Die Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung, im entsprechenden Kontext auch kurz Unionsliste genannt, wurde von der Europäischen Kommission am 13. Juli 2016 zum ersten Mal veröffentlicht. Sie enthielt in dieser Fassung 37 Tier- und Pflanzenarten, die aus anderen Kontinenten absichtlich oder unabsichtlich in das damalige Gebiet der EU eingeführt wurden (engl. Invasive Alien Species bzw. IAS) und sich mit erheblich nachteiligen Auswirkungen für die Umwelt in der freien Natur verbreitet haben (Schwarze Liste). Es können auch Arten in die Liste aufgenommen werden, die bislang noch nicht in der Europäischen Union vorkommen oder sich in einer frühen Phase der Ansiedlung befinden und höchstwahrscheinlich durch ihre Ausbreitung stark negative Folgen haben würden. Sie gelten als Bedrohung für die Erhaltung der europäischen Ökosysteme und für die Artenvielfalt. Die Liste wurde 2017 um zwölf, 2019 um 17 Arten, 2022 um 22 Arten sowie 2025 um 24 Arten erweitert, sodass die Unionsliste 112 invasive Arten umfasst.
Grundlagen mini|Die Nutria stammt aus Pelztierzuchten und siedelte sich in der Natur an Flüssen und Seen an. mini|Auch der Waschbär entkam aus Pelztierfarmen oder wurde angesiedelt, um „die heimische Fauna zu bereichern“. mini|Die Schwarzkopf-Ruderente ist ein Gefangenschaftsflüchtling. Alle in Kontinentaleuropa verbreiteten Exemplare stammen von wenigen Pärchen ab. mini|Der Marmorkrebs ist eine sich ungeschlechtlich vermehrende Form von Procambarus fallax. Der Krebs breitet sich weltweit aus, gilt als Überträger der Krebspest und verdrängt heimische Arten.
In Europa kommen rund 12.000 gebietsfremde Arten vor (Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen), nur rund 10 bis 15 Prozent davon werden als invasiv angesehen. Als invasiv werden Arten bezeichnet, die sich rasch und unkontrolliert ausbreiten und nachteilige Folgen für die Ökosysteme und die mit diesen verbundene biologische Vielfalt sowie andere soziale, gesundheitliche oder wirtschaftliche Auswirkungen haben.
Publiziert wurde die Liste als Durchführungsverordnung (EU) 2016/1141 der Kommission vom 13. Juli 2016, die Liste basiert auf der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates der Europäischen Union vom 22. Oktober 2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten. Dabei folgt die Liste dem Artikel 4 dieser Verordnung, in dem die Erstellung einer gemeinsamen Liste („Unionsliste“) durch die Europäische Kommission gefordert worden war (Abs. 1). Auf die Liste kommen nur solche gebietsfremde invasive Arten, die unionsweite Bedeutung haben. Die Unionsliste soll im Abstand von höchstens sechs Jahren überprüft und regelmäßig aktualisiert werden (Art. 4 Abs. 2 Verordnung (EU) 1143/2014).
Entscheidungen über die Aufnahme einer Art in die Liste werden auf der Grundlage von nachweisgestützten Risikobewertungen gefällt. Die Bewertungen müssen gemäß einheitlich vereinbarter Kriterien durchgeführt werden, so dass eine einmalige Bewertung für die gesamte Europäische Union ausreicht. Die Entscheidung fällt dann ein Ausschuss bestehend aus Experten der Mitgliedsstaaten und der Kommission.
Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union verpflichten sich, zu verhindern, dass die auf der Liste genannten Arten in die EU eingeführt, dort gehandelt, gehalten, gezüchtet oder freigelassen werden. Insbesondere betrifft das auch Zoos, denen die Haltung etwa von Waschbären weiterhin gestattet ist, die sie aber ausbruchssicher unterbringen und ihre Fortpflanzung verhindern müssen.EU-Kommission geht Waschbären an den Pelz. news.ORF.at, 13. Juli 2016.
Die eigentliche Liste findet sich als Anhang der Durchführungsverordnung vom 13. Juli 2016 und enthält auch KN-Codes (harmonisierte Warensystematik der EU), um die Überprüfung bezüglich Import und Verbreitung zu erleichtern.
In die Liste aufgenommen werden nur Arten, bei denen eine Erfolgsprognose ergeben hat, dass durch die Aufnahme in die Unionsliste die nachteiligen Auswirkungen tatsächlich verhindert, minimiert oder abgeschwächt werden können. Die betreffende Art muss in mindestens zwei Mitgliedsstaaten in der Lage sein, lebensfähige Populationen aufzubauen. Die erwarteten Schäden oder Nachteile müssen wissenschaftlich nachgewiesen worden sein. Nicht in die Liste aufgenommen werden außerdem etwa Arten, die in einigen Teilen der EU invasive Neobiota sind, aber andernorts auch natürlich vorkommen, wie zum Beispiel Schwarzmund-Grundel und andere pontokaspische Grundelarten mit natürlichen Vorkommen in Rumänien.
Liste Tiere 23 invasive Tierarten (Neozoen) wurden 2016 auf die Liste der Europäischen Kommission gesetzt, davon neun Säugetierarten wie das Pallashörnchen, das Grauhörnchen, das Fuchshörnchen, das Gestreifte Backenhörnchen (Burunduk), der Waschbär, der Südamerikanische Nasenbär, die Nutria, der Kleine Mungo und der Chinesische Muntjak. Relativ hoch ist auch der Anteil der Krebstiere mit sechs Arten, außerdem drei Vogelarten, zwei Fischarten, eine Schildkrötenart, eine Froschart und eine Insektenart. Die Liste wurde in den Jahren 2017, 2019, 2022 und 2025 ergänzt. Zwischenzeitlich stehen zwei Amphibienarten, elf Fischarten, sieben Insektenarten, neun Krebsarten, zwei Reptilienarten, 14 Säugetiere, acht Vogelarten, vier Plattwürmer, zwei Muscheln, zwei Schnecken und ein Seestern auf der Liste. Bild Art wissenschaftlicher Name Artengruppe gelistet seit 150px|Pallashörnchen Pallashörnchen Callosciurus erythraeus Pallas, 1779 Säugetiere 150px|Sika-Hirsch Sikahirsch Cervus nippon Temminck, 1838 Säugetiere 150px|Glanzkrähe Glanzkrähe Corvus splendens Viellot, 1817 Vögel 150px|Chinesische Wollhandkrabbe Chinesische Wollhandkrabbe Eriocheir sinensis H. Milne Edwards, 1854 Krebse 150px|Kleiner Mungo Kleiner Mungo Herpestes javanicus É. Geoffroy Saint-Hilaire, 1818 Säugetiere 150px|Nordamerikanischer Ochsenfrosch Nordamerikanischer Ochsenfrosch Lithobates catesbeianus Shaw, 1802 Amphibien 150px|Chinesischer Muntjak Chinesischer Muntjak Muntiacus reevesi Ogilby, 1839 Säugetiere 150px|Nutria Nutria Myocastor coypus Molina, 1782 Säugetiere 150px|Südamerikanischer Nasenbär Südamerikanischer Nasenbär Nasua nasua Linnaeus, 1766 Säugetiere 150px|Kamberkrebs Kamberkrebs Orconectes limosus Rafinesque, 1817 Krebse 150px|Viril-Flusskrebs Viril-Flusskrebs Orconectes virilis Hagen, 1870 Krebse 150px|Schwarzkopf-Ruderente Schwarzkopf-Ruderente Oxyura jamaicensis Gmelin, 1789 Vögel 150px|Signalkrebs Signalkrebs Pacifastacus leniusculus Dana, 1852 Krebse 150px|Amur-Schläfergrundel Amur-Schläfergrundel Perccottus glenii Dybowski, 1877 Fische 150px|Roter Amerikanischer Sumpfkrebs Roter Amerikanischer Sumpfkrebs Procambarus clarkii Girard, 1852 Krebse 150px|Marmorkrebs Marmorkrebs Procambarus fallax (Hagen, 1870) forma virginalis (Martin et al., 2010) Krebse 150px|Waschbär Waschbär Procyon lotor Linnaeus, 1758 Säugetiere 150px|Blaubandbärbling Blaubandbärbling Pseudorasbora parva Temminck & Schlegel, 1846 Fische 150px|Grauhörnchen Grauhörnchen Sciurus carolinensis Gmelin, 1788 Säugetiere 150px|Fuchshörnchen Fuchshörnchen Sciurus niger Linnaeus, 1758 Säugetiere 150px|Burunduk Burunduk Tamias sibiricus Laxmann, 1769 Säugetiere 150px|Heiliger Ibis Heiliger Ibis Threskiornis aethiopicus Latham, 1790 Vögel 150px|Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte Trachemys scripta Schoepff, 1792 Reptilien 150px|Asiatische Gelbfuß-Hornisse Asiatische Gelbfuß-Hornisse Vespa velutina nigrithorax de Buysson, 1905 Insekten 150px|Nilgans Nilgans Alopochen aegyptiaca Linnaeus, 1766 Vögel 150px|Marderhund Marderhund Nyctereutes procyonoides Gray, 1834 Säugetiere 150px|Bisamratte Bisamratte Ondatra zibethicus Linnaeus, 1766 Säugetiere 150px|Neuseeland-Plattwurm Neuseeland-Plattwurm Arthurdendyus triangulatus Dendy, 1894, Jones & Gerard, 1999 Plattwürmer 150px|Gemeiner Sonnenbarsch Gemeiner Sonnenbarsch Lepomis gibbosus Linnaeus, 1758 Fische 150px|Gestreifter Korallenwels Gestreifter Korallenwels Plotosus lineatus Thunberg, 1787 Fische 150px|Hirtenmaina Hirtenmaina / Hirtenstar Acridotheres tristis Linnaeus, 1766 Vögel 150px|Schwarzer Zwergwels Schwarzer Zwergwels Ameiurus melas Fische 150px|Axishirsch Axishirsch Axis axis Säugetiere 150px|Finlayson-Hörnchen Finlayson-Hörnchen Callosciurus finlaysonii Säugetiere 150px|Argus-Schlangenkopffisch Argus-Schlangenkopffisch Channa argus Fische 150px|Amerikanischer Rostkrebs Amerikanischer Rostkrebs Faxonius rusticus Krebse 150px|Westlicher Mosquitofisch Westlicher Mosquitofisch Gambusia affinis Fische 150px|Östlicher Mosquitofisch Östlicher Mosquitofisch Gambusia holbrooki Fische 150px|Kettennatter Kettennatter Lampropeltis getula Reptilien 150px|Goldene Muschel Gold-Muschel Limnoperna fortunei Muscheln 150px|Amerikanischer Streifenbarsch Amerikanischer Streifenbarsch Morone americana Fische 150px|Rußbülbül Rußbülbül Pycnonotus cafer Vögel 150px|Feuerameise Feuerameise Solenopsis geminata Insekten 150px|Rote Feuerameise Rote Feuerameise Solenopsis invicta Insekten 150px|Schwarze Feuerameise Schwarze Feuerameise Solenopsis richteri Insekten 150px|Kleine Feuerameise Kleine Feuerameise Wasmannia auropunctata Insekten 150px|Krallenfrosch Krallenfrosch Xenopus laevis Amphibien 150px|Haubenmaina Haubenmaina Acridotheres cristatellus L., 1758 Vögel 150px|Nordpazifischer Seestern Nordpazifischer Seestern Asterias amurensis Lutken, 1871 Stachelhäuter 150px|Hammerhaiwurm Hammerhaiwurm Bipalium kewense Moseley, 1868 Plattwürmer 150px|Brachyponera chinensis Asiatische Nadelameise„Erster Nachweis in Deutschland; Vollständige Kolonie im Stuttgarter Rosensteinpark“: Badische-zeitung.de 29. März 2026, Martin Oversohl, dpa Problematische Ameisenart erstmals in Deutschland gefunden – im Stuttgarter Zoo;bereits am 2. Juni 2025: mapress.com: BioBlitzed: The first record of Brachyponera chinensis (Emery, 1895) in Germany (Hymenoptera: Formicidae), doi:10.11646/zootaxa.5785.1.11 Brachyponera chinensis Emery, 1895 Insekten 150px|Cipangopaludina chinensis Chinesische Sumpfdeckelschnecke Cipangopaludina chinensis (Gray, 1834) Schnecken 150px|Cherax destructor Yabby Cherax destructor Clark, 1936 Krebse 150px|Kalikokrebs Kalikokrebs Faxonius immunis (Hagen, 1870) Krebse 150px|Paradiesschnecke Paradiesschnecke Marisa cornuarietis L., 1758 Schnecken 150px|Ostasiatische Schlammpeitzger Ostasiatischer Schlammpeitzger Misgurnus anguillicaudatus (Cantor, 1842) Fische Nordchinesischer Schlammpeitzger Misgurnus bipartitus (Sauvage & Dabry de Thiersant, 1874) Fische 150px|Mulinia lateralis Amerikanische Trogmuschel Mulinia lateralis (Say, 1822) Muscheln 150px|Obama nungara Obama nungara Carbayo, Álvarez-Presas, Jones & Riutort, 2016 Plattwürmer 150px|Platydemus manokwari Platydemus manokwari de Beauchamp, 1963 Plattwürmer 150px|Rotohrbülbül Rotohrbülbül Pycnonotus jocosus L., 1758 Vögel 150px|Asiatische Riesenhornisse Asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia Smith, 1852 Insekten
Pflanzen mini|hochkant|Der Durchwachsene Knöterich (Persicaria perfoliata) ist an den nahezu dreieckigen Laubblättern zu erkennen. Auf der Liste von 2016 befanden sich auch 14 Arten von in Europa invasiven Gefäßpflanzen (Neophyten). Die Liste wurde 2017 um neun Arten, 2019 um 13, 2022 um drei und 2025 um acht weitere Arten erweitert:
Bild Art wissenschaftlicher Name Familie gelistet seit 150px|Kreuzstrauch Kreuzstrauch Baccharis halimifolia L. Korbblütler 150px|Karolina-Haarnixe Karolina-Haarnixe Cabomba caroliniana Gray Haarnixengewächse 150px|Dickstielige Wasserhyazinthe Dickstielige Wasserhyazinthe Eichhornia crassipes (Martius) Solms Wasserhyazinthengewächse 150px|Golpar Golpar Heracleum persicum Fischer Doldenblütler