Ottrau ist eine Gemeinde im Schwalm-Eder-Kreis in Hessen (Deutschland).
Geographie Geographische Lage Ottrau ist die südlichste Gemeinde des Schwalm-Eder-Kreises. Sie liegt in den Südausläufern des Knüllgebirges etwa zehn Kilometer nordöstlich von Alsfeld. Durchflossen wird sie vom südlichen Grenff-Zufluss Otter.
Nachbargemeinden Ottrau grenzt im Norden an die Stadt Neukirchen, im Nordosten an die Gemeinde Oberaula, im Südosten an die Gemeinde Breitenbach am Herzberg (Landkreis Hersfeld-Rotenburg), im Süden an die Stadt Alsfeld (Vogelsbergkreis), sowie im Westen an die Gemeinde Schrecksbach (Schwalm-Eder-Kreis).
Gliederung Die Gemeinde Ottrau setzt sich aus sechs OrtsteilenHessisches Gemeindelexikon: Ottrau zusammen: Ottrau: 730 Einwohner, mit der Siedlung Bahnhof Ottrau: 31 Einwohner Immichenhain: 605 Einwohner Weißenborn: 377 Einwohner Görzhain: 374 Einwohner Schorbach: 348 Einwohner Kleinropperhausen: 64 Einwohner
Geschichte Ersterwähnung und Namen Im Jahr 775 wird Ottrau erstmals als „Otraho“ in jener Urkunde genannt, mit der das Kloster Hersfeld zum Reichskloster erhoben wird. In den folgenden Jahrhunderten ist es als „Ottraha“ für 782 (in einer Fälschung aus dem 11. Jahrhundert), 1232 und „Ottrauw“ um 1660 belegt. Kirche Im Jahr 1057 erfolgte in einer Urkunde ein umfangreicher Vergleich zwischen dem Bistum Mainz und der Abtei Hersfeld regelte. Darin wurde sich auch wegen eines Konfliktes zwischen den Kirchen in Alsfeld-Heidelbach und Ottrau geeinigt: „... inter aecclesiam de Oteraha et Heidilbahc ...“Hans Weirich: Urkundenbuch des Reichskloster Hersfeld. Band 1,1. Marburg 1936. Nr. 102, S. 185.
Das ursprüngliche Patrozinium der Kirche ist unbekannt. Zur Mitte des 13. Jahrhunderts wechselte die Zentralfunktion, die der Ottrauer Kirche bisher für die Umgebung zugekommen war, nach Neukirchen. Mit der Reformation wurde ein neuer Pfarrbezirk errichtet, dessen Gebiet sich mit dem des Gerichtes Ottrau deckte. Die Pfarrei wird erstmals 1535 genannt, 1569 wurden Görzhain und Berfa als Filialen eingepfarrt. 1607 erfolgte der Wechsel zum reformierten Bekenntnis. 1747 war neben Berfa auch Kleinropperhausen nach Ottrau eingepfarrt. 1837 wurde im Tausch gegen Berfa das seit mindestens 1585 als Pfarrerei bezeichnete Görzhain nach Ottrau eingepfarrt. Heute gehört Ottrau zusammen mit Görzhain und Immichenhain zum evangelischen Kirchenkreis Schwalm-Eder in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.
Einwohnerentwicklung Die älteste Einwohnerzählung überliefert für 1585 45 Hausgesesse. 1750 sind 63 Wohnhäuser mit 350 Einwohnern belegt. 1861 zählte Ottrau 488 evangelisch-reformierte Einwohner, 7 wurden Sekten zugezählt, und 32 Juden. 1961 zählte Ottrau 733 evangelische und 23 römisch-katholische Einwohner.
Gemeindeentwicklung Ottrau gehörte im 9. Jahrhundert zum Hessengau, ist seit 1343 als Gericht Ottrau belegt und gehörte ab 1585 mit dem Gericht Ottrau zum Amt Neukirchen, von 1807 bis 1813 zum Kanton Oberaula, von 1814 bis 1821 zum Amt Neukirchen, von 1821 bis 1848 und von 1851 bis 1973 zum Landkreis Ziegenhain. Die 1907 aus einer Bahnstation hervorgegangene Siedlung Bahnhof Ottrau liegt etwa 2 km nordöstlich auf der Gemarkung der Kerngemeinde, ist aber kein eigenständiger Ortsteil.
Am 1. April 1972 wurde die Großgemeinde Ottrau im Rahmen der hessischen Gebietsreform durch den Zusammenschluss der sechs bis dahin selbstständigen Gemeinden Ottrau, Görzhain, Immichenhain, Kleinropperhausen, Schorbach und Weißenborn gebildet. Seit dem 1. Januar 1974 gehört Ottrau zum Schwalm-Eder-Kreis.
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Ottrau erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Ottrau 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Gemeindevertretung – Kommunalwahlen 2026
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 35,4530,2427,4427,3440,7640,36 29,2427,4422,1320,3318,7314,22 23,0424,9428,3437,0630,2435,95 UWG Unabhängige Wählergemeinschaft12,4217,6322,2415,4210,429,72 Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15 Wahlbeteiligung in % 71,3 68,0 66,9 83,9 69,6 77,4
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Ottrau neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und fünf weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 10. Juli 2021 Jonas Korell (CDU). An diesem Tag fand die Amtseinführung mit Aushändigung der Ernennungsurkunde statt. Der Amtsvorgänger Norbert Miltz hatte während seiner zweiten Amtszeit die Pensionierung beantragt und trat am 30. September 2020 in den Ruhestand. Danach leitete Erster Beigeordneter Burkhard Raatz die Gemeindeverwaltung kommissarisch und die Wahl eines neuen Bürgermeisters musste vorgezogen werden. Jonas Korell erhielt am 14. März 2021 im ersten Wahlgang ohne Gegenkandidaten bei 68,02 Prozent Wahlbeteiligung 77,58 Prozent der Stimmen.Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Ottrau 2021
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2021–2027 Jonas Korell (CDU)Hessensport24, 26. Januar 2021: Allgemein: Ob Torwart oder Bürgermeister - Jonas Korell übernimmt gerne Verantwortung - HNA, 13. Juli 2021: Jonas Korell wurde in das Amt des Bürgermeisters eingeführt und 17. November 2021: Ottraus Bürgermeister Jonas Korell ist im Amt angekommen: „Vor 130 Tagen wurde der 28-Jährige in das Amt des Bürgermeisters eingeführt“ - Telefonische Auskunft der Gemeindeverwaltung: Die Amtszeit begann am 10. Juli 2021, dem Tag der Amtseinführung 2011–2020 Norbert MiltzHNA, 7. Juni 2020: Bürgermeister Miltz will zwei Jahre früher aus dem Job:und 16. Juli 2021: Gemeindevertreter schicken Bürgermeister Norbert Miltz aus dem Rathaus: Am 30. September ist Schluss 2005–2011 Heinz Grein 1987–2005 Georg Keil (CDU)SEK-News, 5. Oktober 2009: Georg Keil wird Ehrenvorsitzender der CDU: „von 1973 bis 1987 erster Beigeordneter der Gemeinde Ottrau“
Wappen Das Wappen wurde am 9. September 1981 durch das Hessische Ministerium des Innern genehmigt.
Gemeindepartnerschaften Die Gemeinde Ottrau unterhält eine Partnerschaft mit dem ungarischen Drávafok.
Bauwerke
mini|Kirchenhügel mit Kirchenmauer und evangelischer Kirche aus Nordwesten mini|Das Feste Haus: Die sogenannte Alte Burg Ottrau (ehemaliges Rittergut) Die evangelische Kirche steht vermutlich an Stelle eines vor dem Jahr 800 anzunehmenden Bauwerks, von dem keine Spuren bekannt sind. Eine um 1200 entstandene Kirche wurde im Dreißigjährigen Krieg beschädigt und verändert aufgebaut. An einen Chor, der außen fünfseitig, innen aber rund geschlossenen ist, schließt sich ein hälftig unterteiltes Langhaus an, dessen älterer, östlicher Teil im 13. Jahrhundert, dessen neuere, westliche Teile im 15. und 17. Jahrhundert entstanden. Chor und östlicher Langhausteil waren ehemals gewölbt; die einstigen Schlusssteine finden sich als Spolien in West- und Nordfassade vermauert. Die Kanzel ist auf das Jahr 1544 datiert und zeigt neben den Wappen der Adeligen von Rückershausen und Schleyer zu Schiffelbach auch das erfundene Wappen des Bildschnitzers, wozu dieser als Helmzier eine Eule nach einer Vorlage von Albrecht Dürer verwendete. Die heutige Flachdecke stammt aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Kirche liegt in einem fast vollständig ummauerten Kirchhof.
Nördlich der Kirche ist mit dem „Alte Burg“ genannten, spätmittelalterlichen Steinhaus, das heute zu einem Gehöft gehört (Burggasse 12), ein weiteres Zeugnis von Ottraus jahrhundertealter Geschichte erhalten geblieben.
Persönlichkeiten Der Historiker und Marburger Ehrenbürger Friedrich Rehm (1792–1847) wurde in Immichenhain geboren. Albrecht Reinhard Bernhardi (1797–1849) aus Ottrau war ein deutscher Geologe. Er gilt als Entdecker der pleistozänen fennoskandischen Inlandvereisungen (Eiszeiten). Der Dichter und Schriftsteller Wilhelm Schäfer wurde 1938 anlässlich seines 70. Geburtstages Ehrenbürger. Nach ihm war auch die Grundschule in Ottrau benannt; der Name wurde 2020 wegen seines völkisch-rassischen Gedankenguts aberkannt.
Literatur Dehio-Handbuch, Hessen I, Berlin/München, 2008, S. 739–740. Götz J. Pfeiffer: Albrecht Dürer in der Schwalm. Die Kanzel von 1544 in Ottrau, in: Schwälmer Jahrbuch 2022, S. 70–74. Fritz Volze: Ottrau. Ein kirchliches Zentrum im Mittelalter, in: Jahrbuch des Schwalm-Eder-Kreises, Band 11, 1985, S. 61–64. Wilhelm Wagner: Geschichte von Ottrau und Kleinropperhausen, Ottrau 1914, Neuauflage, Verlag Waldemar Stumpf, 1984 1200 Jahre Ottrau, Plag-Druck, Schwalmstadt, 1982 Bernd Jäckel: Ortssippenbuch der Gemeinde Ottrau 1830–1934, o. D.
Weblinks
Website der Gemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Schwalm-Eder-Kreis Kategorie:Ersterwähnung 775 Kategorie:Ortsbezirk von Ottrau