mini|hochkant|Logo des Malik-Verlages Der Malik-Verlag war ein von 1916 bis 1947 bestehender deutscher Verlag und auf politische und ästhetische Avantgardekunst sowie kommunistische Literatur ausgerichtet. Er ist nach dem Roman Der Malik von Else Lasker-Schüler benannt.

Die Gründung mini|Gedenktafel am Haus, Köthener Straße 38, in Berlin-Kreuzberg Bereits während seiner Jugend entschloss sich Wieland Herzfelde, der Gründer des Malik-Verlages, sich ganz der Literatur zu widmen. Nach Anfängen als Lyriker folgte er seinem älteren Bruder Helmut 1914 nach Berlin und hoffte, dort seine schriftstellerische Laufbahn fortsetzen zu können. Im selben Jahr musste er sich zum Militärdienst melden und schließlich eine Stelle als Sanitäter antreten. Noch während seines Einsatzes als Krankenpfleger traf er mit seinem Bruder die Abmachung, eine Zeitschrift gegen den Krieg herauszugeben. Die Erlebnisse an der Front sollten ihn ein Leben lang prägen und für seine zukünftige Verlagsarbeit ausschlaggebend sein.

Die Neue Jugend Bei der Gründung des Verlages erhielt er moralische oder finanzielle Unterstützung von Harry Graf Kessler, Felix J. Weil, Julian Gumperz, George Grosz, Franz Jung, Else Lasker-Schüler, Johannes R. Becher und Walter Benjamin. Allerdings stellte das Startkapital zur Schaffung des Unternehmens zunächst die kleinere Hürde dar. Die Bildung einer neuen Zeitung, Zeitschrift oder eines Verlages war während des Krieges ohne ausdrückliche Genehmigung der Militärbehörden verboten. Wieland Herzfelde fand jedoch ein juristisches Schlupfloch: Er gründete das Unternehmen mit einer Druckkonzession aus der Vorkriegszeit. 1916 erwarb er für 200 Mark die Rechte an der Schülerzeitschrift Die neue Jugend. Der Anfang war schwer, da die finanziellen Mittel für die Räumlichkeiten einer richtigen Redaktion und für die Materialien zur Herstellung von Druckschriften fehlten. Dennoch sparten die Brüder nicht bei der Druckerei, da ihnen der ästhetische Anspruch der Publikationen von Beginn an wichtig war. Im Juli erschien die siebte Ausgabe der Neuen Jugend (die erste unter der Leitung der Gebrüder Herzfelde im Verlag Neue Jugend) in einer Auflage von 3000 Exemplaren und zu einem Preis von 50 Pfennigen. Auf der Titelseite war Johannes R. Bechers Ode An den Frieden abgedruckt, womit die politische Richtung der Zeitschrift feststand. Nach ständigen Querelen und Zerwürfnissen mit dem ehemaligen Verleger des Hefts, Heinz Barger, kam es zur Umbenennung des Verlags.

John Heartfield, wie sich Helmut Herzfeld mittlerweile aus Protest nannte, griff zu einer List, um die behördliche Bewilligung der politisch brisanten Monatsschrift zu erhalten. Er schrieb dem Chef der Zensur in Potsdam, dass er den einmal begonnenen Roman Der Malik von Else Lasker-Schüler unbedingt zu Ende drucken müsse. Der Malik, so Heartfield, sei ein türkischer Prinz und somit ein Verbündeter des Deutschen Reiches. Die Veröffentlichung des Werkes könne dem deutschen Siegeszug also nur behilflich sein. Die Lizenzerteilung erfolgte unverzüglich, und so wurde der Malik-Verlag am 1. März 1917 mit Sitz in Südende ins Firmenregister der Stadt Berlin eingetragen. Das könnte allerdings bedeuten, dass die Sachbearbeiter der Zensurbehörde die bereits veröffentlichten Auszüge des Romans nicht gelesen hatten, da die „eigenwillige“ inhaltliche Darstellung von John Heartfield einer Genehmigung im Wege hätte stehen müssen. Das Werk besitzt eine poetisch verschlüsselte gesellschaftskritische und pazifistische Aussage als Grundlage, was die offizielle Kriegspropaganda unterlaufen würde.

Das erste Heft der Neuen Jugend im Malik-Verlag (Februar/März 1917, Nr. 11/12) nutzte nur sieben Seiten für die Fortsetzung des Romans. Der restliche Platz wurde wie üblich für Gedichte, Prosastücke und Zeichnungen verwendet.

Erste Publikationen: Zeitschriften und George-Grosz-Mappen Das erste Werk des Verlages war neben der Neuen Jugend eine Zeichenmappe von George Grosz, die insgesamt neun Lithografien enthielt. Herzfelde lernte Grosz bereits 1915 kennen und überredete ihn, nachdem er seine Zeichnungen gesehen hatte, sofort zu einer Mitarbeit im Verlag. Seine eigenen literarischen Stücke konnte Herzfelde im Frühjahr mit der Hilfe von Harry Graf Kessler veröffentlichen, der die expressionistischen Liebesgedichte als „Kriegsdruck der Cranach-Presse Weimar“ auf Zanders-Büttenpapier auflegen ließ und somit den hohen grafischen Anspruch des Verlages weiterhin aufrechterhalten konnte. Die Neue Jugend erschien mittlerweile in einer Wochenausgabe, wurde aber im April verboten, wie auch die gesamte Verlagsarbeit. Man entschied sich schließlich, das Heft illegal zu veröffentlichen. Allerdings befand sich ein Teil der Redakteure einschließlich des Malik-Verlegers während der Herausgabe der frühen Publikationen im Kriegseinsatz (Herzfelde wurde nach seiner Entlassung 1915 erneut eingezogen), was die Arbeit neben den stetig finanziellen Problemen enorm belastete. So wurde die Verlagstätigkeit zwangsläufig bis zum Ende des Krieges eingestellt.

Nach dem Krieg setzte Herzfelde alles daran, den Verlag wieder ins Leben zu rufen. Zusammen mit Heartfield, Grosz und Erwin Piscator, den er während seiner Ausbildung als Funker kennengelernt hatte, trat er am 1. Januar 1919 der neu gegründeten KPD bei. Nachdem der Malik-Verleger zunächst den Widerstand gegen den Krieg zu seiner Hauptaufgabe gemacht hatte, wollte er jetzt den Kampf an der Seite der Arbeiterklasse (unter anderem mit seinen Mitarbeitern Erwin Piscator, Alois Erbach, Rudolf Schlichter und Walter Mehring) antreten. Bereits im Februar erscheint die erste (und gleichzeitig letzte Ausgabe) des Magazins Jedermann sein eigner Fussball, deren Titel besagte, dass man sich nicht treten lassen, sondern selber handeln soll. Da die inhaltlich halb groteske, halb ernste Zeitschrift Kritik an dem Regierungsstil der SPD übte, wurde sie sogleich verboten und brachte dem Verlag sogar einen Gerichtsprozess ein. Wieland Herzfelde sollte sich ab diesem Zeitpunkt fortwährend mit der damaligen Justiz auseinandersetzen und eine Odyssee durch die Berliner Gefängnisse erleiden. Wie schon bei der Neuen Jugend war John Heartfields typographisches Geschick ausschlaggebend für das außergewöhnliche Format des Blatts. Bereits bei der ersten Publikation des Verlages wandte er die Collagetechnik an und gestaltete die Überschrift entgegen der Konvention nicht einfarbig, sondern in Rot/Grün, wobei er die Groß- und Kleinbuchstaben beliebig anordnete. Auch die Fotomontage benutzte er nicht nur geschickt für die verschiedenen Malik-Titel, sondern er kann auf diesem Gebiet sogar als Vorläufer bzw. Erfinder derselbigen genannt werden.

Das Jahr 1919 sollte ganz im Zeichen der Zeitschriften stehen. Der Nachfolger von Jedermann sein eigner Fussball wurde Die Pleite, die mit großformatigen Grosz-Zeichnungen ausgestattet war, jedoch nach sechs Ausgaben 1920 wieder eingestellt werden musste. Die Grundsätze, denen sich der Malik-Verlag verpflichtet fühlte und die er während der gesamten Weimarer Republik aufrechterhalten sollte, waren in Die Pleite schon deutlich erkennbar. Er forderte eine kompromisslose Beteiligung am Kampf gegen die Reaktion im eigenen Land und setzte sich für die Unterstützung der Sowjetunion ein. Zukünftig durfte Die Pleite allerdings als satirische Beilage in der Zeitschrift Der Gegner erscheinen, die Mitte 1919 das erste Mal beim Malik-Verlag gedruckt wurde. Das Magazin stand zunächst unter der Leitung von Julian Gumperz, beschäftigte sich eingehend mit dem Aufbau des Sozialismus und befürwortete den Kampf gegen die Ausbeutung und Unterdrückung der Arbeiterklasse. Später verschmolzen Die Pleite und Der Gegner inhaltlich zu einem Magazin, bis schließlich auch diese Zeitschrift 1922 aufgegeben werden musste.

Der Malik-Verlag und Dada 1916 erlebte der Dadaismus seine Geburtsstunde in Zürich und wurde ein Jahr später von Richard Huelsenbeck, einem der Mitbegründer dieser neuen Kunst- und Literaturrichtung, nach Deutschland gebracht. Zusammen mit George Grosz veranstaltet er die ersten Dada-Abende in der Berliner Sezession am Kurfürstendamm und war Mitglied des legendären Club Dada, dem u. a. auch John Heartfield, Erwin Piscator, Walter Mehring und Hannah Höch angehörten. Wieland Herzfelde trat dieser Gruppe ebenfalls bei und richtete von April bis Dezember 1920 sogar eine eigene Abteilung für dadaistische Erzeugnisse in seinem Verlag ein. Insgesamt sollte er neun Publikationen herausbringen, wie z. B. die Zeitschrift dada 3 und einige Schriften von Huelsenbeck. Auf der ersten (und letzten) Internationalen Dada-Messe im Sommer 1920 gerieten die Justiz und Herzfelde erneut aneinander, da die von Grosz ausgestellte Gott mit uns-Mappe für die Regierung eine „Beleidigung der Reichswehr“ darstellte. Letztendlich kamen sowohl der Verleger als auch der Künstler mit einer Geldstrafe davon, nachdem ihnen zunächst eine sechswöchige Gefängnisstrafe angedroht worden war. Nach der Ausstellung ebbte die Dadabewegung in Deutschland allmählich ab. Die Strömung sollte vor allem Impulse für die Weiterentwicklung der Collagetechnik mit sich bringen und somit auch die gestalterische Aufmachung des Verlages nachhaltig prägen.

1920–1933 mini|Prospektwerbung des Verlags Zu Beginn der zwanziger Jahre wandelte sich das Unternehmen schrittweise von einem Zeitschriften- zu einem Buchverlag. Umfasste das Programm 1920 lediglich neun Buchtitel, so war es ein Jahr später bereits auf 23 Werke angewachsen. Die Bandbreite der herausgegebenen Inhalte war groß und enthielt neben progressiver Gegenwartskunst literarische und politische Essayistik sowie wissenschaftliche Abhandlungen, Märchenbücher und George Grosz-Mappen. Insgesamt wurden in den nächsten Jahren sechs Buchreihen eröffnet, u. a. die Kleine revolutionäre Bibliothek, 1920–1923, 12 Bände und die Rote Roman Serie, 1920–1924, 13 Bände, die sowohl Autoren des In- als auch Auslandes erfassten. Bald wurde der Verlag zum führenden Editionshaus für linksgerichtete Literatur in der Weimarer Republik, der aber dennoch mit einer ständigen Geldknappheit zu kämpfen hatte. So setzte auch diesem Unternehmen die Inflation jener Jahre zu (die letzte Der Gegner-Ausgabe kostete 40 Mark!), das ohne die Unterstützung diverser Mäzene nicht überlebt hätte.

Für Herzfelde spielte die Frage nach der Beziehung von Künstler und Gesellschaft in den frühen zwanziger Jahren eine entscheidende Rolle, die er in seiner Zeitschrift Der Gegner unter dem Fortsetzungsabdruck Gesellschaft, Künstler und Kommunismus ausführlich erörterte. Nach dem Weltkrieg hofften viele „Kunstschaffende“ auf eine grundlegende geistige und politische Neuordnung und wollten ebenso an jener teilnehmen. Der Malik-Verleger sah die Kunst als konkrete Waffe an, mit der er die Bourgeoisie demaskieren und ihre Machenschaften aufdecken wollte. Zu den meisten Malern und Literaten Berlins stand er in irgendeiner Weise in Kontakt und konnte somit Verlagsverbindungen direkt über persönliche Beziehungen knüpfen. Frühe Autoren des Hauses waren u. a. Martin Andersen Nexø, Karl August Wittfogel, Upton Sinclair, Alexander Blok, John Dos Passos, Oskar Maria Graf und Franz Jung.