) an.

Der Film wurde mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig ausgezeichnet und gilt heute als ein Meisterwerk der Filmgeschichte, das in Kritikerlisten häufig zu den besten Filmen aller Zeiten gezählt wird.

Handlung Im ländlichen Jütland des Jahres 1925 lebt die stolze und recht wohlhabende Bauernfamilie Borgen. Patriạrch der Familie ist der Witwer Morten, der als wichtiger Mann im Dorfe gilt und bei der Errichtung der örtlichen Kirchengemeinde eine entscheidende Rolle gespielt hat. Der älteste Sohn Mikkel ist ein gutherziger und verantwortungsbewusster Mann, seine kluge Frau Inger fungiert als gute Seele des Hauses und ist momentan mit dem dritten Kind schwanger. Im Gegensatz zu seiner gläubigen Frau fehlt es Mikkel jedoch an Gottesglauben. Mortens zweiter Sohn ist Johannes, der während seines Theologiestudiums über die Werke von Søren Kierkegaard offensichtlich wahnsinnig wurde und sich nun für Jesus Christus hält. Johannes zieht predigend über den Hof und die Dünen und kritisiert den „lauwarmen“ Gottesglauben seiner Familie und des jungen, neu eingetroffenen Pfarrers. Mortens dritter und jüngster Sohn ist schließlich Anders, der sich in Anne Petersen – die Tochter des Dorfschneiders – verliebt hat.

Eines Tages gesteht Anders gegenüber Mikkel und Inger, dass er Anne liebt und sie heiraten will. Das Problem ist jedoch, dass Annes Vater – der Schneider Peter – Anführer einer fundamentalistischen Glaubensgruppe im Dorf ist und völlig andere Vorstellungen über das „richtige“ Christentum hat als Morten, der hinter der normalen Kirchengemeinde steht. Anders bittet Inger um ihre Mithilfe, dass sie Morten zur Zustimmung für die Heirat überzeugen solle. Doch trotz Ingers Überzeugungsarbeit benimmt sich Morten stur und lehnt die Heirat seines Sohnes mit der Tochter des Rivalen ab. Erst als Anders bei Peter um die Hand seiner Tochter anhält und mit der Begründung zurückgewiesen wird, er sei kein richtiger Christ, ändert Morten – in seinem Stolz verletzt – seine Meinung. Am Abend fährt Morten selbst, von Anders begleitet, zum Haus der Petersens, wo sie den Schneider umstimmen wollen. Im Haus des Schneiders sehen sie sich gezwungen, erst das Ende eines dort stattfindenden Gottesdienstes abzuwarten. Im folgenden Gespräch gibt sich Petersen ebenso stur wie zuvor Morten und will einer Heirat nur zustimmen, wenn Morten und seine Familie im Gegenzug seiner Sekte beitreten. Es kommt zu einer heftigen Diskussion über Glaubensgrundsätze zwischen den älteren Herren, an deren Ende der erzürnte Morten gegen den Schneider handgreiflich wird.

Unterdessen ist Inger im Hause der Borgens schwer erkrankt. Das ungeborene Kind Ingers muss vom Doktor abgetrieben werden, um ihr das Leben zu retten. Johannes kündigt trotzdem – sehr zum Ärger von Morten – den bevorstehenden Tod Ingers an, wenn ihm sein Vater nicht endlich Glauben schenke. Da Ingers Zustand aber stabil erscheint, feiern die erleichterten Männer mit starkem Kaffee. Doch kaum sind der Doktor und der Pfarrer abgefahren, da stirbt Inger überraschend, wie von Johannes vorausgesagt. In der Nacht verschwindet Johannes vom Bauernhof und kann trotz intensiver Suche nicht wiedergefunden werden.

Zwei Tage später findet die Beerdigung Ingers statt, wobei insbesondere Mikkel über den Tod seiner Frau am Boden zerstört ist, auch da er durch seinen fehlenden Glauben nicht auf eine Wiedervereinigung mit Inger hoffen kann. Peter Petersen bereut inzwischen, dass er so hart mit Morten war und damit nicht der von Jesus Christus in der Bergpredigt geforderten Feindesliebe gefolgt war. Am offenen Sarg der aufgebahrten Inger versöhnen sich Morten und Petersen, der Schneider stimmt nun auch einer Hochzeit zwischen Anne und Anders zu. Plötzlich tritt der vermisste Johannes zur Totenwache. Zwar erscheint er nunmehr wieder geistig gesund, verkündet aber dennoch, dass man Inger von den Toten erwecken könne, wenn die Familie nur wirklich festen Glaubens sei. Dann könne er Gott darum bitten. Niemand von den erwachsenen Christen glaubt seinen Worten; allein Ingers Tochter – ein Kind – nimmt die Hand des Johannes und fragt ihn, ob er ihre Mutter jetzt erwecken wolle. Johannes lobt ihren kindlichen Glauben und bittet Gott. Inger beginnt zu atmen, bewegt sich in ihrem Sarg und kommt zu Bewusstsein. Das offensichtliche Wunder der Wiederauferstehung beeindruckt alle Beteiligten und lässt auch Morten und Peter ihre Differenzen vergessen. Mikkel und seine totgeglaubte Frau umarmen sich leidenschaftlich. Er sagt ihr, dass er endlich – wie sie es ihm immer vorhergesagt hatte – seinen Glauben gefunden habe.

Produktionsgeschichte Vorproduktion mini|Kaj Munk (1944) Nachdem sein Film Tag der Rache (1943), der während der Hexenverbrennungen im Dänemark des 17. Jahrhunderts spielt, damals ein heftiger Flop geworden war, gelang es Regisseur Carl Theodor Dreyer über ein Jahrzehnt nicht, trotz seines guten Renommees ein neues Filmprojekt zu finanzieren. Das Blatt begann sich 1952 zu wenden, als Dreyer durch den dänischen Staat auf Lebenszeit zum Leiter eines bekannten Kunstkinos in Kopenhagen ernannt wurdeBiografie von Carl Theodor Dreyer bei Encyclopedia.com (verdiente ältere Künstler wurden in Dänemark häufig auf solche oder ähnliche Art vom Staat ausgezeichnet). Die Profite des Kinos erlaubten es Dreyer, endlich mit einer neuen Filmproduktion zu beginnen. Das Filmstudio Palladium, bei dem Dreyer den Film produzierte, und die staatliche Filmgesellschaft Dansk Kulturfilm schlugen ihm eine Verfilmung des Theaterstückes I Begyndelsen var Ordet (dt.: „Im Anfang war das Wort“, Zitat aus dem Evangelium nach Johannes 1,1) vor. Der Priester Kaj Munk hatte das Werk 1925 verfasst, 1932 war seine Uraufführung. Da Dreyer das Stück bei seiner Premiere gesehen hatte und bereits seit den 1930er-Jahren über eine Verfilmung nachdachte, sogar Notizen dazu verfasst hatte, stimmte er dem Vorschlag der Produktionsfirmen zu.Dreyer, Carl Theodor. Four Screenplays. Bloomington & London: Indiana University Press. 1970. ISBN 0-253-12740-8. S. 239–298.

Kaj Munks Theaterstück war bereits zuvor verfilmt worden: 1943 in Schweden unter Regie von Gustaf Molander mit Victor Sjöström in der Morten-Rolle.Ordet (1943) bei der Internet Movie Database Der 1943er-Film kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Dänemark in die Kinos und die Produzenten des schwedischen Filmes sahen ihre kommerziellen Interessen gefährdet, sollte schon wieder eine neue Verfilmung herauskommen. So musste Dreyer aus rechtlichen Gründen den Beginn der Dreharbeiten bis ins Jahr 1954 verschieben. Bei seinen Arbeiten am Drehbuch blieb Dreyer dem Inhalt und der Intention des Stückes zwar weitestgehend treu, doch strich er zwei Drittel des Textes von Munk,Ordet beim dänischen Filminstitut wodurch er die Dialoge des Stückes auf das Essenzielle minimierte. Außerdem ließ er eine frühere Liebesbeziehung von Johannes, die im Stück einigen Raum einnimmt, komplett fallen. Dagegen fügte er die Anfangsszene mit Johannes auf den Dünen hinzu, die im Stück so nicht vorkommt, sondern einzig als Idee im Tagebuch von Munk.Dreyer, Carl Theodor. Four Screenplays. Bloomington & London: Indiana University Press. 1970. ISBN 0-253-12740-8. S. 20

Dreharbeiten mini|Carl Theodor Dreyer (1965) Die Dreharbeiten zum Film fanden über insgesamt vier Monate statt – zwei Monate im Filmstudio, zwei Monate im Dörfchen Vedersø bei Ulfborg, wo Munk zur Entstehungszeit des Stückes als Pastor gearbeitet hatte. Die Dreharbeiten verliefen sehr harmonisch, da Dreyer sowohl genügend Drehzeit als auch Geld bekommen hatte. Um die Szenen im Bauernhaus möglichst echt zu gestalten, ließ Dreyer über 100 alte Gegenstände aus Bauernhäusern der Umgebung von Vedersø ins Filmstudio nach Kopenhagen transportieren. Hier wurden die Gegenstände in die Kulisse gestellt und in einem sorgfältigen Prozess nach und nach durch Dreyer entfernt, sodass nur noch etwa 15 Gegenstände verblieben. Diese sollen dem Filmzuschauer das Gefühl von Atmosphäre und Authentizität vermitteln, ihn aber auch nicht ablenken oder gar stören. von Jonathan Rosenbaum Dreyer wollte den Film möglichst realistisch erscheinen lassen, damit das übernatürliche Ende mit dem Wunder umso stärker wirkt.

Dreyer drehte meistens eine Einstellung am Tage. Am Morgen probte er mit den Schauspielern und achtete dabei besonders auf die Bewegungen – teilweise bis auf einen Schritt genau, damit es mit der Belichtung passte. Dann setzte er Lichter und Kamera, ehe er gegen Abend dann die Einstellungen drehte. Die Darstellerin von Inger, Birgitte Federspiel, erinnerte sich, dass Dreyer – wenn er mit den Leistungen der Schauspieler zufrieden war – nie etwas gesagt, sondern stattdessen freundlich gelächelt habe. Er habe sie sogar auf der Suche nach den passenden Kostümen für ihre Rolle begleitet.Ordet. DVD-Extras. Interview mit Birgitte Federspiel Ebenfalls wies er die Schauspieler an, mit einem leichten Akzent zu sprechen, der für die Gegend um Vedersø charakteristisch war. In der Besetzung hatte Dreyer neben einigen Laiendarstellern in kleineren Rollen vor allem bekannte Theaterschauspieler verpflichtet. Ejner Federspiel, Birgittes Vater, der die Rolle des Petersen übernahm, hatte bereits in der Originalaufführung 1932 mitgespielt. Einige Probleme hatte der 80-jährige Henrik Malberg, der als Morten Borgen den wohl umfangreichsten Text auswendig lernen musste und dem dies im Alter schwerfiel. Munk hatte Malberg bereits beim Schreiben des Stückes 1925 als Wunschkandidaten für die Rolle des Morten im Kopf gehabt.

Zweimal im Film, vor und nach ihrem Treffen mit dem Schneider Peter, fahren Anders und Morten an einer Stelle mit einem Gedenkkreuz vorbei. An dieser Stelle wurde Kaj Munk 1944 von den Nationalsozialisten erschossen, da er gegen diese Widerstand geleistet hatte. Kaj Munk ist auch die einzige Person, die in den Credits erwähnt wird, alle anderen Beteiligten am Film bleiben ungenannt, da es keinen klassischen Vor- oder Nachspann bei Ordet gibt.

Filmtechnik Für Ordet setzte Carl Dreyer bewusst auf eine minimalistische, fast theaterhafte Inszenierung. Eine musikalische Untermalung fehlt so etwa fast vollständig. Nur an ausgewählten Stellen ist Orchestermusik des bereits 1949 verstorbenen Komponisten Poul Schierbeck zu hören, die dieser bereits für den Dreyer-Film Tag der Rache (1943) komponiert hatte.

1933 hatte Dreyer in einem Artikel zur Zukunft des Filmes geschrieben: „Ich glaube, dass Langaufnahmen den Film der Zukunft repräsentieren. Du musst dazu fähig sein, einen Film in sechs, sieben, acht Aufnahmen zu machen … Kurze Szenen, schnelle Schnitte markieren für mich den Stummfilm, aber der glatte Medium-Shot – mit durchgängig sich bewegender Kamera – gehört zum Tonfilm.“ Als ein Beispiel für eine möglich Umsetzung dieses Prinzips führte Dreyer im Artikel bereits damals Munks gerade erst erschienenes Stück Ordet an, das sich hervorragend dafür eignen würde. Auch wenn Schnitte – entgegen Dreyers Annahme von 1933 – im Verlaufe der Filmgeschichte generell immer mehr wurden, setzte Dreyer dieses Prinzip 22 Jahre später bei Ordet ein. Im Film erfolgen nur 114 Schnitte, was durchschnittlich etwa einen Schnitt pro Minute macht.Filmkritik von Philip French im The Guardian, (englisch) An einigen Stellen sind es bis zu sieben Minuten zwischen einzelnen Schnitten. Damit der Film trotzdem nicht statisch wurde, setzte Dreyer mit dem jungen Kameramann Henning Bendtsen auf zahlreiche Kamerafahrten, welche dem Film eine gewisse Dynamik bewahren. Heute wird Ordet nicht zuletzt für seine Kameraarbeit von Kritikern geschätzt.