Herleshausen ist eine Gemeinde im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.
Geografie Geografische Lage Herleshausen liegt im Nordosten Hessens, unmittelbar nördlich eines Abschnitts der Landesgrenze zu Thüringen und im äußersten Süden des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land zwischen dem Ringgau im Nordwesten und dem Thüringer Wald mit dem Naturpark Thüringer Wald im Südosten. Nach Süden wird das Gemeindegebiet durch den Flusslauf der Werra begrenzt.
Herleshausen grenzt an das Gebiet der thüringischen Stadt Eisenach, deren Kernstadt etwa zehn Kilometer ostsüdöstlich liegt. Bis zur Kreisstadt Eschwege sind es in Richtung Nord-Nordwesten rund 22 km und bis nach Kassel, Göttingen und Erfurt (nächste Großstädte) jeweils zirka 60 km (Luftlinie).
Nachbargemeinden Herleshausen grenzt im Norden an die Gemeinde Ringgau (Werra-Meißner-Kreis) und die Stadt Treffurt (Wartburgkreis in Thüringen, Ortsteil Ifta), im Osten an den Stadtteil Creuzburg der Stadt Amt Creuzburg und den Ortsteil Pferdsdorf der Gemeinde Krauthausen, im Südosten an die Stadtteile Wartha und Göringen der Stadt Eisenach (alle im Wartburgkreis), im Süden an die Gemeinde Gerstungen (Wartburgkreis, Ortsteile Lauchröden und Sallmannshausen) sowie im Westen an die Stadt Sontra (Werra-Meißner-Kreis).
Gliederung Die Gemeinde besteht aus den elf Ortsteilen Altefeld, Archfeld, Breitzbach, Frauenborn, Herleshausen, Holzhausen, Markershausen, Nesselröden, Unhausen, Willershausen und Wommen. In der Gemarkung von Herleshausen liegt etwa einen Kilometer nordöstlich der Ortslage auf dem Hochplateau des Kielforsts der Siegelshof.
Geschichte Überblick mini|Autobahngrenzübergangsstelle Herleshausen (1980er Jahre) Herleshausen wurde, soweit bekannt, im Jahre 1019 erstmals als Herleicheshuson in einer Schenkungsurkunde erwähnt, spätere Erwähnungen sind Herlecheshusin (1229), Herleshusen (1268) und Herlshusin (1423). In der Schenkungsurkunde wurde der Ort dem Kloster Kaufungen übereignet, unter dessen Verwaltung das Dorf bis zur Säkularisation der hessischen Klöster im Jahre 1527 verblieb. Dann kam es an die Landgrafen von Hessen-Kassel, die es als Lehensgut an die Familie Reckeroth und nach ihnen an die Familie Wersebe gaben.
Rudolf von Reckeroth errichtete ein kleines Schloss; ihm folgte die Familie von Wersebe. Ende des 17. Jahrhunderts übernahm Landgraf Philipp von Hessen-Philippsthal Schloss und Gut und erhielt beides später von seinem Bruder, Landgraf Karl, als Schenkung.
Beim Novemberpogrom vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die 1846 erbaute und 1928 grundlegend sanierte Synagoge des Ortes völlig zerstört. Die Ruine wurde 1939 beseitigt.Synagoge Herleshausen auf alemannia-judaica.de, aufgerufen am 6. November 2013 Seit 2008 erinnert eine Gedenktafel an das einstige Gotteshaus.
Am 19. März 1945 wurde bei Herleshausen ein Personenzug auf der Bahnlinie Eisenach–Bebra von alliierten Tieffliegern angegriffen. Dabei gab es mindestens neun, laut Zeitzeugenberichten bis zu 35 Tote und mehrere Verletzte.Hälbig, Eberhard und Rainer Lämmerhirt: Luftkrieg im Raum Eisenach-Gotha-Hainich-Werratal-Thüringer Wald 1943–1945. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza. 2. Auflage 2013. ISBN 978-3-86777-348-5, Seite 180 f.
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Herleshausen nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt, als hier mit dem Grenzübergang Wartha/Herleshausen einer der wenigen mit Auto zu passierenden Übergänge in die DDR eingerichtet wurde. Am 16. Januar 1956 traf nach der Moskaureise Adenauers im Bahnhof Herleshausen der letzte Eisenbahntransport mit 602 Spätheimkehrern aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft ein.Doku: Deutsch-deutscher Wahnwitz: (Bebra–)Gerstungen–Eisenach, Min. 4:45.; abgerufen am 14. Februar 2024. Zwischen 1962 und 1992 wurde Herleshausen auf der Bahnstrecke Förtha–Gerstungen umfahren.
Die bis dahin selbständige Gemeinde Frauenborn gehört seit dem 1. April 1969 zu Herleshausen. Zum 1. Dezember 1970 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen der freiwillige Zusammenschluss der Gemeinden Altefeld, Archfeld, Breitzbach, Herleshausen (mit Frauenborn), Holzhausen, Markershausen, Nesselröden, Unhausen, Willershausen und Wommen zur Großgemeinde Herleshausen mit damals 3696 Einwohnern.Internetauftritt der Gemeinde Herleshausen, abgerufen am 20. Januar 2011 40 Jahre später ist die Einwohnerzahl auf weniger als 3000 gesunken. Für die eingegliederten Gemeinden und Herleshausen mit Frauenborn wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Am 4. November 2013 wurden in der Gemeinde neunzehn Stolpersteine zum Gedenken an die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten jüdischen Bewohner des Ortes verlegt.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Herleshausen angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Sontra ab 1654: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Sontra ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Sontra 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Netra ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Sontra ab 1818: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Netra ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis EschwegeTrennung von Justiz (Justizamt Netra) und Verwaltung: Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August, S. 223–224. (kurhess GS 1821) ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Eschwege ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Herleshausen 2889 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 144 Einwohner unter 18 Jahren, 1059 zwischen 18 und 49, 621 zwischen 50 und 64 und 756 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 41 (1,2 %) Ausländer, von denen 19 aus dem EU-Ausland, 3 aus anderen europäischen Ländern und 15 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 3,9 %.) Die Einwohner lebten in 1161 Haushalten. Davon waren 309 Singlehaushalte, 291 Paare ohne Kinder und 426 Paare mit Kindern, sowie 114 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 255 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 705 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1545: 100 Haushaltungen • 1747: 122 Haushaltungen
Religionszugehörigkeit • 1885: 891 evangelische (= 86,93 %), 2 katholische (= 0,20 %), 41 andere christliche (= 4,00 %), 91 jüdische (= 8,88 %) Einwohner • 1961: 1336 evangelische (= 94,0 %), 230 katholische (= 14,5 %) Einwohner • 1987: 2517 evangelische (= 86,0 %), 268 katholische (= 9,2 %), 142 sonstige (= 4,8 %) Einwohner • 2011: 1986 evangelische (= 68,7 %), 209 katholische (= 7,2 %), 694 sonstige (= 24,1 %) Einwohner
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Herleshausen erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Herleshausen 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Gemeindevertretung – Kommunalwahlen 2026
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 WSRG Wählergemeinschaft Südringgau 57,6 9 36,3 5 26,0 4 24,6 4 18,5 4 16,0 3 22,4 3 33,4 5 43,8 7 40,7 6 49,1 9 53,3 10 20,0 3 30,3 5 30,2 4 34,7 5 32,4 6 30,7 6 Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 19 100,0 19 Wahlbeteiligung in % 60,3 59,3 59,5 60,0 65,0 66,9
Bürgermeister mini|Gemeindeverwaltung Herleshausen Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Herleshausen neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und fünf weitere Beigeordnete angehören.Gremien Gemeindevorstand Bürgermeisterin ist seit dem 1. November 2024 Carolin Gisselmann (WSRG). Sie setzte sich am 9. Juni 2024 im ersten Wahlgang gegen Amtsinhaber Lars Böckmann, der sich um eine zweite Amtszeit beworben hatte, bei 73,5 Prozent Wahlbeteiligung mit 54,8 Prozent der Stimmen durch.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 in Herleshausen
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu ladenDie bewegte Geschichte des Freundschaftsbundes (Auszug aus der Chronik „Herleshausen 1019 – 2019“): „Nach dem Ende der Amtszeit von Ludwig Fehr (1963 bis 1983) zeigten die Nachfolger Uwe Hartmann (1983 – 1994) und Helmut Schmidt (1994 – 2012) als Bürgermeister eine sehr persönliche, überaus positive und befördernde Einstellung zur Partnerschaft mit Cléder.“ 2024–2030 Carolin Gisselmann (WSRG)Werra-Rundschau, 11. Juni 2024: Carolin Gisselmann siegt bei Bürgermeisterwahl in Herleshausen - HNA. 31. Oktober 2024: Carolin Gisselmann vereidigt – Lars Böckmann verabschiedet: „die 43-Jährige, die nach ihrer offiziellen Einführung und Verpflichtung das Bürgermeisteramt am morgigen Freitag (1. November) übernehmen wird“ 2018–2024 Lars Böckmann (CDU/WSRG)Werra-Rundschau, 6. März 2024: SPD ohne eigenen Kandidaten bei Bürgermeisterwahl: „Das fristgemäße Ende der ersten Amtszeit Lars Böckmanns ist der 31. Oktober. Folglich startet der Sieger/die Siegerin der Direktwahl am Freitag, 1. November, in die Amtszeit – diese beträgt wiederum sechs Jahre.“ 2012–2018 Burkhard ScheldHNA, 3. September 2018: Herleshausens scheidender Bürgermeister spricht im Interview über seinen Abschied 1994–2012 Helmut Schmidt (SPD)Einsteins 2019: Im Chaos vereint: „Herleshausen in Hessen war einer der ersten Anlaufpunkte für Menschen aus dem Osten. … Schmidt war 18 Jahre lang Bürgermeister von Herleshausen, seit 2012 ist er im Ruhestand.“ 1983–1994 Uwe Hartmann 1963–1983 Ludwig Fehr
Interkommunale Zusammenarbeit Zusammen mit den Nachbargemeinden Sontra (Werra-Meißner-Kreis) und Nentershausen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) wurde am 14. Oktober 2006 der Zweckverband Interkommunale Zusammenarbeit gegründet. Hieraus entwickelt sich eine enge Kooperation dieser drei Gemeinden mit teilweise bereits übergeordneter Erledigung in Eigenverantwortung von gemeinsamen Aufgaben aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Bildung, Freizeitgestaltung, Tourismus und Landwirtschaft.
Gemeindepartnerschaften Herleshausen unterhält partnerschaftliche Beziehungen zur französischen Gemeinde Cléder in der Bretagne und zum unmittelbar angrenzenden thüringischen Ort Lauchröden, einem Ortsteil von Gerstungen.
Wappen