mini|Pal Engjëll im Skanderbeg-Museum in Kruja Pal I. Engjëll (; * Drisht 1416; † vor dem 24. März 1469) war Archidiakon von Durrës (1457–1460), Erzbischof von Durrës (1460–1469), päpstlicher Legat in Albanien und Gjergj Kastriotis Berater und Botschafter (1464–1468) in Rom, in Mailand, Neapel und in Venedig.
Herkunft Die Herkunft der Engjëlli (Pl. von Ëngjëll) ist unklar. Die Familie gehörte wohl dem Patriziat von Drisht„Drivasto war keine reiche Siedlung. In den venezianischen und ragusanischen Quellen wird es nicht als Markt- und Handelsplatz erwähnt. Der Weg von der Küste hinauf in das Bergnest galt als mühsam; nicht umsonst mussten die Drivastiner sich verpflichten, die venezianischen Podestà mit Gefolge von deren Ankunft an der Bojanamündung bis in ihren Heimatort auf schweren Wagen zu befördern.“Drisht gehörte zu Dioklitien (622–1217), zu Serbien (1217–1346), dann den Balšić (1356–1392), den Osmanen (1392–1395), den Balšić (1395–1396), den Venezianern (1396–1419), den Balšić (1419–1421), den Serben (1421–1440), den Osmanen (1440–1442), den Venezianern (1442–1478) und ab 1478 den Osmanen. Heute gehört die Stadt zu Albanien. (Oliver Jens Schmitt: Paul Angelus, Erzbischof von Durazzo und seine Bedeutung, S. 132 f.) an, was aus einem venezianischen Dokument aus dem Jahr 1455 hervorgeht als Andrea I. Ëngjëll (Vater von Pal I.) als „miser“von „messère“ (mio signore = Mein Herr) () bezeichnet wurde.Oliver Jens Schmitt: Paul Angelus. Erzbischof von Durazzo und seine Bedeutung, Note 34, S. 139. Allerdings gibt es kein im Archiv von Venedig aufbewahrtes Dokument über Drisht, das bestätigt, dass sie wie andere albanische Familien einen eigenen Staat besessen haben, was die Nachkommen der Ëngjëlli in der Mitte des 16. Jahrhunderts allerdings behaupteten.Paolo Petta: Despoti d'Epiro e principi di Macedonia. Esuli albanesi nell'Italia del Rinascimento, S. 208.
Leben Pal I. Engjëll, Sohn von Andrea I.Daniele Farlati: Illyrici sacri …, Band VII, 1817, S. 372. und Dona Thia (Dorothea), wird als harter, gebildeter und ehrgeiziger Mann beschrieben.Oliver Jens Schmitt: Skanderbeg. Der neue Alexander auf dem Balkan, 2009, S. 94 ff. Über seine Kindheit und Jugend ist nur wenig bekannt. Nach dem katholischen Priester und Geschichtsschreiber Marinus Barletius stammte er aus Drisht„Paulus Angelus […] Erat hic archiepiscopus Epirota ex Driuasto urbi oriundus/Andree Angeli fìlius […].“ (Marinus Barletius, Historia de vita et gestis Scanderbegi …, 1510, S. CXXXVI.), nach dem italienischen Kirchenhistoriker Daniele Farlati soll er seine Jugend in Konstantinopel verbracht und sich nach der Einnahme der Stadt durch die Osmanen (1453) nach Epirus zurückgezogen haben„[…] Constantinopoli adolcscentiam transegi […] Capta a Turcis urbe annus 1453 in Epirum secessit […].“ (Daniele Farlati, Illyrici sacri …, Band VII, 1817, S. 372.), Behauptung, die sich laut dem Schweizer Osteuropa-Historiker Oliver Jens Schmitt „nicht überprüfen lässt“.Oliver Jens Schmitt: Paul Angelus - Erzbischof von Durazzo und seine Bedeutung, 2000, S. 140.
mini|Papst Calixt III. Pal I. Engjëll wird erstmals im April 1456 erwähnt, als er als Presbyter von Drisht den unierten Erzbischof der Krajina (historisch-geografische Region Kroatiens) nach Rom begleitete.Oliver Jens Schmitt: Skanderbeg. Der neue Alexander auf dem Balkan, 2009, S. 97.
Nach dem byzantinischen Historiker und Albanologen Giuseppe Valentini wurde Pal I. Engjëll während der Organisation der Kreuzzüge von Papst Calixt III. (1455–1458) am 17. April 1456 mit der Sammlung von Hilfsgütern für die Kreuzfahrer in Albanien, Dalmatien und Serbien beauftragt und am 17. November 1457 wurde das von ihm und mit Hilfe anderen gesammelte Geld Skanderbeg überreicht.Giuseppe Valentini, Matteo Sciambra, Ignazio Parrin: Papa Kalisti III, Skënderbeu, Shqipëria dhe Kryqezata: 1455–1458, 2009, S. 238 f. 1457 erscheint Pal I. als Archidiakon von Durrës.Oliver Jens Schmitt: Paul Angelus - Erzbischof von Durazzo und seine Bedeutung, 2000, S. 134. Von Papst Pius II. (1458–1464) erhielt Pal I. Engjëll den Titel „iudex Illyrice regionis“ (Richter des illyrischen Landes) und nannte sich in seinen Urkunden „Paulus Angelus miseratione diuina archiepiscopus Dyrrhachiensis et illirice ac conservator“ (Paul Angelo, von Gottes Gnaden, Erzbischof von Durrës und illyrischer Konservator).Oliver Jens Schmitt: Paul Angelus - Erzbischof von Durazzo und seine Bedeutung, Note 34, S. 144.
Konzil von Mantua mini|hochkant|Papst Pius II. Ölgemälde auf Leinwand von Jacopo Palma der Jüngere in der Kirche Santa Maria Assunta in Cannaregio, Venedig (zwischen 1620 und 1625) Das Konzil von Mantua wurde am 1. Juni 1459 von Papst Pius II. einberufen, um einen Feldzug gegen die Osmanen zu organisieren, die 1453 Konstantinopel erobert hatten. Sein Appell richtete sich an die europäischen Herrscher, nicht länger gegeneinander zu kämpfen, sondern sich gegen den gemeinsamen Feind der Christenheit zu vereinen. Von allen christlichen Königen und Fürsten, die er wiederholt und eindringlich eingeladen hatte, war nicht einer erschienen und hatten es auch nicht für nötig gehalten, mit Vollmachten versehene Gesandtschaften zu entsenden, so dass das Konzil wegen mangelnder Teilnahme vorübergehend ausgesetzt werden musste.Tiezheng Jin: Der Kongress von Mantua und die Oratorik, S. 47.
Am 14. Januar 1460, am Ende des Konzils von Mantua, proklamierte Papst Pius II. mit der Bulle „Ecclesiam Christi“ einen dreijährigen Heiligen Krieg gegen die Osmanen„Am 14. Januar 1460, nach feierlichem Hochamt, wurde die päpstliche Bulle verlesen, die den Türken den Krieg ankündigte.“ (Ludwig Georg Voigt: Enea Silvio de' Piccolomini als Papst Pius der Zweite …, Band IV, 1863, S. 105 ff.) an dessen Spitze Skanderbeg treten sollte.Oliver Jens Schmitt: Skanderbeg. Der neue Alexander auf dem Balkan, 2009, S. 15. Zusammen mit Pius II. schmiedete Pal I. einen Kreuzzugsplan, der letztendlich am Tod des Papstes († 14. August 1464) scheitern sollte.Franz Babinger: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. Weltenstürmer einer Zeitenwende, S. 179.
Keiner der abendländischen Fürsten hatte es versäumt, seine Bereitschaft zum Kreuzzug zu verkünden, aber keiner von ihnen hatte dann auch wirklich gehandelt, da sie mit ihren eigenen Problemen konfrontiert waren: Herzog Philipp III. von Burgund empfand den französischen König Ludwig XI. als Bedrohung. Der neapolitanische König Ferdinand I. war gerade erst mit Skanderbegs Hilfe als Sieger aus den jahrelangen Kämpfen um den Thron hervorgegangen und daher politisch noch immer geschwächt. Die Republik Florenz war den Osmanen zugeneigt, weil sie Venedig, Handelsmacht der Levante, verdrängen wollte und die Republik Venedig vermied es, sich zu sehr an den Papst und seinen Kreuzzug zu binden und hoffte vielmehr, das Unternehmen zum eigenen Vorteil nutzen zu können. Francesco Sforza, Herzog von Mailand, beteiligte sich nur zögernd an dem päpstlichen Unternehmen. Grund dafür war die unsichere Lage in Italien, insbesondere im Hinblick auf den venezianischen Rivalen.Oliver Jens Schmitt: Skanderbegs letzte Jahre…, 2004, S. 61.Franz Babinger: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. Weltenstürmer einer Zeitenwende, S. 124 f.
Erzbischof mini|hochkant|Buntglasdarstellung von Papst Callixtus III, Skanderbeg und Pal Engjëlli (im schwarzen Gewand) in der Mutter-Teresa-Kathedrale in Prishtina Am 19. März 1460 wurde Pal I. Engjëll („baccalaureus in decretorum“) zum 31. Erzbischof von Durrës und der illyrischen Region („archiepiscopum Dyrrhachiensem et Illyricae regionis“)Ludwig Thallóczy: Illyrisch-Albanische Forschungen, Band I., 1916, S. 244. und damit zum Oberhaupt der katholischen Kirche in Mittelalbanien ernannt.„Die Jurisdiktion des Erzbischofs von Durazzo erstreckte sich vornehmlich über Mittelalbanien; der ihm nominell ebenfalls unterstellte Süden (um Vlora) war seit jeher überwiegend orthodox geprägt und zudem seit 1417 endgültig unter osmanischer Herrschaft geraten.“ (Oliver Jens Schmitt: Paul Angelus - Erzbischof von Durazzo und seine Bedeutung, 2000, S. 143.)Conradum Eubel: Hierarchia Catholica Medii Aevi, 1817 S. 148. Am 2. April 1460 stiftete der Erzbischof der Kirche von Durrës 50 Gulden und einige Tage später dem Kloster des Hl. Johannes von Stivalio (heute Shtoj) in der Diözese von Drisht 60 Gulden.
Als Pal I. Engjëll sein Amt im venezianischen DurrësDurrës gehörte von 1204 bis 1213 und von 1392 bis 1501 zu Venedig. antrat, hatte die Stadt mit ihrem wichtigen Hafen ihren antiken Glanz verloren, galt aber als einziger Zufluchtsort von Albanien, da die osmanische Front immer näher rückte. Aus einer Petition des Dominikaners Blasio de Litio (ein Vertrauter Skanderbegs) an Papst Pius II. vom 4. August 1459 geht hervor, dass das unmittelbare Hinterland von Durrës„[…] quod terre et dominia dilecti filii Nobilis viri Georgii Scanderbech principis Croye, et aliarum partium Albanie cum perfidis Turchis confinancia per eosdem Turchos adeo proh dolor sunt invasa, et tam in Dei sanctuariis et dedicatis ecclesiis, quam Christicolis et eorum structuris depopulata fuere, quod fructus, redditus et proventus ecclesiastici sunt inibi plurimum diminuti, et adeo pauci, immo quasi nulli restant, qui populo verbum Dei seminare et libere valeant, et velint predicare, quodque propterea Christifidelium ibidem tepescit devotio, ac in peccatis suis insordescunt, hereses instaurantur […].“ (Augustin Theiner: Vetera monumenta historica Hungariam sacram illustrantia, Band II., 1860, S. 332.) durch die jahrelangen Plünderungen der Osmanen erschöpft war; die Kirche und ihre Vertreter waren die Hauptleidtragenden und die Klöster und Gotteshäuser waren dem Verfall preisgegeben. Es fehlte an Priestern und der Glaube war vom Untergang bedroht.Augustin Theiner, Vetera monumenta historica Hungariam sacram illustrantia, Band II., 1860, S. 331 f. Skanderbeg und Lekë Dukagjini waren erbitterte Feinde und das politisch zersplitterte Albanien war den Osmanen nahezu schutzlos ausgeliefert.
Wenige Tage nach der bereits erwähnten Petition des Dominikaners Blasio de Litio wurde dieser von Pius II. mit der Reorganisation des Ordens beauftragt, deren Ausgangspunkt Durrës sein sollte. Mit zwei oder drei weiteren Ordensbrüdern sollte er in Albanien bis zum Schwarzen Drin im Osten, in Raszien und Serbien im Norden (nicht aber in Venedig) und in anderen an die Osmanen grenzenden Ländern den dort lebenden Gläubigen tatkräftige Hilfe leisten, den Kreuzzug predigen, den Abtrünnigen und Überläufern zu den Osmanen schwere Strafen androhen und den auch unter Christen weit verbreiteten Aberglauben ausrotten.Augustin Theiner: Vetera monumenta historica Hungariam sacram illustrantia, Band II., 1860, S. 332.
Kirchensynode und Constitutiones Als der Erzbischof von Durrës Pal I. Engjëll bei einer apostolischen Visitation in der Diözese LisiensisDie Diözese Lisiensis (auch Lixien, Lissanen, ) gehörte zum Erzbistum Durrës und wurde Anfang des 16. Jahrhunderts unterdrückt.Conradum Eubel: Hierarchia Catholica Medii Aevi, 1817 S. 179. im Kreis Mat feststellte, dass die Bemühungen der Dominikaner kaum Früchte getragen hatten und das kriegszerstörte Land einer grundlegenden Reform bedurfte, berief er im Spätherbst des Jahres 1462 in der Dreifaltigkeitskirche von Stellushi bei Burrel im Kreis Mat eine Kirchensynode ein. Anwesend waren neben dem Bischof von Lisiensis Andreas, die Äbte, Rektoren, Funktionäre und alle Priester.Oliver Jens Schmitt: Paul Angelus - Erzbischof von Durazzo und seine Bedeutung, S. 147.