Die Lochmühle ist eine im Wesenitztal liegende Mühlenanlage in der Sächsischen Schweiz. Die 1559 erstmals erwähnte Mahlmühle befindet sich am Eingangsbereich zum Liebethaler Grund, einem engen Durchbruchstal der Wesenitz durch den Elbsandstein. Mit Aufkommen des Tourismus in der Sächsischen Schweiz entwickelte sich die Mühle im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Gasthaus. Allerdings steht die Anlage seit Anfang der 1990er Jahre leer.

Geschichte Die Lochmühle wird urkundlich erstmals 1559 als Mahlmühle erwähnt. Ihr Bau erfolgte vermutlich kurz vorher, denn in der Erwähnung wird gesagt: "Diese Mühl ist noch nicht vollkömmlich erbaut."Manfred Schober: Die Mühlen der Sächsischen Schweiz. Rechtselbisches Gebiet, Monographien zur Sächsisch-Böhmischen Schweiz, Band 2, Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2009, ISBN 978-3-934514-24-9, S. 192 1561 ist von der "neuen Mülen unter Milsdorff" die Rede.Alfred Meiche: Historisch-Topographische Beschreibung der Amtshauptmannschaft Pirna. Dresden 1927, S. 193 Ein Felssturz zerstörte 1681 die Mühle, die daraufhin 30 Schritt flussaufwärts neu errichtet wurde.

Der Betrieb der Mühle gestaltete sich schwierig, darauf weisen zahlreiche Besitzerwechsel hin. Allein zwischen 1561 und 1681 sind wenigstens sieben verschiedene Inhaber der Mühle überliefert. Im Gegensatz zu anderen Mühlen in der Sächsischen Schweiz konnte sich ein Familienbetrieb in der Lochmühle nicht etablieren.

Schwierigkeiten beim Betrieb der Mühle ergaben sich insbesondere durch die abseitige Lage im tief und steil eingeschnittenen Tal der Wesenitz. Die buchstäblich „im Loch“ gelegene Mühle war nur zur Fuß über steile Pfade und Treppenanlagen von Mühlsdorf und Daube aus erreichbar. Ein An- und Abtransport per Pferdewagen war lange Zeit nicht möglich. Erst 1799 wurde ein Fahrweg von Mühlsdorf zur Lochmühle angelegt, der aufgrund seiner Steilheit immer noch äußerst schwierig zu passieren war. Die Getreide- und Mehlsäcke wurden auch auf diesem Weg in der Regel nicht per Pferdewagen, sondern auf dem Rücken von Eseln aus dem Tal transportiert. Die enge Lage im Tal ließ für die Müller auch keine Landwirtschaft im Nebenerwerb zu, da Feld- und Wiesenflächen fehlten.

Im Zuge der seit Ende des 18. Jahrhunderts beginnenden touristischen Erschließung der Sächsischen Schweiz stellte die Lochmühle die erste Begegnung der Wanderer mit der wild-romantischen Felsenwelt des Sandsteingebirges dar. Bis zur Fertigstellung der Elbtalbahn (1851) galt die Route von Pillnitz über Graupa und die Lochmühle weiter nach Lohmen und zur Bastei als Hauptzugangsweg in die Sächsische Schweiz.

Der Fremdenverkehr entwickelte sich zu einem lohnenswerten Nebeneinkommen für die „Lochmüller“. Der steile von der Mühle nach Daube führende Stufenweg wurde 1820 durch den Besitzer der Lochmühle ausgebaut. 1841 wurde der im Tal selbst verlaufende Weg von Liebethal zur Lochmühle als Wanderweg angelegt. Dieser Weg wurde 1882 zur nächsten flussaufwärts führenden Mühle, der Daubemühle, verlängert. Damit war das wild-romantische Wesenitztal im Liebethaler Grund für den Fremdenverkehr nun noch attraktiver und besser erlebbar.

Die Lochmühle selbst fiel 1828 einem Feuer zum Opfer, wurde durch den damaligen Besitzer Friedrich August Schreiter aber umgehend durch einen Neubau mit vier Mahlgängen neu errichtet. 1842 erhielt Schreiter die Genehmigung zum Betrieb einer Gastwirtschaft in der Mühle. Zu den Gästen der Mühle zählten auch Maler, Dichter und Komponisten, die den Liebethaler Grund mit der Lochmühle als „westliches Eingangstor“ zur Sächsischen Schweiz passierten. Aus dieser Zeit existieren zahlreiche historische Abbildungen der Lochmühle. Der Weg durch den Grund an der Mühle vorbei und weiter in Richtung Lohmen ist deshalb heute ein Teil des Dichter-Musiker-Maler-Weges sowie des Malerweges.

Im Sommer 1846 weilte Richard Wagner mehrmals in der Lochmühle und komponierte hier Teile der Oper Lohengrin. An Wagners Aufenthalt erinnert das 1933 unweit der Lochmühle errichtete Richard-Wagner-Denkmal. Für dessen Bau stellte der Wirt der Lochmühle das Grundstücke zur Verfügung, da er sich davon eine Steigerung der Gästezahl in der Mühle erhoffte.

Der letzte Lochmüller mit Namen Schmidt verunglückte Silvester 1880 tödlich im Räderwerk seiner Mühle. Danach wurde der Mahlbetrieb eingestellt und die Lochmühle ausschließlich als Gasthaus genutzt. Eine anfängliche Nutzung auch als Beherbergungsstätte konnte sich auf Dauer jedoch nicht etablieren.

1989 sollte die Mühle zu einem Betriebsferienheim mit Gaststätte umgenutzt werden. Die Planungen kamen im Zuge der Wende und des Endes der DDR jedoch nicht mehr zur Umsetzung. Da auch die Nutzung als Gasthaus eingestellt wurde, stand die Mühle seit der Wendezeit leer und verfiel zusehends.

2015 wurden Pläne bekannt, nach denen ein Investor die Sanierung und Integration in einen Hotelneubau plant. Dabei sollen der Hotelneubau auf der Hochfläche über dem Wesenitztal und die Lochmühle mit einem Panoramaaufzug verbunden werden.Lochmühle muss gesichert werden, Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna) vom 29.12.2015 sowie Informationen unter Projekt "Sanierung Lochmühle und Neubau Gralsburg im Liebethaler Grund" (Seidel Architekten Pirna), Abruf am 3. August 2016 Im März 2017 begannen Sicherungsarbeiten an der Lochmühle, bei denen zuerst das einsturzgefährdete Dach abgebrochen und durch ein Interimsdach ersetzt wurde.Wagners Sommerfrische lebt wieder auf, Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna) vom 6. März 2017

Mühlenbesitzer und -betreiber (unvollständig) 1561: Blasius und Valthen Naill 1603: Hans Fleck 1627: Christoff Michel verkauft die Mühle an Hanns Fleischer um 1670: Hanns Pretzschelln 1676: Georg Kreußel verkauft die Mühle an Hans Maukisch 1681: Ambrosius Maukisch 1711: Georg Meschken 1722: Christian Großer verkauft die Mühle an Michael Müller 1828: Friedrich August Schreiter 1854: Friedrich August Schreiter verkauft die Lochmühle an Hr. Schmidt 1880: Hr. Schmidt verunglückt im Räderwerk der Mühle, der Mahlbetrieb wird eingestellt und der Gasthofbetrieb durch die Witwe Emilie Schmidt weitergeführt 1889: Carl Geisler übernimmt die Mühle 1908: Karl Thurecht übernimmt die Mühle 1919: H. Staude übernimmt die Mühle

Zitate

Literatur Alfred Meiche: Ein Mühlenbuch. Von Mühlen und Müllern im Arbeitsgebiet des Gebirgsvereins der Sächsischen Schweiz. Dresden 1927. Manfred Schober: Die Mühlen der Sächsischen Schweiz. Rechtselbisches Gebiet, Monographien zur Sächsisch-Böhmischen Schweiz, Band 2, Berg- & Naturverlag Rölke, Dresden 2009, ISBN 978-3-934514-24-9 Manfred Schober, Peter Rölke: Malerweg-Wanderführer. Berg- und Naturverlag Rölke, Dresden 2008, ISBN 978-3-934514-19-5

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Mühle im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Kategorie:Kulturdenkmal in Lohmen (Sachsen) Kategorie:Wassermühle in Sachsen Kategorie:Mühle in Europa