mini|Das Logo des Kreises Dithmarschen Der Kreis Dithmarschen [; niederdeutsch: ] (in älteren Dokumenten: Dithmarsen oder latinisiert Dithmarsia/Dithmarcia; dänisch: Ditmarsken; veraltet / englisch: Ditmarsh) ist ein Landkreis im Westen von Schleswig-Holstein zwischen Steinburg und Nordfriesland. Das Kreisgebiet wird begrenzt durch Nordsee, Eider und Elbe sowie – grob gesehen – den Nord-Ostsee-Kanal. Es ist weitgehend identisch mit der historischen Region Dithmarschen, die im Mittelalter zeitweise eine quasi-unabhängige Bauernrepublik war. Der Kreis Dithmarschen ist Teil der Metropolregion Hamburg.
In der Vergangenheit wurde Dithmarschen vor allem von der Landwirtschaft und dem Kohlanbau geprägt, in den letzten 100 Jahren kamen Erdölförderung, Fremdenverkehr und Windenergieanlagen hinzu. Am Elbehafen Brunsbüttel befindet sich ein bedeutendes Industriegebiet.
Geographie Lage Der Kreis liegt im Landesteil Holstein an der Nordsee. Im Norden grenzt er an die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg, im Osten an Rendsburg-Eckernförde und im Südosten an Steinburg. Die Kreisgrenze folgt im Südosten und Osten ungefähr dem Nord-Ostsee-Kanal. Dabei liegen einige Teile Dithmarscher Gebiets südöstlich bzw. einige Teile Steinburger und Rendsburger Gebiets nordwestlich des Kanals, da die Kreisgrenze noch heute identisch mit den Grenzen aus der Zeit Karls des Großen ist.
Größere Städte in der Nähe sind Hamburg und Itzehoe im Südosten, Husum im Norden sowie Kiel und Rendsburg im Osten. Da in Schleswig-Holstein die Verkehrsinfrastruktur in Nord-Süd-Richtung wesentlich besser ausgebaut ist als in Ost-West-Richtung, orientiert sich der Kreis überwiegend nach Hamburg. Das gesamte Kreisgebiet gehört zur Metropolregion Hamburg.
Das Kreisgebiet ist in seiner größten Nord-Süd-Ausdehnung 54 Kilometer breit, in Ost-West-Richtung 41 Kilometer. Auf der Geest, in der Gemeinde Schrum, liegt mit im Flurstück „Karghöde“ die höchste Erhebung des Kreises. Höchster Punkt mit über ist die Spitze des Senders „Heide“ (DVB-T Sendemast) für die Westküste (bis Helgoland) in Welmbüttel. Die REpower 5M-Windenergieanlage in Brunsbüttel reicht mit einer Turmhöhe von 120 Metern und einer Rotorblattlänge von 61,5 Metern für Bruchteile von Sekunden addiert auf 181,5 Metern plus Standhöhe, jedoch nicht an das höchste Bauwerk in Dithmarschen heran.
Der niedrigste Punkt, mit einem halben Meter unter NN, liegt in der Burger-Au-Niederung.
Die Mitte Dithmarschens liegt in der Gemeinde Epenwöhrden bei N54° 7' 37.92", E9° 6' 45.54".Epenwöhrden: Am Mittelpunkt Dithmarschens wurde am 4. Mai 2011 ein Klimabaum (Stieleiche)Pflanzung des Klimabaumes am Mittelpunkt Dithmarschens. stiftung-klimawald.de von der Stiftung Klimawald und den Bürgern von Epenwöhrden gepflanzt.
Helgoland gehörte bis zum 30. September 1922 zu Dithmarschen (zu dem damaligen Kreis Süderdithmarschen).
Entstehung und Gliederung
Entstehung mini|hochkant|In den Marschgebieten ist Entwässerung notwendig. Hier ein frisch gereinigter Kanal mit neu verlegten Rohren. Die Rohre, die das Feld entwässern, sind noch erkennbar. Das Kreisgebiet besteht von West nach Ost aus dem Wattenmeer, Marschgebieten, Moor und aus Geest. Der Kreis verdankt seine landschaftliche Beschaffenheit seiner Lage zur Nordseeküste. Vor 6500 Jahren war die Nordsee erheblich höher als heute. Die Küstenlinie verlief entlang der Geestkerne. Seit etwa 4500 Jahren bildete sich eine Ausgleichsküste aus. Die Geestkerne wurden durch Nehrungen aus Sand und Kies verbunden. Dahinter liegende Täler und flache Ebenen wurden nicht mehr vom Meer bedeckt, Moore, Seen und Schilfsümpfe bildeten sich. Seit etwa 3500 Jahren begannen sich die Marschen zu bilden. Auf tidebedingten Ablagerungen siedelten erste Pflanzen (Queller), das Land verwandelte sich zu Salzwiesen und später Marschen. Dithmarschen profitiert dabei derzeit von den Strömungsverhältnissen der Nordsee. Hier treffen zwei Sediment tragende Strömungen aufeinander: eine, die aus einem Gebiet östlich der Straße von Dover Sedimente über die Niederlande und Ostfriesland nach Dithmarschen trägt, und eine andere, die ihren Ursprung im Seegebiet nördlich vom südlichen Dänemark hat. Während das benachbarte Nordfriesland Land verliert, wächst Dithmarschen durch Ablagerung und Eindeichung.Petra Witez: Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben MTK 0608 (03 KIS 3160): Programme zur langfristigen Erhaltung des Wattenmeers – Prowatt. Hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Laboe 2002. S. 17.
Die Marschen bildeten sich hier später als im benachbarten Nordfriesland und liegen etwas höher. Sie sind deshalb besser zum Ackerbau geeignet. Der intensive Gemüseanbau erreicht landesweite Höchsterträge. Seit ungefähr 500 Jahren wird durch den Menschen eine geplante Landgewinnung betrieben, welche die Landfläche erheblich ausweitete. Seit dem 12. Jahrhundert gibt es planmäßigen Deichbau an der Küste. Vorher lebten die Menschen auf erhöhten Wurten – künstliche Hügel aus Mist oder später Klei, die mit Kiessoden abgedeckt wurden. In älteren Marschsiedlungen wie Wesselburen oder Wöhrden lassen sich diese Wurten noch im Ortsgebiet erkennen. Andere wie bei Tiebensee oder Süderbusenwurth wurden bald wieder verlassen und sind so in der Landschaft sichtbar.
Watt, Vorland, Küstenschutz mini|Eidersperrwerk (Landseite) Das Wattenmeer vor Dithmarschen ist durch vergleichsweise hohe Gezeitenunterschiede von über 3,2 Meter gekennzeichnet. So konnte sich anders als in Nordfriesland keine stabile Barrierekette aus Inseln und Hochsanden vor der Küste bilden, sondern es entstand ein wesentlich dynamischeres System. Der Hochsand Blauort und die Insel Trischen bewegen sich durch Erosion und Wiederanspülung über 30 Meter pro Jahr auf die Küste zu und verlieren dabei beträchtlich an Größe; dabei steht zu vermuten, dass sich an ihrem Ausgangspunkt neue Sände und Inseln bilden werden. Das dominierende Prielsystem vor der Dithmarscher Küste ist der Piep, der an der Wattgrenze beginnt und sich bis an den Speicherkoog fortsetzt.Petra Witez: Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben MTK 0608 (03 KIS 3160): Programme zur langfristigen Erhaltung des Wattenmeers – Prowatt. Hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Laboe 2002. S. 74 ff.
Nach Untersuchungen des Forschungszentrums Westküste aus dem Jahr 2000 leben in Dithmarschen 42.000 Einwohner in sturmflutgefährdeten Gebieten bis zu einer Höhe von , davon 38.000 in stark gefährdeten Gebieten bis . In dieser Fläche von knapp 800 Quadratkilometer Größe finden sich gefährdete Vermögenswerte von etwa 4 Milliarden Euro. Sie konzentrieren sich dabei auf die küstennahen Siedlungskerne wie Büsum, Brunsbüttel oder Meldorf.
Dem Küstenschutz dienen in der ersten Deichlinie 82 Kilometer Seedeiche und 40 Kilometer Elbdeiche. Die Deichlinie wurde mit dem Bau des Eidersperrwerks signifikant verkürzt. Nach den Erfahrungen mit der Sturmflut von 1962 sollte dies die Instandhaltung der Deiche erleichtern und die Gefahr eines Deichbruchs verringern. Die zweite Deichlinie besteht vor allem aus ehemaligen Küstendeichen, die durch Landgewinnung oder Verkürzung der Küstenlinie nicht mehr direkt an den gefährdeten Stellen, sondern im Hinterland liegen. Sie dienen sowohl als zusätzlicher Schutz bei eventuellen Deichbrüchen als auch als Transport- oder Fluchtweg.
mini|Hochwasser überspült das Deichvorland Im Kreis befinden sich in der zweiten Deichlinie 92 Kilometer See- und 29 Kilometer Eiderdeiche. Sie werden auch als Schlafdeiche bezeichnet. Im Gegensatz zum Nachbarkreis Nordfriesland gibt es vor der Dithmarscher Küste keine Inseln, die sie gegen die Gewalt des Meeres schützen könnten. Andererseits liegt die Dithmarscher Marsch im Schnitt einige Meter über Null – nach einem Deichbruch würde von einer normal hohen Flut keine Gefahr ausgehen. Es zeigt sich, dass sich in Dithmarschen in den letzten Jahrzehnten eine natürliche Verlandung vollzieht.
Marsch mini|Westerkoog, typische Marschlandschaft Fast die Hälfte des Kreisgebiets wurde durch Landgewinnung aus der Nordsee gewonnen. Dabei wurde einerseits neues Land aus dem Wattenmeer geschaffen. Andererseits wurden ehemalige Inseln wie Busen (heute: Büsum) oder Helmsand mit dem Land verbunden.Rudolf Meisterjahn: Dithmarscher Inseln und Halligen: Helmsand, Dithmarschen, Heft 3, September 2013, S. 2 Von den 57.000 Hektar Marschland im Kreisgebiet wurden 42.000 Hektar erst in den letzten fünfhundert Jahren gewonnen. Die alte Küstenlinie folgte etwa einer Linie zwischen Marne und Wesselburen. Letztes eingedeichtes Land war der bei Meldorf liegende Speicherkoog, dessen Eindeichung 1979 vollendet wurde.
Köge, Deiche und Entwässerungskanäle sind landschaftsprägend. Der Marschboden besteht vor allem aus jüngerer Marsch, die sehr fruchtbar ist (Ackerzahl 50–70). In der Landschaft finden sich zahlreiche kleinere und größere Gewässersysteme, die das Süßwasser des Binnenlandes sowie bei Ebbe das aufgelaufene Meerwasser und das rückgestaute Süßwasser der Geest in die Nordsee leiten. Die Entwässerung geschah ursprünglich fast im gesamten Marschgebiet auf natürliche Weise. Da das Vorland jedoch immer weiter in das Wattenmeer wächst (besonders vor Hedwigenkoog und Friedrichskoog), neue Eindeichungen jedoch politisch unmöglich erscheinen, mussten die meisten Freiläufe durch energie- und wartungsaufwändige Pumpen ersetzt werden.
Geest Die Geest bildete vor 4000 Jahren noch die Küstenlinie. An einigen Stellen wie dem Barlter Kleve („Kliff“) bei Gudendorf mit einem Abfall von 20 Meter, am Klev von Sankt Michaelisdonn (40 Meter Abfall) sowie zwischen Kuden und Burg sind noch die ursprünglichen Kliffs erkennbar, die sich durch die Brandung bildeten. Teilweise wurden lange Nehrungen in das Meer gerissen, die in Dithmarschen so genannten Donns, die heute für Geestspitzen in der Marsch sorgen.
Das Geestgebiet teilt sich in Naturräume auf: Der größte Teil gehört zur Heide-Itzehoer Geest, die Geestgebiete im äußersten Nordosten des Kreises grenzen an die Eider-Treene-Niederung. Dank mehrerer Endmoränen ist es im Osten so hügelig, dass die Gegend um Welmbüttel den Namen Dithmarscher Schweiz trägt.
Ursprünglich bestand das Geestgebiet aus großen Eichenwäldern, Eichen-Buchen-Mischwäldern oder Nadelwäldern. Von diesen sind noch der Riesewohld und der Aukrug weitgehend erhalten. Die größten Teile der Wälder fielen der Landwirtschaft zum Opfer, verwandelten sich in Heidegebiete und wurden erst im 19. Jahrhundert wieder aufgeforstet (Gegend um Burg, Weddingstedt, Welmbüttel und Albersdorf). Wegen der großen Marsch- und Mooranteile ist der Kreis Dithmarschen mit nur 3 Prozent Waldfläche einer der am wenigsten bewaldeten Kreise Deutschlands. Die restlichen Heiden wurden ebenso wie die meisten Moore überwiegend in Grünland umgewandelt. Moore, Heiden und Niederwälder finden sich fast nur noch in Naturschutzgebieten.
Verwaltungsmäßige Gliederung Von 1867 bis 1919 bestand Dithmarschen aus zwei Kreisen Süderdithmarschen und Norderdithmarschen. 1919 wurden die beiden Kreise zusammengelegt, was bis 1932 Bestand hatte. Gegen Anfang der 1930er Jahre beabsichtigte das Land Preußen den Kreis wieder zu teilen. 1932 wurde das gegen großen Protest in der Bevölkerung durchgeführt. Die Nazis schlugen sich auf die Seite der Gegner der Zusammenlegung und sammelten so Stimmen für den Wahlkampf gegen die Weimarer Republik. Nach der Machtergreifung macht der preußische Ministerpräsident Hermann Göring im Oktober die Teilung wieder zunichte. Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurden wieder zwei Kreise eingerichtet. Im Zuge einer Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsreform wurden beide Kreise 1970 wieder zusammengelegt.Karl-Heinrich Buhse: Die Entwicklung Dithmarschens seit 1950. In: Martin Gietzelt, Verein für Dithmarscher Landeskunde (Hrsg.): Geschichte Dithmarschens. Westholsteinische Verlagsanstalt und Verlagsdruckerei Boyens, Heide i. H. 2000, ISBN 3-8042-0859-2, S. 392 f.
Klima mini|Wintersturm über Dithmarschen