mini|Früherer Haupteingang des Altonaer Kinderkrankenhauses in der Bleickenallee (Aufnahme: Mai 2016)

Das Altonaer Kinderkrankenhaus (Firma: AKK Altonaer Kinderkrankenhaus gGmbH) im Hamburger Stadtteil Ottensen ist ein seit 1859 bestehendes Fachkrankenhaus für Kinder und Jugendliche mit 206 Planbetten. Außerdem stehen 31 Plätze für teilstationäre Behandlungen zur Verfügung.Betten- und Platzzahl seit Anfang 2018. Seit 2006 ist es eine Tochtergesellschaft des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Geschichte Anfänge bis 1914 Im Januar 1859 initiierten Emma Poel und Ida Lempfert in der damals eigenständigen Stadt Altona eine Sammlung des „Weiblichen Vereins für Armen- und Krankenpflege in Altona“ zugunsten eines örtlichen Kinderhospitals. Zeitgleich mit dieser Kampagne bemühte sich auch ein „Komitee“ darum, Gelder für den Bau und Betrieb einer solchen Einrichtung einzuwerben. Differenzen über die zukünftige organisatorische Stellung und inhaltliche Ausrichtung des Kinderhospitals führten dazu, dass die beiden Initiativkreise getrennte Wege gingen. Das „Komitee“ um den Kaufmann Georg Heinrich Sieveking (1800–1878), den Arzt Caspar Theodor Kraus (1826–1892) und den Apotheker Herman Siemsen (1794–1870) gründete am 4. März 1859 einen Verein, der sich die Einrichtung und die Trägerschaft des Kinderhospitals zur Aufgabe machte.Heutiger Name „Altonaer Kinderkrankenhaus von 1859 e. V.“.Zum Vorfeld der Gründung siehe 150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 15–18; Hundert Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus e. V., 1859–1959. S. 11–18.

Das Kinderhospital wurde am 24. Mai 1859 in der Großen Wilhelminenstraße 11 (heute Chemnitzstraße) eröffnet. Zunächst standen sechs Betten zur Verfügung, bereits im ersten Jahr erhöhte sich diese Zahl auf elf. Das festangestellte Personal bestand zunächst aus einer Hausmutter und einer Pflegerin, im Laufe des ersten Jahres kamen eine zweite Pflegerin sowie ein Dienstmädchen dazu. Für die medizinische Versorgung war kein festangestellter Arzt verantwortlich, sie erfolgte unentgeltlich durch Caspar Theodor Kraus. Am 6. September 1859 nahm die Poliklinik für die ambulante Versorgung Hilfsbedürftiger und Ratsuchender ihre Tätigkeit auf. Sie erbrachte ihre Leistungen ebenfalls kostenlos.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 25; Hundert Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus e. V., 1859–1959. S. 20; Johanna Meyer-Lenz: Die Sorge um das kranke Kind. Das Kinderkrankenhaus Altona und die Kinderklinik des Universitätskrankenhauses Eppendorf 1860 bis 1945. S. 159.

Der Wunsch nach größeren Räumlichkeiten und die Notwendigkeit, Patienten mit Infektionskrankheiten ausreichend isolieren zu können, motivierten bereits 1866 zum Kauf eines Hauses in der Blücherstraße. Dort blieb das Kinderhospital bis 1882. Die Zahl der Betten stieg in diesem Zeitraum von 18 auf 45.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 28; Hundert Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus e. V., 1859–1959. S. 26. Bereits 1871 war absehbar, dass das allgemeine Platzangebot und die Möglichkeiten, die Ausbreitung hochansteckender Krankheiten zu verhindern, auch am neuen Standort unzureichend blieben. 1881 erwarb der Trägerverein darum ein Grundstück zwischen der Schauenburger Straße (heute Schomburgstraße) und der Großen Bergstraße. Das Vorderhaus an der Großen Bergstraße, ein ehemaliges Wohnhaus, wurde umgebaut, im Innenhof wurden Krankenbaracken errichtet. Das Kinderhospital verfügte nun über 60 beziehungsweise 68 Plätze. Das neue Haus konnte im Juli 1882 bezogen werden.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 41 f; Hundert Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus e. V., 1859–1959. S. 56. Neben der Poliklinik nahm ab 1906 mit Unterstützung der Stadt eine Säuglingsfürsorge- und Mütterberatungsstelle ihre Arbeit auf.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 36; Hundert Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus e. V., 1859–1959. S. 31.

Der Bedarf nach Betten stieg weiter, Engpässe zeigten sich schon in den 1890er-Jahren. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts diskutierten die Verantwortlichen des Kinderhospitals darum umfangreiche Neubaupläne. Die Stadt Altona überließ dem Verein 16.000 Quadratmeter in unbebauter Umgebung an der Tresckowallee (heute Bleickenallee). Die Gesamtkosten des Neubaus beliefen sich auf 800.000 Mark, die Stadt übernahm davon 100.000 Mark. 500.000 Mark steuerte das Altonaische Unterstützungsinstitut von 1799Zur Geschichte dieses Instituts siehe Wolfgang Vacano: Erinnerung an 202 Jahre Altonaisches Unterstützungsinstitut. Neue Schraubenkappen für die AUI-Tafel (Altonaer Denkmäler), Hamburg 2011 (Abruf 4. Mai 2016). bei, eine Altonaer Bank, die sich bereits in früheren Jahrzehnten immer wieder an den Kosten des Kinderhospitals beteiligt hatte. Der Plan, eine Säuglingsstation in einem Stockwerk des neuen Kinderhospitals unterzubringen, erübrigte sich, weil Richard Henry von Donner, Inhaber des erfolgreichen Bankhauses Conrad Hinrich Donner Bank, dem Kinderhospital eine Hypothek im Wert von 350.000 Mark schenkte. Mit diesen Mitteln konnte auf dem Gelände des Kinderhospitals auch ein Säuglingsheim errichtet werden, das zusammen mit dem Kinderhospital betrieben wurde.Hundert Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus e. V., 1859–1959. S. 36. Der Spatenstich erfolgte im August 1912, das Einweihungsfest fand am 24. Juni 1914 statt, der Umzug der Patienten aus der Großen Bergstraße zum endgültigen Standort an der Tresckowallee geschah am 18. Juli 1914.Hundert Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus e. V., 1859–1959. S. 40; 150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 45 und S. 47. Hier stand nun ein „locker gefügter Gruppenbau mit Verbindungstrakten“Hamburgs öffentliche Gebäude und die Denkmalpflege. Band 1. Hamburger Staatsbauten. Denkmal – Geschichte – Erhaltung (Text: Volker Konerding, Petra Stiege), Verlag Hanseatischer Merkur, Hamburg 2013, ISBN 978-3-922857-60-0, S. 148. in einer Mischung aus Pavillon- und Korridorbauweise bereit.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 46.

Seit 1910 gehörte überdies ein Erholungsheim in Döse zum Kinderhospital. Es war ein Geschenk Conrad Hinrich Donners, der es zuvor schon ermöglicht hatte, dass sich dort jährlich 60 Kinder zur Erholung aufhalten konnten.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 37 f; Hundert Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus e. V., 1859–1959. S. 31.

1914 bis 1945 Das Säuglingsheim verfügte bei Eröffnung über 60 Betten.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 47. 70 der 130 Betten des Kinderhospitals wurden kriegsbedingt ab Januar 1915 zweckentfremdet, denn im Kinderhospital wurde ein Reservelazarett eingerichtet. Die Leitung dieses Lazaretts lag bei Bernhard Grüneberg, der im Kinderhospital seit 1888 als ärztlicher Leiter fungierte. Grünebergs Doppelfunktion wurde möglich, weil er Stabsarzt der Landwehr war.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 42 und S. 48 f.

In der Zeit der Inflation und Hyperinflation musste das Kinderhospital mit Reichs-, Landes- und Provinzmitteln gestützt werden. Auch die Stadt Altona unterstützte das Haus.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 52. 1924 kamen Überlegungen auf, das Kinderhospital zu verstaatlichen. Diese Pläne scheiterten, weil private Spender zusammen 30.000 Mark aufbrachten.Hundert Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus e. V., 1859–1959. S. 42. Die Festschrift spricht hier fälschlich von Goldmark. Die starke kommunale Beteiligung an den Betriebskosten führte dazu, dass sich Vertreter der Stadt in den Vorstand des Trägervereins begaben. Zu ihnen zählte Oberbürgermeister Max Brauer.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 53. In den 1920er-Jahren stieg das Kinderhospital in der Bleickenallee 38 hinter dem städtischen Krankenhaus zum zweiten Gesundheitszentrum auf.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 55. Neben den stationären Angeboten wirkte es durch seine Poliklinik, die Mütter- und Säuglingsberatungsstelle, die nichtstationäre Quarzlampenbestrahlung zur Bekämpfung von Rachitis, die Milchküche, die Einschulungsuntersuchungen und das Erholungsheim in Döse bei Cuxhaven.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 56. Siehe ferner Johanna Meyer-Lenz: Die Sorge um das kranke Kind. Das Kinderkrankenhaus Altona und die Kinderklinik des Universitätskrankenhauses Eppendorf 1860 bis 1945. S. 160. Diese Effekte wurden noch begünstigt durch die unmittelbare Nähe zur Entbindungsklinik in der Bülowstraße, die 1920 eingeweiht worden war.Zu dieser Einrichtung siehe kurz die Informationen auf der Website www.hamburg.de (Abruf am 6. Mai 2016).

1931 erfolgte die Inbetriebnahme eines gesonderten Infektionshauses, dessen Pläne bereits 1928 Gestalt angenommen hatten. Es sollte die Raumknappheit der Isolierstation überwinden. Dies gelang – die Kapazitäten wurden verfünffacht. Das von Erich Elingius im Stil des Neuen Bauens entworfene Gebäude umfasste 102 Patienten- und 26 Personalbetten. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 965.000 Mark, die vom Freistaat Preußen, der Stadt Altona und durch Bürgerspenden aufgebracht wurden. 1956/57 erhielt der ursprünglich dreigeschossige Bau ein weiteres Stockwerk, die bestehenden Geschosse wurden umgebaut und in Teilen funktional umgewidmet.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 62 f; Hundert Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus e. V., 1859–1959. S. 43 und S. 45; Hamburgs öffentliche Gebäude und die Denkmalpflege. Band 1. Hamburger Staatsbauten. Denkmal – Geschichte – Erhaltung (Text: Volker Konerding, Petra Stiege), Verlag Hanseatischer Merkur, Hamburg 2013, ISBN 978-3-922857-60-0, S. 148 f.

1933 legte Bernhard Grüneberg sein Amt als ärztlicher Leiter nieder. Der Trägerverein wurde nach dem Führerprinzip umgestaltet. Eine neue Satzung von 1942 schränkte den Behandlungsauftrag auf „Kinder und Säuglinge deutschen oder artverwandten Blutes“ ein.Johanna Meyer-Lenz: Die Sorge um das kranke Kind. Das Kinderkrankenhaus Altona und die Kinderklinik des Universitätskrankenhauses Eppendorf 1860 bis 1945. S. 161. Dort auch das Zitat aus der Satzung von 1942. 1942 wurde zugleich der Name der Einrichtung in Altonaer Kinderkrankenhaus geändert.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 68. Die Gebäude blieben von Beschädigungen durch Kriegseinwirkungen verschont.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 73.

Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Bauliche und technische Erneuerungen im Bestand kennzeichneten die 1950er-Jahre. Im Jubiläumsjahr 1959 verfügte das Kinderkrankenhaus über 400 Betten, zwölf Ärzte kümmerten sich um die Patienten, ferner 115 Voll- und Lernschwestern. In den Bereichen Verwaltung, Technik, Hauswirtschaft und Labor betätigten sich weitere 95 Personen.Hundert Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus e. V., 1859–1959. S. 48. Die Poliklinik wurde in den 1950er-Jahren geschlossen, die Mitversicherung von Kindern in der gesetzlichen Krankenversicherung ließ diese Versorgungsform als überholt erscheinen.150 Jahre Altonaer Kinderkrankenhaus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1859–2009. S. 75.