Diese Liste enthält alle Herrscher des Partherreichs.
Die Chronologie mehrerer Partherkönige der Frühzeit ist nur schwierig zu ermitteln, da sich gerade für diesen Zeitraum Münzen nicht immer gesichert einem Herrscher zuordnen lassen, während die literarischen Quellen eher spärlich sind. Da sich jedoch die Herrscherchronologie vornehmlich auf Grundlage der Münzen ergibt und die Partherkönige in der Regel nur den allgemein gebräuchlichen Thronnamen Arsakes auf ihre Münzen prägen ließen und nicht ihren individuellen Namen, ist eine Rekonstruktion problematisch.Zur Münzprägung der Arsakiden siehe ARSACIDS iii. Arsacid Coinage, in: Encyclopædia Iranica: „The Greek legends, almost invariably in the genitive case, are set in a square, and always include the dynastic name Arsaces in addition to the royal title Great King [...] The king’s personal name is only mentioned in exceptional circumstances such as struggles for the throne when rival kings held power in different areas.“ Weitere Beinamen, die auf Münzen später auftauchen, sind ebenfalls nicht immer individuell zuzuordnen, erst nach Vologaeses I. erscheinen individuelle Herrschernamen regelmäßig auf Münzprägungen.Vgl. ARSACIDS iii. Arsacid Coinage, in: Encyclopædia Iranica: „After Vologases I, however, the king’s personal name appears regularly on the tetradrachms.“
Aus diesem Grund weichen die Angaben in der modernen Fachliteratur bisweilen voneinander ab bzw. sind genaue Datierungen nicht immer möglich. Eine Übersicht bietet etwa Josef Wiesehöfer,Josef Wiesehöfer: Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreichs. 6., durchgesehene und aktualisierte Auflage. München 2021, S. 122 f. einen Überblick auf Grundlage der literarischen Quellen bietet Margarete Karras-Klapproth.Margarete Karras-Klapproth: Prosopographische Studien zur Geschichte des Partherreiches auf der Grundlage antiker literarischer Überlieferung. Bonn 1988. Die folgende Chronologie orientiert sich weitgehend an diesen Angaben. Gholamreza F. Assar hat in mehreren Artikeln eine teilweise abweichende Chronologie vorgeschlagen, doch diese ist in der Forschung teils umstritten.Kritisch unter anderem Marek Jan Olbrycht: Early Arsakid Parthia (ca. 250-165 B.C.). At the Crossroads of Iranian, Hellenistic, and Central Asian History. Leiden 2021, S. 201, Anmerkung 1: „Assar was tireless in creating new Parthian rulers in changing sequences depending on publication. For the most part, these theories are based on the juggling of written and numismatic sources.“ Des Weiteren ist im Folgenden auf die jeweiligen Artikel in der Encyclopædia Iranica hinzuweisen.
Die im Deutschen gängigen Namen der Könige sind die überlieferten griechischen bzw. lateinischen Namensformen. Ihre eigentlichen Namen sind unter der Spalte parthischer Name aufgeführt.
Herrscher des Partherreiches Nameparthischer NameAmtszeitAnmerkungenBildArsakes I.Aršaka247–217 v. Chr.Begründer des Partherreichs in Kriegen gegen das Seleukiden- und griechisch-baktrische Reich(Tiridates I.)TiridātaBruder Arsakes’ I., Existenz unsicherArsakes II.Aršaka217–191 v. Chr.Er führte einen verlustreichen Krieg gegen Antiochos III. und wurde in der älteren Forschung (und auch teils noch in neueren Darstellungen) fälschlich als Artabanos I. geführt.Siehe Artabanus in der Encyclopædia Iranica.150pxPhriapatiosP'riapāta (Friapāta)191–176 v. Chr.möglicherweise Vasall der SeleukidenPhraates I.P'rahāta (Frahāta)176–171 v. Chr.Sohn Phriapatios’, Eroberung weiter seleukidischer Gebiete, Ausdehnung des Reiches bis zum Kaspischem MeerMithridates I.Mit'radāta171–139 v. Chr.Eroberung des westlichen Iran, Mediens und Teilen des griechisch-baktrischen Reiches, machte Ktesiphon zur Hauptstadt150pxPhraates II.P'rahāta (Frahāta)139–128 v. Chr.Kriege gegen Seleukiden und im Osten gegen Nomaden, gefallen im Osten150pxArtabanos I.Artabān128–124/23 v. Chr.Onkel Phraates’ II., gefallen im Osten, Abfall westlicher Provinzen150pxMithridates II.Mit'radāta124/23–88/87 v. Chr.Sohn Artabanos’ I., dehnte die Westgrenze des Reiches bis zum Euphrat aus, Kriege im Osten, Krieg gegen Armenien, möglicherweise umfassende Reformen in der Verwaltung150pxGotarzes I.Gōtarz91/90–81/80 v. Chr.Gegenkönig, regierte (nachgewiesen) in BabylonienMithridates III.Mit'radāta87–80 v. Chr.Er war vielleicht ein Sohn Mithridates’ I.Vgl. Gholamreza F. Assar: A Revised Parthian Chronology of the Period 91–55 BC. In: Parthica. Bd. 8, 2006, S. 55–104, hier S. 71. Seine Existenz wird in der Forschung allerdings teils bestritten; so sei auf Gotarzes I. direkt Orodes I. gefolgt.Vgl. M. Rahim Shayegan: Arsacids and Sasanians: Political Ideology in Post-Hellenistic and Late Antique Persia. Cambridge 2011, S. 197 und S. 232–234. In diesem Sinne wird in der Fachliteratur meistens Mithridates IV. als Mithridates III. gezählt. Einige Forscher akzeptieren aber die von Gholamreza F. Assar vertretende neue Chronologie.Vgl. etwa Nikolaus Overtoom: Reign of arrows. The rise of the Parthian Empire in the Hellenistic Middle East. Oxford 2020, S. 266 f.150pxOrodes I.Urūd81/80–76/75 v. Chr.Sohn Mithridates’ II., Umstände der Herrschaft unklar150pxArsakes (XVI.)Aršaka77–66 v. Chr.Gegenkönig, vielleicht Sohn Mithridates’ II.75px75pxSinatrukes I.Sanatrūkwohl 76/75–71/70 v. Chr.möglicherweise Bruder Phraates’ II., soll von Skythen eingesetzt worden sein150pxPhraates III.P'rahāta (Frahāta)70–58 v. Chr.Sohn Sinatrukes’, Auseinandersetzungen mit Rom (siehe Partherkriege), ermordet von seinen SöhnenMithridates IV.Mit'radāta58/57 v. Chr.Sohn Phraates’ III., Herrscher in Medien und vielleicht Babylonien, Konflikt mit seinem Bruder Orodes II., wurde von diesem ermordet. Er wird in der Fachliteratur meistens als Mithridates III. gezählt (siehe oben).Orodes II.Urūd58/57–38/37 v. Chr.Vgl. Marek Jan Olbrycht: Orodes II. In: Encyclopædia Iranica Online.Sohn Phraates’ III., Konflikt mit Mithridates IV. (s. o.), Armenien wird Vasall, Schlacht bei Carrhae, ermordet von Phraates IV.150pxPakoros I.Pakūr50 v. Chr. Sohn Orodes’ II., fehlgeschlagener Versuch der Römer, ihn zur Revolte zu ermuntern (trat nie als König auf).Vgl. Margarete Karras-Klapproth: Prosopographische Studien zur Geschichte des Partherreiches auf der Grundlage antiker literarischer Überlieferung. Bonn 1988, S. 120.Phraates IV.P'rahāta (Frahāta)38–2 v. Chr.Sohn Orodes’ II., ermordete seine Brüder, Krieg mit Marcus Antonius, Bürgerkrieg mit Tiridates II., Abkommen mit Rom, ermordet durch Musa150pxTiridates II.Tiridāta29–26 v. Chr.GegenkönigPhraates V. (Phraatakes)P'rahāta (Frahāta)2 v. Chr.–2 n. Chr.Konflikt mit Rom um Armenien, weiteres Schicksal unklarOrodes III.Urūd4–6angeblich vom Adel erhoben, nach Flavius Josephus ermordetVonones I.Vonūn8/9Sohn Phraates’ IV., von Artabanos II. vertrieben, ermordetArtabanos II.Artabān10/11–38vertrieb Vonones I., stabilisierte wahrscheinlich das Reich, Bürgerkrieg gegen Tiridates III.150pxTiridates III.Tiridāta35–36Enkel Phraates’ IV., Bürgerkrieg mit Artabanos II.VardanesVardān38–45Bürgerkrieg mit seinem Bruder Gotarzes II., ermordet150pxMeherdatesGegenkönig, besiegt von Gotarzes II.Gotarzes II.Gōtarz45–51ab ca. 43 Bürgerkrieg mit seinem Bruder Vardanes, Sieg über Meherdates150pxVonones II.Vonūn51150pxSanabaresca. 50–65Gegenkönig, möglicherweise identisch mit einem indo-parthischen König desselben NamensVologaeses I.Valgāš51–76/80Sohn Vonones’ II., Krieg mit Rom wegen Armeniens150pxVardanes II.Vardān54–58Gegenkönig, Sohn Vologaeses’ I.150pxPakoros II.Pakūr77/78–110 (Ende unsicher)Sohn Vologaeses’ I., besiegte GegenkönigeVologaeses II.Valgāš77/78wohl Sohn Vologaeses’ I., Gegenkönig in Seleukeia am Tigris, von Pakoros besiegtArtabanos III.Artabān79/80Sohn Vologaeses’ I., Gegenkönig in Seleukeia am Tigris, von Pakoros besiegtOsroes I.Xusraw109–128Bruder Pakoros’ II. (mit dem er sich seit ca. 89 um den Thron stritt), Krieg mit Rom wegen Armenien, Verlust und Rückeroberung großer GebieteVologaeses III.Valgāš105/111–147 (Regierungsbeginn unsicher)Gegenkönig, dann ab ca. 128 allgemein anerkannter König. Krieg gegen Alanen und vielleicht gegen Kuschan, weiteres Schicksal unklarParthamaspatesPārt'āmāspāta116Sohn Osroes I., kurzzeitig GegenkönigVologaeses IV.Valgāš147–191/93Krieg mit Rom wegen Armenien (siehe Pakoros (Armenien)), Ausbreitung der Antoninischen PestOsroes II.Xusraw190–208Gegenkönig150pxVologaeses V.Valgāš191/93–207/8Krieg mit Rom, vorübergehender Verlust Ktesiphons, innere Unruhen150pxVologaeses VI.Valgāš208–227/28Sohn Vologaeses’ V., Krieg gegen Rom, Bürgerkrieg gegen seinen Bruder Artabanos IV. Er konnte sich aber noch einige Jahre in Seleukeia halten (wie Münzprägungen belegen).Vgl. BALĀŠ VI. in der Encyclopædia Iranica.150pxArtabanos IV.Artabān216–224Sohn Vologaeses’ V., ab 213 Bürgerkrieg gegen seinen Bruder Vologaeses VI.,Margarete Karras-Klapproth: Prosopographische Studien zur Geschichte des Partherreiches auf der Grundlage antiker literarischer Überlieferung. Bonn 1988, S. 36. der ihm wohl 216 entscheidend unterlag, Krieg mit Rom, Niederlage gegen die Sassaniden, Ende des parthischen Reiches150px
Literatur Gholamreza F. Assar: Genealogy and Coinage of the Early Parthian Rulers II. A Revised Stemma. In: Parthica. Bd. 7, 2005, S. 29–64. [Assars teils abweichende Chronologie einiger Herrscher ist in der Forschung allerdings teils umstritten und nicht unproblematisch.] Gholamreza F. Assar: A Revised Parthian Chronology of the Period 165–91 BC. In: Electrum. Bd. 11, 2006, S. 87–158. Gholamreza F. Assar: A Revised Parthian Chronology of the Period 91–55 BC. In: Parthica. Bd. 8, 2006, S. 55–104. Gholamreza R. F. Assar: Arsaces IV (c. 170–168 BC) the 1st „Missing“ Parthian King. In: Nāme-ye Irān-e Bāstan. Bd. 6, Nr. 1/2, 2006/2007, S. 3–14. Adrian D. H. Bivar: The Political History of Iran under the Arsacids. In: The Cambridge History of Iran. Band 3: Ehsan Yarshater (Hrsg.): The Seleucid, Parthian and Sasanian periods. Teilband 1. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1983, ISBN 0-521-20092-X, S. 21 ff. Margarete Karras-Klapproth: Prosopographische Studien zur Geschichte des Partherreiches auf der Grundlage antiker literarischer Überlieferung. Habelt, Bonn 1988.
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Anmerkungen
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