Anna und Bernhard Blume bezeichnet das Künstlerpaar Anna Blume (geb. Helming; * 21. April 1936 in Bork/Westfalen; † 18. Juni 2020 in KölnKünstlerin Anna Blume gestorben. Mitteilung des WDR, 21. Juni 2020. Abgerufen am 21. Juni 2020.) und Bernhard Johannes Blume (* 8. September 1937 in Dortmund; † 1. September 2011 in KölnKasper König (Hrsg.): Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf. Ausstellungskatalog. Köln 1984, S. 325.Fotograf Bernhard Blume gestorben. In: Ruhr Nachrichten. 3. September 2011. ().Ingeborg Ruthe: In: Berliner Zeitung. 3. September 2011.). Das Ehepaar ist vor allem bekannt für seine künstlerischen Fotografien: In Serien großformatiger Fotos in Schwarz-Weiß zeigen die beiden inszenierte Geschichten, in denen sie selbst auftreten. Ihre Werke sind über Deutschland hinaus bekannt und in Museen zeitgenössischer Kunst ausgestellt.

Leben Anna Helming und Bernhard Blume lernten sich als Studenten an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf kennen, wo beide von 1960 bis 1965 studierten. Bernhard Blume studierte außerdem von 1967 bis 1970 Philosophie an der Universität Köln. 1967 wurden die Zwillinge Hedwig und Anna († 2008) geboren. Das Künstlerpaar lebte und arbeitete gemeinsam in Köln.

Anna Blume (sen.) war bis 1985 als Werk- und Kunstlehrerin an einem Kölner Gymnasium tätig; Bernhard Blume zur selben Zeit als Kunst- und Philosophielehrer. 1984 nahm Bernhard Blume an der Gruppenausstellung Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf teil. Ab 1987 arbeitete er als Professor für Freie Kunst und Visuelle Kommunikation an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Bernhard Blume starb 2011 wenige Tage vor seinem 74. Geburtstag, Anna Blume 2020 im Alter von 84 Jahren. Die Familiengrabstätte befindet sich auf dem alten Ehrenfelder Teil des Kölner Melaten-Friedhofs.

Werk Das Künstlerpaar erstellte Installationen, großformatige Fotografien und insbesondere in den 1990er Jahren Polaroids.

In den letzten Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt von Inszenierungen und Aktionen mehr auf die Fotografie, der aber oft zeitliche Abläufe zugrunde liegen – selten gibt es Werke als Einzelbilder. Mit ihren Fotografien, meistens großformatigen Serien in Schwarz-Weiß, bildet das Ehepaar Blume nicht die Wirklichkeit ab, sondern versucht mit inszenierter Fotografie, tägliche Erfahrungen aus dem kleinbürgerlichen Milieu bildhaft zu verdichten, oft auch in ironischer Weise.

Beispielsweise war die Serie „Vasen-Extasen“, in der eine Blumenvase in der Wohnung ein surreal-mystisches und feindliches Eigenleben gegen die Bewohner entwickelt, im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt ausgestellt und gehört zum Bestand dieses Museums, neben anderen Werken der Künstler, wie „Im Wald“, wo Bäume ein unheimliches Eigenleben entwickeln. Solche Serien ironisieren Gewohnheiten und Rituale und stellen die vermeintliche Sicherheit der kleinbürgerlichen Lebenswelt durch Chaotisierung in inszenierten Zusammenbruchs-Geschichten in Frage.

Viele ihrer Arbeiten sind in ihrer Heimatstadt Köln im Museum Ludwig zu sehen.

Werke (Auswahl) 1977: Ödipale Komplikationen? (Großbildserie) 1984: Wahnzimmer (Serie) 1985: Küchenkoller (Serie) 1985/86: Trautes Heim (Serie) 1986: Vasenekstasen (Serie; im II. Quartal 2006 im MMK Frankfurt am Main ausgestellt) 1986: Mahlzeit (Serie) 1982–90: Im Wald (Serie) 1987/88: gegenseitig, Eine Polaroidserie (in Köln und auf Teneriffa entstandene Polaroidfoto-Serie; 1990 als Buch im Philomene Magers und Balloni Verlag erschienen) 1994/95: Transzendentaler Konstruktivismus (Serie) 2003: Das Glück ist ohne Pardon / Joy knows no mercy (Ostfildern-Ruit / New York; Buch)

Öffentliche Sammlung (Auswahl) DZ BANK Kunstsammlung, Frankfurt am Main Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin MoMA Bernhard Blume

Demonstrative Identification with the universe. 1971. Kitchen Frenzy. 1986. Opposites D (1989)Bernhard Blume MoMA 2011. Museum für Moderne Kunst (MMK), Frankfurt am Main

Ausstellungen (Auswahl) 1977: documenta 6, Kassel (Bernhard J. Blume) 1984: Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf 1988: Shakespeare-Haus in Köln, Installation „Wahnzimmer“, Bernhard Johannes Blume und Martin Eckrich 1988: DuMonthalle Köln, Made in Cologne 1989: Museum of Modern Art, New York, USA 1991: Museum für Moderne Kunst, Frankfurt 1992: Deichtorhallen Hamburg, „Anna und Bernhard Blume - Zu Hause und im Wald“ 1993: Landesmuseum Münster 1995: Kunsthalle Bremen 1996: Milwaukee Art Museum, USA 1997: Kestnergesellschaft Hannover 1997/1998: Centre National de la Photographie, Paris, Frankreich 2000: Museum Küppersmühle, Duisburg 2002: Museum Folkwang Essen 2003: Kunsthalle Göppingen 2005: Museum Ludwig, Köln: „Kreuzweg“, Sequenz aus „Transzendentaler Konstruktivismus“ 2005: Galerie nationale du Jeu de Paume 2006: Museum Ostwall, Dortmund: „de-konstruktiv“ (Retrospektive) 2007: Haus Konstruktiv, Zürich: „de-konstruktiv“ 2008: Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin: „Reine Vernunft“Anna & Bernhard Blume. Reine Vernunft. Staatliche Museen zu Berlin 2008. (). 2010: Kunstmuseum Bonn, mehrere Arbeiten in „Der Westen leuchtet“ Kunstmuseum Bonn 2010. 2011: Galerie Buchmann, Berlin: „Akionsmetaphern“Malerei mit der Kamera. In: Berliner Morgenpost. 6. Dezember 2010. 2015: Kolumba, Köln: Transzendentaler Konstruktivismus 2015: Centre Pompidou, Paris: La photographie transcendantale 2020: Kunstforum der TU Darmstadt, Darmstadt: „TRAUTES HEIM“ 2024: Kunsthalle Krems, Krems: „Komplizenschaft“ (Retrospektive)

Auszeichnungen 1990: Konrad-von-Soest-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe 1996: Edwin-Scharff-Preis 2000: Kunstpreis Berlin

Literatur und Quellen documenta 6. Katalog. Kassel 1977, ISBN 3-920453-00-X. Band 1: Malerei, Plastik/Environment, Performance. Band 2: Fotografie, Film, Video. Band 3: Handzeichnungen, Utopisches Design, Bücher. Klaus Honnef: 150 Jahre Fotografie. (Erweiterte Sonderausgabe von Kunstforum International: 150 Jahre Fotografie III / Fotografie auf der documenta 6. Band 22). Zweitausendeins, Mainz/Frankfurt am Main 1977. Klaus Urbons: Copy Art. Kunst und Design mit dem Fotokopierer. DuMont Buchverlag, Köln 1991, ISBN 3-7701-2655-6, S. 140. Anna Blume: Die reine Empfindung. Cantz Verlag, Ostfildern 1994, ISBN 3-89322-627-3. Joseph Beuys, Bernhard Johannes Blume, Rainer Rappmann: Gespräche über Bäume. 4. Auflage. FIU-Verlag, Wangen 2006, ISBN 3-928780-11-5. (fiu-verlag.com/) Marion Kittelmann: Heils-Wahn und Zeit-Schwindel im Werk von Anna & Bernhard Blume. 2002, . (Online-Dissertation Universität Wuppertal 2002 Volltext online Dateien im PDF-Format, kostenfrei zugänglich).

Weblinks

Nachlass Anna und Bernhard Blume Museum Haus Konstruktiv Anna und Bernhard Blume bei der Deutsche Börse Photography Foundation Zum Tod des Fotokünstlers Bernhard Blume / Erinnerung an eine Dortmunder Ausstellung revierpassagen.de 3. September 2011 Fotograf Bernhard Blume gestorben dpa 3. September 2011 Damian Zimmermann: Taumelnd im Wahnzimmer / Nachruf: Der Kölner Fotograf Bernhard Blume, dessen Kunst erheitert und erhellt, ist gestorben (PDF; 93 kB) Kölner Stadtanzeiger, 3. September 2011 Anna und Bernhard Blume parrotta.de Thomas Dreher: Bernhard Johannes & Anna Maria Blume - Fotosequenzen. In: Artefactum. Nr. 26, November/Dezember 1988 – Januar 1989, S. 18–23.

Einzelnachweise

Kategorie:Ehepaar Kategorie:Künstlerduo (Bildende Kunst) Kategorie:Künstler der Copy Art (Deutschland)