Der August d’or ist eine Goldmünze, die im Zeitraum von 1752 bis 1827 und 1836 bis 1854 im albertinischen Sachsen, auch als Halber oder Doppelter August d’or, nach dem Vorbild des Louis d’or geprägt wurde. mini|König August in Gold
Prägung für das Königreich Polen Im Jahre 1752 veranlasste der Herzog von Sachsen und Kurfürst Friedrich August II. ohne Verkündung eines neuen sächsischen Münzgesetzes als August III. König von Polen die Prägung neuer Goldmünzen. Als Halb-August d’or, August d’or und Doppel-August d’or sollten sie in Polen umlaufen. Zu dieser wesentlichen Änderung im Münzwesen ist nur eine Verfügung an die Finanzbehörde vom 24. Dezember 1753 bekannt, „daß die zu Leipzig geprägten goldenen Münzen, oder August d’or, eben so wohl, als die in eben dieser Münzstädte ausgemünzten Silber Geldsorten, in den Accis Cassen angenommen werden sollten.“Johann Christoph Stößel: Versuch einer Chur-Sächsischen Münzgeschichte. Chemnitz 1780, S. 952.
Die Prägungen in der Münzstätte Leipzig erfolgten 1752 und 1753 unter dem Münzmeister Johann Georg Gödecke und im Zeitraum von 1753 bis 1756 unter Ernst Dietrich Croll. Auf den Münzen war ein fester Wert von 2½, 5 bzw. 10 Taler angegeben. Das Gepräge zeigt als Münzherrn nur den König von Polen und nicht den Herzog von Sachsen, weil sie im Königreich Polen umlaufen sollten. Für das Heilige Römische Reich deutscher Nation war nur die Prägung von Dukaten als einzige Reichsgoldmünze erlaubt.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde. 1. Auflage. 1974, S. 248 f.Gerhard Schön: Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert 1700–1806. 4. Auflage. 2008, S. 794, Nr. 27–29
Der Münzfuß entsprach dem Louis d’or: 35 Stück auf die rauhe Mark Gold, 21 Karat 8 Grän fein = 902,778 ‰ somit Feingewicht = 6,032 g und Raugewicht = 6,682 g.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde. 1. Auflage. 1974, S. 196 zentriert|mini zentriert|mini August d’or (5 Taler) 1756 August III. König von Polen (1733–1763) Wert = 5 Taler = 30 polnische Gulden Münzstätte Leipzig Prägung 1753–1756 Münzmeister Ernst Dietrich Croll im Amt 1753–1757 Gewicht: 6,64 g Durchmesser: 23,10–23,63 mm Dicke: 1,08 mm Vs.: Brustbild des Königs mit Königskrone im Prunkharnisch mit Überwurf und Ordensband mit Kleinod vom Goldenen Vlies; Name und Herrschertitel als Umschrift in lateinischer Kapitalschrift von links beginnend: DEI GRATIA AUGUSTUS III REX POLONIARUM Rs.: unter der Königskrone zwischen zwei Palmenwedel rundes vierfeldriges Wappen von Polen (Adler) und Litauen (Reiter) und dem hochgeteilten kursächsisches Wappen im Herzschild mit Kurhut; zwischen den Palmenstielen Wertangabe: 5.TH links und rechts der Palmenstiele das geteilte Münzmeisterzeichen: E C Fortsetzung der Titelumschrift und Jahreszahl von oben rechts beginnend: SACRI ROMANI IMPERII ARCHIMARSCHALLUS ET ELECTOR beidseitig Rändelung, Laubrand, freie Prägung, Kehrprägung
Der Münzfuß des Doppel-August d’or entsprach dem des August d’or: 70 Stück auf die rauhe Mark Gold, 21 Karat 8 Grän fein = 902,778 ‰ somit Feingewicht = 12,064 g und Raugewicht = 13,363 g. zentriert|mini zentriert|mini Doppel-August d’or (10 Taler) 1756 August III. König von Polen (1733–1763) Wert = 10 Taler = 60 polnische Gulden Münzstätte Leipzig Prägung 1753–1756 Münzmeister Ernst Dietrich Croll im Amt 1753–1757 Gewicht: 13,26 g Durchmesser: 28,52–28,88 mm Dicke: 1,40 mm Vs.: Brustbild des Königs mit Königskrone im Prunkharnisch mit Überwurf und Ordensband mit Kleinod vom Goldenen Vlies; Name und Herrschertitel als Umschrift in lateinischer Kapitalschrift von links beginnend: DEI GRATIA AUGUSTUS III REX POLONIARUM Rs.: unter der Königskrone zwischen zwei Palmenwedel rundes vierfeldriges Wappen von Polen (Adler) und Litauen (Reiter) und dem hochgeteilten kursächsisches Wappen im Herzschild mit Kurhut; zwischen den Palmenstielen Wertangabe: 10.TH links und rechts der Palmenstiele das geteilte Münzmeisterzeichen: E C Fortsetzung der Titelumschrift und Jahreszahl von oben rechts beginnend: SACRI ROMANI IMPERII ARCHIMARSCHALLUS ET ELECTOR beidseitig Rändelung, Laubrand, freie Prägung, Kehrprägung
Preußen hatte den Wilhelms d’or und dann den Friedrich d’or im Wert von 5 und 10 Talern bereits seit 1737 prägen lassen. Die Prägung im Münzfuß des Louis d’or war lukrativer als die Dukatenprägung. Feingold von 1 g ergab beim Louis d’or einen Wert von 26,5 Groschen während es beim Dukaten nur 24,7 Groschen waren.
Prägung während der preußischen Besetzung von Sachsen Der Siebenjährige Krieg 1756–1763 hatte auch für das Münzwesen schwerwiegende Auswirkungen. Zunächst wurde zur preußischen Kriegsfinanzierung für das Ausland der Friedrich d’or mit den falschen Jahreszahlen 1755, 1756, 1757 und 1759 versehen und mit einem unterwertigen Feingehalt von 15 Karat 4½ Grän (4,2 bis 4,3 g Gold) geprägt. Die Münzen waren etwas dicker und bleicher als die gesetzmäßigen Goldmünzen und verwendeten als Münzbuchstaben ein U statt des V in den Capital-Lettern. Kupfer hat ein niedrigeres spezifisches Gewicht als Gold, was die ungewöhnliche Dicke der Münzen zum Erreichen des vorgeschriebenen Gewichtes verursachte. Es wurden etwa 1,5 Millionen Stück geprägt.Friedrich von Schrötter: Wörterbuch der Münzkunde. 2. Auflage. 1970, S. 394 f.
Selbst noch 16 Jahre nach Kriegsende wurde am 30. November 1779 in Sachsen vor Fälschungen mit der Jahreszahl 1752, dem Münzzeichen A und einem schlechten Gepräge gewarnt. Es soll sich um vergoldetes Messing oder Tomback gehandelt haben. Nach Abgriff der Vergoldung würde die Kupferfarbe sichtbar werden.Johann Christoph Stößel: Versuch einer Chur-Sächsischen Münzgeschichte. Chemnitz 1780, S. 960.
Mit der Besetzung durch Preußen begannen auch in Sachsen minderwertige Münzprägungen. Die Münzstätte Dresden wurde am 9. September 1756 besetzt und stand bis 12. August 1759 unter preußischer Verwaltung mit dem Münzmeister Johann David Billert.
Mittelaugust d’or Die Münzstätte Leipzig blieb bis Februar 1763 unter preußischer Besetzung. 1757 wurde Heinrich Christoph Rudolf Friese als Münzmeister eingesetzt. Hier gelangte Preußen in den Besitz der Originalstempel des August d’or und begann damit die Prägung im geringeren Münzfuß des Kriegs-Friedrich d’or mit 4,2 bis 4,3 g Gold und der Jahreszahl 1755 und 1756.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde. 1. Auflage. 1974, S. 175 Sie werden auch als Mittelaugust d’or bezeichnet. Der Wert betrug nur 3 Taler 11 Groschen 1 Pfennig.Johann Christoph Stößel: Versuch einer Chur-Sächsischen Münzgeschichte. Chemnitz 1780, S. 913Friedrich von Schrötter: Wörterbuch der Münzkunde. 2. Auflage. 1970, S. 394.
Neue August d’or Nach der Verpachtung der Münzstätten an das Berliner Konsortium Veitel Ephraim, Itzig & Co. verringerten die Pächter den Goldgehalt immer weiter.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde. 1. Auflage. 1974, S. 175
Dieser sogenannte Neue August d’or wurde 1761 bis 1763 auch mit nachgemachten Münzstempeln und Vorkriegsjahresangaben geprägt. Der Goldgehalt war zuerst nur 11 Karat, dann nur noch 7 Karat 7¾ Grän. Die Münze war sehr dick, größer und von kupferiger Farbe. Statt 5 Taler hatte sie nur noch einen tatsächlichen Wert von 1 Taler 13 Groschen. Es sollen 2.967.000 Stück geprägt worden sein.Friedrich von Schrötter: Wörterbuch der Münzkunde. 2. Auflage. 1970, S. 457Johann Christoph Stößel: Versuch einer Chur-Sächsischen Münzgeschichte. Chemnitz 1780, S. 913f.
zentriert|mini zentriert|mini Neuer August d’or Sachsen unter preußischer Besetzung Wert = 1 Taler 13 Groschen Münzstätte Berlin Prägung 1761–1762 durch Berliner Konsortium Veitel Ephraim, Itzig & Co. Gewicht: 6,58 g größerer Durchmesser: 25,25–25,56 mm größere Dicke: 1,44 mm Vorder- und Rückseite wie Original, statt Laubrand schräg geriffelter Rand
Preußen soll mit den Fälschungen einen Gewinn von 50 Mio. Reichstalern erzielt haben. Die Folge der Münzfälschungen waren deutliche Preiserhöhungen und eine zunehmende Armut unter der sächsischen Bevölkerung. Der Lohn erhöhte sich nicht, obwohl er mit den schlechten Münzen bezahlt wurde. Nachdem die Fälschungen, auch Ephraimiten genannt, sichtbar wurden, spottete der Volksmund über diese Münzen: „Von außen gut, von innen schlimm – von außen Friedrich, von innen Ephraim.“
Prägung für das kurfürstliche Herzogtum Sachsen Nach dem Siebenjährigen Krieg prägte Sachsen zunächst nur den Dukaten als Goldmünze. Erst mit dem Edikt vom 13. August 1772 wurde die nächste Ausprägung eines August d’or in der Münzstätte Dresden nach dem unveränderten Münzfuß des Louis d’or mit 21 Karat 8 Grän Feingold = 902,778 ‰ verfügt. Sie wurde mit dem gestiegenen Bedarf nach Goldmünzen im Handel begründet. Die rechtliche Möglichkeit des inländischen Umlaufs von Goldmünzen ergab sich durch das Münzedikt vom 14. Mai 1763 zur Einführung des Konventionsmünzfußes für die Kurantmünzen in Sachsen. Münzherr war jetzt Friedrich August III. als Herzog von Sachsen und Kurfürst. Entsprechend änderte sich das Gepräge des August d’or.
Der aktuelle Wert der Goldmünze sollte sich aus den Valvationstabellen für den Louis d’or ergeben und im Inland zwischen 4 Taler 20 Groschen und 5 Taler liegen. Für Geschäfte mit Ausländern galt weiter § 14 des Münzedikts vom 14. Mai 1763, wonach sich der zu erzielende Wert aus den „Handlungsumständen“ ergeben sollte.Johann Christoph Stößel: Versuch einer Chur-Sächsischen Münzgeschichte. Chemnitz 1780, S. 903 f. und 953
Nach den zweimal jährlich veröffentlichten Valvationstabellen blieb der alte Louis d’or und damit auch der August d’or eine Goldmünze mit stabilem Wert:Johann Christoph Stößel: Versuch einer Chur-Sächsischen Münzgeschichte. Chemnitz 1780, S. 958 f. Louis d’or 35 Stück aus der rauhen Mark = 4 Taler 20 Groschen bis 5 Taler Doppelte Louis d’or 17 ¼ Stück aus der rauhen Mark = 9 Taler 16 Groschen bis 10 Taler Halbe Louis d’or 70 ½ Stück aus der rauhen Mark = 2 Taler 10 Groschen bis 2 Taler 12 Groschen
Prägungen erfolgten in der Münzstätte Dresden des Kurfürstentums Sachsen in nachfolgenden Jahren:Helmut Kahnt: Die sächsischen Münzen 1763–1827. 1. Auflage. 2014, S. 40–49. August d’or 1772, 1777–1779, 1781–1782, 1784–1785, 1787–1788, 1790–1795, 1797–1806 Doppel-August d’or 1777–1787, 1790–1791, 1794–1806
zentriert|mini zentriert|mini August d’or (5 Taler) 1777 Friedrich August III. Herzog von Sachsen und Kurfürst (1768–1806) 35 Stück auf die rauhe Mark Feingewicht = 6,032 g Gewicht = 6,682 g Prägung 1772, 1777–1778 Münzmeister Ernst Dietrich Croll (1764–1778) Gewicht: 6,67 g Durchmesser: 23,48–24,05 mm Dicke: 1,06 mm beidseitig Rändelung, Laubrand, freie Prägung, Kehrprägung Vs.: Jugendliches Kopfbild des Kurfürsten mit großer Locke nach rechts, Name und Herrschertitel als Umschrift in lateinischer Kapitalschrift: FRIDERICUS AUGUSTUS DEI GRATIA DUX SAXONIÆ ELECTORATUS = Friedrich August durch die Gnade Gottes Herzog von Sachsen und Kurfürst Rs.: Unter dem Kurhut zwei ovale Schilder, jeweils von einem Lorbeerkranz umgeben, auf einer gestuften Platte mit den Wappen des Erzmarschallamtes und des Herzogtums Sachsen Kursachsen, dazwischen die Anfangsbuchstaben des Münzmeisters: E.D.C. unter der gestufter Platte Wertangabe: 5. THALER und darunter Jahreszahl