mini|St. Paulus im Winter Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Paulus im Münchner Stadtteil Perlach, Sebastian-Bauer-Straße 21, steht als älteste erhaltene evangelische Kirche in München unter Denkmalschutz und ist mit der Denkmalnummer D-1-62-000-6417 in der Denkmalliste eingetragen.
Geschichte Im Jahr 1816 zogen Protestanten aus Edenkoben nach Perlach, wo sie sich für die Gründung einer protestantischen Gemeinde einsetzten. 1817 entstand die protestantische Schul- und Kirchengemeinde Perlach. Im Herbst 1819 wies sie 14 Familien auf, fast 100 Personen, darunter 18 schulpflichtige Kinder. Protestantische Gottesdienste fand seit dem 11. Mai 1834 statt, anfangs in Schulzimmern und privaten Wohnungen. Es gab den Wunsch nach der Errichtung eines Vikariats und einer eigenen Kirche oder wenigstens eines Bethauses, aber die Finanzierung war unklar.https://www.perlach-evangelisch.de/st-pauls-kirche-m-nchen-perlach Von König Ludwig I. wurde eine Kirchenbaukollekte in ganz Deutschland genehmigt. Die Spenden kamen aus allen Teilen Bayerns und Deutschlands und waren mit über 9.029 Gulden recht hoch. So war es möglich, den Bau einer kleinen Kirche zu finanzieren.
Der Architekt Georg Friedrich Ziebland, selbst Protestant, wurde mit der Planung beauftragt. Am 5. Dezember 1846 kam er persönlich nach Perlach, um den Bauplatz zu besichtigen. Nach dem Baubeginn am 11. Mai 1848 wurde am 18. Juni der Grundstein unter dem Altar eingemauert. Im August wurde der Dachstuhl errichtet, aber beim Unterbau des Turms entstanden Verzögerungen, die die Fertigstellung des Bauwerks im Jahr 1848 verhinderten. Die Gestaltung des Innenraums durch Ziebland war protestantisch schlicht, lediglich durch den silbergrauen Anstrich von elf Gewölberippen wurden Akzente gesetzt. Die Kirchweihe fand am 9. September 1849 statt.
Die erste Orgel wurde bald nach Fertigstellung auf eine nachträglich eingezogene Empore umgesetzt. Diese war anfangs nur für das Instrument und den Organisten gedacht, wurde später aber erweitert.
Zum 75-jährigen Jubiläum, am 14. September 1924, erhielt die Kirche ihren heutigen Namen nach dem Apostel Paulus.Armin Rudi Kitzmann: Mit Kreuz und Hakenkreuz. Die Geschichte der Protestanten in München 1918–1945. Claudius Verlag, München 1999, S. 87–88.
Die Kirche ist im Wesentlichen in ihrer Substanz erhalten geblieben, trotz mehrerer Umbauten im Geschmack der jeweiligen Zeit, die stellenweise weit vom Entwurf Zieblands entfernt waren. So wurde die Ausstattung komplett erneuert und verändert. 2007 wurden einige Eingriffe wieder rückgängig gemacht, der ursprüngliche Zustand konnte aber nicht mehr hergestellt werden.
Architektur und Ausstattung mini|Innenraum heute Die Kirche ist ein rechteckiger neugotischer Saalbau mit Giebelreiter über der Eingangsfront und einem Chorraum, dessen Apsis aus fünf Teilen eines Oktogons besteht. Die Kirche ist in ihrer äußeren Form sehr schlicht, die Seitenwände und die Apsis besitzen jeweils drei neogotische Fenster.
Das Innere der Kirche wird durch das spitzförmig zulaufende Tonnengewölbe geprägt. Gegliedert wird diese Fläche durch dünne Rippen, die auf kleinen Konsolen ruhen. Auch in der Apsis werden die Grate durch solche, hier kleiner ausgeführte Rippen betont. Die ursprüngliche Innenausstattung war reichlich mit neogotischen Stilelementen versehen, sie ist aber nach zahlreichen Veränderungen heutzutage ganz zurückhaltend und schlicht gestaltet.
Das ehemalige Altarbild hängt seit der Umgestaltung des Innenraums an der Nordwand. Es handelt sich um eine Kopie des sogenannten Münchner Kruzifixus von Peter Paul Rubens.
1964 wurde durch die Orgelbauwerkstatt Nenninger die heutige Orgel eingebaut. Sie verfügt über 17 Register auf zwei Manualen und Pedal.
Renovierung 2016/2017 mini|hochkant|Zustand vor Renovierung 2016/2017 In den Jahren 2016 und 2017 wurden Kirchendach und -turm sowie die Außenwände komplett renoviert. Das Dach wurde neu geschindelt, der Turm mit einem neuen Kupferblech-Beschlag ausgestattet und die Wände vom Putz befreit. Die Oberflächen des darunterliegenden Backstein-Mauerwerks wurden geschliffen und zweifarbig gestaltet.
Pfarrhaus mini|Pfarrhaus Das neben der Kirche 1902 errichtete Pfarrhaus ist ebenfalls ein geschütztes Baudenkmal und passt mit seiner von Theodor Fischer konzipierten Architektur recht gut zur schlichten Kirche.
Literatur Georg Mooseder, Adolf Hackenberg (Hrsg.): 1200 Jahre Perlach 790–1990. Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte eines Münchner Stadtteils mit den Ortsteilen Perlach, Fasangarten, Michaeliburg, Waldperlach und Neuperlach. 2 Bände, München 1990 und 1992. Evangelisch-lutherisches Pfarramt St. Paulus (Hrsg.): 200 Jahre Protestanten in Perlach 1816–2016. (Texte von M. Kammerloher und U. von Hase-Schmundt) München 2016.
Weblinks
https://www.perlach-evangelisch.de/st-pauls-kirche-m-nchen-perlach abgerufen am 15. Juli 2016.
Einzelnachweise
Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Perlach
Paulus Perlach Munchen St. Paulus St. Paulus Munchen Paulus Kategorie:Erbaut in den 1840er Jahren Kategorie:Neugotisches Bauwerk in München Munchen Paulus Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Bayerische Denkmalschutzmedaille