mini|hochkant=1.4|Fahrradstraße parallel zur Lister Meile, im Hintergrund die Apostelkirche
Radverkehr in Hannover ist eine häufige Art der Fortbewegung innerhalb der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover. Die Stadt erreichte mit 19 % beim Modal Split 2008 den höchsten Wert zusammen mit Bremen unter den 15 größten Städten in Deutschland. Beim ADFC-Fahrradklimatest, der alle zwei Jahre durchgeführt wird, erreicht Hannover verlässlich einen Platz unter den ersten Drei der Städte über 500.000 Einwohner. Erreicht werden aber regelmäßig nur Werte, die in der Schule einem eher knappen befriedigend entsprechen würden: wenn die Leistung im Allgemeinen den Anforderungen entspricht. 2024 wurde eine 3,52 (etwa entsprechend Schulnoten) erreicht, direkt hinter der führenden Großstadt Frankfurt am Main mit 3,50 und vor Bremen, drittplatziert mit 3,54.Ergebnisse ADFC Fahrradklima-Test 2024 auf adfc.de
Entwicklung Der Anteil des Fahrradverkehrs am Modal Split lag im Jahr 2002 bei 12 %, stieg bis 2004 auf 13 % und erreichte 2008 zusammen mit Bremen mit 19 % den höchsten Wert unter den deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern vor München, Berlin, Leipzig oder Hamburg, die jeweils mehr oder weniger ambitionierte Programme haben, Fahrradstadt zu werden. Dieser Wert konnte bis 2011 gehalten werden. Die Stadt möchte diesen Anteil künftig erhöhen, bis 2025 sind 25 % geplant. Für das Jahr 2023 gibt die Stadt Hannover einen erreichten Radverkehrsanteil von 23 % an.
Infrastruktur hochkant|mini|Fahrradzähler am Friedrichswall
Bestand Die Wohnviertel sind annähernd vollständig mit Tempo-30-Zonen ausgestattet. Auf einigen Strecken wurden seit den 1980er Jahren Fahrradstraßen eingerichtet, als erste die Pfarrlandstraße in Linden-Nord. In den Jahren seit 2015 wurden etliche weitere Straßen als Fahrradstraßen ausgewiesen, meist gilt rechts vor links. Die Große Barlinge in der Südstadt wurde inzwischen umgebaut und bis auf eine Stelle bevorrechtigt gegenüber Nebenstraßen (vorher rechts vor links). Dies gilt auch für die Lange Laube in innerstädtischer Lage. In der Kleefelder Straße wurde gegen die dortige Fahrradstraße mehrfach vor Verwaltungsgerichten geklagt. Die Urteile haben letztlich zur Beibehaltung der Fahrradstraße, aber zu Verschärfungen der Regelungen im Kfz-Verkehr geführt.Urteil vom 13. August 2021 “Dieses Urteil ist keines gegen Fahrradstraßen – es ist eines gegen schlechte Fahrradstraßen.” schreibt ein Blogger dazu.Ein Urteil als Argumentationshilfe: "Wo Fahrradstraße drauf steht, muss auch Fahrradstraße drin sein." von 2-2022 Für weitere Straßen waren Prüfungen angekündigt, ob die Erfordernisse von Fahrradstraßen erfüllt werden, die teilweise zu Nacharbeiten, teilweise auf politischen Druck zur Aufgabe von Fahrradstraßen geführt haben.Südstadt-Bult: SPD nun doch für Erhalt von Fahrradstraßen, auf Radio Hannover von 15. Juli 2024
Einbahnstraßen innerhalb von Tempo-30-Zonen sind bis auf einige Ausnahmen für Radverkehr in Gegenrichtung frei gegeben. Auch viele Einbahnstraßen mit höherer zulässiger Geschwindigkeit sind mit Radwegen oder anderen Maßnahmen für Radverkehr entgegen der Einbahnrichtung passierbar. Die meisten Sackgassen sind als durchlässig für Rad (oder Rad- und Fußverkehr) gekennzeichnet, soweit sie für Fuß- und/oder Radverkehr passierbar sind. Fast alle Fußgängerzonen in der Innenstadt und den Stadtteilen sind außerhalb der Zeiten starken Fußgängerverkehrs für den Radverkehr frei gegeben, einige zentrale Achsen auch ganztägig, z. B. die Allee in der westlichen Georgstraße, kurze Teilabschnitte der Lister Meile, die gesamte Limmerstraße und Egestorffstraße.
Mit der Anlage von Schutzstreifen in der Podbielskistraße sind inzwischen annähernd alle stark Kfz-belasteten Hauptverkehrsstraßen mit Radverkehrsanlagen ausgestattet. Ausnahmen sind z. B. die Waldstraße und der Straßenzug Plathnerstraße – Schackstraße. Ausgebaut sind meist hochbord geführte Radwege mit typisch hannoverscher Gestaltung, mit einem roten, quer gelegten Ziegelstreifen beidseits einer mit dunklem Verbundpflaster ausgestatteten Fahrfläche für den Radverkehr. Zur Fahrbahn hin oder zum Parkstreifen ist in der Regel ein Sicherheitstrennstreifen baulich angelegt. In einigen Straßen mit großer Trennwirkung, zum Beispiel mit Mittelstreifen oder Stadtbahn in Mittellage, bestehen teils beidseitige Zweirichtungs-Radwege, so inzwischen fast komplett entlang des City-Rings und an einigen größeren Ausfallstraßen wie Teilabschnitten der Hildesheimer Straße oder der Lavesallee am Waterlooplatz.
In der Eilenriede wie auch in einigen größeren Grünanlagen und Grünzügen bestehen Fahrradverbindungen, wobei hier überwiegend eigenständige, asphaltierte Radwege neben oder unabhängig von Gehwegen bestehen. Diese haben rund um den Maschsee und entlang der Herrenhäuser Allee komfortable Breiten von bis zu 4,00 m, in letzterem Fall allerdings zusammen mit Fußverkehr. Teilweise sind diese Radwege, wie auch die Fahrradstraße am Maschsee-Strandbad, ausdrücklich für Inline-Skater frei gegeben.
Entlang von Leine, Ihme und Fösse sowie Mittellandkanal und in zahlreichen, die Siedlungsgebiete trennenden innerstädtischen Grünzügen bestehen Fahrradverbindungen, die teilweise asphaltiert oder gepflastert, überwiegend aber mit wassergebundener Decke ausgebaut sind, meist aber gemeinsam mit dem Fußverkehr genutzt werden. Durch die Nutzung von Unterführungen an kreuzenden Straßen ist damit auf teils langer Strecke ein kreuzungsfreies Radfahren ohne störenden Autoverkehr möglich. Entlang der Leine befindet sich im Süden die letzte Straße, an der gewartet werden muss, in Döhren. Von dort aus kann flussabwärts durch das Stadtgebiet über mehr als 10 km bis zur Stadtgrenze nach Seelze ohne querende Autos gefahren werden.
Geplante und in jüngerer Zeit umgesetzte Projekte Velorouten Mit einem höheren Standard als die stadtweiten Velorouten sollen Verbindungen in die Nachbarstädte Lehrte, Garbsen, Langenhagen und Laatzen ausgebaut werden. Die hohen Standards von Radschnellwegen können nicht in jedem Fall in ausreichendem Maß erfüllt werden, so dass zumindest die beiden Strecken nach Lehrte und Langenhagen als Velorouten ausgebaut werden.Geldregen für Hannovers Velorouten in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 2. August 2022
Ehemaliger Radschnellweg, jetzt Veloroute Hannover – Lehrte mini|hochkant=1.3|Geplante und gebaute Radschnellwege in und um Hannover, 2019 Im Jahre 2016 beschloss der Stadtrat Hannover den Bau eines ca. 18 km langen Radschnellweges von der hannoverschen Innenstadt Richtung Lehrte. Nach dem Baubeginn 2022 wurde er im Januar 2024 im ersten Bauabschnitt bis westlich von Anderten eröffnet, mit abschnittsweise verringertem Standard als Veloroute 05.Veloroute 05 auf Hannover.de Die Strecke beginnt an der Lavesstraße vor dem City-Ring an der Berliner Allee mit einer neu angelegten Fahrradquerung über diese und führt auf Fahrradstraßen mit Bevorrechtigung gegenüber Nebenstraßen auf der Kestnerstraße und Kleefelder Straße weiter entlang der Bahntrasse Hannover–Lehrte bis kurz vor Anderten. Ein kurzer Abschnitt ist komplett neu entstanden, weitere Wege in Grünanlagen wurden ausgebaut. Diese sind nur für den Rad- und Fußverkehr bestimmt. Der Radweg hat meist eine Breite zwischen 3 und 4,5 Meter. Die Baukosten wurden auf 3,8 Millionen Euro veranschlagt. Der Weiterbau durch Anderten nach Lehrte ist noch offen.
Radschnellweg Hannover – Garbsen Ein weiterer Radschnellweg soll vom Steintor in Hannover über die Herrenhäuser Gärten, Letter und Marienwerder zum neuen Maschinenbaucampus der Universität in Garbsen führen. Die geplante Streckenführung soll 13 km lang werden. Dabei wird die Strecke vollständig asphaltiert, beleuchtet, möglichst ampelfrei und zu einem Großteil mindestens 4 Meter breit werden. Der Trassenverlauf ist noch nicht endgültig abgestimmt. Ein möglicher Baubeginn war für 2021 geplant. Im Vorlauf sind einzelne Abschnitte als Veloroute gekennzeichnet worden, so in der Fahrradstraße Lange Laube und am Königsworther Platz.
Am 19. März 2019 wurde bekannt, dass die Trasse entlang des Westschnellweges nicht genutzt werden kann, es verbleiben somit die Trasse entlang der Herrenhäuser Straße und eine Trasse über Linden-Nord und die Wasserstadt Limmer.
Radschnellweg Hannover – Langenhagen Dieser von der Region Hannover geplante Radschnellweg soll über eine Länge von 13 km vom Langenhagener Ortsteil Krähenwinkel durch das Zentrum von Langenhagen, entlang des Naherholungsgebietes Silbersee sowie durch die hannoverschen Stadtteile Sahlkamp und List zum Hauptbahnhof in Hannover verlaufen. Der Baustart war ursprünglich für das Jahr 2021 vorgesehen. Die Planung ist inzwischen fortgeschritten, auf hannoverschem Gebiet mit dem geringeren Standard als Veloroute 02. Bisher wurden einzelne Maßnahmen wie die Fahrradstraße in der Edenstraße und die benachbarten Querungen an Celler Straße und Ferdinand-Wallbrecht-Straße umgesetzt, vgl. zur Fahrradstraße das Bild ganz oben.Veloroute 02 auf Hannover.de Die Umsetzung weiterer Abschnitte ist ab 2026 geplant.
Radschnellweg, jetzt Veloroute Hannover – Burgdorf 2024 wurde die Planung eines Radschnellweges bekannt, wofür drei Trassen mit Längen zwischen 23 und fast 25 km vorgeschlagen wurden. Die Region Hannover startete 2024 eine Machbarkeitsstudie mit Bürgerbeteiligung.Leonie Habisch: Neuer Radschnellweg von Hannover nach Burgdorf: Diese drei Routen stehen zur Wahl in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 6. Februar 2024
Veloroute 03 nach Bothfeld und Lahe Im Gegensatz zu den vorhergehenden Routen enden die drei Velorouten 03, 06 und 08 vor der Stadtgrenze und binden Nachbarkommunen nur bedingt an.
Die Planung der Veloroute 3 vom Weißekreuzplatz bis zur Burgwedeler Straße und zur Laher Heide war 2026 fortgeschritten. Maßnahmen wurden bisher in einem Abschnitt in der Eilenriede entlang der Walderseestraße und Hohenzollernstraße umgesetzt. Die Friesenstraße befand sich 2026 im Umbau, ebenso der weiterführende Abschnitt in der Eilenriede entlang der Walderseestraße. Damit ist ab dem Ciytring bis zum Anschluss zur Podbielskistraße in Höhe Hermann-Bahlsen-Allee streckenmäßig etwa die Hälfte der Veloroute 3 umgesetzt.
Veloroute 06 zum Kronsberg Die Veloroute 06 war 2026 in den Stadtteilen Südstadt und Bult in Bau, hier entlang des Bischofsholer Damms, teilweise fertig gestellt. Abschnitte entlang der Bemeroder Straße und in Bemerode standen zur Umsetzung an.Veloroute 06 auf hannover.de
Veloroute 08, Hannover – Laatzen Gemäß dem „Green City Plan Hannover“ plante die Stadt einen weiteren Radschnellweg vom Stadtzentrum Hannovers ins südliche Laatzen, der inzwischen (Stand 2026) zu großen Teilen umgesetzt ist.
Als Veloroute 08 wurden zwischen Innenstadt und Laatzen, durch Südstadt, Döhren und Wülfel längere Abschnitte mit hohem Standard ausgebaut. Am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer wurde der bereits breite Radweg weiter verbreitert, in der Wiehbergstraße eine Fahrradstraße eingerichtet und in der Hildesheimer Straße breite Radfahrstreifen statt der vorherigen engen und konfliktträchtigen Radwege. In der Hildesheimer Straße in Wülfel und im benachbarten Laatzen entfiel dabei abschnittsweise je ein Fahrstreifen für den Kfz-Verkehr.Laatzen baut Veloroute auf Hildesheimer Straße um: Sperrungen ab Montag in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11. Juli 2026
Veloroute 09 nach Wettbergen Die Veloroute 09 war 2026 in Hannover-Mitte ab dem Nordufer des Maschsees, durch den Sportpark und in Linden-Süd nahe der Hochschule Hannover fertig gestellt, in Ricklingen ist sie noch im Bau. Weitere Abschnitte stehen zur Umsetzung an.Veloroute 09 auf hannover.de
Mittellandkanal