Talestri, regina delle Amazzoni (dt.: Talestri, Königin der Amazonen) ist eine Opera seria (Originalbezeichnung: „opera drammatica“) in drei Akten der sächsischen Kurprinzessin Maria Antonia Walpurgis auf ein eigenes Libretto. Die Uraufführung erfolgte am 6. Februar 1760 im Theater des kurfürstlichen Schlosses zu Nymphenburg oder am 24. August 1763 im kurprinzlichen Reithaus am Taschenberg in Dresden.

Handlung

Die Oper spielt in mythischer Zeit in Themiskyra am Ufer des Thermodon. Den Rahmen bilden Auseinandersetzungen zwischen Amazonen und Skythen. Die Vorgeschichte wird im Libretto folgendermaßen wiedergegeben:

Zu Beginn der Opernhandlung wird Talestri zur neuen Königin der Amazonen gekrönt. Sie nimmt dieses Amt nur zögerlich an, da sie im Rahmen der Zeremonie zugleich allen Männern Hass schwören muss. Insgeheim liebt sie zu diesem Zeitpunkt bereits den Skythenprinzen Oronte, der zeitweilig als Frau verkleidet unter den Amazonen gelebt hatte. Oronte wurde mittlerweile gefangen genommen und ist als zeremonielles Opfer vorgesehen. Talestri versucht ihn freizulassen und gerät in einen Streit mit der strengen Oberpriesterin Tomiri. Die Feier wird unterbrochen, als Talestris Schwester Antiope einen Angriff der Skythen unter der Führung von Orontes Freund Learco meldet. Den Amazonen gelingt es, sie zurückzuschlagen und Learco festzunehmen. Dieser verliebt sich bei dieser Gelegenheit in Antiope, die ihm ein Wiedersehen mit Oronte gestattet. Oronte und Learco wollen sich jeweils selbst als Opfer anbieten, um den anderen freizubekommen.

Im zweiten Akt bitten Oronte und Learco Antiope und Talestri jeweils um Gnade für den anderen. Die Amazonen gestehen sich ihre Liebe zu den beiden Männern ein und beschließen, auf der Ratsversammlung für ihre Rettung zu stimmen. Im Rat besteht Tomiri jedoch auf Orontes Tod. Selbst als sich herausstellt, dass Oronte ihr leiblicher Sohn ist, und Talestri verlangt, dass seine Mutter ihn persönlich töten müsse, bleibt sie bei ihrer Entscheidung.

Im dritten Akt führt Tomiri ihren Sohn ins Gefängnis. Sie gestattet ihm noch ein letztes Treffen mit Learco, bei dem sich die beiden voneinander verabschieden. Anschließend tritt Tomiri in die Zelle Orontes, um ihn zu töten. Talestri und Antiope wollen ihre Geliebten heimlich freilassen. Dabei treffen sie auf Tomiri, die ihnen mitteilt, dass Oronte bereits tot sei. Antiope kann jedoch Learco befreien. Talestri zeigt ihm einen Weg zum Lager der Skythen. Sie fordert ihn auf, Oronte zu rächen und das Amazonenreich zu vernichten. Kurz darauf bereut sie jedoch ihre Überreaktion und nimmt sich vor, zur Sühne während der Verteidigung der Stadt zu sterben. Die Skythen greifen an, und die Schlacht beginnt. Plötzlich erscheint der totgeglaubte Oronte und fordert Einhalt. Tomiri gesteht, dass sie selbst ihn freiließ. Auf Fürsprache Orontes schließen die beiden Völker Frieden. Die beiden Paare können heiraten.

Erster Akt

Kabinett mit Sitzmöbeln

Szene 1. Nach dem Tod der Amazonenkönigin soll ihre junge Tochter Talestri gekrönt werden. Diese fühlt sich noch nicht bereit zu diesem Amt und zögert zunächst. Da sich die Amazonen bereits zur Krönungszeremonie im Tempel versammelt haben, drängt die Oberpriesterin Tomiri zur Eile (Arie Tomiri: „Vieni al trono, ascendi al regno“).

Szene 2. Talestri schüttet ihrer Schwester Antiope ihr Herz aus. Dem Amazonengesetz zufolge soll sie bei der Krönung schwören, die Männer zu hassen. Sie aber hat sich bereits in den skythischen Prinzen Oronte verliebt. Dieser hatte von ihrer Schönheit gehört und sich in Frauenkleidern unter dem Namen Orizia an ihren Hof eingeschlichen, um sie kennenzulernen. Talestri verliebte sich in die vermeintliche Frau. Nachdem sie Orontes Tarnung aufgedeckt hatte, hatte sie ihn vom Hof verwiesen. Doch vor kurzem war es ihm gelungen, ihr in einem Scharmützel das Leben zu retten. Seitdem ist ihre Liebe voll entbrannt (Arie Talestri: „Vado; ma il core oh Dio!“). Sie geht.

Szene 3. Antiope bemitleidet Talestri. Auch sie gäbe der Liebe nach, wenn sich die Gelegenheit böte (Arie Antiope: „Chi non mai partì dal lido“).

Der Tempel der Diana mit Altarfeuer

Vor dem Götzenbild Opfergeräte, auf einer Seite ein Thron. Talestri kommt, bereits gekrönt, mit Tomiri und anderen Edelleuten aus dem Tempel. Überall sind Amazonen, Priesterinnen und niedrigere Tempeldienerinnen mit Blumenkränzen zu sehen. Anschließend wird der gefangene Oronte von anderen Amazonen hereingeführt.

Szene 4. Zum Gesang des Chores besteigt Talestri den Thron (Chor: „Dea de’boschi, arciera Diva“). Tomiri zeigt ihr den gefangenen Oronte, der nun als zeremonielles Opfer herhalten soll. Oronte erklärt, er sei zurückgekommen, um am Tag ihrer Krönung zu sterben. Talestri nutzt die Gelegenheit, ihn freizusprechen, da er offenbar geisteskrank ist. Doch Oronte offenbart seine Identität als Prinz der Skythen und hebt an, ihr seine Liebe zu erklären. Talestri fällt ihm ins Wort und befiehlt, ihn in seine Heimat zurückzugeleiten. Tomiri jedoch hat in ihm bereits die angebliche Orizia wiedererkannt.

Szene 5. Antiope berichtet, dass die Stadt von Orontes Kriegern unter der Führung seines Freundes Learco angegriffen wird. Tomiri beschließt, die Zeremonie zu vertagen. Antiope eilt mit den Kriegerinnen zur Verteidigung, während Tomiri mit den Priesterinnen die Götter um Hilfe anflehen will. Um mit Oronte allein zu sein, schickt Talestri auch seine Wache fort – vorgeblich, um von ihm die Pläne der Feinde zu erfahren.

Szene 6. Oronte versichert Talestri seine ungebrochene Liebe, doch sie hat ihm seinen Betrug noch nicht verziehen. Als er sie daraufhin anfleht, ihn eigenhändig zu töten, lehnt Talestri ab. Sie behauptet, ihn zu hassen, erwidert aber insgeheim seine Liebe (Arie Talestri: „Ah se vuoi, ch’io sia crudele“). Sie geht.

Szene 7. Oronte ist überzeugt, dass Talestri ihn liebt (Arie Oronte: „Non mi lagno del mio fato“).

Vorhof des Königspalasts

Szene 8. Zu den Klängen kriegerischer Musik treten Tomiri und Antiope auf – letztere ohne ihren Helm, mit wehendem Haar. Die Amazonen führen den gefangenen Learco herein. Talestri gratuliert Antiope zu ihrem Sieg. Sie fordert die Amazonen auf, ihr zu folgen, und lässt Antiope mit Learco allein.

Szene 9. Antiope ist durchaus angetan von Learcos Äußerem. Er macht ihr Komplimente. So leicht ist sie nicht zu gewinnen, doch gewährt sie ihm eine Unterredung mit seinem Freund Oronte (Arie Antiope: „Ad abbracciar l’amico“). Sie entfernt sich, um ihn zu holen.

Szene 10. Learco erzählt Oronte den Ablauf seines Befreiungsversuchs. Er hatte mit seinem Heer bereits die Brücke über den Thermodon eingenommen und die Amazonen in die Flucht geschlagen, als Antiope einen Ausfall aus der Stadt wagte und ihn gefangen nahm. Nun will er sich Talestri selbst als Opfer anbieten, um Oronte zu retten. Oronte aber will dies nicht zulassen (Arie Oronte: „Per me ti serba, e almeno“). Er geht.

Szene 11. Learco ist entschlossen, seinen Freund nicht im Stich zu lassen (Arie Learco: „D’Acheronte sulle sponde“).

Zweiter Akt

Gemächer mit Zugang zu den Gärten

Szene 1. Antiope und Talestri bereiten sich auf eine Unterredung mit Learco und Oronte vor. Beide haben Bedenken, mit ihren jeweiligen Verehrern zusammenzutreffen, wollen aber keine Schwäche zeigen.

Szene 2. Oronte und Learco bitten jeweils um die Freiheit ihres Freundes. Jeder ist bereit, sein eigenes Leben für den anderen zu opfern. Die beiden Frauen sind beeindruckt von ihrer tiefen Freundschaft. Als Learco Antiope zudem seine Liebe erklärt, überlässt diese Talestri das Urteil. Sie will keine Liebesworte hören und schickt ihn fort. Bevor er geht, bittet Learco sie um Milde für Oronte (Arie Learco: „Difendi l’amico“).

Szene 3. Oronte bittet Talestri, nicht über ihn zu urteilen, sondern über Orizia, unter deren Namen sie ihn kennengelernt hatte. Analog zur vorhergehenden Szene überlässt Talestri das Urteil über Oronte Antiope und schickt Oronte fort. Wie zuvor Learco Antiope, bittet nun Oronte Talestri um Gnade für seinen Freund (Arie Oronte: „Voi d’un fedele Amante“).

Szene 4. Talestri und Antiope gestehen sich ein, dass sie die beiden nicht wirklich verurteilen wollen, da sie sich tatsächlich in sie verliebt haben. Sie beschließen, vor der Ratsversammlung für den jeweils anderen Gefangenen zu sprechen, um keinen Verdacht zu erregen (Arie Antiope: „Per salvarti il caro oggetto“). Antiope geht, um die Amazonen zu versammeln.

Szene 5. Tomiri fragt Talestri, welches Schicksal sie Oronte zugedacht habe. Zwar schreibt ein Gesetz vor, dass niemand ein zweites Mal zum Opfer gewählt werden dürfe, wenn er beim ersten Versuch entkommen sei. Aber da Oronte ein Mann sei, dürfe er nicht mit dem Leben davonkommen. Talestri verweist auf ihre Autorität als Königin und erklärt, dass sie ihre Entscheidung erst bei der Ratsversammlung verkünden werde (Arie Talestri: „Pensa, che ancora io posso“). Sie geht.

Szene 6. Tomiri ist fest überzeugt, dass Orontes und Orizia dieselbe Person sind. Sie will sich auch deshalb an ihm rächen, weil er einst ihre Liebe verschmäht hatte (Arie Tomiri: „Io di quel sangue ò sete“).

Saal des königlichen Rats

Szene 7. Bei der Ratsversammlung verklagt die verspätet erscheinende Tomiri Talestri. Sie lässt Oronte hereinbringen und erklärt, dass er mit dem Wissen Talestris eine Weile als Frau verkleidet unter ihnen gelebt hatte. Talestri entgegnet, dass sie sich damals in die vermeintliche Orizia verliebt hatte, bevor sie wusste, dass es sich um einen Mann handelte. Auch sie wurde betrogen. Sie hatte ihn damals verbannt, doch kehrte er zurück, da er nicht ohne sie nicht leben konnte. Sie sieht sich nicht in der Lage, ihn zu strafen, da sie in ihm immer das Bild der Freundin vor Augen hat. Obwohl die Anwesenden einhellig seinen Tod fordern (Chor: „Mora l’amante audace“), verweigert Talestri die Ausführung. Sie erklärt, dass Oronte Amazonenblut in sich trage, da seine Mutter Mirina einst als Kind vom damaligen König der Skythen geraubt worden war. Da gibt sich Tomiri zu erkennen: Sie selbst ist Mirina. Sie war nach der Geburt ihres Sohnes von den Skythen verstoßen worden und nach langer Wanderung unerkannt in ihre Heimat zurückgekehrt. Seitdem trachtet sie nach Rache an den Skythen. Obwohl Oronte ihr eigener Sohn ist, fordert sie weiterhin seinen Tod. Talestri erklärt sich einverstanden – doch er müsse von Tomiris eigener Hand sterben. Oronte hat nur noch zwei Wünsche: Er möchte Learco noch einmal sehen – Antiope geht, um ihn zu holen – und eine Unterredung mit Talestri. Tomiri gewährt sie ihm und entfernt sich mit den Amazonen.

Szene 8. Allein mit Oronte gesteht Talestri ihm endlich ihre Liebe. Oronte sieht seinem Tod nun gefasst entgegen. Talestri jedoch ist verzweifelt (Duett Talestri/Oronte: „Ah mi divide il seno“).

Dritter Akt

Befestigtes Gelände mit mehreren Bereichen für die Gefangenen, zwischen alten Mauern mit wildem Gebüsch und Efeu überwuchert

Szene 1. Tomiri führt Oronte in sein Gefängnis. Sie bittet ihn um Vergebung für ihre Strenge. Oronte jedoch ist bereit zum Tod. Ein letztes Mal darf er seinen Freund Learco sehen. Die beiden verabschieden sich traurig voneinander (Arie Learco: „Da me ti dividi amico diletto?“). Learco begibt sich in seine Zelle.

Szene 2. Oronte bittet seine Mutter, von weiterer Rache an den Skythen abzusehen und Talestri beizustehen (Arie Oronte: „Madre ti lascio: addio“). Er tritt in seine Zelle.

Szene 3. Tomiri unterdrückt ihren losbrechenden Gewissenskonflikt und folgt ihrem Sohn in die Zelle, um ihn zu töten.

Szene 4. Talestri und Antiope erscheinen am Gefängnis, um die Gefangenen zu befreien. Tomiri kommt ihnen aus Orontes Zelle entgegen und behauptet, dass sie ihn bereits getötet habe. Sie wirft Talestri vor, dessen Tod verursacht zu haben (Arie Tomiri: „Sempre m’avrai sul ciglio“). Sie geht.

Szene 5. Die verzweifelte Talestri will Oronte in den Tod folgen (Arie Talestri: „Pallid’ombra, che d’intorno“). Sie entfernt sich.