mini|Else Rethel, 1872 gemalt von Gottfried Julius Scholtz Elisabeth Johanna Martha Maria Sohn-Rethel (* 14. März 1853 in Rom; † 22. Januar 1933 in Düsseldorf), genannt Else, war eine deutsche Malerin und Sängerin.
Sie war die einzige Tochter des Malers Alfred Rethel und Ehefrau des Düsseldorfer Porträtmalers Karl Rudolf Sohn sowie die Mutter mehrerer Düsseldorfer Maler der späten Düsseldorfer Malerschule, welche an der Königlich-Preußischen Kunstakademie ausgebildet wurden.
Vorfahren Else Rethels Urgroßvater Martin Wilhelm Oppenheim (* 1781 in Königsberg; † 10. Oktober 1863 in Dresden) war ein deutscher Bankier aus Königsberg. Mit seiner Frau Rosa, geb. Alexander (* 1. April 1792; † 4. Januar 1849 in Dresden) hatte er u. a. die Tochter Elisabeth Julie Oppenheim (* 12. April 1813 in Königsberg; † 4. Januar 1905 in Dresden), die 1832 den Miniaturmaler August Grahl (* 26. Mai 1791 in Poppentin, Mecklenburg; † 13. Juni 1868 in Dresden) heiratete, einen Sohn des Berliner Hofjuweliers Johann Christian Gottlieb Grahl. Deren älteste Tochter Maria Elisabeth Henrietta Philippina Grahl (1832–1895) heiratete 1851 den Historienmaler Alfred Rethel (* 15. Mai 1816 bei Aachen; † 1. Dezember 1859 in Düsseldorf). Dieser war das vierte von fünf Kindern des in Straßburg gebürtigen Johann (Jean) Rethel (1769–1839) und seiner Frau Johanna Schneider (1782–1857), Tochter eines Aachener Fabrikanten.
Leben Else Sohn-Rethel wurde als erstes Enkelkind von Elisabeth (1813–1905) und August Grahl und als Tochter von Marie (1832–1895) und Alfred Rethel in Rom geboren.
Kindheit und Jugend in Dresden mini|Else Sohn-Rethel mit ihrer Großmutter Elisabeth Grahl, geb. Oppenheim (1858) Zur Zeit ihrer Geburt war ihr Vater Alfred Rethel bereits unübersehbar geisteskrank – er wurde handgreiflich – und in Düsseldorf von seiner Mutter, Schwester und Bruder Otto Rethel gepflegt, während Else Rethel und ihre Mutter Marie in Dresden von der Familie Grahl aufgenommen wurden. Else verbrachte ihre Kindheit und Jugend in den Villen ihres Urgroßvaters Martin Wilhelm Oppenheim und ihres Großvaters August Grahl, unter anderem in der Villa Rosa und dem Palais Oppenheim.
Zusammen mit ihren Tanten Alexe (1844–1903) und Käthe Grahl (1847–1933) wurde Else von der Hauslehrerin Emmy Roquette im Lesen und Schreiben unterrichtet. Mit sechs Jahren erhielt sie Musikunterricht bei dem deutschen Komponisten und Kreuzorganisten Christian Robert Pfretzschner (1821–1885). Umgeben von Sammlungen und den künstlerischen Arbeiten ihres Großvaters August Grahl wurde Else im Zeichnen angeleitet. Da sie eine schöne Stimme hatte, erhielt Else ab 1864 privaten Gesangsunterricht bei Gustav Scharfe (1835–1892), welcher als Bariton an der Dresdner Oper und Professor für Gesang am Konservatorium für Musik war.
1863 starb der Urgroßvater Martin Wilhelm Oppenheim und 1868 der Großvater August Grahl in Dresden. Die Ahnherrin Elisabeth Grahl (1813–1905) hielt die Familie in Dresden zusammen. Nach einer rückgängig gemachten Verlobung ihrer Tante Käthe mit dem Maler Karl Rettich Ende 1870, beschloss Elses Großmutter, mit der Familie den Winter in Berlin zu verbringen und mietete eine Etage Charlotten-/Ecke Behrensstraße. Dort nahm Else zusammen mit ihrer Cousine Marie Warschauer (1855–1906), jüngster Tochter des deutschen Bankiers Robert Warschauer senior (1816–1884), am Malunterricht bei einem Fräulein Lobedan (vermutlich Clara Lobedan) teil. Ludwig Johann Passini, welcher die älteste Tochter von Robert Warschauer, Anna (1841–1866), geheiratet hatte, kam von Zeit zu Zeit von seinem Atelier herunter und korrigierte ihre Arbeiten. Außerdem erhielt Else in Berlin Klavierstunden bei der Pianistin Julie von Asten, die selbst intim im Hause Joseph Joachim verkehrte.Julie von Asten Biografie, auf Sophie Trinker Institut, abgerufen am 21. Juli 2016 Zurück in Dresden wurde der Zeichenunterricht bei Karl Wilhelm Schurig fortgesetzt. Hier musste Else Gipsabgüsse abzeichnen und zu weiteren Übungen wurden ihr Originalzeichnungen von Peter von Cornelius, welche sich in den hinterlassenen Sammlungen ihres Großvaters August Grahl befanden, vorgelegt.
Bei einem Besuch der Familie ihres verstorbenen Vaters Alfred Rethel, die ein Haus an der Rosenstraße 38Otto Rethel, Adressbuch Düsseldorf 1889 http://www.adressbuecher.net/entry/show/517935 in Düsseldorf gekauft hatte, traf Else Rethel bei einem Abendspaziergang im Jacobi’schen Garten des Malkasten zum ersten Mal ihren späteren Ehemann Karl Rudolf Sohn, den jüngsten Sohn des Malers Karl Ferdinand Sohn und seiner Frau Emilie Auguste, eine geborene von Mülmann (1805–1884). Seine Geschwister waren der Porträt- und Genremaler Paul Eduard Richard Sohn (1834–1912), Clara, die mit dem Musikdirektor und Komponisten Albert Dietrich verheiratet war, Emilie, die ihren Cousin, den Maler Wilhelm Sohn heiratete, und Marie, die Frau des Malers Karl Hoff. Ferner war eine Tante mütterlicherseits, Sophie Pauline (1811–1863), verheiratet mit dem Maler Rudolf Jordan. Es war Eduard Gebhardt, der Karl Sohn in das Haus Rethel brachte, und nach Einwilligung der Ältesten der Familie, der Großmutter Elisabeth Grahl aus Dresden, wurde seine Verlobung mit Else Rethel im Sommer 1872 in Düsseldorf gefeiert.
Düsseldorf Heirat und Umzug nach Düsseldorf mini|Else Rethel im Jahr 1873 gemalt von ihrem Verlobten Karl Rudolf Sohn Aufgrund eines zweimonatigen Militärdienstes von Karl Rudolf Sohn und verschiedener eiliger Porträtaufträge wurde die Hochzeit von Herbst 1872 auf das folgende Jahr verschoben. In dieser Zeit fertigte er das Porträt von Else in schwarzem Kleid, welches zu Folgeaufträgen durch die Familie Wesendonck führte, deren Honorar die Hochzeit ermöglichte. Am 23. August 1873 fand diese in der barocken Loschwitzer Kirche statt. Nach einer ausgedehnten Hochzeitsreise in und durch die Schweiz zogen Else und Karl Sohn nach Düsseldorf auf die 1. Etage des Eckhauses Immermannstraße/Charlottenstraße.
Die Dioskuren. Deutsche Kunstzeitung. Hauptorgan d. dt. Kunstvereine, Bd. 18, Nr. 44 (30. November 1873), Berlin 1873, S. 351 in den Korrespondenzen
Else Sohn-Rethel meldete sich als Mitglied beim Städtischen Musikverein zu Düsseldorf an und Julius Tausch ließ sie von da ab häufig in den Soli der Oratorien von Haydn, Mozart, Mendelssohn etc. singen. Auch sang sie gerne auf Gesellschaften in den so genannten Salons und wirkte an den Niederrheinischen Musikfesten mit, die abwechselnd in Köln, Aachen und Düsseldorf stattfanden.
Am 8. Februar 1875 gebar Else ihren ersten Sohn Alfred und zog in ein größeres Haus an der Duisburger Straße Nr. 134, in welchem ihr Ehemann in der 2. Etage sein Atelier hatte.Sohn, Carl, Maler, Duisburgers. 134, in Adreßbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf für 1876, S. 128. Die Familie des Malers und Bildhauers Conrad Kiesel bewohnte das Parterre.Kiesel, Conr., Maler, Duisburgers. 134, in Adreßbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf für 1873, S. 68. Nicht weit entfernt wohnte auf der Rosenstraße Nr. 37 Ernest Preyer mit Familie, mit welchem sie oft musizierte.Preyer, Ernst, Maler, Rosenstr. 37, in Adreßbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf für 1875, S. 100.
Else Sohn-Rethel trat in den Bachverein Düsseldorf unter Leitung des Musikdirektors Wilhelm Schauseil, Vater der Sängerin Wally Schauseil ein.Geschichte Bachverein Düsseldorf: „Der traditionsreiche Chor wurde bereits im Jahr 1870 von dem damaligen Düsseldorfer Musikdirektor Wilhelm Schauseil gegründet und konnte in dieser Zeit namhafte Mitwirkende wie Clara Schumann oder Lilli Lehmann verzeichnen.“, auf bachverein-duesseldorf.de, abgerufen am 21. Juli 2016. Dieser unternahm bald darauf eine Aufführung der Oper Jean de Paris von Boieldieu im Malkasten mit Else Sohn-Rethel als Sopran in der Rolle der Prinzessin von Navarra. Der mit ihr befreundete Karl Hoff entwarf das Kostüm aus gelbem Brokat mit etwas Schwarz. Dem Pianisten Edmund Theodor Ratzenberger war es zu verdanken, dass dessen Lehrer Franz Liszt sich bereit erklärte, für ein zweitägiges Liszt-Fest persönlich nach Düsseldorf zu kommen. Am ersten Tag wurde ein Oratorium von ihm aufgeführt, in welchem Else Sohn-Rethel als erster Sopran mitsang.
Am 18. Januar 1877 wurde am Mittag der zweite Sohn Otto geboren, „fünf Pfund schwer, klein, rundlich und besonders niedlich“. In der Taufe erhielt der Junge die Namen Otto Wilhelm, nach Otto Rethel und Wilhelm Sohn. Anfang April 1877 reiste Else mit ihrem Gatten nach Italien. Die Route ging über München, Innsbruck, Verona bis nach Venedig, wo sie bei Ludwig Passini wohnten, der nach dem Tod seiner Frau Anna dorthin übergesiedelt war. Else hatte ihre zwei Söhne in Obhut bei ihrer Mutter Marie in Düsseldorf gelassen.
Goltsteinstraße mini|150px|Goltsteinstraße 23, Düsseldorf Es war Bertha Vautier, die Ehefrau des Schweizer Malers Benjamin Vautier, die bei einem gesellschaftlichen Tee bei den Hoffs Else Sohn-Rethel darauf aufmerksam machte, dass es in der Goltsteinstraße 23 ein schönes Haus zu kaufen gab. Vautiers wohnten in der Goltsteinstraße Nr. 29., auf genealogy.net, abgerufen am 21. Juli 2016. Mit Hilfe der Großmutter Grahl, und da Karl Rudolf Sohn mit Porträt-Aufträgen gut verdiente und einige Bilder verkauft hatte, konnte das Haus gekauft werden. Georg Saal erstellte die Pläne für einige bauliche Änderungen, denn es musste ein Atelier hineingebracht werden. Aus der zweiten Etage wurden die Wände nach vorn herausgenommen und noch ein Speicherzimmer in der Mitte dazu, um ein großes Fenster einsetzen zu können. Das Fenster erhielt Spiegelglas. Das große Zimmer hinter dem Atelier wurde das Schlafzimmer; in der ersten Etage waren Wohn- und Esszimmer; die Küche kam in den Anbau, darüber das Kinderzimmer und ganz oben Fremdenzimmer. Und in dem kleinen Garten auf der Sonnenseite wurden mehrere Obstbäume gepflanzt. 1944 wurde das Haus der Familie Sohn-Rethel durch eine Brandbombe teilzerstört und das Grundstück später verkauft.
Mitwirkung am Kaiserfest 1877 mini|Tableau vivant von Karl Hoff aus dem Malkasten-Festspiel vom 6. September 1877, Foto – zweite Dame von links: Else Sohn-Rethel mini|Der Nixenteich aus dem Malkastenfeste zu Düsseldorf, Illustration von Wilhelm Beckmann für die Zeitschrift Die Gartenlaube, 1877