Oskar Moritz Paul Roethig, auch Paul Röthig (* 24. April 1874 in Berlin; † 4. April 1940 ebenda) war ein deutscher Neurologe, Neuroanatom und Charlottenburger Kommunalpolitiker.
Leben Seine Eltern waren der Mathematiklehrer Johann Wilhelm Oscar Roethig (1833–1903) und Friederike Joaneth Marie Haynhttps://familysearch.org/ark:/61903/1:1:NZC3-JDW. Roethig studierte Medizin in Freiburg und Berlin, wo er am 28. Januar 1898 promovierte. Nach der Promotion war Roethig am Anatomisch-biologischen Institut der Berliner Universität bei Oskar Hertwig, Hermann Munk und Hans Virchow tätig. Er arbeitete auch in Frankfurt a. M. als Abteilungsleiter bei Ludwig Edinger (1908), in Amsterdam bei Ariëns Kappers und in der Zoologischen Station der Schwedischen Akademie der Wissenschaften Kristineberg bei Fiskebäckskil (1909). 1914 wurde er Assistent von Wilhelm von Waldeyer und Leiter der Hirnanatomischen Abteilung.
Von 1914 bis 1916 nahm er am Ersten Weltkrieg als freiwilliger, landsturmpflichtiger Arzt in Feldlazaretten in Frankreich teil.
1919 wurde er zum besoldeten Stadtrat gewählt und 1931 als Kommunalbeamter endgültig pensioniert.
1918 wurde Roethig zum Titularprofessor ernannt. 1930 wurde er Honorarprofessor für vergleichende Hirnforschung an der Berliner Universität. Am 7. April 1933 wurde ihm aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums die Lehrbefugnis entzogen. Rudolf Fick erreichte, dass Roethig sein Ruhegehalt behalten durfte. Kurz danach, auf Initiative von Hermann Stieve, dem Nachfolger von Prof. Fick, verlor Roethig 1938 sein Arbeitszimmer. Er bekam einen Nervenzusammenbruch und starb in einer Nervenheilanstalt.
Wissenschaftliche Leistungen Roethig beschäftigte sich vorwiegend mit der vergleichenden Neuroanatomie der niedrigen Wirbeltiere. 1904 publizierte er das Handbuch der embryologischen Technik. Seine letzte große Arbeit über das Gehirn der Gymnophionen ist nicht publiziert wordenHugo Spatz. Die vergleichende Morphologie des Gehirns vor und nach Ludwig Edinger. Rückblicke und Ausblicke. In: Ludwig Edinger, 1855-1918. Gedenkschrift zu seinem 100. Geburtstag und zum 50 jährigen Bestehen des Neurologischen Institutes (Edinger Institut) der Universität Frankfurt am Main. Wiesbaden: Franz Steiner Verlag GMBH, 1959 S. 63.
Werke Über Linsenregeneration. Berlin: G. Schade, 1898 Ueber den Bau der Ganglienzelle. Medizinische Woche 50 (2), S. 511–515, 1900 Handbuch der embryologischen Technik. Wiesbaden: Bergmann, 1904 Entwicklung der elastischen Fasern. Zeitschrift für Anatomie und Entwicklungsgeschichte 17, S. 300–336, 1909 Riechbahnen, Septum und Thalamus bei Didelphys marsupialis. Abhandlungen der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft 31, S. 1–19, 1910 Beiträge zum Studium des Zentralnervensystems der Wirbeltiere. III. Zur Phylogenese des Hypothalamus. Folia neurobiologica 5, S. 913–927 1911. Zellanordnungen und Faserzüge im Vorderhirn von Siren lacertina. Abhandlungen der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften, 1911 Beiträge zum Studium des Centralnervensystems der Wirbeltiere. 5. Die Zellanordnungen im Vorderhirn der Amphibien, mit besonderer Berücksichtigung der Septumkerne und ihr Vergleich mit den Verhältnissen bei Testudo und Lacerta., 1912 Äther als Fixationsmittel. Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie und für mikroskopische Technik 38, S. 339, 1921 Beiträge zum Studium des Centralnervensystems der Wirbeltiere. 8. Über das Zwischenhirn der Amphibien. Archiv für mikroskopische Anatomie und Entwicklungsmechanik 98, S. 616–645, 1923 Einige Erfahrungen mit technischen Methoden zur Untersuchung kleinerer Gehirne. Zeitschrift für mikroskopisch-anatomische Forschung 24, S. 399–411, 1931
Literatur Manfred Stürzbecher. Berliner Ärzte: Namen, die kaum noch einer nennt. Folge 5: Prof. Dr.Paul Röthig (1874-1940). Berliner Ärzteblatt. 1980;93: S. 756–758. Jürgen Peiffer: Hirnforschung in Deutschland 1849 bis 1974: Briefe zur Entwicklung von Psychiatrie und Neurowissenschaften sowie zum Einfluss des politischen Umfeldes auf Wissenschaftler. Berlin: Springer, 2004, S. 1109. ISBN 3-540-40690-5. Jürgen Peiffer: Die Vertreibung deutscher Neuropathologen 1933–1939. „Nervenarzt“. 69 (2), S. 99–109, 1998. . PMID 9551453
Einzelnachweise
Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Neurologe Kategorie:Hochschullehrer (Humboldt-Universität zu Berlin) Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1874 Kategorie:Gestorben 1940 Kategorie:Mann