mini|Ein viersprachig beschriftetes Schild ist in der Schweiz etwas Alltägliches Die Landessprachen und damit die Schriftsprachen der alteingesessenen Bevölkerung der Schweiz sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.

In der Deutschschweiz werden allerdings hauptsächlich alemannische Dialekte gesprochen, in der italienischen Schweiz auch lombardische Mundarten. Die frankoprovenzalischen Mundarten in der französischen Schweiz sind hingegen fast ausgestorben, die dortige Umgangssprache steht der Schriftsprache nahe. Gebärdensprachen gibt es deren drei. Zwei weitere Sprachen mit einer längeren schweizerischen Tradition sind Westjiddisch und Jenisch.

Eine bedeutende Rolle spielen in neuerer Zeit die Sprachen zugewanderter Personen, beispielsweise Serbokroatisch, Albanisch, Portugiesisch, Spanisch oder Englisch.

Gesetzliche Grundlagen mini|Bleistifte des Parlaments in den vier Landessprachen In der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) sind folgende vier Amtssprachen auf Bundesebene festgeschrieben: Deutsch Französisch Italienisch Rätoromanisch

Das Rätoromanische findet als Amtssprache des Bundes ausschliesslich Anwendung, wenn es bei der Kommunikation mit rätoromanisch sprechenden Personen gebraucht wird ( BV). Diese Bürger haben somit das Recht, in ihrer Muttersprache an Organe des Bundes (z. B. an das Bundesgericht oder an Amtsstellen der Bundesverwaltung) zu gelangen und auch auf Rätoromanisch eine Antwort zu erhalten.

Deutsch, Französisch und Italienisch wurden mit der Bundesverfassung von 1848 zu den drei gleichberechtigten Landessprachen erklärt, das Rätoromanisch kam erst 1938 als vierte Landessprache dazu.Christophe Büchi: Am Anfang war Napoleon Bonaparte – was die mehrsprachige Schweiz dem französischen Herrscher verdankt. In: Neue Zürcher Zeitung. 11. Mai 2021

Trotzdem ist Deutsch die vorherrschende Sprache in der Bundesverwaltung. Fast 80 % der Dokumente werden auf Deutsch verfasst, bevor sie ins Französische und Italienische übersetzt werden. Es ist auch die Sprache, die am häufigsten für die Veröffentlichung der technischen Unterlagen zu öffentlichen Ausschreibungen verwendet wird, obwohl diese in zwei Amtssprachen veröffentlicht werden müssen.Plurilinguisme de la Confédération Représentation et pratiques linguistiques dans l’administration fédérale. Schweizerischer Nationalfonds, Bern Mai 2009 (PDF; 472 kB).Pierre Cormon: Swiss Politics for Complete Beginners. Slatkine, Genf 2014, ISBN 978-2-8321-0607-5, S. 27–30.

Von der Amtssprache ist die Verwaltungssprache zu unterscheiden. Die Amtssprache legt den offiziellen Status einer Sprache fest, die Verwaltungssprache beschreibt, welche Varietät de facto in amtlichen Dokumenten verwendet wird. Auf Bundesebene und in der Deutschschweiz wird Schweizer Hochdeutsch (Schweizer Standarddeutsch) als schweizerische Standardvarietät des Deutschen mit eigenen orthografischen, lexikalischen und stilistischen Besonderheiten verwendet. Schweizer Hochdeutsch ist die nationale Ausprägung der Amtssprache Deutsch. Dasselbe gilt für die Amtssprachen Französisch und Italienisch, die jeweils auf Bundesebene und im frankophonen bzw. italophonen Sprachgebiet Schweizer Französisch bzw. Schweizer Italienisch als Verwaltungssprache nutzen.

Die Regelung auf Gesetzesebene findet sich im vom 5. Oktober 2007, ergänzt durch die vom 4. Juni 2010.

Neben ihrer Muttersprache beherrschen viele Schweizer eine weitere, manchmal auch zwei weitere Landessprachen.Marc Tribelhorn: Sprachgrenze. Militär und Au-pair, adieu! In: Neue Zürcher Zeitung. 18. Juli 2016. Englisch sowie eine weitere Landessprache wird in den Schulen als obligatorische Fremdsprache unterrichtet. Nur wenige Schweizer beherrschen alle vier Landessprachen.

Auf Kantons- und Gemeindeebene kann jeder Kanton – je nach Kanton sogar jede Gemeinde – selber bestimmen, welche Sprache als Amtssprache gelten soll. Die Bundesverfassung legt die Sprachgebiete der Schweiz nicht fest. Artikel 70 Absatz 2 weist den Kantonen die Kompetenz zu, ihre Amtssprachen zu bestimmen. Wer aus einem anderssprachigen Landesteil zuzieht, hat kein Recht darauf, in seiner angestammten Sprache mit den neuen Kantons- und Gemeindebehörden zu verkehren (Territorialitätsprinzip).

Unter den mehrsprachigen Kantonen haben nur Bern und Wallis die Sprachgebiete räumlich festgelegt. Der mehrsprachige Kanton Freiburg weist die Regelung der Amtssprache den Gemeinden zu. Nach kantonalem Recht zweisprachig sind die Gemeinden Biel/Bienne, Evilard/Leubringen und Courtepin an der Nahtstelle Französisch/Deutsch. Einige weitere Gemeinden gewähren zweisprachige Dienstleistungen, so bieten die Stadt Freiburg/Fribourg sowie sieben Gemeinden des Schulkreises Murten/MoratNotre école. In: Website der Primarschule Murten/Morat. Schulunterricht in beiden Kantonssprachen an, und gewisse amtliche Publikationen erscheinen auch in der jeweiligen Minderheitssprache.Daniel Sprecher: Sprachgrenze: Das Erstarken der Romands. In: Neue Zürcher Zeitung. 12. August 2016

Die Kantone Tessin und Jura definieren sich als ganz zum italienischen bzw. französischen Sprachgebiet zugehörig, obwohl je eine Gemeinde (Bosco/Gurin beziehungsweise Ederswiler) eine deutschsprachige Mehrheit aufweist.

Als einziger Kanton des Landes hat der Kanton Graubünden drei Amtssprachen: Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch. Gleichzeitig ist er der einzige Kanton, in dem Rätoromanisch auf Kantonsebene Amtssprache ist. Gemäss Art. 16 des Bündner Sprachengesetzes von 2006 gelten Gemeinden, in denen mindestens 40 % der Einwohner das angestammte Idiom sprechen, als amtlich einsprachig und Gemeinden, in denen wenigstens 20 % das angestammte Idiom sprechen, als amtlich zweisprachig.Sprachengesetz des Kantons Graubünden (SpG) vom 19. Oktober 2006 (PDF; 273 kB). Oft sind Gemeinden offiziell als romanischsprachig definiert, es dominiert aber Deutsch als Verkehrssprache. Das bedeutet, Rätoromanisch ist die Verwaltungs- und Schulsprache, im Alltag reden viele Menschen trotzdem Schweizerdeutsch.

Verbreitung mini|400px|Sprachgebiete der Schweiz (1. Januar 2026) mini|260x260px|Sprachgebiete der Schweiz im 20. Jahrhundert. Seite aus einem Schulatlas, in der Sammlung des Jüdischen Museums der Schweiz mini|400px|Verbreitung des Rätoromanischen in Graubünden (2000)

Deutsch

DeutschHelen Christen, Regula Schmidlin: Deutsch. In: Elvira Glaser, Johannes Kabatek, Barbara Sonnenhauser (Hrsg.): Sprachenräume der Schweiz. Band 1: Sprachen. Narr Francke Attempto, Tübingen 2024, ISBN 978-3-381-10401-7 (doi:10.24053/9783381104024), S. 21–67. ist die meistverbreitete Mutter- und Verkehrssprache in der Schweiz. Als solche sprechen es 64,5 % der Einwohner des Landes und 72,9 % der Schweizer (Stand 2014). (XLS; 102 kB). In: 17 der 26 Kantone sind einsprachig deutsch; in weiteren drei herrscht offiziell französisch-deutsche Zweisprachigkeit: Bern (mit deutscher Mehrheit), Freiburg und Wallis (mit französischer Mehrheit). Ausserdem gilt Deutsch in Graubünden, neben Italienisch und Rätoromanisch, als Amtssprache. In den Kantonen Tessin und Jura gibt es je eine deutschsprachige Gemeinde, sodass es nur in den Kantonen Neuenburg, Waadt und Genf keine angestammten deutschsprachigen Minderheiten gibt. Die einheimische Bevölkerung in der Deutschschweiz spricht Deutsch als Muttersprache und im Alltag einen der vielen schweizerdeutschen Dialekte des Alemannischen. Eine Ausnahme bildet Samnaun, wo ein südbairischer Dialekt gesprochen wird. Schweizer Hochdeutsch wird vorwiegend als geschriebene Sprache verwendet und steht zum Dialekt in einem Diglossieverhältnis, d. h., es existiert kein fliessender Übergang zwischen Hochdeutsch und Dialekt. Laut Stichprobenerhebungen sprachen 2014 87 % der Bevölkerung in der Deutschschweiz im Alltag Schweizerdeutsch, 2018 79 % innerhalb der Familie. Dagegen verwenden 12 % der Einwohner in der Deutschschweiz ausschliesslich Hochdeutsch zur alltäglichen Kommunikation (Stand 2014). Die relative Häufigkeit von Schweizerdeutsch als Familiensprache variiert jedoch je nach Urbanisierungsgrad: So sprechen im Kanton Basel-Stadt 64 % der Einwohner ab 15 Jahren Dialekt zu Hause, während in Bern und Zürich 79 % respektive 71 % und in Uri und Appenzell Innerrhoden rund 90 % in der Familie Dialekt sprechen. Die Variation nach Urbanisierungsgrad ist jedoch deutlich geringer als diejenige nach Staatsangehörigkeit; so geben 96 % der Einwohner der Deutschschweiz mit Schweizer Bürgerrecht an, im Alltag einen schweizerdeutschen Dialekt zu sprechen. Bei den Bürgern anderer Staaten im gleichen Gebiet beträgt dieser Wert dagegen 54 %.

Die Sprachgrenze zwischen dem Deutschen und dem Französischen wird scherzhaft als «Röstigraben» bezeichnet.

Französisch und Frankoprovenzalisch

FranzösischMathieu Avanzi: Français. In: Elvira Glaser, Johannes Kabatek, Barbara Sonnenhauser (Hrsg.): Sprachenräume der Schweiz. Band 1: Sprachen. Narr Francke Attempto, Tübingen 2024, ISBN 978-3-381-10401-7 (Download), S. 96–128. wird von der Bevölkerung im Westen der Schweiz gesprochen (von 22,7 Prozent der Einwohner der Schweiz und von 23,3 Prozent der Schweizer; Stand 2014). Der überwiegend französische Landesteil wird häufig Romandie, Suisse romande oder Welschland, in deutschen Publikationen meist französisch(sprachig)e Schweiz genannt. Vier Kantone sind einsprachig französisch: Genf (Genève), Jura (ausser der deutschsprachigen Gemeinde Ederswiler), Neuenburg (Neuchâtel) und Waadt (Vaud). Drei weitere Kantone sind offiziell zweisprachig: Bern mit deutschsprachiger Mehrheitsbevölkerung sowie Freiburg (Fribourg) und Wallis (Valais), in denen das Französische überwiegt. Die dialektale Situation in der Romandie unterscheidet sich deutlich von der deutschsprachigen Schweiz und spiegelt die (weitgehend ablehnende) französische Einstellung zu Mundarten und Regionalsprachen wider.

Bis ins 19. Jahrhundert wurden in der französischsprachigen Schweiz ausser in den grossen Städten und mit Ausnahme des Gebiets des heutigen Kantons Jura mehrheitlich frankoprovenzalische Dialekte gesprochen.Andres Kristol: Les traditions dialectales de la Suisse romande: francoproveçal et franc-comtois. In: Elvira Glaser, Johannes Kabatek, Barbara Sonnenhauser (Hrsg.): Sprachenräume der Schweiz. Band 1: Sprachen. Narr Francke Attempto, Tübingen 2024, ISBN 978-3-381-10401-7 (Download), S. 68–95.Andres Kristol: Histoire linguistique de la Suisse romande. Éditions Alphil, Neuenburg 2023, ISBN 978-2-88930-455-4. – Anzeige: Wieso die Romands Französisch sprechen. In: Neue Zürcher Zeitung. 1. August 2023. Sie sind inzwischen weitgehend ausgestorben bzw. durch regionale Formen des Hochfranzösischen verdrängt worden. In den Städten wie Genf setzte sich das Französische als Umgangssprache schon seit dem 17. Jahrhundert gegen die alten frankoprovenzalischen Dialekte durch. Nur in Teilen des Kantons Freiburg und vor allem im Unterwallis wird Patois von der älteren Bevölkerung gelegentlich noch im Alltag verwendet; in der Walliser Berggemeinde Evolène behauptet sich der lokale Dialekt teils als Umgangssprache. In vielen Regionen der Romandie bestehen Kulturvereine, die sich für das Weiterleben des Patois einsetzen. Dokumentiert wird der Wortschatz der alten Dialekte im Glossaire des patois de la Suisse romande. Die Zahl der aktiven Patois-Sprecher wurde noch nie erhoben.

Die offizielle Anerkennung des Frankoprovenzalischen und des Franc-Comtois, der regionalen Mundart im Jura, als Minderheitensprachen hat der schweizerische Bundesrat am 7. Dezember 2018 im siebten Bericht der Schweiz über die Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarats beschlossen.Bundesrat erkennt Frankoprovenzalisch als Minderheitensprache an. In: nau.ch. Abgerufen am 27. Juni 2020. 2008 setzte die Walliser Kantonsregierung einen Conseil du patois zur Förderung der frankoprovenzalischen Dialekte ein.

Italienisch