mini|Spiegelung der historischen Gebäude in der neuen UB mini|UB von der Rempartstraße Die Universitätsbibliothek Freiburg ist die Bibliothek der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Als wissenschaftliche Universalbibliothek erfüllt sie einerseits die Aufgaben einer Hochschulbibliothek, die die Angehörigen der Universität sowie die der Katholischen Hochschule Freiburg, der Evangelischen Hochschule Freiburg, der Pädagogischen Hochschule und der Musikhochschule Freiburg mit Literatur und Informationen versorgt, steht andererseits aber auch allen anderen interessierten Bürgern offen.

Im Jahr 2024 zählte die Bibliothek 473.424 Entleihungen und 3.121.212 Bibliotheksbesuche.

Geschichte

Buchbestände sind an der 1457 gegründeten vorderösterreichischen Universität in Freiburg im Breisgau von Anfang an vorauszusetzen, Bibliotheken 1470 erstmals bekundet und Bibliotheksstatuten 1490 nachgewiesen. Die Benutzung der Fakultätsbibliotheken war auf die Graduierten beschränkt. Der Name „bibliotheca universitatis“ begegnet erstmals 1505 in Senatsprotokollen, wohl für die Bibliothek der Artistenfakultät.

Neben den Büchersammlungen der Fakultäten waren diejenigen der verschiedenen Bursen und Stiftungshäuser für Studenten von Bedeutung (Domus Cartusiana, 1485; Collegium Sapientiae, 1496;Vgl. das Statutenbuch: Johannes Kerer: Statuta Collegii Sapientiae. Satzungen des Collegium Sapientiae zu Freiburg im Breisgau 1497. Faksimile-Ausgabe. Mit einer Einführung herausgegeben von Josef Hermann Beckmann. Lateinischer Text besorgt und ins Deutsche übersetzt von Robert Feger. Thorbecke, Lindau / Konstanz 1957. im 16. Jahrhundert Collegium Battmanicum, Collegium S. Galli, Collegium Pacis). Für den Zuwachs der Bibliotheken waren in den frühen Jahren Stiftungen besonders wichtig.

Bis 1755 erfolgte die Überführung der Büchereien der privaten Stiftungshäuser in den Besitz der Universität, 1755 die Zusammenlegung der Fakultätsbibliotheken. 1755 bis 1757 wurde ein eigener Bibliothekssaal im Kollegiengebäude gestaltet. Dies war räumlich gesehen der Beginn einer zentralen Universitätsbibliothek. Einen hauptamtlichen Bibliothekar gab es seit 1768. Im Hintergrund dieser Maßnahmen standen die Reformen Maria Theresias. Diese wirkten sich auch zunehmend auf die Anschaffungspolitik aus. Mit Aufhebung des Jesuitenordens endete 1773 dessen Präsenz an der Universität Freiburg und dessen Gymnasium Academicum ging in den Besitz der Universität über und die Bibliothek wurde dorthin verlegt. 1791 zog das Gymnasium in die Brunnenstraße und wurde später zum Bertholdgymnasium,Das Bertholdgymnasium erhielt erst wieder nach 1815 eine eigene Bibliothek, s. Frieder Künzel: Bibliothek des Bertholdgymnasiums. In: Bernhard Fabian (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Bd. 7, Olms, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-09581-5, S. 171–172 (Digitalisat). während die Bibliothek an ihrem Standort verblieb. Infolge der Josephinischen Klosterreform 1782 und der Säkularisationen von 1806 kamen zahlreiche Bestände aus den Bibliotheken der aufgelösten Klöster hinzu, so dass der Buchbestand der Universitätsbibliothek stark anwuchs. Die Handschriften der Klosterbibliotheken kamen jedoch nur zu einem geringen Teil nach Freiburg, die wertvolleren Bestände gingen an die Großherzogliche Hofbibliothek in Karlsruhe.

1795 wurde eine für die Literaturerwerbung zuständige Bibliothekskommission gegründet. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts setzte sich die Professionalisierung des Bibliothekar-Berufs durch. 1870/71 war August Wilmanns leitender Bibliothekar (später Generaldirektor der Königlichen Bibliothek in Berlin), danach Karl Dziatzko (später Direktor der Universitätsbibliotheken in Breslau und Göttingen), denen schon 1872 Julius Steup folgte, der bis zu seiner Pensionierung 1912 Direktor blieb. Er nahm eine Neuordnung der Aufstellung vor und legte einen systematischen Katalog nach hauseigenen Regeln an (bis 1967 weitergeführt), der sich in der Grobsystematik an das System von Otto Hartwig anlehnt. Ein neugotischer Bibliotheksneubau von dem Architekten Carl Schäfer wurde 1903 bezogen.

Unter den Direktoren Emil Jacobs (1912–1929) und Josef Rest (1929–1953) wurden verschiedene Reformen der Bibliotheksorganisation vorgenommen: 1924 die Einrichtung eines Leihverkehrs der süddeutschen Bibliotheken, die Einführung des Referatesystems für die fachliche Literaturerwerbung sowie die Katalogisierung und Beratung etwa zur gleichen Zeit, 1932 die Einrichtung einer medizinischen und naturwissenschaftlichen Lehrbuchsammlung, ferner 1930 die Einführung der Preußischen Instruktionen für die alphabetische Katalogisierung und die damit ermöglichte Mitarbeit am Deutschen Gesamtkatalog seit 1931 bis zu dessen Vernichtung im Zweiten Weltkrieg. Die Benutzung wurde durch Einrichtung einer Fotostelle verbessert; der Öffentlichkeitsarbeit dienten Ausstellungen und Publikationen. Im Dritten Reich war die Bibliothek von den politischen Maßnahmen (rassistische Gesetzgebung, Zensur) betroffen und verhielt sich wie ein Großteil des universitären Umfelds weitgehend angepasst. Größere Bestandsverluste blieben der Bibliothek im Zweiten Weltkrieg trotz eines schweren Gebäudeschadens durch eine rechtzeitige Auslagerung wesentlicher Bestände erspart.

Die Nachkriegszeit unter dem Direktorat von Josef Hermann Beckmann (1954–1965) ist durch Reorganisation sowie die Erweiterung und Wiederaufbau des Bibliotheksgebäudes gekennzeichnet.

Eine Neuorganisation erfolgte unter dem Direktorat von Wolfgang Kehr (1967–1994). Sie bestand vor allem im Aufbau eines universitären Bibliothekssystems durch die Einrichtung von Fakultätsbibliotheken und größeren dezentralen bibliothekarischen Einrichtungen und dem Aufbau eines Gesamtkatalogs der Bestände der dezentralen universitären Bibliotheken und sonstiger Freiburger wissenschaftlicher Bibliotheken, der inzwischen durch den Online-Katalog ersetzt wurde. Daneben wurde der weitere Ausbau der Lehrbuchsammlung vorangetrieben und die Katalogsituation verbessert, indem alphabetischer Kataloge zusammengelegt wurden, das erstmals 1960 erschienenen Freiburger Zeitschriftenverzeichnisses neu herausgegeben wurde und ein neuer Sachkatalog nach der Methode Eppelsheimer mit den Katalogdaten ab 1950 begonnen wurde (1994 abgebrochen). Gleichzeitig war es in dieser Zeit möglich, aufgrund der günstigen wirtschaftlichen Voraussetzungen den Bestand intensiv auszubauen. 1990 nahm die Bibliothek die elektronische Katalogisierung im Südwestdeutschen Bibliotheksverbund auf.

Unter dem Direktorat von Bärbel Schubel (1994–2008) erfolgte eine intensive Entwicklung der Informationstechnologien, die Nutzung des Internets nahm eine zentrale Bedeutung an und auch die digitalen Bestände (Erwerbungen, Lizenzen, freie Angebote) wurden von immer größerer Bedeutung. Neue Kommunikationsformen wie das Podcasting werden für wissenschaftliche Zwecke genutzt.

Seit Oktober 2008 ist Antje Kellersohn Leitende Direktorin der Freiburger Universitätsbibliothek.

Liste der Bibliotheksleiter AmtszeitAmtsinhaberBemerkungen1821–1822Johann Kaspar Ruefab 1821 erkrankt1821–1829vakant 1829–1836Carl Zell1837–1843Heinrich Amannab 1843 erkrankt1843–1846Heinrich Joseph Wetzerkommissarisch1846–1850vakant 1850–1853Heinrich Joseph Wetzer1855–1857Theodor Bergk1858–1870Franz von Woringen1870Wilhelm Brambach1870–1871August Wilmanns1871–1872Karl Dziatzko1872–1912Julius Steup1912–1929Emil Jacobs1929–1953Josef Rest1954–1965Josef Hermann Beckmann1967–1994Wolfgang Kehr1994–2008Bärbel Schubel2008–Antje Kellersohn

Gebäude mini|Oberer Büchersaal der ersten Universitätsbibliothek (1898) Ab 1783 wurden die universitären Bestände im umgebauten Festsaal des ehemaligen Gymnasium academicum der Jesuiten in der Jesuitengasse (ab 1866: Bertoldstraße) aufgestellt. Der Kongregationssaal hatte vor dem Umbau eine eingebaute Bühne besessen, sodass er auch als Theatersaal genutzt werden konnte. Dort hatte im Mai 1770 mit einer Aufführung anlässlich des Brautzuges von Marie Antoinette die Geschichte des Theaters in Freiburg begonnen.

Der Umbau nach Plänen des Universitätsbildhauers Joseph Hörr machte daraus eine Barockbibliothek mit deckenhohen Wandregalen und einer umlaufenden Galerie, die von Säulen getragen wurde. Damit war es der erste Zweckbau, der allein der Universitätsbibliothek diente. Ein Umbau 1822 sicherte die längerfristige Nutzung, die jedoch in den folgenden Jahrzehnten durch zunehmenden Platzmangel erschwert wurde. 1944 wurde das Gebäude zerstört.

Rempartstraße mini|Frühere UB an der Rempartstraße (heute Kollegiengebäude IV) Am 22. Februar 1897 wurde ein Neubau an der Rempartstraße genehmigt, der vom Karlsruher Architekten und Oberbaurat Carl Schäfer im neugotischen Stil entworfen worden war.Zum Bau siehe umfassend: Angela Karasch: Der Carl-Schäfer-Bau der Universitätsbibliothek Freiburg (1895–1903). (= Schriften der Universitätsbibliothek Freiburg, Band 9.) Freiburg 1985. (Digitalisat). Das spitz zulaufende Grundstück sollte für einen systematisch vom Eingangsbereich in der Spitze her entwickelten Bau genutzt werden. Der Landtag bewilligte für das Projekt ein Budget von 576.000 Mark. Die Bauleitung übte der Architekt Kiels aus.Leopold von Stengel: Gebäude der Universität. In: Freiburg im Breisgau. Die Stadt und ihre Bauten. H. M. Poppen & Sohn, Freiburg im Breisgau 1898, S. 502.

Die Westseite mit Portal hat eine Länge von 12 und 25 m, an welche sich die nördlichen und südlichen Flügel mit je 50 m anschlossen; diese fanden gegen Osten mit einem 49 m langen Rundflügel abschließende Verbindung. Das Dachgesims liegt 16 m über Straßenhöhe. Im Magazinbau (Bücherraum) wurden fünf Stockwerke angeordnet, während im übrigen Teil des Gebäudes nur drei vorhanden waren. Im Innern liegt ein 420 m² großer Lichthof mit einer Einfahrt an der Südseite. Hier war der Zulauf des Gewerbebachs sichtbar, der die zur Beleuchtung dienende unterirdische Turbinenanlage von 23 PS antrieb.

Im Spätjahr 1896 wurde mit dem Abriss eines Wohnhauses und der Paradiesmühle begonnen, die das Grundstück belegten. Am 5. März 1897 begann die Aushubarbeiten und am 12. Juni die Maurerarbeiten. Mitte Juni 1898 war die Sockelhöhe erreicht. Die Fundamentsohlen lagen teilweise bis 8,5 m unter der Straßenhöhe. Größere Mauertrümmer gesprengter Festungswerke sowie sehr starke andere Mauerzüge durchquerten das Baugelände. Von Süden nach Norden lief ein nasser Graben der die außerordentliche Fundamenttiefe bedingte. Insgesamt wurden 1440 Quadratmeter überbaut. Die Bibliothek bezog ihren Neubau 1903.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Südflügel des Gebäudes zerstört. In den 1950er-Jahren wurde hier ein moderner Neubautrakt für die Verwaltung in unterschiedlicher Geschosshöhe eingefügt und in den vormaligen Innenhof ein neuer Lesesaal eingebaut. Der Bau wurde nach dem Umzug der Bibliothek in den Neubau am Werderring in den 1980er-Jahren zum Kollegiengebäude IV umgebaut mit der Verbundbibliothek mit sechs Instituts- und Seminarbibliotheken im Lesesaal und angrenzenden Räumen. Vor dem Eingang befindet sich eine Bronzeplastik des Marsyas von Alfred Hrdlicka aus dem Jahr 1985.Beschlussvorlage Stadtbahn und Umgestaltung Werhmannstraße, Rotteckring- und Friedrichring, Drucksache G-11/033, Gemeinderatssitzung vom 15. März 2011, abgerufen am 17. September 2013, Ratsinfo- und Bürgerinfosystem der Stadtverwaltung Freiburg im Breisgau

Platz der Universität mini|Ehemaliges Gebäude der UB Freiburg (2005)