mini|hochkant=1.4| mini|hochkant=1.45 Luftbild von Haupt- und Vorburg mini|hochkant=1.4|Südwest-Ansicht des Haupthauses
Das Schloss Lembeck ist ein Wasserschloss im Stadtgebiet von Dorsten an der Grenze von nördlichem Ruhrgebiet und südlichem Münsterland. Es steht im Naturpark Hohe Mark umgeben von den Wäldern „Der Hagen“ und „Kippheide“ südlich des Dorstener Stadtteils Lembeck im Nordwesten des Kreises Recklinghausen.
Der Schlossname „Lembeck“ leitet sich aus dem Niederdeutschen her. Das Grundwort „beke“ bedeutet „fließendes Wasser“ beziehungsweise „Bach“. Das Bestimmungswort, welches mit „Lehm“ und „Leim“ sprachverwandt ist, steht für „schleimig“. Somit kann man Lembeck als Lehmbach übersetzen, was auf den einstigen Standort des Schlosses inmitten eines Sumpf- und Moorgebietes hindeutet.
Beschreibung
Gebäude mini|hochkant|Umgebungsplan des Schlosses, 1804
Der Lembecker Wiesenbach wird auf dem Schlossareal zu einem rechteckigen, 190 × 160 Meter messenden und die Anlage umgebenden Teich gestaut. Die einzelnen Teile des Schlosses liegen so auf Inseln, die durch Brücken miteinander verbunden sind.
Die barocke Schlossanlage wird durch eine 500 Meter lange geradlinige Ost-West-Achse symmetrisch gegliedert. Sie beginnt mit einer 200 Meter langen Allee, die von Osten her auf die ehemals dreiflügelige Vorburg zuläuft.
Vorburg Die zweiflügelige Vorburg besitzt eine schlichte eingeschossige Fassade mit 110 Meter Breite, die nur durch einen zweigeschossigen Torbau aus gequadertem Sandstein in ihrer Mitte unterbrochen wird. Erreichbar über zwei hintereinander folgende Brücken, besitzt er heute ein schlichtes Mansarddach. Sein Schlussstein über der Tordurchfahrt mit den Wappen Dietrich Conrad Adolfs von Westerholt zu Lembeck und dessen Ehefrau Marie Theodora von Waldbott-Bassenheim-Gudenau zeigt die Jahreszahl 1692, jenes Jahr, in dem der Umbau der Vorburg beendet wurde.
Der südliche Flügel der Vorburg wird an seinen Enden durch eingeschossige, mit Welschen Hauben und Kaiserstielenden versehene Ecktürme begrenzt, die im Keller Schlüsselscharten aufweisen. Der Südost-Turm besitzt zudem eine Schießscharte, wie sie auch links und rechts neben dem Torbau zu finden sind.
Herrenhaus Über den Vorburghof und eine steinerne Rundbogenbrücke ist das dreigeschossige Herrenhaus erreichbar. Ursprünglich als Dreiflügelanlage geplant, kam es wahrscheinlich aus finanziellen Gründen nur als zweiflügeliges Gebäude zur Ausführung. Es besaß ehemals einen Verputz mit eingeritzten Quadern, nicht wie früher angenommen mit aufgemalter Quaderung.
Der Ostflügel mit seinen zwei Pavillontürmen besitzt eine Länge von 94 Metern und war 1679 fertiggestellt. Der nördliche Flügel ist älteren Datums und wurde in der Zeit von 1674 bis 1679 in Umbauarbeiten einbezogen (siehe Baugeschichte).
Das Portal aus Sandstein ist vorgeblendet und wesentlich aufwändiger gestaltet als das der Vorburg. Durch seine Höhe bis zum Dachansatz wirkt es wie ein Mittelrisalit. Es zeigt das Allianzwappen Burchardts von Westerholt zu Lembeck und seiner Frau Clara von der Recke. Die dahinter liegende Durchfahrtshalle lehnt sich an Vorbilder der italienischen Renaissance und des Manierismus an. Ähnliche Durchfahrtshallen findet man auch im Palazzo Pitti und Palazzo Strozzi in Florenz sowie im Palazzo Farnese in Rom: Ankommende Gäste konnten bei Regen trockenen Fußes das Gebäude betreten, während ihre Kutschen im Innenhof gewendet oder abgestellt wurden.
Vom Innenhof des Herrenhauses führt eine breite, 14-stufige Freitreppe aus Sandstein auf eine Terrasse aus dem 19. Jahrhundert, von der aus das heutige Eingangsportal zu erreichen ist.
Auf der dem Innenhof zugewandten Seite besitzt die Fassade einen kleinen, renaissancehaft wirkenden Erker, der auf zweifach geschwungenen Sandsteinkonsolen steht. Seine Front ist durch sechs Fenster unterteilt, deren Glasscheiben zum Teil mit Jahresangaben versehen sind (späteste Jahresangabe 1677) und einen Hinweis auf seine Bauzeit geben.
Sämtliche Ecktürme des Herrenhauses besitzen Welsche Hauben und birnenförmige Schießscharten in ihrem Sockelbau.
Nach Westen ist die Herrenhausinsel durch eine hölzerne Brücke mit den Parkanlagen verbunden. Die Brückenpfeiler aus Backstein sind mit gelblichem Baumberger Sandstein gefasst und werden von wappenhaltenden Putten gekrönt. Die Pfeiler wurden 1728 von Johann Conrad Schlaun entworfen und nach 1730 errichtet. Die Putten halten die Wappen Ferdinand von Merveldts und Maria von Westerholt-Lembecks.
Kapellenturm Der im neugotischen Stil gehaltene Kapellenturm befindet sich an der nordwestlichen Ecke des Herrenhauses. Er ist der am häufigsten veränderte Teil des Schlosses. Sein Portal auf der Ostseite stammt der Gestaltung nach vom Ende des 17. Jahrhunderts. Früher war sein Keller ein Gefängnis, später diente er als Weinkeller des im Schloss beheimateten Restaurants. Sein einstiges Kreuzgewölbe wurde 1737 abgerissen.
Der Turm erhielt seinen Namen von der dort seit 1737 verbürgten Kapelle, die erstmals 1363 – damals noch im Saalkammerhaus – Erwähnung fand. Die Behauptung, die Kapelle sei 1692 vom Saalkammerhaus dorthin verlegt worden, ist nach bisheriger Urkundenlage nicht gesichert.
Innenräume des Herrenhauses im Hochparterre mini|Grundriss des Hochparterres
Die Lembecker Innenräume besitzen nicht die bei anderen barocken Schlössern übliche hierarchische Anordnung der Zimmer um einen zentralen Raum oder Saal, was wahrscheinlich darin begründet liegt, dass dies die alte Bausubstanz während der Bauarbeiten im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts nicht zuließ. Die Zimmeranordnung im Kabinettsystem in Enfilade folgt französischen Vorbildern, obwohl dies zur Zeit des Baus in Frankreich bereits wieder aus der Mode gekommen war. Die Durchgänge der Räume liegen jedoch nicht exakt in einer Reihe.
Mit Ausnahme des Fidelitas-Kabinetts, des kleinen Salons und des kleinen Saals sind sämtliche Räume mit einem dunklen, kassettierten Eichenlambris getäfelt, das typisch für eine frühbarocke Ausstattung ist.
Hauptflügel Flur
Dem 45 Meter langen hofseitig gelegenen Flur schließen sich fünf Räume an. An seinen östlichen Wänden hängen fünf große Wandteppiche des 17. Jahrhunderts aus einer flämischen Werkstatt mit Darstellungen aus dem Sagenkreis um Odysseus und Iphigenie. Eine Wappenkartusche vom Ende des 17. Jahrhunderts zeigt das Allianzwappen der Familien Westerholt und von der Recke. Eine Sammlung von Porzellan niederländischer und asiatischer Herkunft vervollständigt die Ausstattung des Flurs.
Turmzimmer
Das Zimmer nimmt mit seinem 5,75 × 5,75 Meter messenden Grundriss den gesamten Südturm ein. Als einziger Wohnraum des gesamten Schlosses besitzt es ein massives Kreuzrippengewölbe. Der untere Teil seiner Wände sowie die Flächen zwischen den Fenstern weisen eine Vertäfelung auf, die aus Teilen von Hochzeitstruhen aus der Zeit des Rokokos und des Empires gefertigt ist. An der Südwand des Zimmers befindet sich ein Kamin aus dem Jahr 1563, dessen Standort ursprünglich der abgebrannte Nordflügel der Vorburg war.
Kaminzimmer
Das Kaminzimmer besitzt eine Balkendecke, die erst 1960/61 unter einer Stuckdecke freigelegt wurde und noch Reste der originalen Bemalung aus dem 17. Jahrhundert aufweist. Benannt wurde der Raum nach seinem Kamin aus Baumberger Sandstein, der reiche Verzierungen im Stil der Renaissance besitzt. Das an ihm angebrachte Wappen verweist auf die verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Familien von Raesfeld sowie von Bronckhorst, die auf der Burg Anholt ansässig waren. Ein Grundrissplan von 1779 zeigt an der Südseite des Raumes zwei Ankleidezimmer, die einen Hinweis auf seine ehemalige Funktion als Paradeschlafzimmer liefern.
Biedermeierzimmer
Seinen Namen erhielt der Raum erst in jüngerer Vergangenheit durch den Stil seiner Einrichtung. Ansonsten ist er sehr schmucklos und besitzt keinerlei architektonische Dekoration.
Schlafzimmer
Architektonischer Blickfang des Schlafzimmers ist eine große, klassizistische Stuckrosette an seiner Decke. Ausgestattet ist der Raum mit einem spätgotischen Schrank aus der Zeit um 1500 sowie einem Himmelbett mit Baldachin, das ein Allianzwappen der Familien von Raesfeld und von der Recke trägt.
Fidelitas-Kabinett
Benannt wurde das Fidelitas-Kabinett nach einem Ölgemälde an der Zimmerdecke, das eine allegorische Darstellung der Fidelitas zeigt. Es handelt sich dabei um das einzige original erhaltene Wandgemälde Lembecks. Auffälligstes Unterscheidungsmerkmal zu den übrigen Räumen ist das Weiß seines Eichenlambris. Von seinem Stuck in zarten Pastelltönen werden kleine ovale Ölgemälde eingefasst, die wahrscheinlich Porträts der Töchter Dietrich Conrads von Westerholt und seiner Ehefrau Maria Theodora von Waldbott-Bassenheim-Gudenau darstellen. Mit nur 10,6 m² Grundfläche das kleinste Zimmer des gesamten Schlosses, wurde es 1972 komplett restauriert.
Kleiner Salon
Der Raum über der Durchfahrtshalle besitzt Türen und eine Vertäfelung, die weiß gestrichen sind. Chinois-Tapeten aus dem 18. Jahrhundert bekleiden seine Wände. Der Fußboden aus Eichenparkett ist noch in seiner ursprünglichen Form erhalten. Ein ehemaliger Kamin wurde im 18. Jahrhundert durch einen zylindrischen Ofen aus Gusseisen ersetzt, als diese neue Art der Beheizung in Mode kam.
Kleiner Saal (Wittelsbacher Salon)
Als einziger Raum des Hochparterres weist der kleine Saal drei Fenster auf. Er besitzt eine Stuckdecke, die in Pastelltönen gehalten ist, und einen Parkettfußboden, der eine Intarsienarbeit ist. Vor einem Kamin aus rotem Marmor aus der Zeit des Rokokos und Régence weist er die Initialen der damaligen Schlossbewohner, Clemens August von Merveldt und seiner Frau Marie Antoinette, geborene Gräfin von Wolff-Metternich, auf. Ein Gemälde über dem Kamin zeigt den Kölner Fürstbischof Clemens August. An der Westwand hängt ein Porträt Goswin von Merveldts, dem Großprior des Malteserordens für Deutschland und Reichsfürsten zu Heitersheim. Supraporten über den Türen zeigen Bildnisse der Westerholtschen Töchter.
Ausgestattet ist der Raum mit weiß- und goldgefassten Sitzmöbeln im Stil des Rokokos, deren Bezüge aus Gobelin-Stickereien bestehen. Sie stammen aus dem 1941 durch Bomben zerstörten Merveldter Hof in Münster.
Prahlhans-Zimmer
Das Prahlhans-Zimmer liegt am nördlichen Ende des Hauptflügels und damit im ältesten Teil des Herrenhauses. Es liegt tiefer als die übrigen Räume, aber auf gleichem Niveau wie der Schlaunsche Saal. Es verfügt über eine reiche Stuckierung, die teils sogar feiner ausgeführt ist als jene im großen Festsaal und von etwa 1730/40 stammt. Sein Kamin aus schwarzem Marmor entstand erst nach 1779 und steht auffälligerweise nicht an der Rückseite des Kamins des angrenzenden kleinen Saals.
Nordflügel Ehemaliges Speisezimmer (Roter Salon)
Das ehemalige Speisezimmer weist im Osten eine Mauerstärke von 2,30 Metern und somit die dickste Wand des gesamten Flügels auf. Der rechteckige Raum ist durch eine Mauer in einen flurartigen Durchgang von 2,55 × 6,35 Metern und ein nahezu quadratisches Kabinett mit einem Grundriss von 5,90 × 6,35 Metern unterteilt. Seinen Beinamen Roter Salon verdankt das ehemalige Speisezimmer mit seinen klassizistischen Stuckaturen vom Ende des 18. Jahrhunderts seiner Wandbespannung aus rotem Seidendamast.
Großer Festsaal (Schlaunscher Saal)
Der von Johann Conrad Schlaun gestaltete große Festsaal im Stil des Spätbarocks ist der größte Raum des Schlosses und nimmt mit seiner Grundfläche von 140 m² die gesamte Breite des Nordflügels ein. Er besitzt insgesamt sechs Eingänge, vier davon befinden sich in der Ost- und Westwand. Der fünfte und eigentliche Haupteingang liegt in der Südostecke, während sich der sechste eher unauffällig hinter dem mittleren der drei terrassenseitigen Südfenster von 1738 verbirgt. Diesen liegt jeweils symmetrisch ein Fenster in der Nordwand gegenüber. Supraporten über den Türen zeigen Szenen aus dem Landleben.