Gerolzhofen ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen. Die ehemalige Kreisstadt des 1972 aufgelösten Landkreises Gerolzhofen ist als Mittelzentrum ausgewiesen und die einzige Stadt im Landkreis Schweinfurt, aber nach Einwohnern nur fünftgrößte Kommune. Die vier größeren Gemeinden liegen alle im Schweinfurter Verdichtungsraum.

Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt am nordwestlichen Rand des Steigerwaldes im Naturraum des Steigerwaldvorlandes etwa 18 Kilometer südöstlich von Schweinfurt. Das Klima ist gemäßigt, durch die leichte Staulage am Steigerwald fällt im Gerolzhöfer Raum eine Jahresniederschlagsmenge von circa 650 mm, während es im angrenzenden Schweinfurter Becken bis zu 100 mm weniger Niederschlag pro Jahr gibt. Wegen kontinentaler Einflüsse sind heiße Sommer mit bis zu 35 Grad Celsius am Tage möglich, oft relativ trocken, dennoch unterbrochen durch gelegentliche recht heftige Gewitter mit Starkregenereignissen. Ebenso sind kalte Winter mit einer eher dünnen Schneeschicht aber des Öfteren weit unter minus 10 Grad Celsius in den Nächten zu beobachten.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Sulzheim, Dingolshausen, Oberschwarzach, Frankenwinheim und Lülsfeld.

Gemeindegliederung Es gibt vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Gerolzhofen (Hauptort) Klesenmühle (Weiler) Lindelachshof (Gut) Rügshofen (Dorf)

Es gibt die Gemarkungen Gerolzhofen (Gemarkungsteil 1) und Rügshofen. Die Gemarkung Gerolzhofen liegt auch auf dem gemeindefreien Gebiet Bürgerwald. Sie hat eine Fläche von 22,409 km² und ist in 4284 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 5230,92 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Klesenmühle und Lindelachshof.

mini|hochkant=4|zentriert|Stadtansicht von Südosten, mit den Kühltürmen des 2015 stillgelegten Kernkraftwerks Grafenrheinfeld, die 2024 gesprengt wurden. Rechts davon, am Horizont, die Rhön (im Dunst)

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Aus vorgeschichtlicher Zeit wurde im Jahr 1994 ein Siedlungsgehöft der Großromstedter Kultur ausgegraben, das wohl Teil einer landwirtschaftlich geprägten Streusiedlung war und in dem diverse Keramikgefäße gefunden wurden. Der Bauernhof bestand aus einem etwa 14 Meter langen Wohnstallhaus, einem zum Schutz des darin Gelagerten auf Stelzen stehenden Speicher sowie einem wohl der Wollverarbeitung dienenden Grubenhaus. Im Umfeld dieser Gebäude wurden außerdem ein Back- und ein Kalkbrennofen, eine Lehmgrube sowie eine Vorratsgrube für kühl zu lagernde Lebensmittel gefunden.Bernd Steidl: Mainfranken zwischen Kelten und Germanen. In: Zwischen Kelten und Germanen. Nordbayern und Thüringen im Zeitalter der Varusschlacht. Archäologische Staatssammlung/Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, München/Weimar 2009, S. 123–151, hier S. 131–134.

Siedlung in Gerolzhofen Die Siedlung Gerolzhofen wurde erstmals zwischen 750 und 779 in einer späteren Abschrift (12. Jahrhundert) einer Schenkungsurkunde des Klosters Fulda genannt. Als Namensgeber gilt der Udalrichinger Gerold II. Die Stadtwerdung des befestigten Ortes in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts geht aus einer Ebracher Urkunde, in der er 1296 als „oppidum“ erwähnt wurde, hervor. 1345 wurde Gerolzhofen erstmals bei der Verlegung eines Weinmarktes von Dingolshausen als „Stadt“ erwähnt. Zwischen 1500 und 1806 lag die Stadt im Fränkischen Reichskreis.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war mehr als die Hälfte der Stadtbevölkerung evangelisch. Durch das rigide konfessionspolitische Vorgehen des Würzburger Bischofs Julius Echter von Mespelbrunn wurde das Jahr 1586 jedoch zum Wendepunkt in der Konfessionsgeschichte Gerolzhofens: Die überwiegende Mehrheit der Stadtbewohner wurde katholisch oder verließ die Stadt. Seitdem kann Gerolzhofen als katholische Stadt gelten. Heute existiert in der Erlöserkirche am Rande der Altstadt wieder eine kleine evangelische Gemeinde.

Im Jahr 1631 wurde das benachbarte Dorf Lindelach von schwedischen Truppen zerstört. Die Bevölkerung des Ortes siedelte nach Gerolzhofen über und bildete dort ab 1818 eine eigenständige Gemeinde.

Hexenprozesse in Gerolzhofen Unter der Regierung des Würzburger Fürstbischofs Philipp Adolf von Ehrenberg starben über 900 der Hexerei angeklagte Menschen durch Hinrichtung und Folter. Im würzburgischen Gerolzhofen war ein Hauptgerichtsplatz. Von 1615 bis 1619 wurden 261 Personen wegen Hexerei hingerichtet. Viele starben vor ihrer Verurteilung an den Folgen der Folter im Hexenturm und Centgefängnis.

Zur Zeit der Hexenverfolgungen wurden in Gerolzhofen Scheiterhaufen zur Verbrennung der meisten der Verurteilten errichtet. Zeitweilig wurden so viele Menschen Opfer der Hexenprozesse, dass die Wirtschaft ernsthaft gefährdet war.

Zeit des Nationalsozialismus Am 6. April 1945 kam es zum sogenannten „Frauenaufstand“ gegen die örtliche nationalsozialistische Führung.

Kommunale Neuordnung Im Zuge der kommunalen Neuordnung Bayerns wurde der Landkreis Gerolzhofen am 1. Juli 1972 aufgelöst und die Stadt verlor den Status einer Kreisstadt. Am 1. Januar 1978 wurde das Nachbardorf Rügshofen im Rahmen der Gebietsreform in Bayern eingemeindet.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 6446 auf 6889 um 443 Einwohner bzw. um 6,9 %. 1996 hatte die Stadt 7027 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Politik

Stadtrat Nach der Kommunalwahl vom 2. März 2008 verteilen sich die 20 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Partei / Liste CSU SPD FW REP geo-net. Die Jungen Gesamt Sitze 8 Sitze 4 Sitze 5 Sitze 1 Sitz 1 Sitz 1 Sitz 20 Sitze

Nach der Kommunalwahl vom 16. März 2014 verteilen sich die 20 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Partei / Liste CSU SPD FW geo-net. Die Jungen Bürger für GEO Gesamt Sitze 7 Sitze 4 Sitze 4 Sitze 3 Sitze 1 Sitz 1 Sitz 20 Sitze

Bei der Stadtratswahl am 15. März 2020 erreichten die vier Wahlvorschläge folgende Stadtrats-Sitze und Stimmen-Anteile:Stadtratswahl 2020, abgerufen am 4. Juli 2020.

Partei / Liste CSU SPD FW geo-net. Gesamt Sitze 7 Sitze 4 Sitze 5 Sitze 4 Sitze 20 Sitze Stimmenanteil 33,71 % 20,17 % 28,08 % 18,04 % 100,00 %

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit dem 1. Februar 2013 Thorsten Wozniak (CSU), der sich am 7. Oktober 2012 in der Stichwahl mit 60,3 Prozent gegen die damalige Amtsinhaberin Irmgard Krammer (Freie Wähler) durchsetzte. Wozniak wurde am 15. März 2020 mit 84,1 % der Stimmen für weitere sechs Jahre gewählt.Bürgermeisterwahl 2020, abgerufen am 4. Juli 2020.

Wappen

Wahl- und Stimmkreis Gerolzhofen gehört zum Bundestagswahlkreis Schweinfurt und zum Stimmkreis Kitzingen bei Wahlen zum Bayerischen Landtag und zu den Bezirkstagen sowie bei Volksentscheiden.

Städtepartnerschaften Es bestehen Städtepartnerschaften zu , seit 1972 , Komitat Békés, seit 2008 , seit 1992 , seit 2002gerolzhofen.de (Partnerstadt zusammen mit Mamers)gerolzhofen.de

Darüber hinaus bestehen freundschaftliche Beziehungen zu

Patenschaft Im Jahre 1992 wurde die Patenschaft für die vertriebenen Sudetendeutschen aus der Stadt und dem Kreis Bilin übernommen.gerolzhofen.de

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Stadtmuseum im Alten Rathaus mit Dauerausstellung Vom armen Schneiderlein zur Kleiderfabrik – Welterfolg Nähmaschine. Entwicklung des Nähens verknüpft mit der lokalen Geschichte Gerolzhofens. Weitere Abteilungen: Original eingerichtetes Klassenzimmer mit Ausstellung von Gegenständen rund um den Unterricht. Sammlung von Exponaten der Volksfrömmigkeit, Haus- und Hofgeräte sowie verschiedenes Handwerkszeug aus der Stadt. Museum Johanniskapelle Kunst und Geist der Gotik (siehe Friedhofskapelle)

Theater Im Theaterhaus Gerolzhofen und bei Freilichtaufführungen inszeniert die Schauspielerin und Sängerin Silvia KirchhofLebenslauf, Kulturpreis des Bezirks Unterfranken mit engagierten Laiendarstellern klassische Theaterstücke und moderne Revuen. Die Theaterarbeit wird vom Verein "Kleines Stadttheater Gerolzhofen e.V." unterstützt.Theaterhaus-Homepage Mit dem Stück Frauenaufstand von Gerolzhofen von Roman Rausch wurde 2015 das lokale Geschehen aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges aufgeführt.

Bauwerke Kirche

mini|Blick in den Chorraum der Gerolzhöfer Stadtpfarrkirche mini|Innenstadt Gerolzhofen mit Stadtpfarrkirche mini|Die Alte Vogtei in Gerolzhofen

Die katholische Stadtpfarrkirche St. Maria de Rosario, auch Steigerwalddom genannt, wurde von 1436 bis 1479 erbaut. Die Innenausstattung zeigt eine barocke Maria im Strahlenkranz umgeben von einem doppelten Rosenkranz, deren Krone zwei spätgotische Engel aus der Riemenschneiderschule halten. Der Hochaltar (um 1764) des Würzburger Hofbildhauers Johann Peter Wagner sowie das Altarbild Krönung Mariens aus der Hand des Würzburger Hofmalers Christoph Fesel zieren das Hauptschiff der Kirche. Die Seitenaltäre der Turmkapellen stammen ebenfalls von Johann Peter Wagner. Darüber hinaus ist eine achteckige Kanzel (1705/06) mit spätgotischen Holzfiguren der vier Evangelisten und Christus Salvator in den Nischen sowie eine Muttergottes mit Kind auf dem Schalldeckel aus der gleichen Zeit zu finden. Im südlichen Seitenschiff zieren Glasgemälde aus der Bauzeit der Kirche den Innenraum als ikonographische Besonderheit: Eine Muttergottes mit Kind sowie die Darstellung des Kirchenbaus mit Bauarbeitern, Marktplatz und umgebender Mauer.

Weitere Bauwerke mini|Der Marktplatzbrunnen des Künstlers Manfred Reinhart. Die abgebildeten Figuren stellen Personen dar, die einst wichtige Rollen in der Geschichte Gerolzhofens spielten ehemalige zweigeschossige Friedhofskapelle mit Karner, erbaut ab 1497; heute Museum Johanniskapelle Kunst und Geist der Gotik mit angrenzendem barocken Mesnerhaus, eingerichtet und konzipiert durch das Kunstreferat der Diözese Würzburg in der Trägerschaft der Stadt Gerolzhofen mit zahlreichen Werken aus Stadt und Pfarrei sowie den Kunstsammlungen der Diözese, unter anderem mit Skulpturen von Tilmann Riemenschneider und seiner Werkstatt Altes Rathaus, 1475 erbaut; markanter dreigeschossiger Bau mit gotischen Treppengiebeln, seit 1984 als Stadtmuseum genutzt Marktplatz mit modernem Marktbrunnen, errichtet im Jahre 1999 Stadtbefestigung mit doppeltem Mauerring, mehreren Ecktürmen der äußeren Befestigung, Weißem Turm und Eulen- oder Hexenturm des Inneren Ringes ehemaliges Oberamtshaus, Renaissancebau mit Schneckenvolutengiebeln, 1580 von Fürstbischof Julius Echter erbaut, heute Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Bürgerspital mit Spitalkirche St. Vitus, 1402 gestiftet jüdischer Friedhof von 1639

Bau- und Bodendenkmäler

Sport Der TV Gerolzhofen ist ein Mehrspartensportverein mit elf Abteilungen, dessen Männerhandballer in der Vergangenheit mehrere Jahre der bayerischen Landesliga (5. Liga) angehörten.

Freizeiteinrichtungen Allgemeiner Hundeverein Gerolzhofenahv-gerolzhofen.de Freizeitbad Geomaris Takka-Tukka Abenteuerland Trimm-dich-Pfad Gerolzhofen Modellflugplatz Gerolzhofen Kartbahn Steigerwald-Motodrom Gerolzhofen Jugendhaus/Jugendzentrum Gerolzhofen Freizeitpark Gerolzhofen (Skateplatz, Pumptrack, Streetballfeld und Calisthenics-Anlage)gerolzhofen.de

Regelmäßige Veranstaltungen Frühlingsfest (März) Spargel- und Weinmarkt (April) Weinbergswanderung und Weinfest im Grünen an der Gertraudiskapelle (1. Mai) Gerolzhöfer Kulturtage (Mai) Gerolzhöfer Gesundheitstage (Juni) Kunst und Kulinarisches („Alleefest“) (Juni) Schützenfest (Juli) Gebietsweinfest Steigerwald auf dem Marktplatz (Frankens größte Weinstube, Juli) Geo live Night, das Gerolzhöfer Kneipenfestival Herbstfest (Oktober)

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straßenverkehr Durch die Bundesstraße 286 ist Gerolzhofen an die Autobahnen A 3 und A 70 angeschlossen.