Die Stickstoffwerke in Tarnów-Mościce (früher Zakłady Azotowe in Tarnów-Mościce S.A., heute Grupa Azoty S.A.) sind ein Unternehmen aus der Chemiebranche in Mościce, einem Stadtteil von Tarnów. Während der Zweiten Polnischen Republik war es eine der modernsten Fabriken in Europa und eine der größten Investitionen der Zwischenkriegszeit in Polen.

Baugeschichte der Stickstoffwerke in Tarnów Die Entwicklung der polnischen Chemieindustrie ist mit der Person des Professors der Technischen Hochschule von Lemberg, Ignacy Mościcki, der Direktor der nach den Schlesischen Aufständen von den Deutschen übernommenen Fabrik für Stickstoffverbindungen in der Königlichen Hütte (dem späteren Chorzów) wurde.

Das von Mościcki gegründete Forschungsinstitut in Warschau entwickelte Pläne zum Ausbau der chemischen Industrie durch den Bau eines zweiten großen Stickstoffwerkes. Die endgültige Entscheidung über den Bau der neuen Fabrik bei Tarnów wurde am 12. März 1927 getroffen.

Am 14. Mai 1927 wurden von der Familie Sanguszko Vorwerkgüter mit der Fläche von 670 Hektar, für einen Betrag von umgerechnet 207.000 US-Dollar abgekauft. Die ersten Arbeiten auf der Baustelle begannen am 5. Mai 1927.

Es entstand im Jahre 1927 die Państwowa Fabryka Związków Azotowych (Staatliche Fabrik für Stickstoffverbindungen) in Mościce. Sie war eine der größten Investitionen in der wiedergegründeten Republik Polen, die neuste Trends in der polnischen Chemieindustrie setzte. Die Traditionen seiner Vorgängerin setzt bis heute die Grupa Azoty S.A. mit Sitz in Tarnów fort.

Państwowa Fabryka Związków Azotowych (Staatliche Fabrik für Stickstoffverbindungen) in Mościce Die Baustelle der Fabrik wurde in der Umgebung von Tarnów, ca. 4 km vom Zentrum in westlicher Richtung entfernt, eingerichtet. Die Leitung der einzelnen Abteilungen an der Baustelle übernahmen zum Großteil die Schüler von Ignacy Mościcki, der Leiter des Lehrstuhls für physikalische Chemie und technische Elektrochemie der Technischen Hochschule von Lemberg und in den Jahren 1925 bis 1926 Rektor dieser Hochschule war. Der Großteil der Ausstattung für die Fertigungsinstallationen von Państwowa Fabryka Związków Azotowych (Staatliche Fabrik für Stickstoffverbindungen) in Mościce wurde im Ausland gekauft, jedoch der Rest bei inländischen Herstellern.

Ausgangsrohstoff für die Installation zur Synthese von Ammoniak, die der Gasreinigungsanlage vorangeht, war Hüttenkoks, aus dem Wassergas in sechs Generatoren gewonnen wurde. Für die Bedürfnisse der chemischen Fertigung baute man ein Heizkraftwerk, das mittels Kohlenstaub beheizt wurde. Die Ausstattung der Dampfabteilung des Heizkraftwerks bestand aus sechs Kesselgruppen. Für die Herstellung der elektrischen Energie wurden Turbogruppen montiert, die aus 3 Kondensationsturbinen und einer Gegendruckturbine bestand. Die Montage der Maschinen und Anlagen des Elektroheizwerks wurde am 2. Oktober 1929 beendet. Dieses Datum wird als das Enddatum des Baus der Fabrik angesehen. Im Jahre 1928, neben Stickstoffinstallationen, wurde der Bau der Chlorabteilung samt Billiter-Elektrolyse begonnen, der in keinem technologischen Zusammenhang mit dem Stickstoffteil stand, der im Juli 1930 instand gesetzt wurde.

Die feierliche Eröffnung der Staatlichen Fabrik für Stickstoffverbindungen fand in Mościce am 18. Januar 1930 statt, an der auch der Präsident der Republik Polen, Ignacy Mościcki, die Vertreter der Regierung der Republik Polen mit Premierminister Kazimierz Bartel, sowie der Minister für Industrie und Handel, Eugeniusz Kwiatkowski, teilnahmen. Państwowa Fabryka Związków Azotowych produzierte in der Anfangsphase ihrer Existenz etwa 60 Tonnen Ammoniak pro Tag. Der Stickstoff, der unentbehrlich zur Synthese ist, wurde aufgrund der Verflüssigung der Luft mittels Linde-Methode, jedoch der Wasserstoff aus Wassergas erhalten. Ein Teil des gefertigten Ammoniaks wurde auf 50-prozentige Stickstoffsäure umgearbeitet. Amonnitrat, das aufgrund der Neutralisierung der Stickstoffsäure mittels Gasammonium entstand, wurde danach in einen Dünger mit der Bezeichnung Nitrofos mit dem Stickstoffinhalt von etwa 15,5 % umgewandelt. Die Globale Produktion der Staatlichen Fabrik für Stickstoffverbindungen in Mościce betrug im Jahre 1930 etwa 57.000 Tonnen, woraus ca. 80 % Stickstoffdüngemittel waren. Außer den oben genannten Produkten, wurde im Jahre 1930 auch Ammonnitrat für die Rüstungsindustrie hergestellt, und unter den Chlorprodukten Chlorbenzol, polychlorierte Naphthaline, Calciumhypochlorit, sowie verschmolzenes Natriumhydroxid.

Das erste Jahr der Tätigkeit der Staatlichen Fabrik für Stickstoffverbindungen lief mit dem ersten Jahr der Weltwirtschaftskrise zusammen. In der für die Fabrik kritischen Situation wurde der bisherige Minister für Industrie und Handel, Eugeniusz Kwiatkowski, Generaldirektor. Der Minister kam nach Mościce Mitte Februar 1931. Er hatte eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: das Gewährleisten des Überlebens der Fabrik, die erst vor Kurzem instand gesetzt wurde und schon von der Schließung bedroht war. Die Fabrik in Mościce erweiterte ihr Düngerangebot, um auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Im Jahre 1930 wurde beschlossen, die Installation zur Fertigung von Stickstoffsäure und Ammonsulfat zu modernisieren. Der wichtigste Investitionsschritt für die Fabrik war in der Zwischenkriegszeit die Entscheidung über die Fertigung der granulierten Calciumsalpeter (sog. norwegischer), die derzeit nur in zwei Fabriken auf der ganzen Welt hergestellt wurde. Die Technologie wurde in Norwegen erworben, die restlichen Konstruktionsarbeiten, der Bau und die Montage der Apparaturen wurden selbstständig ausgeführt.

Im Jahre 1934 wurde in der Fabrik in Mościce die weltweit erste technische Installation zur Fertigung von 98,5 % konzentrierter Stickstoffsäure mittels Wendlandt-Methode (Ho-Ko, „hochkonzentriert“) mit der Kapazität von 20 Tonnen pro Tag hergestellt.

Am 1. August 1933 wurden PFZA Chorzów und PFZA Mościce zu einem kommerzialisierten Unternehmen verbunden, das Eigentum der Staatskasse war, das unter der Bezeichnung Zjednoczone Fabryki Związków Azotowych w Chorzowie i Mościcach (Vereinigte Fabriken für Stickstoffverbindungen in Chorzów und Mościce) firmierte. Bestandteil von ZFZA wurde auch die Fabrik Azot in Jaworzno. Unter dieser Bezeichnung lief das Unternehmen bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs. Im Jahre 1936 wurde ein Plan der weiteren Entwicklung von Mościce bearbeitet, der Investitionsausgaben in der Höhe von 14,8 Millionen Złoty auf die Modernisierung der Installation zur Fertigung von Ammoniak, Stickstoffsäure, Chlor, Calcium-Salpeter und den Beginn der Fertigung von Methanol und Formalin, umfasste.

Im August 1933 wurden die Arbeiten über die Zuführung nach Mościce mittels Rohrleitung aus der Lemberg- und Krośnieńskie-Ruhr von Erdgas begonnen. Die Investition war ein Teil des Programms des Zentralen Industriebezirks (Centralny Okręg Przemysłowy). Die Arbeiten, die mit der Zuführung von Gas nach Mościce verbunden waren, wurden im Jahre 1937 beendet. Anfangs wurde das Gas in der Fabrik zum Heizen des Kraftwerks genutzt, was zur Verringerung der Transport- und Lagerkosten der Kohle führte. Danach wurden die Proben der Zersetzung von Methan in Generatoren durchgeführt. Nach dem Erzielen positiver Ergebnisse stieg der Inhalt an Wasserstoff im Rohgas, was den Anstieg der Fertigung von Ammoniak um durchschnittlich etwa 10 % verursachte. Aufgrund dessen wurde Erdgas grundsätzlicher Rohstoff, was die Kosten seiner Fertigung verringerte. Am Ende der 1930er Jahre basierte die Produktion von Ammoniak in der Fabrik in Mościce auf dem Gas, das aus den Generatoren gewonnen wurde, die Koks vergasen, und zusätzlich aus zwei anderen Generatoren gewonnen wurde, die zum Vergasen von Koks und Methan vorgesehen waren.

Gleichzeitig wurde der Bau einer neuen Installation begonnen, die Wasserstoff auf Basis von Erdgas bei Teilnahme eines Nickelkatalysators herstellen sollte. Die Investition wurde kurz vor dem Ausbruch des Krieges beendet, aber sie wurde während der Okkupation instandgesetzt. Im beschriebenen Zeitraum wurde die Pilotinstallation zur Fertigung von neuem Stickstoff-Phosphor-Dünger (Diphosphat) instandgesetzt. In den Jahren 1933–1938 fertigte die Fabrik in Mościce aus Stickstoffdüngern Ammoniaksulfat, Salpeter, Calciumsalpeter, am Anfang auch Nitrofos, und zum Schluss auch Diphosphat. Aus technischen Stickstoffprodukten wurden Ammoniaknitrat (wird auch als Dünger verwendet), konzentrierte Stickstoffsäure, technische Stickstoffsäure, Nitrose und Kondensammoniak hergestellt.

Zweiter Weltkrieg Während der deutschen Besatzung wurden in Mościce folgende Dünger angefertigt: Calciumsalpeter, Ammoniaksulfat, Salpeter und eine geringe Anzahl an Phosphordüngern, Diphosphat, Phosphoritmehl und darüber hinaus Stickstoffdünger (technisch und konzentriert), Ammoniaksalpeter, konzentrierten Sauerstoff, Kausiknat, Natriumhydroxid, Salzsäure, Kondenschlor, Herbatox (Calciumchlorat). Während der Okkupation wurde der Großteil der Produktion beschränkt oder sogar eingestellt. Der Okkupant wollte hauptsächlich die Produktion erhalten, die erlaubte, Waren herzustellen, die während des Krieges Verwendung finden. In diesem Zeitraum begann die Produktion, auf Basis der Installation von Nitrofos, von 20,5 % granuliertem Salpeter. 1944 befahlen die Deutschen, die Fabrikausstattung zu demontieren und nach Deutschland zu transportieren. Die Produktion wurde praktisch unterbrochen.

Auf- und Ausbau in Richtung der organischen Fertigung in der Nachkriegszeit Nach dem Beenden der Okkupation im Juni 1945 fasste die Regierung einen Beschluss über den Auf- und Ausbau von PFZA im Rahmen des staatlichen Programms der Produktion von Düngemitteln für die Landwirtschaft. Die abtransportierten Maschinen und Anlagen, die aus Mościce stammten, wurden mit der Zeit gefunden – u. a. in Brzeg Dolny (Schlesien). Im Jahre 1945 startete die Produktion von Methanol in einem geringen Ausmaß. Im November 1946 wurde die halbtechnische Installation von Formalin zur Nutzung abgegeben und der Beschluss über den Bau eines Chlorwerks gefasst. Die Jahre 1947–1949 sind die Periode des dreijährigen Plans. Dank der Rückgewinnung der gestohlenen Apparatur wurde bereits im Mai 1947 die Installation zur Fertigung des Eisen-Chrom-Katalysators zur Konversion von Kohlenoxid zur Nutzung abgegeben, und im Juli die Installation des synthetischen Ammoniaks, und danach die Installation zur Produktion von technischer Stickstoffsäure und Salpeter (20,5 % N). Die Installation für Calciumsalpeter wurde im Jahre 1948 aufgebaut und ein Jahr später gestartet. Nach achtmonatigem Abbau wurde das Chlorwerk zur Nutzung abgegeben. Der Chlor, der aus der Salzelektrolyse erworben wurde, war Basisrohstoff zur Fertigung von chloriertem Calcium, Salzsäure und Chlorbenzol.

Im Jahre 1949 stellten die Stickstoffwerke Tarnów bereits 20 Produkte her. Der Anteil der Stickstoffdünger an der globalen Produktion der Fabrik hielt sich anfangs auf demselben Niveau wie vor dem Krieg (ca. 80 % in Masse). Die restlichen 20 % war die Fertigung anderer Chemikalien. Weiterhin war es eine Fabrik, die praktisch nichtorganische Erzeugnisse herstellte. Die Nachfrage der Wirtschaft war deutlich höher und stieg ständig. Der Ausbau und die Modernisierung der Stickstoffwerke waren unentbehrlich und forderten die Änderung des technologischen Konzepts.