Die Liste der Kinos im Berliner Bezirk Reinickendorf gibt eine Übersicht aller Kinos, die im Berliner Bezirk Reinickendorf existiert haben oder noch existieren. In der Liste sind die Ortsteile, wie sie in der Bezirksreform 2001 zugeordnet wurden, aufgenommen: Borsigwalde, Frohnau, Heiligensee, Hermsdorf, Konradshöhe, Lübars, Märkisches Viertel, Reinickendorf, Tegel, Waidmannslust, Wittenau. __TOC__

Einleitung In Reinickendorf gab es bereits 1910 ein Kinematographentheater mit einem Saal von 100 Sitz- und 30 Stehplätzen. Paul Teichert zeigte die kinematographischen Vorstellungen in der Nordbahnstraße 30 (Eigentümer: Gastwirt C. Volkmar). Diese Einrichtung schloss (vermutlich) im ersten Halbjahr 1913 wieder. Im Jahr 1913 befand sich eine Lichtbildbühne in der Holländerstraße. 1919 gab es in der Gesellschaftstraße 30 das von Adolf Zahr betriebene Kino, das 1920 schon nicht mehr vorhanden war.Gerhard Völzmann: Tegeler Geschichten. 2013. Das Stadtteilmagazin Blickpunkt Tegel. Ausgabe August/September 2013, S. 11. Von den Anfängen der Kinematographie im heutigen Bezirk Reinickendorf Auf dem Kino-Pharusplan 1919 sind für die Vororte die Reinickendorfer Eichborn-Lichtspiele in der Birkenstraße, das Hermsdorfer Lichtbildtheater in der Glienicker Straße 2 und das Tegeler Union-Theater in der Hauptstraße 3 eingetragen (dazu Bahnhofstraße 2 genannt), sowie die später zu Niederschönhausen gehörenden Universum-Theater-Lichtspiele in der Provinzstraße.

Die nachfolgende Übersicht orientiert sich an den mit der Bezirksreform des Jahres 2001 festgelegten Bezirksgrenzen und deren Ortsteilen. Früher zu Reinickendorf gehörende Bereiche sind in den entsprechenden Kinolisten aufgenommen. Die Vor-Sortierung erfolgt nach aktuellen oder letzten Kinonamen, zuvor genutzte Firmierungen sind zugesetzt.

Kinematographenbetreiber und Kinobesitzer Der nördliche Bezirk entstand aus Gemeinden des Barnim mit überdauernden dörfliche Strukturen und um 1900 entstandenen Industriesiedlungen. Der Ala-Filmpalast war 1912 in den Gewerbegebieten um Alt-Reinickendorf das erste der 30 Spielstätten im Bezirk. Es musste 1922 einem Industriebau weichen und entstand 1928 unter architektonischer Leitung von Max Feistl neu.Marita Iseller: Kapitel Reinickendorf. In: Hänsel/Schmitt: Kinoarchitektur in Berlin 1895–1995. S. 145 ff. Hier öffneten noch Atlas und Astoria, der zweite Bereich lag in Tegel mit dem Filmpalast, einem Ladenkino. Nach der Bildung von Groß-Berlin entstanden das Rex und das Palast in Saalbauten am Schäfersee und in den 1930er Jahren gelangte das Kino in die Randgebiet. Im Nachkriegsdeutschland entstehen neue Kinos als Ladenkino. Das erste freistehende Filmtheater ist 1956 das TeLi von Hans Bielenberg.

Die Anzahl der Kinos im Bezirk schwankte, 1961 sollen es (nach dem Kinoprogramm in der Zeitung Nordberliner) noch 13 gewesen sein, dann kam ein Einschnitt. Die KinokriseIn Reinickendorf (Bezirksbereich) gab es vormals 36 Kinos, davon existierten 1960 [noch oder schon] 28 Kinos, wovon 14 bis zum Jahr 1965 geschlossen wurden ereilte den Nordbezirk ebenfalls. Neues Buch von Reinickendorfer Heimatforscher erschienen. In: Berliner Woche, 10. Oktober 2013. Selbst das Manhattan im Märkischen Viertel überlebte nicht.

Die Berliner Adressbücher von 1910 bis 1927Nachfolgend fehlende Jahrgänge (1909–1911 und 1914–1916) sind ohne zutreffenden Eintrag. In den Adressbüchern vor 1921 wurden nur die Vororte Berlin-Reinickendorf, Berlin-Tegel und Berlin-Wittenau geführt. Nach der Bildung von Groß-Berlin sind diese erstmals 1922 unter Verwaltungsbezirk zusammengefasst. Im Adressbuch 1922 ist aus den Orten Conradshöhe, Frohnau, Heiligensee, Hermsdorf, Lübars, Reinickendorf, Rosenthal, Saatwinkel, Schulzendorf, Tegel mit Gutsbezirk Schloß Tegel, Tegelort, Waidmannslust, Wittenau der Verwaltungsbezirk Humboldtstadt aufgeführt; ab Adressbuch 1923 als Verwaltungsbezirk Reinickendorf. führen im Gewerbeteil die Betreiber von kinematographischen Vorstellungen und Kinobesitzer auf.In Reinickendorf wurde die Birkenstraße seit 1936 zur Kienhorstraße und die Eichbornstraße seit 1937 zum Eichborndamm. In Tegel wurde die Hauptstraße seit 1936 zu Alt-Tegel und die Bahnhofstraße seit 1961 zur Grußdorfstraße. Durch die Änderung der Bezirksgrenze gehörte Provinzstraße 75 seit 1938 zu Niederschönhausen (Ortslage Schönholz). Die Einträge zur Adresse Reinickendorf (damals) Provinzstraße 75/76: 1924: K. Zappe, 1925: Universum-Lichtspiele, 1927: A. Wawerka. Auch der Anbieter von Kinematographen „Prinz & Bongardt“ (Walderseestraße 5) in Rosenthal(-West): seien zwar genannt, gehören aber nicht zur Listen-Definition

1912 in Reinickendorf: Paul Teichert, Nordbahnstraße 30 1913 in Reinickendorf: Aurel Zacharias, Birkenstraße 63.64 1917 und 1918 für Tegel: Luise Joschek in Hauptstraße 3 und Martha Zierke in Veitstraße 10 und 1919 in Tegel: Marta Aronsheim in Veitstraße 10, Luise Joschek, Hauptstraße 3 1920 in Reinickendorf: P. König in Residenzstraße 124, B. Kuhl in Schönholzer Weg 30, A. Zahr in Gesellschaftsstraße 30 1920 für Tegel: P. Handke in Schlieperstraße 76, F. Joschek in Hauptstraße 3, Marta Zierke in Veitstraße 10 1921 in Reinickendorf: W. Ebert in Auguste-Viktoria-Allee 40, F. Jahn in Eichbornstraße 34, F. Schmitz in Residenzstraße 124 1922 in Reinickendorf: B. Kuhl im Schönholzer Weg 30 und 1923 in Reinickendorf B. Kuhl, Schönholzer Weg 30 1923 in Tegel: F. Joschek, Hauptstraße 3 1924 in Reinickendorf: F. Tessendorf, Auguste-Viktoria-Allee 40 1924 in Tegel: F. Joschek in Hauptstraße 3, Luise Joschek in Bahnhofstraße 2 1925 in Reinickendorf: B. Kuhl in Schönholzer Weg 30, G. Kusche in Scharnweberstraße 74, F. Tessendorf in Auguste-Viktoria-Allee 40 1926 in Reinickendorf: B. Kuhl, Schönholzer Weg 30 1927 in Hermsdorf: E. Scheuer und J. Lorenz in Glienicker Straße 2

Kinoliste Name/Lage Ortsteil, Adresse BestandBerliner Telefonbuch 1941, S. 448 (Buchstabe L: Lichtspieltheater) BeschreibungAla-Filmpalast ()ReinickendorfScharnweberstraße 67/68 1928–19431928 eröffnete Jakob Reichert in der Scharnweberstraße 67/68 Ecke Antonienstraße den Ala-Filmpalast mit 600 Plätzen in Reinickendorf-West. Gespielt wurde täglich, das Kino hatte eine Bühne von 4 m × 7 m und für die musikalische Begleitung der Stummfilme sorgten fünf Personen. 1930 wurde Siegfried Freudenheim Mitinhaber und führte die Geschäfte und 1931 war durch Melorob auf Tonfilmabspielung eingerichtet worden, die Kapelle bestand noch aus vier Personen. 1932 wurde Freudenheim alleiniger Betreiber. Als 1934 Gertrud Schultze das Kino übernahm und Fritz Sewitzkat die Vorstellungen führte wurde eine mechanische Musikanlage beschafft, die Kapazität wurde auf 665 (ab 1939: 677) Sitzplätze erhöht. Im Reichskinoe-Adressbuch ist der Ala-Film-Palast 1943 noch angegeben. Das Kinogebäude wurde im Krieg zerstört, womit der Kinobetrieb endete. Auf dem Eckgrundstück befindet sich sanierteWohnbebauung.AstoriaMarvin-LichtspieleKorso-Palast ()ReinickendorfScharnweberstraße 101–104 1926–19651926 eröffneten die Marvin-Lichtspiele mit 310 Plätzen in den Räumen der Gastwirtschaft H. Baborowski, dem ehemaligen Tanzsaal des Biergartens der Berliner Schlossbrauerei. Auf dem Eckgrundstück Scharnweberstraße 101–104 am Tegeler Weg (Zufahrt zum Schießplatz, seit 1953: Uranusweg) befand sich neben der Niederlage der Schloßbrauerei die Chemische Fabrik Kroth. Auf dem benachbarten unbebauten Grundstück 92–100 befand sich ein Wochenmarkt, südlicher auf dem Gelände des ehemaligen Schießplatzes die Siedlung „Am Tegeler Schießplatz“. Im Jahr 1928 war von Plessen Pächter des Korso-Palastes der Kinobesitzer Arthur Schwede und Georg Casper. Schon 1929 übernahm Reichert den Corso-Palast [nun mit C-Schreibung]. Die Bühne im Kinosaal war 4 m × 5 m groß und drei Musiker begleiteten die Stummfilme der Vorstellungen. Zunächst wurden an vier Tagen Filme gezeigt, ab 1930 gab es tägliche Vorstellungen. Im Kino-Adressbuch 1930 sind Jakob Reichert und Siegfried Freudenheim als Kinobesitzer eingetragen. Ab 1931 betrieb Freudenheim (Adressbuch 1932 I. Teil, S. 791: Kaufmann Siegfried Freudenheim, Tempelhof, Hohenzollerncorso 8 III.) das Kino allein und konnte ab 1932 auch Tonfilme abspielen (Kinoton). 1933 folgt der vorerst letzte Eintrag im Adressbuch: zwischen 1934 und 1947 fand kein Kinobetrieb statt. In der Nachkriegszeit wurde 1948allekinos.com schreibt „1946 wurde das scheinbar unbeschädigte Gebäude als Kino wiedereröffnet“. der Kinobetrieb mit 464 Plätzen durch Eva Richter wieder aufgenommen. 1950 war die Gesellschaft „Waldfried Barthel, Vereinigte Lichtspielbetriebe“ Inhaber des Astoria-Filmtheaters, für das es eine Theater- und Opern-Konzession gab. Die Bühne war 11 m × 10 m × 18 m groß, gespielt wurde täglich mit zwei, am Sonntag mit drei Vorstellungen. Als Kinotechnik stand ein Ernemann-II-Projektor, der Eurodyn-Klangfilm-Verstärker und eine DIA-Einrichtung bereit. Zitat gemäß Die Filmwoche 37/1955. Er ließ den Kinosaal von Leopold Ostrowski und Erich Birkholz umbauen. Der ehemalige Schankraum wurde zum Foyer und die vorhandene Bühne für die Breitwandvorführung entfernt, worauf 1956 CinemaScope mit 4-Kanal-Magnetton eingebaut wurde. Bild- und Tonsysteme für Ein-Kanal-Lichtton und SuperScope waren vorhanden, der (neue) Projektionsapparat war ein Bauer B8B, als Bildformate waren 1:2,35, 1:2 und 1:2,55 möglich. Die Einrichtung hatte 534 Sitzplätze, teilweise Holzklappsessel, teilweise Polstersessel von Kamphöner. Wöchentlich gab es 15 Vorstellungen und eine Jugendvorstellung.

Erich Wolff stellte im Trend der Zeit den Betrieb des Astoria-Filmtheaters 1965 aus wirtschaftlichen Gründen ein. Nach der Schließung zog ein Albrecht-Supermarkt in den Saal. Das vormalige Kinogebäude (Nr. 104) wurde um 1978 zugunsten der Straßenrandbebauung 101–104 (Wohnblock mit Ladengeschäft im Erdgeschoss des Hauses Nummer 101) abgerissen.ehemaliger Südpalast 1975 (Bildrechte: Hans-Joachim Andree)Astra-Filmtheater ()WittenauRoedernallee 88/90 1955–1974140px|rechts|Das ehemalige Kinogebäude auf der Hofseite. Zustand 2016 140px|rechts|Der Eingangsbereich des ehemaligen Kinos. Zustand 2016 Das Grundstück Roedernallee 88–90 liegt nahe am nördlichen Anschluss in die Oranienburger Straße und wurde gewerblich genutzt. Um 1949 wurde auf Nummer 89/90 ein dreigeschossiges Wohnhaus mit Ladengeschäft gebaut, über Nr. 88 erfolgte der Zugang zu dem bis zur Zangenstraße 55/61 dahinter liegenden Gelände. Im Jahr 1955 richteten Georg Becker und William Oertel das Astra-Filmtheater im Saalbau an der Hinterseite des Gebäudes. Die Inhaber statteten das Kino mit 654 Plätzen und Breitwandfilm-Vorführung aus. Das Bild- und Tonsystem CinemaScope in Ein-Kanal-Lichtton wurde mit einem Projektionsapparat Askania AP 12 auf die 1:2,35-Leinwand projiziert, Verstärker von Klangfilm und die „tönende Dia“-Anlage ergänzten die Technik. Die Bestuhlung von Wegener waren Flachpolstersessel. Gespielt wurde täglich mit zwei Vorstellungen, zuzüglich Jugend-/Matinee- und Spätvorstellung. 1959 wurde mit Hochpolster-Bestuhlung ergänzt.

Der Kinobetrieb wurde 1974 beendet. Der Saalbau hinter dem Haus an der Straßenfront wird seit den 2010er Jahren von einer Eventagentur als Festsaal und teilweise von einem Sozialwarenhaus genutzt.Atlas-FilmtheaterEichborn-Lichtspiele, Viktoria