Frida Perlen (* 4. April 1870 in Ludwigsburg; † 22. Dezember 1933 in Freudenstadt) war eine deutsche Pazifistin.

Sie kämpfte in der bürgerlichen Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die staatsbürgerliche Gleichstellung der Frau. Nach dem Ersten Weltkrieg war sie Mitbegründerin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF), der deutschen Sektion der Women’s International League for Peace and Freedom.

Leben Frida Perlen entstammt einer jüdischen Familie aus Ludwigsburg. Hier wurde sie am 4. April 1870 als das zweitjüngstes von zwölf Kindern geboren. Ihr Vater, Carl Kauffmann, war Fabrikant und in zweiter Ehe verheiratet. Er starb, als Frida 13 Jahre alt war. 1871 zog die Familie Kauffmann von Ludwigsburg nach Stuttgart. Zusammen mit seinem Bruder Jakob gründete der Vater dort eine Mechanische Baumwollweberei.

Frida wuchs gut integriert in großbürgerlichen Verhältnissen auf und erhielt die für Mädchen damals übliche Schul- und Allgemeinbildung, um sie auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter vorzubereiten. Sie war Schülerin einer Höheren-Töchter-Schule, die die Mädchen gewöhnlich nach 9 oder 10 Jahren ohne einen qualifizierenden Abschluss verließen. Ein Gymnasium zu besuchen und die Schulausbildung mit dem Abitur abzuschließen blieb den Jungen vorbehalten.

Im Alter von 19 Jahren heiratete Frida den aus Esslingen am Neckar stammenden jüdischen Kaufmann Eugen Perlen. Er war zehn Jahre älter als sie und Teilhaber des 1871 von seinem Vater in Stuttgart eröffneten Tuchgeschäfts Perlen & Cie. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Karl Hans und Alfred, geboren 1891 und 1894. Beide Söhne nahmen am Ersten Weltkrieg teil. Der jüngere, Alfred, fiel bei der Westoffensive im März 1918 in Nordfrankreich. Der ältere, Hans, kehrte kriegsversehrt mit der Württembergischen Silbernen Verdienstmedaille und dem EK II zurück.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten hielt sich Frida Perlen 1933 zunächst in der Schweiz auf. Nach einem Aufenthalt in Genf im April wohnte sie in Zürich im Haus von Clara Ragaz, der Leiterin der Schweizer Sektion der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit [IFFF]. Im Herbst kehrte sie schwer krank nach Deutschland zurück. Sie starb am 22. Dezember 1933 im Kurhaus des jüdischen Arztes Dr. Carl Beer in Freudenstadt. Die Todesursache ist nicht bekannt. Einige ihrer Freundinnen im Ausland vermuteten einen Suizid. Ihre Urne wurde anonym auf dem Pragfriedhof in Stuttgart beigesetzt.

Politisches Engagement Positionierung als Radikale in der bürgerlichen Frauen- und Stimmrechtsbewegung Seit 1904 war Frida Perlen in der bürgerlichen Frauenbewegung aktiv. Hier gehörte sie zum linken Flügel, den „Radikalen“. Im Gegensatz zu den „Gemäßigten“ kämpften diese nicht nur für die Einrichtung von Mädchengymnasien, die Zulassung von Frauen an den Universitäten und die grundsätzliche Möglichkeit für Frauen, über einen Beruf selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Sie verlangten politische Mitbestimmung und staatsbürgerliche Gleichstellung mit den Männern. Die Voraussetzung dafür war die Einführung des Frauenwahlrechts. Als Mitglied im Deutschen Verband für Frauenstimmrecht setzte sich Frida Perlen auch dafür ein.

Die Forderungen der radikalen Frauenrechtlerinnen stießen jedoch nicht nur auf den Widerstand der bisher privilegierten Männer. Der eigene Verband, der Bund deutscher Frauenvereine, der 1894 als Dachverband aller Frauenvereine zur gemeinsamen Vertretung der Interessen der Frauen gegründet worden war, distanzierte sich recht schnell von den radikalen Forderungen zur Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Leitung des BDF und mit ihr die Mehrzahl der sogenannten gemäßigten Frauenvertreterinnen unterstützte die national-chauvinistischen Tendenzen im Deutschen Reich, während die Radikalen ein klares Bekenntnis zu internationaler Friedensarbeit und zum Kampf für das Frauenstimmrecht forderten. Einige radikale Frauenverbände verfolgten daher außerhalb des Dachverbands ihre Ziele, gründeten Zeitschriften zur Publikation von Nachrichten aus der Friedensbewegung und veröffentlichten Artikel gegen Krieg und Militarismus. Zu dem Kampf für Frauenrechte war für Frauenrechtlerinnen wie Frida Perlen der Kampf gegen Militarisierung und Krieg getreten.

Eintritt in die Deutsche Friedensgesellschaft und Gründung einer Frauenvereinigung in der DFG 1913, als die Planung eines Krieges immer deutlicher wurde, trat Frida Perlen der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG) bei. Seit 1899 hatte die Organisation ihren Hauptsitz in Stuttgart. Schon wenige Monate nach ihrem Eintritt wurde Frida Perlen Mitbegründerin des Frauenbundes der DFG.

Die Absicht, einen Verein für Frauen zu gründen, kündigte sie im Frühjahr 1914 im Völker-Frieden, der Mitgliederzeitschrift der Deutschen Friedensgesellschaft, an. Gründungstermin sollte der 7. Deutsche Friedenskongress im Mai sein. In Absprache mit dem Vorstand der DFG, in dem auch Mathilde Planck saß, organisierten sie und eine weitere Stuttgarter Pazifistin im Rahmen dieses Kongresses eine „Tagung pazifistischer Frauen“. Es gelang ihnen, namhafte Unterstützerinnen für eine eigene Frauenorganisation innerhalb der DFG zu gewinnen wie etwa Bertha von Suttner, die erste bedeutende Frau in der Friedensbewegung und Trägerin des Friedensnobelpreises von 1905.

Der offizielle Gründungstermin des Frauenbunds der DFG war schließlich der 24. Mai 1914, wenige Wochen vor Beginn des Ersten Weltkriegs. Mitglieder des Frauenbunds waren satzungsgemäß zugleich auch Mitglied in der DFG. Der Vorstand des Frauenbunds arbeitete anfänglich sehr eng mit der männlichen Leitung der DFG zusammen. Als aktives Mitglied des Frauenbunds hatte Frida Perlen einen Sitz im Vorstand der DFG.

Mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit und einer kleinen Schar von Mitstreiterinnen versuchte sie den Frieden zu retten. Ihr unermüdlicher Einsatz brachte jedoch wenig Erfolg. Das Vorgehen der Pazifistinnen wurde im nationalistischen Kaiserreich als Schande empfunden. Die Mehrheit der Frauen sah es als ihre Pflicht an, an der Seite der Männer zu stehen und einen Krieg auf sich zu nehmen.

In dieser verzweifelten Situation wandte sich der Frauenbund der DFG am 30. Juli 1914 schließlich mit einem Telegramm, unterschrieben von Frida Perlen und Mathilde Planck, direkt an den deutschen Kaiser und bat ihn, im Namen von Millionen deutscher Mütter den Frieden zu erhalten. Der Impuls für das Telegramm ging von Frida Perlen aus. Dazu angeregt hatte sie eine Aktion der Stimmrechtsbewegung in London. Diese hatte am 28. Juli 1914 in einem offenen Brief an den britischen Außenminister und an alle wichtigen Botschafter in London die Mächtigen dazu aufgerufen, „die schreckliche Katastrophe ohne Parallele abzuwenden“.von Leitner, S. 99f.

Der Appell der Pazifistinnen fand keine Beachtung. Sie standen der allgemeinen Kriegsbegeisterung machtlos gegenüber. Die Pazifistinnen gaben jedoch nicht auf und bemühten sich weiter, durch Aufklärungsarbeit und Publikationen zumindest die Frauen doch noch für den Frieden zu gewinnen.

Pazifistische Tätigkeiten während des Ersten Weltkriegs und Bruch mit der DFG Mit dem Flugblatt In ernster Zeit, das im September 1914 dem Völker-Frieden beilag, appellierte Frida Perlen erneut an die fortschrittlichen Frauen und bat um ihre Unterstützung. Die Mütter Europas seien dazu berufen, dem Hass der kriegführenden Völker nicht nachzugeben und für die Beendigung des Kriegs und für das Frauenstimmrecht einzutreten.

Auch dieser Aufruf konnte die Frauen nicht für den Frieden mobilisieren. Der BDF beschloss, die Männer im Feld zu unterstützen, und organisierte über die verschiedenen Frauenverbände den Nationalen Frauendienst zur Kriegsfürsorge. Die kleine Gruppe der radikalen Pazifistinnen war nach Kriegsausbruch sofort völlig isoliert. Die Regierung verbot pazifistische Versammlungen, pazifistische Äußerungen wurden strafbar. Auch die DFG war bereit, in diesem „Verteidigungskrieg“ humanitäre Hilfe zu leisten. Der Frauenbund der DFG mit Frida Perlen im Vorstand verweigerte indes die Hilfe und bestand auf seiner Forderung nach sofortiger Beendigung des Krieges.

Im Oktober 1914 richtete Frida Perlen eine Petition an den Reichskanzler, sich unabhängig vom Kriegsverlauf für Kriegsende und Verständigung einzusetzen. Der Vorsitzende der DFG unterstützte dieses Vorgehen des Frauenbunds nicht. Zum Bruch zwischen DFG und Frauenbund kam es zu Beginn des Jahres 1915, als in Den Haag eine internationale Frauen-Friedenskonferenz zusammentreten sollte. Die männliche Führung der DFG lehnte eine solche Konferenz ab und untersagte eine offizielle Vertretung des Frauenbunds der DFG bei dem Treffen. Frida Perlen ließ sich dadurch nicht abhalten. Sie wirkte bereits im Februar in Amsterdam an der Vorbereitung des Kongresses mit. Zur Teilnahme an dem Kongress, der Ende April 1915 stattfand, wurde ihr dann allerdings von den deutschen Behörden der Pass verweigert. Als Grund wird eine von ihr bei dem Vorbereitungstreffen ausgearbeitete Resolution mit dem Titel Forderung eines Waffenstillstands vermutet, die sie zur Abstimmung bringen wollte.

Der Frauen-Friedenskongress in Den Haag Auf dem Internationalen Frauenfriedenskongress im April 1915 kamen über 1000 delegierte Frauen aus zwölf Ländern zusammen. Aus Deutschland konnten 28 Frauen teilnehmen. Neben dem Protest gegen den „Wahnsinn“ des Krieges und der Forderung nach Einstellung der Kampfhandlungen stand für die delegierten Frauen auch hier die Forderung nach politischer Gleichberechtigung mit den Männern auf der Tagesordnung. Mit großer Professionalität erarbeiteten sie Vorschläge für das Zustandekommen eines Friedensschlusses und die Vermeidung künftiger Kriege. Eine Deputation der Kongressteilnehmerinnen überbrachte nach Abschluss der Konferenz den Regierungen der kriegführenden und neutralen Länder ein Papier mit den Ergebnissen und Beschlüssen der Konferenz zur Kenntnisnahme. Keine Regierung ließ sich zu diesem Zeitpunkt auf die Vorschläge der Pazifistinnen ein. Immerhin fand die Forderung der Pazifistinnen nach einer dauerhaften internationalen Organisation mit einem internationalen Schiedsgericht zur friedlichen Beilegung von Konflikten unter den Völkern Europas im Januar 1918 Eingang in das 14-Punkte-Programm des amerikanischen Präsidenten Wilson für einen Verhandlungsfrieden.

Auf dem Frauen-Friedenskongress gründeten die Pazifistinnen zur Fortführung ihrer Arbeit das Internationale Frauenkomitee für Dauernden Frieden. Dieses sollte in nationalen Ausschüssen weiterarbeiten und nach Beendigung des Krieges einen weiteren internationalen Frauen-Friedenskongress organisieren.

Mitarbeit im Internationalen Frauenkomitee für Dauernden Frieden In Stuttgart stand Frida Perlen für diese Aufgaben bereit. Zudem bemühte sie sich weiter um die Unterstützung pazifistischer Männer. So suchte sie am 15. Mai 1915 in Genf den französischen Schriftsteller und Pazifisten Romain Rolland auf, der Kritik an der nationalistischen Kriegspolitik sowohl Frankreichs als auch Deutschlands übte und zu Verhandlungen riet, anstatt auf Sieg zu setzen. Das Treffen verlief jedoch für beide Seiten unbefriedigend. In seinem anschließenden Tagebucheintrag fühlte sich Rolland von der „stürmischen Pazifistin aus Deutschland“, „eine(r) stattliche(n) Frau von blühendem, cholerischem Aussehen“Lischewski, S. 96. unter Druck gesetzt und konnte nicht auf ihren Vorschlag eingehen, sich an die Spitze der pazifistischen Bewegung in der Schweiz zu stellen.