Der Kreis Herzogtum Lauenburg ist ein Kreis im Land Schleswig-Holstein und gehört zur Metropolregion Hamburg.

Geografie Der Kreis Herzogtum Lauenburg ist der südlichste Kreis Schleswig-Holsteins. Er grenzt im Nordwesten und Norden an den Kreis Stormarn und an die kreisfreie Stadt Lübeck, im Osten an den Landkreis Nordwestmecklenburg und an den Landkreis Ludwigslust-Parchim, beide in Mecklenburg-Vorpommern, im Süden auf der anderen Seite der Elbe an den Landkreis Lüneburg und an den Landkreis Harburg in Niedersachsen und im Westen an das Land Hamburg.

Der Kreis ist sehr waldreich. Er enthält mit dem Sachsenwald das größte zusammenhängende Waldgebiet Schleswig-Holsteins und mit dem Naturpark Lauenburgische Seen einen der ältesten Naturparks in Schleswig-Holstein.

Seit dem 14. Jahrhundert war Lauenburg ein Herzogtum; nach der Angliederung an die preußische Provinz Schleswig-Holstein 1876 durfte der neue Kreis als Reminiszenz an seine Vergangenheit die Bezeichnung „Herzogtum“ weiterführen. Sie hat sich bis heute im amtlichen Namen des Kreises erhalten. Verwaltungssitz des Kreises ist Ratzeburg, die größte Stadt ist Geesthacht.

Geschichte mini|Altes Kreishaus am Ratzeburger Markt, heute Sitz des Kreisarchivs mini|Altes Landratsamt auf dem Wedenberg in Ratzeburg mini|Heutiges Kreishaus in der Ratzeburger Barlachstraße Das Kreisgebiet entspricht im Wesentlichen den nordelbischen Teilen des historischen Herzogtums Sachsen-Lauenburg. In Nord-Süd-Richtung verlief hier im Frühmittelalter der Limes Saxoniae als Schutzstreifen des Sächsischen Reiches vor den Slawen.

Nach dem Aussterben der letzten askanischen Herzöge und einem langwierigen Erbfolgestreit fiel das Herzogtum zunächst 1702 an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“), ab 1811 gehörte es als Teil des Département des Bouches de l’Elbe kurzzeitig zu Frankreich und fiel dann auf dem Wiener Kongress 1815 an das dänische Königshaus. Es wurde jedoch staatsrechtlich nie Teil Dänemarks, sondern war mit der dänischen Krone durch Personalunion verbunden.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 wurde es kurzzeitig von Österreich verwaltet und 1865 als Folge der Gasteiner Konvention in Personalunion mit Preußen vereinigt. Der preußische König Wilhelm I. wurde als „Herzog von Lauenburg“ neuer Landesherr und der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck übernahm das Amt des „Ministers für Lauenburg“. Am 1. Juli 1876 wurde das Herzogtum als „Landkreis Herzogtum Lauenburg“ in die preußische Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert. Als Nachfolger der Lauenburgischen Ritter- und Landschaft übernahmen Kreisausschuss und Landrat 1882 die Bestimmung im Lauenburgischen Landeskommunalverband, der seit 1872 über das Gros des ehemals landesherrlichen Vermögens verfügte.

NS-Zeit Mölln war die „braune Hauptstadt“ des Kreises Herzogtum Lauenburg. Schon bei der Reichstagswahl Mai 1924 erzielte die NSDAP noch als Deutsch-Völkisch-Sozialer Block mit 24,6 % in Mölln fast ein Viertel der Wählerstimmen. Es waren vor allem frustrierte Handwerker und Kleinunternehmer, die sich den „Braunen“ anschlossen. Nur in Kappeln im Kreis Schleswig erreichte die NSDAP mit 27,5 % schon so früh noch mehr Stimmen in Schleswig-Holstein. Später wurde Mölln Sitz der NSDAP-Kreisleitung. Die Arbeitslosigkeit war nicht signifikant höher als in anderen Städten wie Ratzeburg oder Lauenburg/Elbe. Dort wie in den Dörfern konnten die radikalen Rechten zunächst kaum Anhänger finden. Die Stimmen für die NSDAP kamen vermutlich vor allem aus dem verarmten Mittelstand, d. h. von Händlern, Handwerkern und Gewerbetreibenden, die unter den Folgen des Ersten Weltkrieges litten. Erst nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 gewann die NSDAP weitere Wählergruppen. Im Kreisgebiet stieg ihr Stimmenanteil bei der Reichstagswahl 1930 auf 25,4 % und bei den Reichstagswahlen 1932 auf 48,9 %. Nach der „Machtergreifung“ 1933 schloss die NSDAP in der Ratzeburger Stadtverordnetenversammlung beispielsweise die drei Sozialdemokraten aus. Der frühere Möllner SPD-Vorsitzende und Stadtrat Johann Michel wurde verhaftet. Die politischen Gegner blieben meist einige Tage bis Monate in Konzentrationslagern. Es war eine deutliche Warnung an alle, sich nicht außerhalb der NSDAP zu betätigen. Der NS-Staat schaltete die Gesellschaft gleich. Die Freie Turnerschaft Schwarzenbek etwa, ein Arbeitersportverein, wurde ebenso aufgelöst wie der Ratzeburger Bürgerverein. Andere lauenburgische Klubs wurden in die Organisationen der NSDAP eingegliedert.Historiker: „Mölln war Hochburg der NSDAP im Kreis Herzogtum Lauenburg“, Lübecker Nachrichten, 6. Mai 2015; abgerufen: 10. April 2024.siehe hier und im Folgenden auch: Hansjörg Zimmermann: „Zur Geschichte der NSDAP in Mölln (1989)“, Lauenburgische Heimat, Heft 124

Gleichzeitig wurde aufgerüstet. In Mölln entstand die Waffenfabrik „Muna“ auf einem 210 Hektar großen Gelände in der heutigen Waldstadt. Zur Aufrüstung der Wehrmacht gehörte auch die Ansiedlung des Schraubenherstellers „Bauer & Schaurte“ (später Firma Fette) in Schwarzenbek. Auch im Kreis Herzogtum-Lauenburg wurden Juden deportiert. Bereits am 1. April 1933 forderte die NSDAP die Einwohner auf, jüdische Geschäfte zu boykottieren. 1938 verschärften sie ihr Vorgehen. So schlossen sie das Kaufhaus der Familie Rosenberg in der Ratzeburger Domstraße. Willy Rosenberg und seine Frau Martha, zusammen mit etwa zehn anderen Familien aus dem Kreisgebiet, verschleppten die NS-Schergen 1941 im Rahmen des 7. Osttransport nach Riga (Welle 7) ins Rigaer Ghetto. Sie überlebten das Konzentrationslager nicht.„Mölln war Hochburg der NSDAP im Kreis Herzogtum Lauenburg“, Lübecker Nachrichten, 2015

Ob die NSDAP eine Gemeinde prägte, war nicht zuletzt von Einzelpersonen abhängig, die den Nazikult pflegten. Ortsgruppenleiter der NSDAP in Kastorf waren Ewald Haase und Theo Ritt. Der Bund Deutscher Mädel (BDM) traf sich regelmäßig im Keller des Herrenhauses bei einer gewissen Frau Halske, der Leiterin der NS-Frauenschaft. Im Mai 1933 wurde das Kastorfer Jungvolk (DJ) gegründet. Die Hitlerjugend (HJ) und das Deutsche Jungvolk trafen sich in einem alten, bei der Familie Behrends abgestellten Eisenbahnwaggon, den die Gemeinde zu diesem Zweck kaufte.„Mölln war Hochburg der NSDAP im Kreis Herzogtum Lauenburg“, Lübecker Nachrichten, 2015

Durch das Groß-Hamburg-Gesetz über Groß-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen bestimmte die Reichsregierung Hitler am 26. Januar 1937 die Umbenennung vom Lauenburgischen Landeskommunalverband in Kreiskommunalverband und den Verbleib des herzoglichen Domanialvermögens bei letzterem. Außerdem wurden mit Wirkung vom 1. April 1937 die bis dahin zu Hamburg gehörende Stadt Geesthacht sowie bislang 13 mecklenburgische und lübsche Enklaven dem Kreisgebiet eingegliedert. Dazu zählte auch die bis dahin stets zum Land Mecklenburg gehörende Domhalbinsel in Ratzeburg.Geschichte des Kreises, Kreis Herzogtum Lauenburg; abgerufen: 10. April 2024. Außerdem die Enklaven Hammer, Horst, Mannhagen, Panten und Walksfelde, die lübeckischen Exklaven Albsfelde, Behlendorf, Düchelsdorf, Giesensdorf, Groß Schretstaken, Harmsdorf, Hollenbek, Klein Schretstaken, Nusse, Poggensee, Ritzerau, Sierksrade und Tramm. NSDAP-Kreisleiter war der schon 1928 der NSDAP beigetretene Hans Gewecke. Gewecke ließ in Lauenburg eine große Herberge für die Hitlerjugend bauen.

Überall im Kreis Herzogtum-Lauenburg, in Fabriken, der Landwirtschaft und in Haushalten, wurden Zwangsarbeiter beschäftigt, um die deutschen eingezogenen Wehrpflichtigen zu ersetzen. Mehr als 10.000 Kriegsgefangene arbeiteten im Kreis, meist unter unmenschlichen Bedingungen, beispielsweise im Luftwaffentanklager in Büchen. Nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 lief die Aktion „Gewitter“ an. 23 Männer und 4 Frauen wurden in Lauenburg, Mölln, Ratzeburg, Schwarzenbek und Geesthacht verhaftet, darunter der ehemalige SPD-Kreistagsabgeordnete Ernst Schefe. Der 69-jährige Schwarzenbeker starb am 26. September 1944 im KZ Neuengamme.„Mölln war Hochburg der NSDAP im Kreis Herzogtum Lauenburg“, Lübecker Nachrichten, 2015

Während des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 blieb das Kreisgebiet in den ersten Jahren von unmittelbaren Kriegseinwirkungen weitgehend verschont. Das veränderte sich nach den Luftangriffen 1942/43 auf die benachbarten Großstädte Lübeck und Hamburg, die eine Massenflucht auslösten. Unzählige „Fliegergeschädigte“ suchten Zuflucht im Kreis Herzogtum Lauenburg, wo sie häufig lange über die Zeit des Krieges hinaus wohnen blieben. Kreis Herzogtum Lauenburg, 2024 Ab dem Sommer 1944 zog zudem ein immenser Flüchtlingsstrom Vertriebener aus dem Osten auf der Flucht vor der Roten Armee in das Kreisgebiet. Kurz vor Kriegsende, am 19. April 1945, waren die britischen Truppen bis zur Südseite des Elbufers, gegenüber von Lauenburg, vorgedrungen. Die Deutsche Wehrmacht sprengte die Elbbrücke Lauenburg. Durch den Beschuss der Stadt am 28. und 29. April 1945 wurden große Teile Lauenburgs zerstört und zahlreiche Menschen getötet. Im Mai 1945 beendete die Britische Besetzung die Zeit des Nationalsozialismus in Schleswig-Holsteins endgültig. Kreis Herzogtum Lauenburg, 2024

Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kreis Teil der britischen Besatzungszone. Durch Veränderung der Zonengrenze zwischen Großbritannien und der Sowjetunion im sogenannten Barber-Ljaschtschenko-Abkommen vom 13. November 1945 wurden die Nachbargemeinden Ratzeburgs, Ziethen, Mechow, Bäk und Römnitz, am 26. November 1945 dem Kreis Herzogtum Lauenburg zugeschlagen. Sie gehörten bis dahin zum mecklenburgischen Kreis Schönberg (bis 1934 Teil von Mecklenburg-Strelitz) und kamen im Austausch gegen die lauenburgischen Gemeinden Dechow, Thurow (heute Ortsteil der Gemeinde Roggendorf) und Lassahn (heute Ortsteil der Stadt Zarrentin am Schaalsee) zur britischen Zone. Diese Gebietsveränderung wurde auch nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 beibehalten.

Mit Ablauf des Jahres 2025 wurde das gemeindefreie Gebiet Forstgutsbezirk Sachsenwald aufgelöst und in die Gemeinden Aumühle, Börnsen, Brunstorf, Dassendorf, Kasseburg, Kröppelshagen-Fahrendorf, Möhnsen und die Stadt Schwarzenbek eingemeindet.

Die Regionalgeschichte des Kreises wird von den beiden Archivgemeinschaften im Kreisgebiet (AG Nordkreis und AG Südkreis) aufgearbeitet. Sie werden dabei vom Heimatbund und Geschichtsverein Herzogtum Lauenburg e. V. unterstützt, der 1949 als Fusion zweier bis dahin selbständigen Vereine (Verein für die Geschichte des Herzogtums Lauenburg, gegründet 1883, und Heimatbund Herzogtum Lauenburg, gegründet 1925) gebildet wurde. Er ist die älteste und mitgliederstärkste Kulturvereinigung im historischen Elbherzogtum. Er ist in sieben Bezirksgruppen untergliedert und widmet sich der Aufarbeitung und Darstellung der Regionalgeschichte sowie der Pflege der niederdeutschen Sprache, der Denkmalpflege und dem Umweltschutz. Er gibt seit 1925 die Zeitschrift Lauenburgische Heimat heraus.

Einwohnerstatistik Jeweiliges Kreisgebiet Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den jeweiligen Gebietsstand. Jahr Einwohner Quelle 1890 48.874 1900 51.833 1910 54.571 1925 58.235 1933 58.052 1939 69.965 1946 146.760 Volkszählung 1946 1950 150.218 1960 129.800 1970 141.700 1980 155.200 1990 159.400 2000 179.848 Statistikamt Nord 2010 186.874 2016 195.063

Heutiger Gebietsstand mini|400px|rechts|Bevölkerungspyramide für den Kreis Herzogtum Lauenburg (Datenquelle: Zensus 2011) Die Einwohnerzahlen bis 1970 beziehen sich auf den Gebietsstand am 27. Mai 1970.

Jahr Einwohner 1871 (1. Dez.) 54.650 1885 (1. Dez.) 55.930 1895 (2. Dez.) 57.770 1905 (1. Dez.) 60.910 1925 (16. Juni) 66.390 1939 (17. Mai) 72.778 1950 (13. Sep.) 150.218 Jahr Einwohner 1961 (6. Juni) 130.453 1970 (27. Mai) 141.731 1987 (25. Mai) 153.473 2002 (30. Juni) 182.596 2007 (31. Dez.) 187.094 2012 (31. Dez.) 187.905 2016 (31. Dez.) 195.063

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